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Anfang Dezember fing es an zu schneien. Dichte Schneeflocken hüllten die Landschaft in ein weißes Kleid. Malik und Mariku hatten sich einigermaßen zusammen gerauft, zumindest brüllte Malik nicht sofort los, wenn er Mariku auch nur sah. Bakuras Albträume hatten nachgelassen und auch Ryou hatte sich wieder etwas geöffnet und verbrachte seine Zeit wieder mehr mit Malik. Trotzdem hatte er ihm gegenüber immer noch nicht erwähnt, was zwischen ihm und Bakura vorgefallen war. Nach Maliks Erlebnis mit Mariku war das wohl auch besser. Die Klinge setzte er trotz allem an. Es war schon fast zur Gewohnheit geworden. Ein Laster, wie rauchen.

„Verdammt noch mal!“ Wütend knallte Malik den Hörer auf die Gabel. Kurz darauf hob er wieder ab und hämmerte die Telefonnummer von Zuhause regelrecht in das Nummernfeld, doch zu seinem großen Ärgernis bekam er kein Freizeichen. Seit zehn Minuten versuchte er schon zuhause anzurufen, doch keiner seiner Versuche war von Erfolg gekrönt. Außer Rauschen hörte er gar nichts aus der Leitung.
„Na, geht’s nicht?“ Erschrocken zuckte Malik zusammen und sah Bakura genervt an. Dieser nahm ihm nur den Hörer ab, hob ihn ans Ohr und schüttelte den Kopf. „Das kannst du vergessen. Warte lieber bis der Schneefall leichter wird.“
„Was?“
Bakura legte auf. „Kommt im Winter öfter vor. Die Leitung ist nicht so gut und wenn dann viel Schnee da ist, dann bricht sie total zusammen.“
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“
„Doch, mein voller Ernst.“ Bakura zuckte mit den Schultern. „Probier’s einfach jeden Tag, vielleicht hast du ja mal Glück. Ansonsten ist Weihnachten hier auch echt schön. Gibt auch Geschenke, was Kleines zumindest.“
„Toll“, erwiderte Malik ironisch. „Das hab ich mir immer gewünscht.“ Er hatte gehofft, er konnte seine Weihnachtsferien zuhause verbringen. Zwei Wochen Ruhe wären eine wahre Erholung gewesen. Vielleicht hätte er Isis auch davon überzeugen können, dass er wieder auf eine normale Schule kam. Wenn er ihr all die Dinge über Mariku erzählte, dann holte sie ihn bestimmt wieder zurück. Na ja, fast alle Dinge.
Bakura legte einen Arm um Maliks Schulter. „Die Plätzchen sind wirklich fantastisch und es gibt kleine Küchlein, ein Traum“, schwärmte Bakura. „Bleib bei uns, du wirst es nicht bereuen. Wir können auch an den See fahren und Schlittschuhlaufen.“
„Es gibt hier einen See?“, fragte Malik erstaunt.
„Ja, so ne Stunde von hier ungefähr.“
„Hm, klingt gar nicht so übel.“
„Siehste. Hier ist es auch echt chillig in den Ferien.“ Er machte eine ausschweifende Handbewegung. „Wir haben alles für uns.“
„Aber dann hab ich wieder Mariku im Nacken“, murrte Malik mit finsterer Miene.
„Ich kann ihn ein bisschen von dir fernhalten, aber er ist halt mein Kumpel.“ Bakura zuckte mit den Schultern. „Versuch dich ein bisschen mit ihm zu arrangieren.“ Malik öffnete den Mund um empört zu widersprechen, doch Bakura ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Ja, ich weiß, was passiert ist, aber es lässt sich eh nicht mehr ändern und ihr könnt euch nicht jedes Mal die Köpfe einschlagen, wenn ihr euch seht.“
„Ich weiß“, seufzte Malik. „Warum bist du in Ordnung und er nur so ein Vollidiot?“ Bakura grinste nur.


Verträumt sah Ryou aus dem Fenster, ein Lächeln lag auf seinen Lippen. Er liebte den Winter und den Schnee. Er mochte es, wenn alles weiß wurde und das Leben sich irgendwie verlangsamte, zumindest fühlte es sich für ihn so an. Alles wurde ruhiger und bedächtiger. Als würde die Welt schlafen und der Schnee war die Decke. Ryous Lächeln wurde breiter. Seine Mutter hatte ihn als er klein war gerne „ihre kleine Schneeflocke“ genannt. Auch ein Grund warum er den Schnee so liebte, er erinnerte ihn an seine Mutter. Traurig wandte er den Blick ab. Er vermisste sie. Wenn sie noch am Leben wäre, dann würde es ihm jetzt sicher besser gehen. Er wäre nicht hier und er hätte nie Bakura kennen gelernt.
Mit zittrigen Fingern strich er über seinen Unterarm. Überall waren Schnitte, verheilte und frische. Er konnte nicht damit aufhören. Er hatte es versucht, doch je länger er darauf verzichtete desto stärker wurde sein Bedürfnis zu heulen. Er blutete lieber als auch nur eine Träne zu vergießen.

Ryou lachte leise. Was für ein Idiot er doch war, aber er konnte nicht mehr zurück. Er öffnete das Fenster und Schnee wirbelte in das kleine Badezimmer. Ryou fröstelte leicht, doch es störte ihn nicht. Er setzte sich auf das Fensterbrett und ließ die Beine nach unten baumeln. Er wagte es nicht nach unten zu sehen, denn die Höhenangst war er immer noch nicht los. Tief atmete er die kalte, frische Luft ein. Er fühlte sich unglaublich frei. Summend saß er auf dem Fensterbrett bis ihm zu kalt wurde, dann kletterte er zurück ins Bad und schloss das Fenster.
Ryou nahm das Messer zur Hand und fuhr vorsichtig über die Klinge. Etwas Blut klebte daran. Er drehte den Wasserhahn auf um sie sauber zu machen. Das Blutrinnsal auf seinem Arm war getrocknet und gerade als er es abwaschen wollte öffnete sich die Tür.

„Ryou verdammt, wie lang willst du...“ Mariku stockte als er Ryou sah. Geschockt ließ dieser das Messer fallen und zog den Ärmel über seinen Arm. Es war zu spät; Mariku hatte es gesehen. Marikus Augen verengten sich. „Was soll das werden?“, fragte er scharf. Ryou antwortete nichts, sondern versuchte sich an Mariku vorbei zu drängen, doch Mariku packte ihn am Handgelenk und drückte Ryou gegen den Türrahmen. „Ich wiederhole mich nur ungern, aber ich frage dich noch mal: was soll das werden?“
„Das geht dich nen Scheißdreck an!“, fauchte Ryou und versuchte Mariku von sich zu drücken.
„SAG’S MIR!“
„Seit wann interessieren dich die Probleme anderer?“
„Seit du ein Idiot bist!“ Ryou presste die Lippen aufeinander. „Was soll der Mist? Bist du jetzt völlig bekloppt?“ Ryou drehte den Kopf zur Seite. Was wusste Mariku schon? Er hatte doch keine Ahnung! Mariku packte ihn am Kinn und zwang Ryou ihn anzusehen. „Krieg ich jetzt endlich mal eine Antwort?!“
„Leck mich.“ Mariku ließ Ryou los und trat einen Schritt zurück.
„Du brauchst Hilfe“, sagte Mariku mit ruhiger Stimme.
„Du auch“, erwiderte Ryou und rieb sich das Handgelenk. „Lass mich einfach machen was ich will. Das hat mit dir gar nichts zu tun!“
„Ist das wegen Bakura?“
„Was weißt du schon.“
„Genug. Ich kann dir helfen.“
Ryou brach in schallendes Gelächter aus. Ihm kamen sogar die Tränen. „Du? Du bist doch selbst kaputt! Lass mich in Ruhe, Mariku. Du hast doch keine Ahnung wie ich mir fühle.“ Mit diesen Worten rannte Ryou aus dem Zimmer.
„Doch, ich weiß das ganz genau“, flüsterte Mariku.


Selbst Malik bemerkte, dass mit Mariku etwas nicht stimmte. Er schien sich kaum noch für ihn zu interessieren und war in Gedanken meistens ganz woanders. Nicht, dass Malik das störte... zumindest eigentlich sollte ihn das nicht stören, doch es war einfach ein ungewohntes Gefühl nicht mehr im Mittelpunkt von Marikus Aufmerksamkeit zu stehen. Es machte ihn unruhig, doch er wollte auch nicht bei Bakura nachfragen. Am Ende würde das nur einen falschen Eindruck erwecken.
Doch auch Ryou benahm sich seltsam. Malik hatte das Gefühl, Ryou würde Mariku noch mehr aus dem Weg gehen als er selbst. Er hatte Ryou gefragt, aber der zuckte nur immer mit den Schultern und sagte, dass alles okay wäre.


„Mariku.“ Bakura hatte die Arme vor der Brust verschränkt und sah seinen Freund ernst an. „Raus mit der Sprache.“
„Hm?“ Mariku sah verwirrt auf.
„Irgendwas ist im Busch.“
„Ich weiß nicht, was du meinst.“ Mariku hatte mehrmals den Versuch unternommen mit Ryou zu sprechen, aber Ryou hatte einen Dickschädel aus Granit. Er machte sich Sorgen um den Kleinen. Auch wenn er ihn ständig ärgerte, so mochte er Ryou... irgendwie zumindest. Er wollte nicht, das Ryou weiter abrutschte.
„Mariku“, sagte Bakura langsam. „Hatten wir die Situation nicht erst vor kurzem schon mal, nur anders rum?“
„Es geht nicht um mich“, seufzte Mariku. Es wäre wohl am besten, wenn er Bakura davon erzählte. Vielleicht kam er an Ryou ran. Andererseits, wenn Bakura der Auslöser war konnte er es schlimmstenfalls noch schlimmer machen.
„Geht’s um Malik?“ Mariku schüttelte den Kopf. „Um wen dann?“
„Ich kann’s dir nicht sagen, noch nicht.“
Bakura zog die Stirn kraus. „Du machst mich nur noch neugieriger.“
Mariku stand auf und legte seine Hände auf Bakuras Schultern. „Tu mir einen Gefallen: red mit Ryou, okay?“ Er hatte beschlossen, dass es wohl doch besser war, wenn Bakura und Ryou die Sache klärten. Ryou war sowieso nicht gut auf ihn zu sprechen, am Ende war er es selbst noch, der alles schlimmer machte.
„Mit Ryou?“ Bakura sah Mariku erstaunt an. „Was ist mit ihm?“ Er hatte ja mit vielen gerechnet, doch nicht, dass sich Mariku plötzlich um Ryou sorgte. Stand dieses Jahr denn komplett auf dem Kopf? Verkehrte Welt? „Ich will nicht mit ihm reden.“
„Tu’s oder ich zwing dich. Ihr müsst miteinander reden.“
„Lass es bleiben, Mariku. Misch dich nicht in Dinge ein, die dich nichts angehen!“ Hatte Mariku denn überhaupt nicht zugehört? Er wusste doch, dass durch Ryou die Albträume zurückkamen. Wieso wollte er ihn jetzt zwingen mit ihm zu reden? Was sollte das? Er hatte mit Ryou nichts zu mehr zu besprechen. Sie hatten Sex gehabt. Das war alles. Er hatte es Ryou zuvor gesagt und er war einverstanden gewesen, wenn er sich davon mehr erhofft hatte, dann war das nicht sein Problem. Und was mischte sich Mariku überhaupt ein? „Komm du erst mal mit Malik klar!“ Mit diesen Worten ließ er Mariku einfach stehen.
„Verdammt noch mal“, murmelte Mariku und fasste sich an den Kopf, „bin ich der einzige Vernünftige hier?“


Trotzdem gab Mariku nicht auf. Er ließ nichts unversucht um mit Ryou und Bakura zu reden, aber beide blockten ihn immer wieder ab. Mariku machte das wütend. Am liebsten hätte er beiden die Köpfe zusammengeschlagen. Das war doch zum Kotzen! Wie konnte man nur so starrsinnig sein? Er versuchte auch immer ein Auge auf Ryou zu haben, doch der schaffte es immer wieder Mariku abzuschütteln. Mariku fühlte sich gestresst und dann war auch noch Winter. Er hasste den Winter. Innerlich war er aufgewühlt. Winter stresste ihn sowieso immer und dann auch noch Bakura und Ryou. Er hatte das Bedürfnis sich zu vergraben. Mariku sah auf den Kalender und fühlte sich nicht besser. Er wollte nicht, dass dieser Tag kam. Mariku setzte sich. Was lief dieses Jahr nur falsch?


Malik verstand gar nichts mehr. Jeder verhielt sich seltsam. Es war unschwer zu erkennen, das zwischen Mariku, Bakura und Ryou irgendetwas vorgefallen war, doch keiner war bereit mit ihm zu sprechen. Zumindest Bakura und Ryou nicht, bei Mariku hatte er es nicht versucht, doch langsam begann die Neugierde Überhand zu gewinnen. Er wollte endlich wissen, was Sache war.

Als er Mariku die Treppe hinuntergehen sah rannte er ihm hinter. Er atmete tief durch und rief nach seinem Klassenkamerad. Mariku zuckte zusammen und blieb stehen. Er sah Malik überrascht an. Malik holte zu ihm auf und atmete erst mal tief durch. „Ich muss mit dir reden.“
„Ich hab keine Zeit.“ Er wollte gehen, doch Malik packte ihn am Ärmel.
„Dann nimm dir die Zeit. Ich will jetzt wissen was hier abgeht.“
Mariku sah zur Eingangstür und seufzte. „Komm mit.“ Malik zögerte kurz und folgte ihm dann doch.
Mariku schob seine Hände in seine Jackentaschen. Eigentlich wollte er nicht, dass Malik mitkam, aber er wollte auch nicht länger warten. Er war schon die ganze Zeit so unruhig. Schweigend ging Malik neben Mariku her. Wo wollte er hin? Und warum sagte er nichts? Er wollte endlich eine verdammte Erklärung! Gerade als er Mariku darauf ansprechen wollte, begann dieser seine Erklärung: „Erst mal musst du mir versprechen, dass du es niemandem erzählst und auch nicht mit Bakura und Ryou darüber sprichst. Versprichst du mir das?“ Malik nickte. „Bakura und Ryou haben miteinander geschlafen.“ Überrascht blieb Malik stehen. Mariku ging noch ein paar Schritte bevor er es bemerkte. Er blieb ebenfalls stehen und drehte sich zu Malik um. „Warum so überrascht?“
„Ich wusste das nicht“, murmelte Malik.
„Oh bitte“, Mariku verdrehte die Augen, „so wie du dich aufgeführt hast, hätte ich dir auch nichts erzählt.“ Malik presste die Lippen aufeinander. „Und jetzt komm.“ Sie setzten ihren Weg durch den Schnee fort. Malik bereute es, dass er sich nicht noch eine Jacke geholt hatte. Er verschränkte seine Arme vor der Brust und schob seine Hände unter seine Achselhöhlen. „Ich weiß nicht was genau zwischen ihnen vorgefallen, jedenfalls, Ryou...“ Er zögerte. Sollte er es Malik wirklich erzählen? „Ryou, er, er verletzt sich selbst.“ Wieder blieb Malik stehen und Mariku seufzte genervt. Er packte ihn am Oberarm und zog ihn hinterher. „Ich versuche zwischen den beiden zu vermitteln, aber das sind solche Sturköpfe!“ Er kickte in den Schnee. „Vollidioten! Alle zwei! Ich könnte sie graaaaah!“ Malik war erstaunt Mariku so besorgt zu sehen. So hatte er ihn noch nie erlebt, dabei hatte er immer gedacht, dass zumindest Ryou ihm immer egal war. Manchmal war Mariku wohl doch nicht so übel. „Das war‘s eigentlich. Das ist die ganze Misere.“
„Soll ich nicht lieber irgendwie helfen? Ich kann mit Ryou reden.“
„Nein“, widersprach Mariku bestimmt. „Ich hätte es dir gar nicht erzählen sollen.“ Er stellte sich vor Malik und blockierte ihm den Weg. Er wollte nicht, dass Malik sah wohin er ging. Sie waren schon zu nah. „Geh zurück bevor du erfrierst.“ Er warf einen nervösen Blick über die Schulter.

Malik folgte seinem Blick. „Ist das ein Kreuz?“
„Geh jetzt.“ Mariku wollte ihn wegschieben, doch Malik drängte sich an ihm vorbei.
„Ist das... ein Grab?“ Er sah zu Mariku, doch dieser hatte den Blick abgewandt. Malik bekam eine Gänsehaut; nicht nur wegen der Kälte.
„Du hättest das nicht sehen sollen“, sagte Mariku langsam und hob seinen Blick. Er zog den Reißverschluss seiner Jacke nach unten und zog sie aus. Er hielt sie Malik hin. „Zieh das an, sonst bist du die Ferien über krank.“ Malik zögerte erst, dann griff er doch nach der Jacke und zog sie sich über. Es war einfach zu kalt. Mariku ging auf das Grab zu und Malik begann sich unwohl zu fühlen. Er sollte nicht hier sein. Warum war er nicht gegangen als Mariku ihn darum gebeten hatte? Stumm stand er da und sah zu Mariku.

Das Malik ihn beobachtete machte Mariku noch nervöser. Die Situation war so schon schlimm genug. Sanft wischte er den Schnee vom Kreuz. Er hatte es selbst gemacht. Mariku schloss die Augen. Es war schon so viele Jahre her und doch kam er jedes Jahr an seinem Todestag hierher. An anderen Tagen schaffte er es nicht. „Ich vermiss dich“, murmelte Mariku. „Es tut mir leid.“ Doch seine Worte waren nur Wind. Es war zu spät. Mariku biss sich auf die Unterlippe. „Es tut mir so leid. Ich hätte dich nie wegstoßen sollen.“ Er sah nach oben in den grauen Himmel und dann zu Malik. „Das ist Malik. Er mag mich nicht sonderlich, aber ich...“ Er sprach den Satz nicht zu Ende. „Vergib mir“, flüsterte er, dann drehte er sich um. „Du hättest auch gehen können“, sagte er.
„Ich...“, doch Malik wusste nicht, wie er den Satz beenden sollte. Warum hatte er gewartet? Es interessierte ihn, wer hier begraben lag, doch er fand es falsch zu fragen. „Willst du deine Jacke wieder?“, fragte er stattdessen.
„Nein, lass an bis wir wieder drin sind.“ Schweigend gingen sie nebeneinander zurück. Malik warf Mariku nervös Seitenblicke zu. Sollte er etwas sagen? Die Stille war ihm unangenehm. Mariku hatte seinen Blick auf den Boden gerichtet; er wartete darauf, dass Malik nachfragte. Was sollte er dann antworten? Ihm alles erzählen? Es ging ihn nichts an. Sollte er ihm genau das sagen? Doch Malik verhielt sich grad so friedlich, er wollte das nicht riskieren.

Doch Malik fragte nicht nach und Mariku war erleichtert. Es war schwer für ihn darüber zu sprechen. Außer dem Direktor und Bakura kannte niemand die Wahrheit. „Danke.“ Malik reichte Mariku seine Jacke.
„Kein Problem.“
„Wir... ähm... sehen uns“, stammelte Malik und rannte die Treppe nach oben. Mariku sah ihm hinterher.


Als Malik am ersten Ferientag zum Frühstück ging, war es unmöglich die Weihnachtsdekoration zu übersehen, die scheinbar über Nacht angebracht worden war. Richtig in Ferienlaune war Malik jedoch nicht, auch nicht in Weihnachtsstimmung. Sein Geburtstag stand auch vor der Tür, aber den würde er dieses Jahr wohl kaum feiern. Er hatte bis zuletzt gehofft, dass er doch noch nach Hause konnte, aber das Telefon war immer noch tot. Er hatte es jeden Tag probiert, aber kein Glück gehabt. Der Speisesaal war fast leer, nur wenige Schüler verbrachten ihre Ferien im Internat, darunter auch Ryou, Bakura und Mariku. Seufzend ließ sich Malik auf einen Stuhl sinken und nippte am Orangensaft.
„Morgen“, murmelte Ryou und setzte sich neben ihn.
„Morgen.“ Malik warf ihm einen kurzen Blick zu. „Schlecht geschlafen?“
„Ziemlich“, gähnte Ryou und löffelte lustlos seine Cornflakes.
„Warum bist du nicht liegen geblieben?“
Ryou zuckte mit den Schultern. „Mariku nervt, wie immer halt.“ Malik konnte sich denken mit was Mariku Ryou „nervte“.

Als hätte er seinen Namen gehört betrat Mariku den Speisesaal, kurz nach ihm Bakura. Die beiden sahen nicht aus als hätten sie ein friedliches Aufeinandertreffen gehabt. Mit grimmigen Gesichtern setzte sich Bakura neben Malik und Mariku ließ sich gegenüber von Malik auf einen Stuhl sinken. Sie Atmosphäre war geladen und Malik zwang sein Frühstück so schnell wie möglich hinunter. Vielleicht sollte er einfach alle Drei in einen Raum sperren und sehen was dabei rauskam. So konnte das doch nicht weitergehen. Aber er hatte es Mariku versprochen. Malik stand auf und räumte seinen Teller weg. Aber wieso hielt er sich überhaupt dran? Mariku war ein verdammtes Arschloch. Trotzdem, Malik dachte an das Grab hinter der Schule, es war ein ernstes Thema. Es ging hier um mehr als ihre Auseinandersetzungen. Malik seufzte. Er hasste diese Schule.


Am Morgen seines Geburtstags stapfte Malik ziellos durch den Schnee. Er hasste Schnee. Er war kalt und eklig, aber er hatte es im Gebäude nicht mehr ausgehalten. Bakura war gereizt und aggressiv und Malik kurz davor ihn anzuschreien. Außerdem hatte Bakura wieder angefangen schlecht zu träumen. Malik gähnte. Das hielt nicht nur Bakura wach, sondern auch ihn selbst. Er hatte es Mariku sagen wollen, aber der war nicht weniger gereizt. Er zog sich die Kapuze über den Kopf und blieb vor dem kleinen Teich stehen. Malik ging in die Hocke und wischte den Schnee zur Seite, darunter kam die Eisschicht zum Vorschein. Malik übte mit der Hand Druck darauf aus. Das Eis gab nach und er hörte es knacken.
„Eignet sich nicht so gut zum Schlittschuhlaufen.“ Malik erschrak und richtete sich wieder auf. „Ich bin mal eingebrochen, danach hatte ich die schlimmste Grippe meines Lebens.“ Mariku kam hinter einem Baum hervor. „Sorry, dass ich dich so angefaucht hab.“ Er hatte seine Hände in seinen Jackentaschen vergraben.
„Schon okay.“
„Das Ganze stresst mich ein bisschen.“ Er kam näher.
„Geht’s nicht voran?“
„Kein bisschen.“ Mariku seufzte. „Solche Sturköpfe hab ich im Leben noch nicht gesehen.“ Er wischte den Schnee von der Bank und setzte sich. Malik zögerte einen Moment und tat es ihm dann nach. „Es gibt da noch was.“ Mariku lehnte sich nach vorne und Malik sah ihn abwartend an. „Ich wollte mich dafür entschuldigen, dass ich dich flach gelegt habe als du betrunken warst.“ Malik war so sprachlos, dass er nicht wusste was er dazu sagen sollte. Hatte er sich gerade verhört? Was lief denn jetzt verkehrt? Was war mit Mariku los? Musste er sich Sorgen machen? „Das war nicht richtig. Ich war zwar auch betrunken, aber ich hätt’s auch gemacht, wenn ich’s nicht gewesen wär. Es war schön und ich kann nicht sagen, dass ich es bereue, weil es war wirklich gut, aber es war falsch und deshalb tut’s mir leid.“

Malik schwieg lange und dachte über Marikus Worte nach. Plötzlich schien er ein weniger großes Arschloch zu sein als sonst. Wer hatte schon ahnen können, dass Mariku auch vernünftig sein konnte? So war er ja fast sympathisch. Ihre gemeinsame Nacht hinterließ jedoch immer noch einen bitteren Nachgeschmack, wenn auch inzwischen weniger. Er hatte sich damit abgefunden. Es war eben passiert und er war betrunken gewesen. Jeder machte irgendwas Dummes, wenn er betrunken war. Und er würde einfach niemandem davon erzählen. „Gut, hm?“, sagte er schließlich.
„Ich hab mir viele Gedanken darüber gemacht, was du antworten könntest, aber das war nicht dabei“, lachte Mariku.
„Naja, dafür, dass es mein erstes Mal auf diese Art war und ich auch noch betrunken war.“ Mariku lachte nur noch mehr und auch Malik stimmte mit ein. Es war angenehm sich so mit Mariku zu unterhalten, auch wenn das letzte Mal mit Sex geendet hatte. Diesmal hatten sie aber wenigstens keinen Alkohol.
„Du bist ja echt der Hammer.“
„Ja, das hab ich schon öfter gehört.“

Mariku grinste. „Ich muss dir aber noch was sagen.“
„Noch mehr? Solange kennen wir uns doch noch gar nicht.“
„Heute hast du ja richtig gute Laune.“ Malik zuckte grinsend mit den Schultern. „Jedenfalls, happy Birthday.“ Mariku zog ein grotesk verpacktes Geschenk aus der Jackentasche.
„Danke“, sagte Malik überrascht und nahm das Geschenk entgegen.
„Ich hab’s selbst eingepackt.“
„Man sieht’s.“
„Ich hab mir Mühe gegeben.“
„Das sieht man weniger.“
„Hey!“ Er schlug Malik gegen die Schulter und dieser lachte.
„Danke, aber woher weißt du, dass ich Geburtstag habe?“
„Ich hab so meine Quellen“, antwortete Mariku geheimnisvoll.
„Heißt, du bist ins Büro eingebrochen und hast meine Akte gelesen?“ Malik löste das Geschenkpapier.
„Japp.“
„Du bist krank, weißt du das?“
„Ja.“ Leise lachend schüttelte Malik den Kopf. Eine Tafel Schokolade kam zum Vorschein. „Es ist nichts Besonderes.“ Mariku zuckte mit den Schultern. „Ich hab nie Ideen was Geschenke angeht.“
„Ist okay. Ich mag Schokolade.“ Er löste die Verpackung und brach eine Reihe in zwei Hälften. Eine hielt er Mariku hin.

Während sie die Schokolade aßen sprachen sie nicht viel miteinander. Malik hatte noch nie Marikus Gesellschaft so sehr genossen wie im Moment. Hätte er sich schon zu Beginn so vernünftig verhalten, dann hätten sie richtig gute Freunde werden können. Er war ihm einen verstohlenen Blick zu. Naja, noch war ja nicht alles verloren.

Fortsetzung folgt...

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