Carnivore - Kapitel 13
Feb. 13th, 2012 06:37 pmFandom: Yu-Gi-Oh!
Pairing: Yami no Malik x Malik / Yami no Bakura x Ryou
“Ihr wart laut”, murrte Jonouchi. Die Sonne war inzwischen wieder untergegangen und sie saßen bei spärlichem Licht in der Küche zusammen und verschlangen den Rest ihrer Vorräte.
“Tja…”, fing Mariku an, doch Jou unterbrach ihn gleich wieder: “Nicht ihr! DIE!” Er deutete auf Bakura und Ryou. Ryou senkte den Blick so tief es ihm möglich war und konzentrierte sich auf sein Essen. Bakura hingegen grinste als hätte er gerade einen Preis gewonnen.
“Hat auch lange genug gedauert bis du zum Schuss gekommen bist”, schmunzelte Mariku.
“Hey!” Bakura zeigte mit seiner Gabel auf ihn. “Du bist doch nur neidisch, weil wir lauter waren als ihr.”
“Ist das hier ein Wettbewerb?”, fragte Malik mit hochgezogenen Augenbrauen.
Bakura richtete seine Gabel auf ihn. “Natürlich. Ich stehe immer im Wettkampf zu ihm.” Er deutete auf Mariku. Malik fasste sich seufzend an den Kopf.
“Malik ist lauter”, erklärte Mariku selbstsicher.
“Oh nein, das glaub ich nicht.”
“Es ist mir egal was du glaubst. Ich weiß was Malik für ein Stimmvolumen hat.”
“Du hättest Ryou hören sollen.”
“Ich konnte nicht, Malik war zu laut.”
“Jungs, haltet mal eurer Testosteron im Zaum”, mischte sich Anzu ein.
“Das ist ein sehr wichtiges Thema”, erklärte Bakura ihr. Seine Gabel war inzwischen zu einem Zeigestock geworden.
“Ein wichtiges Thema wäre, wie es denn von jetzt an weitergeht.”
“Stimmt.” Mariku setzte sich aufrecht hin. “Darüber sollten wir uns wirklich Gedanken machen.”
“Wir haben das noch nicht ausdiskutiert!”
“Später. Also, wir brauchen erst mal wieder Vorräte, sonst brauchen wir gar nicht weiterfahren. Danach sollten wir sofort aufbrechen und nicht zu viel Zeit verschwenden.”
“Können wir nicht noch ne Weile hier bleiben? Uns ausruhen und gestärkt weiterfahren?”, schlug Jou vor.
“Wir könnten uns auch komplett hier niederlassen. Wir schießen alle Zombies, dies hier gibt über den Haufen und dann bevölkern wir die Welt von hier aus neu.” Anzu warf Bakura einen mörderischen Blick zu, dem dieser nicht entging. “War nur ein Scherz”, sagte er schnell. “Bitte tu mir nicht weh.”
“Wir brechen in einer Stunde auf und durchkämmen die Stadt”, erklärte Mariku weiter und überging dabei sowohl Bakura als auch Jonouchi. “Wir bleiben dann eventuell noch bis morgen. Kommt aber drauf an wie die Lage hier ist.”
“Du willst doch dann nicht wieder tagelang durchfahren, oder?”
“Nein, wir suchen uns zwischendurch öfter ein Quartier, wo wir mindestens eine Nacht verbringen, damit du uns nicht die Bremsen durchtrittst oder irgendeine Brücke runterjagst.”
“Wieso meckert jeder über meinen Fahrstil?”
“Ich meckere nur, wenn du eine Vollbremsung auf spiegelglatter Straße hinlegst und dabei der Wagen fast umkippt.”
“Er hat sich nur quergestellt”, berichtigte Bakura.
“Wer weiß, was das nächste Mal passiert.” Mariku stand auf und trug seinen Teller zur Spüle.
“Hältst du es wirklich für so eine gute Idee in der Dunkelheit reinzufahren?”, fragte Jonouchi und stellte sich neben Mariku ans Fenster.
“Wenn wir schnell sind können wir uns noch ein paar Stunden ausruhen und dann weiterfahren sobald die Sonne wieder aufgeht. Wir kommen Domino immer näher und ich will so wenig Zeit wie möglich verschwenden.” Er sprach ohne Jou anzusehen. “Ich will endlich alles hinter mir haben.”
“Ha, das kannst du laut sagen.” Jou lehnte sich gegen die Wand und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. “Wenn wir endlich auf so ein Schiff steigen, dann tanz ich nackt im Mondlicht.”
“Erspar uns den Anblick”, sagte Malik, der sich zu den beiden Soldaten gesellte und nicht sehr glücklich aussah. Mariku hatte ihn angewiesen wieder in die Militärklamotten zu schlüpfen, die er am ersten Tag bekommen hatte. Er hatte nur das Shirt gewechselt. “Irgendwas zu sehen?” Er lehnte sich aufs Fensterbrett und drückte sein Gesicht fast gegen die Scheibe.
“Alles ruhig”, antwortete Mariku und wandte sich vom Fenster ab. “Seid ihr fertig?”, rief er.
“Ich schon”, sagte Anzu und zog den Reißverschluss ihrer Jacke hoch. “Baku und Ryou sind noch… beschäftigt.”
Mariku verdrehte die Augen. “Das kann doch nicht wahr sein.” Er durchquerte die Wohnung mit großen Schritten und betrat das Schlafzimmer der anderen Wohnung ohne vorher anzuklopfen. “Anziehen, hopp, hopp!” Mariku drehte sich wieder um und schlug die Tür hinter sich zu. Erst hielt Ryou Bakura mit ner Schrotflinte auf Abstand und jetzt konnten sie die Finger nicht mehr voneinander lassen. “Unglaublich”, murrte Mariku.
“Guck nicht so grimmig.” Lächelnd legte Malik ihm einen Schal um den Hals. “Wir holen uns jetzt ein paar Vorräte, entspannen noch ein paar Stunden und dann fahren wir ans Meer.”
“Bei dir klingt das so einfach”, seufzte er und fuhr sich durch die Haare.
Die Tür hinter ihnen öffnete sich und Bakura sah sie genervt an. “Musste das sein?”
“Ich will los.”
“Du hättest noch fünf Minuten warten können.”
“Theoretisch ja.”
“Ich hasse dich.” Ryou kam hinter Bakura aus dem Schlafzimmer. Er hatte den Blick gesenkt und sah weder Bakura noch Mariku an. Sein Gesicht war gerötet. Ihm war es peinlich, das Mariku sie “erwischt” hatte.
Zehn Minuten später verließen sie das Gebäude. Bakura setzte sich wieder auf den Fahrersitz. Malik wollte nach Jonouchi einsteigen als er eine Bewegung in den Augenwinkeln wahrnahm. Er hielt inne und starrte in die Dunkelheit, doch alles lag ruhig da. “Alles okay?”, wollte Mariku wissen. Malik riss seinen Blick los und nickte.
“Es ist nichts.” Er ließ sich auf den Sitz sinken und Mariku schlug die Tür zu, nachdem er eingestiegen war.
“Jeder bewaffnet?” Alle nickten. “Dann los.”
Sie fuhren tiefer in die Stadt und ein unwohles Gefühl überkam Malik. Die Häuser wirkten mehr zerfallen als zu erwarten gewesen war. Im Außenbezirk waren die Gebäude allesamt intakt gewesen, doch hier waren sie zerfallen. Ganze Mauern fehlten. Mariku hatte die Stirn kraus gelegt.
“Was ist hier nur passiert?” Doch Bakuras Frage wurde schon im nächsten Moment beantwortet als er um eine Kurve fuhr. Er musste scharf abbremsen um nicht gegen einen Panzer zu fahren. “Wow.”
“Wie erwartet”, murmelte Mariku und öffnete die Tür.
“Mariku?”
“Bleibt sitzen”, wies Mariku an und kletterte aufs Wagendach um einen besseren Überblick über die Umgebung zu haben. Vor ihm eröffnete sich ein wahres Schlachtfeld. Panzer standen in den Straßen. Die Gebäude ringsherum waren zerstört worden. Mariku war sich nicht sicher, ob es hier früher einen Marktplatz gegeben hatte oder ob der Platz allein für Kriegszwecke geschaffen worden war. Sie standen am Rande eines Kriegsschauplatzes. In dieser Stadt war massiv gegen die Zombies vorgegangen worden. Er sprang vom Wagen. “Hier kommen wir nicht durch. Wir gehen zu Fuß.”
“Sicher?”, fragte Ryou und sah sich leicht ängstlich um.
“Sonst hätt ich’s nicht gesagt. Bleibt schön zusammen. Wenn ihr was seht oder hört sagt sofort Bescheid.” Er prüfte die Munition in seiner Waffe zum wiederholten Male. “Ich gehe voran, dann Malik, Anzu, Ryou, Bakura und Jonouchi hält uns den Rücken frei. Noch Fragen?”
“Was ist das hier?”, wollte Malik wissen und rutschte von der Sitzbank. Er versank bis zu den Knöcheln im Schnee.
“Hier wurde gegen die Zombies Krieg geführt und das ziemlich heftig, wenn man sich die Gebäude ansieht.”
“Wer hat gewonnen?”
“Ich hoffe wir”, murmelte Ryou.
“Unwahrscheinlich”, erwiderte Mariku. “Dann wären die Panzer nicht so stehen gelassen worden.
“Können wir mit einem Panzer weiterfahren?”, fragte Bakura und starrte mit fast glänzenden Augen das riesige Kriegsgefährt an.
“Ich lass dich ganz sicher keinen Panzer fahren”, stellte Mariku klar. “Und jetzt kommt, wir stehen hier schon viel zu lange rum.”
“Scheiße!”, fluchte Jonouchi plötzlich und jeder drehte sich zu ihm um. Die Waffen bereit zum Schuss. Jonouchi sprang auf einem Bein im Kreis und versuchte etwas abzuschütteln. “Was ist das?”
“Ein Brustkorb”, antwortete Anzu knapp.
“Widerlich.” Er trat die Knochen beiseite und schauderte.
“Hier liegen mehrere Skelette”, stellte Mariku fest. “Aber das war zu erwarten. Kommt jetzt endlich.”
Malik sah sich unruhig um als sie zwischen den Panzern hindurchgingen. Der Boden schien teilweise von Knochen bedeckt zu sein. Malik rechnete jeden Moment damit, dass sich die Skelette von der Straße erhoben und auf sie losgingen, doch nichts dergleichen passierte. Wieder nahm er eine Bewegung aus den Augenwinkeln heraus wahr, doch als er den Kopf in entsprechende Richtung wandte rührte sich nichts.
“Was hast du gesehen?”, fragte Mariku plötzlich und Malik zuckte zusammen.
“Ich bin mir nicht sicher”, erwiderte er leise. “Eine Bewegung vielleicht, aber ich könnte es mir auch nur einbilden. Sie war auch viel zu weit oben.”
“Wo?” Mariku hob die Hand und die Gruppe blieb stehen.
“Da.” Malik deutete auf eine der wenigen intakten Mauern. “Aber wie gesagt, es ist unmöglich. Viel zu hoch.”
Misstrauisch sah Mariku die Mauern nach oben. “Na gut, lasst uns erst mal weitergehen, aber passt auf. Behaltet die Umgebung im Auge.”
“Es ist stockdunkel”, beschwerte sich Jou.
“Dann halt’s Maul und benutz deine Ohren.”
Schweigen senkte sich über die Gruppe, doch außer ihren schweren Schritten im Schnee war nichts zu hören. Malik sah sich unsicher um. Jetzt hatte er schon dreimal gedacht etwas gesehen zu haben, das ließ ihn nervös werden. Gab es hier etwas? Aber nichts konnte an Mauern entlanglaufen.
“Seht euch das an! Krass!” Bakura lief nach vorne. “Geile Scheiße!” Sie traten aus einer schmalen Gasse hervor, die Panzer hatten sie hinter sich gelassen, doch vor ihnen lag nur noch mehr Zerstörung. Ein abgestürzter Helikopter hatte die umliegenden Gebäude zerstört. “Geil!” Bakura war total begeistert und lief am Helikopter auf und ab. “Stellt euch vor das Ding könnte noch fliegen. Ich wollt schon immer mal nen Hubschrauber steuern.”
“Als ob ich das zulassen würde”, erwiderte Mariku.
“Könntest du denn damit fliegen?”
“Theoretisch.”
“Gibt’s eigentlich irgendwas das du nicht kannst?” Mariku legte seine Stirn in Falten, doch anstatt zu antworten spannte er seinen Körper an und starrte mit leicht zusammengekniffenen Augen in die Dunkelheit. “Was…?” Doch Mariku legte seinen Finger auf die Lippen und Bakura schluckte den Rest seines Satzes hinunter. Sie standen alle da und lauschten. Im ersten Moment hörte Malik nichts außer das Atmen der anderen bis sich langsam andere Geräusche herauskristallisierten: Schnee, der scheinbar von den Dächern rutschte, Steine, die an der Mauer herunter rieselten, Schritte oder zumindest etwas, das so ähnlich klang. Etwas näherte sich ihnen; schnell, aber auch vorsichtig.
Malik ließ seinen Blick über die Mauern gleiten und trat geschockt einige Schritte zurück bis er gegen den Helikopter stieß. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er hatte sich nicht geirrt: da war etwas an den Wänden. Er packte Mariku am Arm, doch dieser hatte es schon längst gesehen: Zombies, zumindest vermuteten sie es, die auf allen Vieren an den Wänden entlangliefen.
“Fuck”, hauchte Jonouchi. “Verdammte scheiße! Was ist das? Spiderman-Zombies?”
“Das sind verdammt viele und wir stehen hier wie auf dem Silbertablett”, murmelte Bakura und stellte sich schützend vor Ryou.
“Ach, wie kommst du denn da drauf?”, erwiderte Mariku sarkastisch. Ihre Situation hatte sich drastisch verschlechtert. Der Rückweg war inzwischen versperrt. Seine Augen zuckten unruhig von einer Seite auf die andere.
“Was zum Teufel sind das für Dinger?”, fragte Jou flüsternd.
“Mutationen.”
“Wie? So was hab ich noch nie gesehen.”
“Hier gab’s Krieg, wenn chemische Stoffe eingesetzt worden waren könnte es schon zu Mutationen gekommen sin.”
“Könnte?” Nervosität lag in Anzus Stimme. “Die Viecher laufen über die Wand wie Spinnen. Das hier IST eine Mutation und es wäre großartig, wenn wir diese Diskussion auf später verschieben könnten. Ich ende ungern als Abendessen und die kommen immer näher.”
“Du hast recht.” Mariku analysierte die Situation. “Links sind nicht so viele. Auf Drei laufen wir los. Bleibt zusammen, wir dürfen nicht getrennt werden. Bereit?” Sie nickten. “Eins… zwei… drei!”
Als sie lossprinteten kam auch Bewegung in die Zombies. Sie stießen einen hohen, schrillen Laut aus und Malik wäre fast gestolpert. Er wollte seine Hände auf seine Ohren legen, er hatte das Gefühl ihm platzte das Trommelfell, stattdessen umklammerte er seine Waffe fester und fixierte seinen Blick auf Marikus Rücken. Der Wind brannte in seinen Augen, sodass sie tränten. In den Augenwinkeln sah er Bewegungen an den Mauern neben ihnen. Die mutierten Zombies waren schnell, sehr schnell und sie schienen keinerlei Probleme zu haben mit ihnen Schritt zu halten. Jonouchi verlor die Nerven und schoss zwei der Untoten von den Mauern. Das eröffnete den Kampf. Die Zombies stießen sich von den Wänden ab.
“Lasst euch nicht aufhalten!”, brüllte Mariku. “Fallt nicht zurück!”
Ryou schrie auf als einer der Zombies ihn ansprang und dadurch fast zu Fall brachte. Die Kreatur riss seinen Mund auf um seine Zähne tief in Ryous Körper zu versenken, doch Bakura war schneller. Er legte seinen Arm um den Hals des Zombies und riss ihn zurück. Sie stürzten beide zu Boden und Jonouchi stolperte fast über seinen Kameraden. Ryou schoss zwei Kugeln in den Kopf des Zombies bevor dieser sich über Bakura hermachen konnte. Mit angewidertem Gesicht wischte sich Bakura die Überreste aus dem Gesicht und den Haaren.
“Weiter!” Jonouchi zog Bakura wieder auf die Beine und sie versuchten die anderen wieder einzuholen. Es war einfach ihren Fußspuren zu folgen.
“Verdammt, wo bleibt ihr?”, brüllte Mariku ihnen entgegen und rannte auf der Stelle. “Habt ihr ein Pläuschchen gehalten oder was?”
“Wir hatten ein nettes Tänzchen mit einem dieser Mutanten”, brüllte Bakura zurück und wischte sich seine Hände an seiner vom Schnee nassen Hose sauber.
“Hier rein!” Anzu winkte ihnen von einem Hauseingang aus zu. Malik trat nervös von einem Bein auf das andere. Mariku legte Ryou und Bakura jeweils eine Hand auf den Rücken und schob sie in Richtung Haus. Er trat als letztes ein und schloss die Tür hinter sich. Jeder war außer Atem und die meisten ließen sich auf den Boden sinken. Mariku lehnte sich gegen die Haustür und sah von einem zum anderen. Sein Blick blieb auf Ryou hängen.
“Bist du verletzt?” Ryou schüttelte schnell den Kopf. Er sah weiter zu Bakura. Auch dieser schüttelte den Kopf. “Unsere Lage ist mit einem Wort ausgedrückt scheiße und zwar richtig. Diese Mutanten laufen an Wänden, sie sind schnell und sie können springen. Das verbessert unsere Situation nicht gerade. Wir müssen zurück zum Jeep und dann so schnell wie möglich verschwinden. Wenn wir…”, doch er konnte seinen Satz nicht beenden, denn eine Fensterscheibe zerbrach in einem der Nebenräume. “Verdammt! Weiter!” Die Haustür erzitterte unter plötzlichen Schlägen. “Durchs Haus. Es gibt sicher eine Hintertür.”
Jonouchi verschwendete nicht viel Zeit und zerschoss die gläserne Terrassentür. Sie rannten nach draußen in den Garten. Wieder schallte ein schriller Schrei durch die Nacht. Während sie über den Zaun kletterten wurde Malik bewusst, dass die Zombies keinerlei Probleme damit gehabt hätten in ihr Quartier einzudringen. Sie hätten sie schon während des Tages angreifen können. Er schauderte, hatte aber keine Zeit sich weitere Gedanken darüber zu machen. Seine Beine zitterten inzwischen von der ungewohnten Anstrengung. Es war schon eine Weile her, seit er das letzte Mal so viel laufen musste. Er hatte inzwischen das Gefühl sein Gesicht wäre ihm eingefroren, er weinte schon fast so sehr tränten seine Augen.
Sie erreichten die Parallelstraße, die sehr viel rutschiger war als die vorherige. Malik hatte im ersten Moment Schwierigkeiten sein Gleichgewicht zu halten. Er hielt sich an Jou fest und zog diesen fast mit sich auf den Boden. Sie stützten sich gegenseitig um nicht hinzufallen. “Kommt schon.” Mariku packte Malik am Arm und zog ihn wieder vernünftig auf die Beine. Die Zombies waren direkt hinter ihnen. Sie rannten auf der Parallelstraße zurück in Richtung Jeep. Malik fiel es schwer zu atmen, seine Lungen brannte bei jedem Atemzug und er hatte das Gefühl, sie würden vereisen. Er presste eine seiner Hände in die Seite. Malik geriet ins Stolpern und diesmal konnte er seinen Sturz nicht verhindern. Der Länge nach schlug er auf der Straße auf, nur der Schnee dämpfte seinen Sturz. Seine Mütze rutschte ihm vom Kopf. Für einen Moment dachte er Mariku würde ihm den Arm ausrenken als er ihn brutal wieder hochzog.
“Sie holen auf”, schrie Jonouchi von weiter hinten. Er und Anzu waren etwas zurückgefallen. Jonouchi drehte sich immer wieder um und schoss auf ihre Verfolger. “Komm Anzu.”
“Ja”, presste sie mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Ihre Beinmuskulatur zuckte und es fiel ihr schwer auf dem glatten Untergrund nicht den Halt zu verlieren. Sie versuchte mit Jonouchi Schritt zu halten. Es fühlte sich an als würde man ihr ein Messer in die Brust stechen. Sie hörte deutlich die schnellen Schritte der Zombies hinter ihr.
Mariku kam schlitternd zum Stehen und Malik rannte direkt in ihn. Er hielt sich an seiner Jacke fest um nicht hinzufallen. “Was…?”, keuchte er atemlos, doch er sah schon im nächsten Moment den Grund warum Mariku stehen geblieben war. Die Zombies kamen auch aus der anderen Richtung schnell auf sie zu.
“Nach rechts”, befahl Mariku. Sie rannten zwischen den Gebäuden hindurch, doch die untoten Mutanten ließen nicht locker. Sie holten immer weiter auf.
Sie erreichten den Hinterhof eines Fabrikgebäudes, der halb vereist war. Eines der Rohre, die an den Mauern entlangliefen, war aufgeplatzt und das Wasser gefroren. In einer anderen Zeit und Situation hätte es vielleicht sogar hübsch ausgesehen, aber in ihrer Lage hatten sie kein Auge für so etwas. Die Zombies hatten es einfacher, da sie an den Wänden entlanglaufen konnten. Mariku biss die Zähne zusammen und hatte den Blick auf eine Tür fixiert. Alles in ihm hoffte, dass sie offen war. Das würde ihnen wertvolle Sekunden geben, die sie nutzen konnten um Atem zu schöpfen.
Anzu verlor den Halt auf der Eisfläche. Sie schlug auf dem Boden auf, ihre Waffe rutschte über das Eis. Durch ihre Kniescheiben schoss ein unerträglicher Schmerz. Sie hätte geschrien, wenn sie noch den Atem dafür gehabt hätte. Sie musste die Augen nicht öffnen um zu wissen, dass die Zombies direkt über ihr waren. Ein Schuss dämpfte für einen Augenblick die Geräusche. Jonouchi riss sie hoch, zog sie über das Eis. Verzweifelt krallte Anzu ihre Finger in seinen Arm. Jeder Schritt schmerzte als würde sie mit gebrochenen Beinen laufen. Tränen rannen heiß über ihr Gesicht.
Mariku schloss die Augen als sich seine Finger um den eiskalten Metallgriff legten. Er glaubte an kein höheres Wesen, keinen Gott, doch in diesen Moment stieß er ein Stoßgebet aus. Quietschend glitt die Tür auf und Mariku atmete erleichtert aus.
Dunkelheit umfing sie als Mariku krachend die Tür hinter ihnen zuschlug und sich dagegen lehnte. “Wir haben nicht viel Zeit”, keuchte er. “Atmet durch und dann weiter.” Bakura beugte sich nach vorne und stützte sich mit seinen Händen auf seinen Knien ab. Ryou lehnte an der Wand, er hatte die Augen geschlossen. Malik rieb sich mit den Handschuhen über sein kaltes Gesicht und die Ohren. Seine Lungen brannten und er spürte jeden einzelnen Herzschlag. Er wollte einfach nur zusammenbrechen. Marikus Körper erzitterte als gegen die Tür geschlagen wurde. “Weiter!” Sie setzten sich wieder in Bewegung, doch nicht jeder folgte Mariku. “Anzu? Komm!”
“Geht… lieber ohne mich… weiter.” Ihre Stimme zitterte bei jeder Silbe.
“Anzu?” Langsam ging Mariku auf die am Boden sitzende Frau zu. Ihr Atem ging schwer und das nicht von der Anstrengung. Plötzlich flammte ein Streichholz in der Dunkelheit auf. Jeder drehte sich zu Ryou um.
“Ich dachte, sie wären vielleicht nützlich”, murmelte der Junge.
Im schwachen Licht der kleinen Flammen konnten sie besser erkennen was mit Anzu passiert war. Ihr Gesicht war aschfahl und sie hatte eine Schramme auf der Wange. Ihr linkes Bein hatte sie vom Körper abgewinkelt, die Hosenbeine waren zerfetzt. Aus einer Wunde an der Wade trat Blut aus. Es war eine Bisswunde. Ryou ließ das Streichholz fallen und entzündete ein neues.
“Anzu”, murmelte Mariku. Die Tür erzitterte weiter unter wuchtigen Schlägen, die man von Untoten eigentlich nicht erwartete.
“Schon gut. Irgendwann musste so etwas ja passieren.” Mit zittrigen Händen löste sie die Bauchtasche, die sie trug.
“Anzu.”
“Jetzt werd nicht sentimental, Mariku. Bring lieber die anderen hier raus.” Sie zog den Reißverschluss auf und holte sowohl eine verpackte Spritze als auch ein Fläschchen Morphin heraus. Dass es die Flucht und den Sturz überlebt hatte glich einem Wunder. “Es dauert nicht mehr lange.” Ihre Augen wurden glasig. “Ich will mich nicht erschießen.” Sie schien mehr zu sich selbst zu reden. “Ich hab ein bisschen Angst davor. Außerdem”, ein schwaches Lächeln legte sich auf ihre Lippen, “erschießen sich Frauen nicht. Das ruiniert das schöne Gesicht.” Sie füllte die Spritze mit dem Morphin und sah schließlich auf. “Jetzt verschwindet schon.” Anzu zog ihre Jacke aus und rollte den linken Ärmel nach oben. “Das wird wie einschlafen”, murmelte sie. Ein neues Strichholz flammte auf. “Es war wirklich fast lustig mit euch und jetzt verpisst euch endlich, sonst könnt ihr euch gleich zu mir setzen.”
Malik trat einen Schritt nach vorne, doch Mariku packte ihn an der Schulter. “Wir müssen weiter.”
“Aber…”
“Wir können nichts mehr tun.” Malik sah auf Anzu hinunter, die das Morphin in ihre Vene drückte, dann sah er zu Mariku. Er sah traurig aus. “Los! Weiter!” Sie ließen ihre Freundin zurück und Tränen stiegen in Malik hoch. Der Verlust von Anzu traf ihn härter als erwartet. Sie war der erste richtige Kontakt zu anderen Menschen gewesen nachdem er Rishid verloren hatte. Sie hatte ihm viel geholfen, besonders als er noch nicht mit Mariku klargekommen war. Sie war eine Freundin für ihn geworden.
Mariku stieß eine weitere Tür auf und sie gelangten wieder ins Freie. Weit und breit waren keine Zombies zu sehen. Mariku verlangsamte seine Schritte. “Langsam”, flüsterte Mariku und nutzte die Zeit um sich zu orientieren. Sie gingen nach links weiter und hielten sich dabei dicht an den Wänden. Mariku spähte um jede Ecke und gab ihnen nur mit der Hand Zeichen. Malik sah immer wieder nervös nach oben. Er erwartete jedes Mal Zombies an den Wänden entlanglaufen zu sehen, doch es blieb ruhig. Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln und Malik begann zu frieren. Sein Körper baute das Adrenalin wieder ab und beruhigte sich etwas, auch wenn die Situation alles andere als beruhigend war. Er hatte längst die Orientierung verloren, doch Mariku führte sie zielsicher durch enge Gassen und kleinen Gärten.
Sie erreichten den abgestürzten Helikopter und gingen zwischen den Trümmern in Deckung. “Bleibt hier”, flüsterte Mariku und lief geduckt aus den Trümmern hervor. Er drückte sich an die Wand, die in die Gasse führte durch die sie zuvor geflüchtet waren. Maliks Herz schlug ihm bis zum Hals. Er fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, dass Mariku gerade die Aufmerksamkeit möglicher Zombies auf sich ziehen könnte.
Mariku gab ihnen einen kurzen Wink und sie schlossen zu ihm auf. Ungestört gelangten sie wieder zurück auf den Platz mit den Panzern. Ihr Jeep stand auf der anderen Seite. Noch war er von den schweren Kriegsgefährten verdeckt. Sie schlichen kreuz und quer zwischen den Panzern hindurch bis plötzlich ein Schrei sie zusammenzucken ließ. Maliks Blick wanderte automatisch nach oben. Wie Geister standen die Zombies plötzlich auf den Panzern, die messerscharfen Zähne gebleckt. Es brauchte keinen Befehl von Mariku um die Gruppe zu einem schnelleren Tempo anzutreiben. Mariku und Jonouchi verloren keine Zeit und schossen während Bakura Ryou packte und mit ihm in Richtung Wagen rannte.
“LAUF!”, brüllte Mariku als Malik zauderte. Mariku zog Jonouchi am Arm und drehte sich noch mal zu Malik um. “Lauf verdammt!” Malik setzte sich in Bewegung, Mariku und Jou ein Stück hinter ihm. Bakura ließ den Wagen an. Malik warf einen Blick zurück über die Schulter und landete im nächsten Moment mit dem Gesicht im Schnee. Ein Gewicht drückte ihn zu Boden. Er hörte Mariku schreien und dann einen Schuss. Das Gewicht verschwand und Malik rappelte sich auf, nur um fast erneut wieder zu Boden geworfen zu werden. Untote Finger legten sich um seinen Hals und drückten ihm die Luft ab. Verzweifelt fasste Malik nach hinten und seine Finger gruben sich in leere Augenhöhlen. Den Zombie störte das nicht. Malik spürte seine Zähne und versuchte zappelnd einen Biss zu verhindern.
Wieder knallte ein Schuss und die Welt verlor jedes Geräusch. Malik sah wie sich Marikus Mund öffnete, doch er konnte die Worte nicht verstehen. Etwas Feuchtes rann an Maliks Gesicht und Hals entlang. Langsam hob er die Hand und berührte sein Ohr. Ein brennender Schmerz durchzuckte seinen Körper. Mit geweiteten Augen starrte er auf das Blut an seinen Fingern, dann sah er auf. Mariku starrte ihn geschockt an.
“DU HAST MIR DAS OHR WEGGESCHOSSEN!”, schrie er los. Seine eigenen Worte klangen dumpf in seinen Ohren.
“Na ja… nur einen Teil davon”, verteidigte sich Mariku, doch Malik konnte sich nicht beruhigen, er setzte wieder an Mariku anzuschreien wurde aber von Jou unterbrochen: “Kommt endlich!”
Malik wandte sich von Mariku ab, rannte zum Wagen und rutschte neben Jonouchi auf die Sitzbank. Mariku schlug die Tür zu und Bakura trat aufs Gaspedal. Mit durchdrehenden Reifen raste er die Straße zurück.
Wütend packte Malik Mariku an der Jacke. “Mein Ohr VERDAMMT!”, brüllte er ihn an. “Verdammt noch mal!”
“Tut’s weh?”
“Nein, ich stehe unter Schock”, knurrte Malik und ließ Mariku wieder los. Er unterdrückte das Bedürfnis sich an die Wunde zu fassen. Wieder krallte er sich in Marikus Jacke, doch diesmal aus einem anderen Grund; vor seinen Augen tanzten schwarze Punkte und ihm wurde schlecht.
“Malik?” Besorgt legte Mariku seinen Arm um seinen Freund. “Sorry.” Doch Malik hörte ihn nicht mehr richtig. Es fiel ihm schwer seine Augen offen zu halten. Sein Bewusstsein schwand.
Plötzlich erschütterte etwas das Dach des Jeeps. “Sie sind auf dem Dach”, knurrte Bakura. “Verdammte Drecksviecher!” Er riss das Steuer hart herum, doch sie ließen sich nicht abschütteln. Etwas rammte das Auto und es wurde auf die Seite geschoben. “SCHEISSE!” Bakura verrenkte sich fast die Arme um Kontrolle über den Wagen zu behalten. Mariku hielt den halb ohnmächtigen Malik in den Armen und versuchte damit zu verhindern, dass er zu sehr hin und her geschleudert wurde. Die Heckscheibe zersplitterte.
“Verflucht!” Jonouchi drehte sich um und schoss durch die kaputte Scheibe um die Zombies fernzuhalten.
“Bakura, mach was!”, brüllte Ryou und starrte nach hinten. Seine Finger krallten sich in das Polster der Rückenlehne.
“Ich mach ja, ich mach ja!”, erwiderte Bakura. Seine Fahrmanöver wurden immer waghalsiger. Zwei Zombies rutschten vom Dach nach vorne über die Motorhaube und landeten auf der Straße. “Zwei Sorgen weniger”, murrte Bakura als er sie überfuhr.
“Sie fallen zurück”, erklärte Jonouchi und sank in seinen Sitz zurück.
“Ich glaub, ich muss kotzen”, keuchte Malik. Seine rechte Kopfhälfte brannte wie Feuer.
“Wir…”, doch Mariku konnte den Satz nicht beenden, denn etwas krachte wieder gegen den Jeep. Sie wurden durchgeschüttelt und Malik schrie schmerzerfüllt auf als er mit seinem verwundeten Ohr Marikus Schulter streifte. Tränen rannen über seine Wangen.
Bakura riss das Steuer mehrmals herum, trat abrupt auf die Bremse und nutzte die Handbremse um scharf um Kurven zu fahren. Der Wagen schrammte an einer Mauer entlang und er verlor den Seitenspiegel. Sie hatten es fast bis an die Stadtgrenze geschafft als Bakura schließlich die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Sie schlitterten über die glatte Straße und der Wagen geriet in Schräglage. Instinktiv schloss Mariku seine Arme um Malik und drückte ihn an sich, eine Hand auf seinem Hinterkopf.
Der Jeep kippte. Mariku keuchte als das Seitenfenster in seinem Rücken brach. Malik wurde die Luft aus den Lungen gepresst als Jonouchi auf ihm landete. Er konnte nicht einmal schreien. Bakura schlug sich den Kopf am Lenkrad als er gegen Ryou prallte. Niemand rührte sich.
“Alle noch ganz?”, fragte Mariku.
“Ich bin mir nicht sicher”, antwortete Bakura. Seine Arme zitterten als er sich hochhievte.
“Jou verdammt, geh runter!”
“Sorry”, murmelte Jonouchi. Malik atmete schnell und füllte seine Lungen mit Luft. Vorsichtig setzte sich Mariku auf und berührte Malik an der Wange. Malik hatte nicht die Kraft aufzusehen.
“Alles okay?” Malik schüttelte schwach den Kopf. “Jou, lass uns nach draußen.” Er ließ Malik von sich gleiten und lehnte ihn behutsam gegen die Rückbank. Jonouchi stieß die Tür auf und stemmte sich nach draußen. Sein Arm knickte ihm weg und er stürzte in den Schnee. “JOU?”
“Mir geht’s gut… irgendwie.”
Mariku kletterte ebenfalls nach draußen. Jonouchi saß gegen den Hinterreifen gelehnt und drückte sich die Hand gegen linken Arm. Sein Ärmel war zerrissen und gab den Blick auf aufgerissene Haut frei. “Sieht schlimm aus.”
“Ach?”, gab Jou sarkastisch von sich.
“Wenn du noch sarkastisch sein kannst, dann ist’s nicht so schlimm.” Mariku sah sich um. “Okay, scheint als hätten sie sich fürs erste verzogen.” Er kletterte wieder auf den Wagen und ließ sich vorsichtig nach unten sinken. Er zog Malik auf die Beine.
“Soll ich helfen?”, fragte Bakura an Mariku gewandt während er Ryou die Hand reichte um ihn nach draußen zu ziehen.
Zusammen hoben sie Malik aus dem Unfallwagen. Malik sank auf die Knie und übergab sich. Sein Körper zitterte. Das Blut in seinem Gesicht war inzwischen getrocknet. Mariku fing ihn auf als er drohte zur Seite zu kippen.
“Scheiße.” Jonouchi kam wieder auf die Beine. “Wir kriegen Besuch.”
“Okay, wer laufen kann läuft, raus aus der Stadt. Verliert euch aber nicht aus den Augen. Lauft einfach die ganze Zeit geradeaus, okay?”, befahl Mariku und ging in die Hocke. “Kannst du auf meinen Rücken steigen?” Malik nickte und schlang seine Arme und Beine um Marikus Körper. Mariku verzog das Gesicht vor Schmerz als er Malik hochhob, doch er ließ sich nichts anmerken.
“Lass mich hier, Mariku”, flüsterte Malik plötzlich. “Ich halt dich nur auf.”
“Red keinen Scheiß. Das ist nur ne kleine Wunde, davon stirbst du nicht.”
“Du hast mir das Ohr weggeschossen”, erwiderte Malik leise.
“Alles in Ordnung bei euch?” Jonouchi ließ sich etwas zurückfallen.
“Lauf und sei still”, fauchte Mariku ihn an und beschleunigte selbst etwas. Jeder Schritt jagte einen Schmerzimpuls durch seinen Körper, doch er zwang sich weiter zu laufen. Langsam aber sicher holte er auf. Jou lief teilweise rückwärts um zu sehen ob sie noch verfolgt wurden.
“Ganz schön hartnäckig!”
Sie rannten bis sich am Himmel die ersten Anzeichen für den Sonnenaufgang zeigten. Ryou keuchte und hielt sich die Seite. Er stolperte nach vorne und ging in die Knie. “Ich kann nicht mehr.” Bakura sank gleich neben ihn in den Schnee und streckte die Arme von sich. “Steht auf. Weiter!”, ordnete Mariku an. Er atmete schwer.
“Es ist niemand mehr hinter uns.” Jonouchi stützte sich mit seinen Händen auf seinen Knien ab.
“Lass mich runter, Mariku”, murmelte Malik und lockerte seinen Griff um Marikus Hals. Behutsam setzte er ihn auf den Boden ab, stützte ihn jedoch noch. Es wurde immer heller und sie konnten das Ausmaß ihrer Verletzungen sehen. Bakuras rechtes Auge war angeschwollen und nahm schon eine lila-blaue Farbe an. Ryous rechte Gesichtshälfte war von Schnittwunden entstellt. Jonouchis kompletter Oberarm und die Hälfte seines Unterarms waren aufgeschlitzt. Maliks Gesicht und Haare waren mit Blut verschmiert und es war nicht klar zu erkennen, wie viel von seinem Ohr wirklich fehlte. Nur Mariku schien außer ein paar Kratzwunden nichts abbekommen zu haben.
“Was wollen wir jetzt eigentlich machen?” Bakura setzte sich auf. “Keine Karre, keine Waffen und nichts zu fressen.”
“Wir gehen bis wir eine Stadt, ein Dorf oder sonst was erreichen. Wunden verbinden. Ein Fahrzeug besorgen. Vielleicht gibt’s noch was zu essen. Eine andere Wahl haben wir nicht und jetzt hoch mit euch, wir müssen weiter.”
Die Truppe setzte ihren Weg langsamer fort. Mariku stützte immer noch Malik, dieser fühlte sich inzwischen aber schon leicht besser. Zwar zog sich immer noch ein teuflischer Schmerz durch seinen Kopf, aber er fühlte sich nicht mehr so schlapp. Die Welt hatte aufgehört sich zu drehen und er sah auch keine schwarzen Punkte mehr.
Die Sonne stand schon hoch als sie endlich eine Stadt in der Ferne ausmachen konnten. Sie waren alle erschöpft, durchgefroren und hungrig, der Schnee hatte zumindest ihren Durst zum Teil löschen können, doch sie hatten auch noch mit ihren Verletzungen zu kämpfen. Bakuras gesamte rechte Gesichtshälfte war inzwischen verfärbt. Sie stolperten und humpelten mehr durch den Schnee, der ihnen bis zur Mitte der Schienbeine reichte, trotzdem beschleunigten sie als die Stadt in Sicht kam.
“Ich dachte schon wir wären in einem Meer aus Nichts”, seufzte Jonouchi. “Meine Finger sind schon ganz blau.”
“Hättest du dir Handschuhe angezogen...” Mariku ließ den Satz unbeendet.
“Meine Hände fühlen sich aber auch schon ganz taub an, trotz Handschuhen”, mischte sich Ryou ein.
“Siehste!”
“Ja, schon gut, schon gut. Es ist eiskalt, ich weiß.”
Sie erreichten die Stadt und beschlossen, auch wenn Mariku protestierte, gleich das erste Haus zu nehmen. Mariku wollte sich lieber erst umsehen, doch er musste dann doch einsehen, dass sie erst ihre Wunden versorgen mussten.
“Hier ist es auch kalt”, bibberte Jou nachdem sich die Haustür hinter ihnen geschlossen hatte. Sie ließen sich im Wohnzimmer auf der Couch nieder und saßen eng beieinander um sich gegenseitig zu wärmen, nur Mariku stand und sah sich um.
“Ich schau ob ich Verbandsmaterial finde.”
“Du solltest nicht alleine gehen”, sagte Bakura und erhob sich wieder.
Sie durchsuchten das Badezimmer, doch außer einer Packung Pflaster fanden sie nichts was ihnen weiterhalf. “Geh in die Küche und füll ne Schüssel oder einen Topf oder sonst irgendetwas mit Wasser. Ich besorg was zum Verbinden”, ordnete Mariku an.
“Was willst du benutzen?”
“Siehst du dann schon und jetzt besorg Wasser und bring’s zu den anderen.” Bakura zog die Augenbrauen nach oben, drehte sich dann auf dem Absatz um und ließ Mariku allein.
Bakura öffnete die Küchenschränke bis er auf Töpfe stieß. Er drehte den Wasserhahn auf und wartete darauf, dass das Wasser warm wurde, doch es blieb kalt. Seufzend hielt Bakura den Topf unter den Wasserstrahl.
“Du brauchst ja ganz schön lange für so ne einfache Aufgabe”, sagte Mariku als Bakura mit dem Topf das Wohnzimmer betrat. Er saß auf einem Sessel und schnitt und riss zusammen mit Ryou und Malik Bettlaken und Kleidungsstücke in Streifen. Bakura zog eine Grimasse und stellte den Topf auf den Tisch. Mariku knüllte einen der Streifen zusammen und tränkte ihn im Wasser. Er kniete sich vor Malik und hob dessen Kinn an. Vorsichtig wischte er ihm das getrocknete Blut aus dem Gesicht.
Malik zog scharf Luft ein als Mariku bei seinem Ohr ankam. Tränen sammelte sich in seinen Augen. “Tut mir leid”, murmelte Mariku. Malik legte seinen Kopf leicht schief als Mariku behutsam sein Ohrläppchen berührte und den Schaden begutachtete. Der obere Teil der Ohrmuschel fehlte komplett. Mariku biss sich auf die Unterlippe. Er hatte Malik mit dem Schuss zwar das Leben gerettet, aber er bereute es trotzdem nicht besser gezielt zu haben. Malik würde ihm das ewig vorhalten. Malik presste die Lippen aufeinander und krallte seine Finger ins Polster der Couch während Mariku umsichtig die Streifen als Verband um seinen Kopf legte.
Ryou hatte sich nur das Blut abgewischt und Pflaster auf einen Teil seiner Schnittwunden geklebt. Er sah schon fast ulkig aus mit dem bunten Pflastern im Gesicht. Jonouchi hatte seine Jacke ausgezogen und verarztete mit Hilfe von Bakura seinen Arm. “Sieht schlimm aus”, kommentierte Bakura und zog die Haut um die Wunde herum auseinander.
Jou zog seinen Arm zurück und knurrte. “Spinnst du? Das brennt, verdammt!” Langsam strich er neben dem Schnitt an der Haut entlang. “Er geht ganz schön tief.” Unbeholfen fing er an seinen Arm zu verbinden.
“Lass mich dir helfen, dir kann man ja nicht zuschauen.” Bakura nahm ihm den Stoff ab und verband ihm mit mehreren Streifen den Arm.
“Noch irgendwelche Verletzungen?”, fragte Mariku und stellte sich wieder aufrecht hin. Er schüttelte seine Beine.
“Denk nicht”, antwortete Malik und Mariku sah ihn mich hochgezogenen Augenbrauen an.
“Zieh die Jacke aus.”
“Was? Nein.”
“Komm schon.” Nur widerwillig zog Malik den Reißverschluss nach unten und ließ die Jacke von seinen Schultern gleiten.
“Siehst du, nichts!” Mariku ging wieder auf die Knie und zog Maliks Shirt nach oben. Sein Oberkörper war von blauen Flecken übersät.
“Vom Unfall”, murmelte Mariku und ließ das Shirt wieder sinken.
“Blaue Flecken sind mein kleinstes Problem”, antwortete Malik mit einem leicht wütenden Unterton. Der Schmerz sorgte für schlechte Laune. “Was ist mit dir?”
“Mir geht’s gut”, erwiderte Mariku und wollte sich wieder aufrichten als Malik ihm leicht in die Rippen boxte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sank Mariku wieder zurück auf seine Knie.
“Dir geht’s gut, ja?” Malik stand auf und platzierte Mariku an seiner Stelle auf der Couch. Bei der schnellen Bewegung wurde ihm leicht schwindlig. Er öffnete Marikus Jacke und schob das Shirt nach oben. Auch Mariku hatte Blutergüsse. Vorsichtig betastete er seine Rippen. “Die sollten sich nicht so anfühlen.”
“Sind nur angeknackst”, spielte Mariku die Sache herunter und zog sein Shirt wieder nach unten.
“Wir sollten es trotzdem verbinden”, widersprach Malik, doch Mariku stand schon wieder auf. Malik knirschte mit den Zähnen und boxte ihm erneut gegen die Rippen. Der Soldat fiel zurück auf die Couch.
“Verdammt lasst das!”
“Bakura, gib mir ein paar von diesen Stoffstreifen.“ Mariku gab auf und zog sowohl seine Jacke als auch sein Shirt aus.
“Bleiben wir hier?”, fragte Ryou und rieb sich über die Oberarme.
“Nein”, sagte Mariku während Malik Stoffstreifen um seinen Oberkörper legte, “sobald Malik fertig ist werden wir wieder aufbrechen. Wir suchen nach was zu essen und einem Auto. Ich will schnell weiter.” Er zog sich wieder an und stand auf. Die anderen machten es ihm nach und zusammen traten sie wieder nach draußen in die Kälte. “Wir brauchen als erstes ein Auto.”
“Dann würd ich sagen, wir schauen in die Garage”, schlug Bakura vor und deutete auf das kleine Gebäude nebenan.
Mariku beugte sich nach unten, doch zuckte zusammen und richtete sich wieder auf, mit einer Hand an den Rippen. Bakura öffnete stattdessen das Rolltor der Garage, doch diese war leer. Sie gingen weiter und fanden erst in der übernächsten Garage einen Kleinwagen.
“Jou, deine Künste sind gefragt.”
“DEN willst du?”, hakte Jonouchi ungläubig nach. “Können wir nicht nach einen größeren suchen?”
“Wir haben nicht so viel Zeit. Solange es fährt brauchen wir nichts anderes. Wir können uns später nach etwas anderem umsehen. Wir brauchen jetzt einfach nur einen fahrbaren Untersatz. Also los.”
Jou verdrehte die Augen. Das Auto war nicht abgeschlossen und Jou ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Er ließ den Sitz zurückfahren und beugte sich dann nach unten in den Fußraum. Malik reckte sich um ihm zusehen zu können, doch Jous Oberkörper versperrte ihm die Sicht. Der Wagen gab einen kläglichen Laut von sich und erstarb dann wieder. Jonouchi fluchte lauthals vor sich hin.
Als der Motor endlich ansprang wollte sich Jonouchi triumphierend aufsetzen, doch dabei schlug er sich den Hinterkopf am Lenkrad und sein Jubel wandelte sich zurück in Fluchen.
“Bakura, kannst du noch fahren?”
“Sicher!”, antwortete der Angesprochene und tauschte mit Jou den Platz. Ryou setzte sich gleich auf den Beifahrersitz.
“Was sagt der Tank?”
“Etwas mehr als die Hälfte.”
“Gut, das reicht noch eine Weile.” Mariku setzte sich hinter den Fahrersitz und neben Malik auf die Rückbank. Malik sah nicht begeistert darüber aus, dass er in der Mitte sitzen musste. Er rutschte tief in den Sitz und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Laune wurde nicht besser.
Rückwärts fuhr Bakura aus der Garage. Der Wagen ruckelte etwas und fuhr noch nicht ganz normal durch die lange Standzeit. “Da sind Sommerreifen drauf”, merkte Bakura an. “Wir sollte so bald wie möglich den Wagen wechseln, so kann ich bei diesem Schnee nicht fahren.”
“Lass uns erst einen Supermarkt oder ähnliches finden, dann ein anderes Auto.”
“Du bist der Boss.” Vorsichtig trat Bakura auf das Gaspedal.
Fortsetzung folgt...
Pairing: Yami no Malik x Malik / Yami no Bakura x Ryou
“Ihr wart laut”, murrte Jonouchi. Die Sonne war inzwischen wieder untergegangen und sie saßen bei spärlichem Licht in der Küche zusammen und verschlangen den Rest ihrer Vorräte.
“Tja…”, fing Mariku an, doch Jou unterbrach ihn gleich wieder: “Nicht ihr! DIE!” Er deutete auf Bakura und Ryou. Ryou senkte den Blick so tief es ihm möglich war und konzentrierte sich auf sein Essen. Bakura hingegen grinste als hätte er gerade einen Preis gewonnen.
“Hat auch lange genug gedauert bis du zum Schuss gekommen bist”, schmunzelte Mariku.
“Hey!” Bakura zeigte mit seiner Gabel auf ihn. “Du bist doch nur neidisch, weil wir lauter waren als ihr.”
“Ist das hier ein Wettbewerb?”, fragte Malik mit hochgezogenen Augenbrauen.
Bakura richtete seine Gabel auf ihn. “Natürlich. Ich stehe immer im Wettkampf zu ihm.” Er deutete auf Mariku. Malik fasste sich seufzend an den Kopf.
“Malik ist lauter”, erklärte Mariku selbstsicher.
“Oh nein, das glaub ich nicht.”
“Es ist mir egal was du glaubst. Ich weiß was Malik für ein Stimmvolumen hat.”
“Du hättest Ryou hören sollen.”
“Ich konnte nicht, Malik war zu laut.”
“Jungs, haltet mal eurer Testosteron im Zaum”, mischte sich Anzu ein.
“Das ist ein sehr wichtiges Thema”, erklärte Bakura ihr. Seine Gabel war inzwischen zu einem Zeigestock geworden.
“Ein wichtiges Thema wäre, wie es denn von jetzt an weitergeht.”
“Stimmt.” Mariku setzte sich aufrecht hin. “Darüber sollten wir uns wirklich Gedanken machen.”
“Wir haben das noch nicht ausdiskutiert!”
“Später. Also, wir brauchen erst mal wieder Vorräte, sonst brauchen wir gar nicht weiterfahren. Danach sollten wir sofort aufbrechen und nicht zu viel Zeit verschwenden.”
“Können wir nicht noch ne Weile hier bleiben? Uns ausruhen und gestärkt weiterfahren?”, schlug Jou vor.
“Wir könnten uns auch komplett hier niederlassen. Wir schießen alle Zombies, dies hier gibt über den Haufen und dann bevölkern wir die Welt von hier aus neu.” Anzu warf Bakura einen mörderischen Blick zu, dem dieser nicht entging. “War nur ein Scherz”, sagte er schnell. “Bitte tu mir nicht weh.”
“Wir brechen in einer Stunde auf und durchkämmen die Stadt”, erklärte Mariku weiter und überging dabei sowohl Bakura als auch Jonouchi. “Wir bleiben dann eventuell noch bis morgen. Kommt aber drauf an wie die Lage hier ist.”
“Du willst doch dann nicht wieder tagelang durchfahren, oder?”
“Nein, wir suchen uns zwischendurch öfter ein Quartier, wo wir mindestens eine Nacht verbringen, damit du uns nicht die Bremsen durchtrittst oder irgendeine Brücke runterjagst.”
“Wieso meckert jeder über meinen Fahrstil?”
“Ich meckere nur, wenn du eine Vollbremsung auf spiegelglatter Straße hinlegst und dabei der Wagen fast umkippt.”
“Er hat sich nur quergestellt”, berichtigte Bakura.
“Wer weiß, was das nächste Mal passiert.” Mariku stand auf und trug seinen Teller zur Spüle.
“Hältst du es wirklich für so eine gute Idee in der Dunkelheit reinzufahren?”, fragte Jonouchi und stellte sich neben Mariku ans Fenster.
“Wenn wir schnell sind können wir uns noch ein paar Stunden ausruhen und dann weiterfahren sobald die Sonne wieder aufgeht. Wir kommen Domino immer näher und ich will so wenig Zeit wie möglich verschwenden.” Er sprach ohne Jou anzusehen. “Ich will endlich alles hinter mir haben.”
“Ha, das kannst du laut sagen.” Jou lehnte sich gegen die Wand und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. “Wenn wir endlich auf so ein Schiff steigen, dann tanz ich nackt im Mondlicht.”
“Erspar uns den Anblick”, sagte Malik, der sich zu den beiden Soldaten gesellte und nicht sehr glücklich aussah. Mariku hatte ihn angewiesen wieder in die Militärklamotten zu schlüpfen, die er am ersten Tag bekommen hatte. Er hatte nur das Shirt gewechselt. “Irgendwas zu sehen?” Er lehnte sich aufs Fensterbrett und drückte sein Gesicht fast gegen die Scheibe.
“Alles ruhig”, antwortete Mariku und wandte sich vom Fenster ab. “Seid ihr fertig?”, rief er.
“Ich schon”, sagte Anzu und zog den Reißverschluss ihrer Jacke hoch. “Baku und Ryou sind noch… beschäftigt.”
Mariku verdrehte die Augen. “Das kann doch nicht wahr sein.” Er durchquerte die Wohnung mit großen Schritten und betrat das Schlafzimmer der anderen Wohnung ohne vorher anzuklopfen. “Anziehen, hopp, hopp!” Mariku drehte sich wieder um und schlug die Tür hinter sich zu. Erst hielt Ryou Bakura mit ner Schrotflinte auf Abstand und jetzt konnten sie die Finger nicht mehr voneinander lassen. “Unglaublich”, murrte Mariku.
“Guck nicht so grimmig.” Lächelnd legte Malik ihm einen Schal um den Hals. “Wir holen uns jetzt ein paar Vorräte, entspannen noch ein paar Stunden und dann fahren wir ans Meer.”
“Bei dir klingt das so einfach”, seufzte er und fuhr sich durch die Haare.
Die Tür hinter ihnen öffnete sich und Bakura sah sie genervt an. “Musste das sein?”
“Ich will los.”
“Du hättest noch fünf Minuten warten können.”
“Theoretisch ja.”
“Ich hasse dich.” Ryou kam hinter Bakura aus dem Schlafzimmer. Er hatte den Blick gesenkt und sah weder Bakura noch Mariku an. Sein Gesicht war gerötet. Ihm war es peinlich, das Mariku sie “erwischt” hatte.
Zehn Minuten später verließen sie das Gebäude. Bakura setzte sich wieder auf den Fahrersitz. Malik wollte nach Jonouchi einsteigen als er eine Bewegung in den Augenwinkeln wahrnahm. Er hielt inne und starrte in die Dunkelheit, doch alles lag ruhig da. “Alles okay?”, wollte Mariku wissen. Malik riss seinen Blick los und nickte.
“Es ist nichts.” Er ließ sich auf den Sitz sinken und Mariku schlug die Tür zu, nachdem er eingestiegen war.
“Jeder bewaffnet?” Alle nickten. “Dann los.”
Sie fuhren tiefer in die Stadt und ein unwohles Gefühl überkam Malik. Die Häuser wirkten mehr zerfallen als zu erwarten gewesen war. Im Außenbezirk waren die Gebäude allesamt intakt gewesen, doch hier waren sie zerfallen. Ganze Mauern fehlten. Mariku hatte die Stirn kraus gelegt.
“Was ist hier nur passiert?” Doch Bakuras Frage wurde schon im nächsten Moment beantwortet als er um eine Kurve fuhr. Er musste scharf abbremsen um nicht gegen einen Panzer zu fahren. “Wow.”
“Wie erwartet”, murmelte Mariku und öffnete die Tür.
“Mariku?”
“Bleibt sitzen”, wies Mariku an und kletterte aufs Wagendach um einen besseren Überblick über die Umgebung zu haben. Vor ihm eröffnete sich ein wahres Schlachtfeld. Panzer standen in den Straßen. Die Gebäude ringsherum waren zerstört worden. Mariku war sich nicht sicher, ob es hier früher einen Marktplatz gegeben hatte oder ob der Platz allein für Kriegszwecke geschaffen worden war. Sie standen am Rande eines Kriegsschauplatzes. In dieser Stadt war massiv gegen die Zombies vorgegangen worden. Er sprang vom Wagen. “Hier kommen wir nicht durch. Wir gehen zu Fuß.”
“Sicher?”, fragte Ryou und sah sich leicht ängstlich um.
“Sonst hätt ich’s nicht gesagt. Bleibt schön zusammen. Wenn ihr was seht oder hört sagt sofort Bescheid.” Er prüfte die Munition in seiner Waffe zum wiederholten Male. “Ich gehe voran, dann Malik, Anzu, Ryou, Bakura und Jonouchi hält uns den Rücken frei. Noch Fragen?”
“Was ist das hier?”, wollte Malik wissen und rutschte von der Sitzbank. Er versank bis zu den Knöcheln im Schnee.
“Hier wurde gegen die Zombies Krieg geführt und das ziemlich heftig, wenn man sich die Gebäude ansieht.”
“Wer hat gewonnen?”
“Ich hoffe wir”, murmelte Ryou.
“Unwahrscheinlich”, erwiderte Mariku. “Dann wären die Panzer nicht so stehen gelassen worden.
“Können wir mit einem Panzer weiterfahren?”, fragte Bakura und starrte mit fast glänzenden Augen das riesige Kriegsgefährt an.
“Ich lass dich ganz sicher keinen Panzer fahren”, stellte Mariku klar. “Und jetzt kommt, wir stehen hier schon viel zu lange rum.”
“Scheiße!”, fluchte Jonouchi plötzlich und jeder drehte sich zu ihm um. Die Waffen bereit zum Schuss. Jonouchi sprang auf einem Bein im Kreis und versuchte etwas abzuschütteln. “Was ist das?”
“Ein Brustkorb”, antwortete Anzu knapp.
“Widerlich.” Er trat die Knochen beiseite und schauderte.
“Hier liegen mehrere Skelette”, stellte Mariku fest. “Aber das war zu erwarten. Kommt jetzt endlich.”
Malik sah sich unruhig um als sie zwischen den Panzern hindurchgingen. Der Boden schien teilweise von Knochen bedeckt zu sein. Malik rechnete jeden Moment damit, dass sich die Skelette von der Straße erhoben und auf sie losgingen, doch nichts dergleichen passierte. Wieder nahm er eine Bewegung aus den Augenwinkeln heraus wahr, doch als er den Kopf in entsprechende Richtung wandte rührte sich nichts.
“Was hast du gesehen?”, fragte Mariku plötzlich und Malik zuckte zusammen.
“Ich bin mir nicht sicher”, erwiderte er leise. “Eine Bewegung vielleicht, aber ich könnte es mir auch nur einbilden. Sie war auch viel zu weit oben.”
“Wo?” Mariku hob die Hand und die Gruppe blieb stehen.
“Da.” Malik deutete auf eine der wenigen intakten Mauern. “Aber wie gesagt, es ist unmöglich. Viel zu hoch.”
Misstrauisch sah Mariku die Mauern nach oben. “Na gut, lasst uns erst mal weitergehen, aber passt auf. Behaltet die Umgebung im Auge.”
“Es ist stockdunkel”, beschwerte sich Jou.
“Dann halt’s Maul und benutz deine Ohren.”
Schweigen senkte sich über die Gruppe, doch außer ihren schweren Schritten im Schnee war nichts zu hören. Malik sah sich unsicher um. Jetzt hatte er schon dreimal gedacht etwas gesehen zu haben, das ließ ihn nervös werden. Gab es hier etwas? Aber nichts konnte an Mauern entlanglaufen.
“Seht euch das an! Krass!” Bakura lief nach vorne. “Geile Scheiße!” Sie traten aus einer schmalen Gasse hervor, die Panzer hatten sie hinter sich gelassen, doch vor ihnen lag nur noch mehr Zerstörung. Ein abgestürzter Helikopter hatte die umliegenden Gebäude zerstört. “Geil!” Bakura war total begeistert und lief am Helikopter auf und ab. “Stellt euch vor das Ding könnte noch fliegen. Ich wollt schon immer mal nen Hubschrauber steuern.”
“Als ob ich das zulassen würde”, erwiderte Mariku.
“Könntest du denn damit fliegen?”
“Theoretisch.”
“Gibt’s eigentlich irgendwas das du nicht kannst?” Mariku legte seine Stirn in Falten, doch anstatt zu antworten spannte er seinen Körper an und starrte mit leicht zusammengekniffenen Augen in die Dunkelheit. “Was…?” Doch Mariku legte seinen Finger auf die Lippen und Bakura schluckte den Rest seines Satzes hinunter. Sie standen alle da und lauschten. Im ersten Moment hörte Malik nichts außer das Atmen der anderen bis sich langsam andere Geräusche herauskristallisierten: Schnee, der scheinbar von den Dächern rutschte, Steine, die an der Mauer herunter rieselten, Schritte oder zumindest etwas, das so ähnlich klang. Etwas näherte sich ihnen; schnell, aber auch vorsichtig.
Malik ließ seinen Blick über die Mauern gleiten und trat geschockt einige Schritte zurück bis er gegen den Helikopter stieß. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er hatte sich nicht geirrt: da war etwas an den Wänden. Er packte Mariku am Arm, doch dieser hatte es schon längst gesehen: Zombies, zumindest vermuteten sie es, die auf allen Vieren an den Wänden entlangliefen.
“Fuck”, hauchte Jonouchi. “Verdammte scheiße! Was ist das? Spiderman-Zombies?”
“Das sind verdammt viele und wir stehen hier wie auf dem Silbertablett”, murmelte Bakura und stellte sich schützend vor Ryou.
“Ach, wie kommst du denn da drauf?”, erwiderte Mariku sarkastisch. Ihre Situation hatte sich drastisch verschlechtert. Der Rückweg war inzwischen versperrt. Seine Augen zuckten unruhig von einer Seite auf die andere.
“Was zum Teufel sind das für Dinger?”, fragte Jou flüsternd.
“Mutationen.”
“Wie? So was hab ich noch nie gesehen.”
“Hier gab’s Krieg, wenn chemische Stoffe eingesetzt worden waren könnte es schon zu Mutationen gekommen sin.”
“Könnte?” Nervosität lag in Anzus Stimme. “Die Viecher laufen über die Wand wie Spinnen. Das hier IST eine Mutation und es wäre großartig, wenn wir diese Diskussion auf später verschieben könnten. Ich ende ungern als Abendessen und die kommen immer näher.”
“Du hast recht.” Mariku analysierte die Situation. “Links sind nicht so viele. Auf Drei laufen wir los. Bleibt zusammen, wir dürfen nicht getrennt werden. Bereit?” Sie nickten. “Eins… zwei… drei!”
Als sie lossprinteten kam auch Bewegung in die Zombies. Sie stießen einen hohen, schrillen Laut aus und Malik wäre fast gestolpert. Er wollte seine Hände auf seine Ohren legen, er hatte das Gefühl ihm platzte das Trommelfell, stattdessen umklammerte er seine Waffe fester und fixierte seinen Blick auf Marikus Rücken. Der Wind brannte in seinen Augen, sodass sie tränten. In den Augenwinkeln sah er Bewegungen an den Mauern neben ihnen. Die mutierten Zombies waren schnell, sehr schnell und sie schienen keinerlei Probleme zu haben mit ihnen Schritt zu halten. Jonouchi verlor die Nerven und schoss zwei der Untoten von den Mauern. Das eröffnete den Kampf. Die Zombies stießen sich von den Wänden ab.
“Lasst euch nicht aufhalten!”, brüllte Mariku. “Fallt nicht zurück!”
Ryou schrie auf als einer der Zombies ihn ansprang und dadurch fast zu Fall brachte. Die Kreatur riss seinen Mund auf um seine Zähne tief in Ryous Körper zu versenken, doch Bakura war schneller. Er legte seinen Arm um den Hals des Zombies und riss ihn zurück. Sie stürzten beide zu Boden und Jonouchi stolperte fast über seinen Kameraden. Ryou schoss zwei Kugeln in den Kopf des Zombies bevor dieser sich über Bakura hermachen konnte. Mit angewidertem Gesicht wischte sich Bakura die Überreste aus dem Gesicht und den Haaren.
“Weiter!” Jonouchi zog Bakura wieder auf die Beine und sie versuchten die anderen wieder einzuholen. Es war einfach ihren Fußspuren zu folgen.
“Verdammt, wo bleibt ihr?”, brüllte Mariku ihnen entgegen und rannte auf der Stelle. “Habt ihr ein Pläuschchen gehalten oder was?”
“Wir hatten ein nettes Tänzchen mit einem dieser Mutanten”, brüllte Bakura zurück und wischte sich seine Hände an seiner vom Schnee nassen Hose sauber.
“Hier rein!” Anzu winkte ihnen von einem Hauseingang aus zu. Malik trat nervös von einem Bein auf das andere. Mariku legte Ryou und Bakura jeweils eine Hand auf den Rücken und schob sie in Richtung Haus. Er trat als letztes ein und schloss die Tür hinter sich. Jeder war außer Atem und die meisten ließen sich auf den Boden sinken. Mariku lehnte sich gegen die Haustür und sah von einem zum anderen. Sein Blick blieb auf Ryou hängen.
“Bist du verletzt?” Ryou schüttelte schnell den Kopf. Er sah weiter zu Bakura. Auch dieser schüttelte den Kopf. “Unsere Lage ist mit einem Wort ausgedrückt scheiße und zwar richtig. Diese Mutanten laufen an Wänden, sie sind schnell und sie können springen. Das verbessert unsere Situation nicht gerade. Wir müssen zurück zum Jeep und dann so schnell wie möglich verschwinden. Wenn wir…”, doch er konnte seinen Satz nicht beenden, denn eine Fensterscheibe zerbrach in einem der Nebenräume. “Verdammt! Weiter!” Die Haustür erzitterte unter plötzlichen Schlägen. “Durchs Haus. Es gibt sicher eine Hintertür.”
Jonouchi verschwendete nicht viel Zeit und zerschoss die gläserne Terrassentür. Sie rannten nach draußen in den Garten. Wieder schallte ein schriller Schrei durch die Nacht. Während sie über den Zaun kletterten wurde Malik bewusst, dass die Zombies keinerlei Probleme damit gehabt hätten in ihr Quartier einzudringen. Sie hätten sie schon während des Tages angreifen können. Er schauderte, hatte aber keine Zeit sich weitere Gedanken darüber zu machen. Seine Beine zitterten inzwischen von der ungewohnten Anstrengung. Es war schon eine Weile her, seit er das letzte Mal so viel laufen musste. Er hatte inzwischen das Gefühl sein Gesicht wäre ihm eingefroren, er weinte schon fast so sehr tränten seine Augen.
Sie erreichten die Parallelstraße, die sehr viel rutschiger war als die vorherige. Malik hatte im ersten Moment Schwierigkeiten sein Gleichgewicht zu halten. Er hielt sich an Jou fest und zog diesen fast mit sich auf den Boden. Sie stützten sich gegenseitig um nicht hinzufallen. “Kommt schon.” Mariku packte Malik am Arm und zog ihn wieder vernünftig auf die Beine. Die Zombies waren direkt hinter ihnen. Sie rannten auf der Parallelstraße zurück in Richtung Jeep. Malik fiel es schwer zu atmen, seine Lungen brannte bei jedem Atemzug und er hatte das Gefühl, sie würden vereisen. Er presste eine seiner Hände in die Seite. Malik geriet ins Stolpern und diesmal konnte er seinen Sturz nicht verhindern. Der Länge nach schlug er auf der Straße auf, nur der Schnee dämpfte seinen Sturz. Seine Mütze rutschte ihm vom Kopf. Für einen Moment dachte er Mariku würde ihm den Arm ausrenken als er ihn brutal wieder hochzog.
“Sie holen auf”, schrie Jonouchi von weiter hinten. Er und Anzu waren etwas zurückgefallen. Jonouchi drehte sich immer wieder um und schoss auf ihre Verfolger. “Komm Anzu.”
“Ja”, presste sie mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Ihre Beinmuskulatur zuckte und es fiel ihr schwer auf dem glatten Untergrund nicht den Halt zu verlieren. Sie versuchte mit Jonouchi Schritt zu halten. Es fühlte sich an als würde man ihr ein Messer in die Brust stechen. Sie hörte deutlich die schnellen Schritte der Zombies hinter ihr.
Mariku kam schlitternd zum Stehen und Malik rannte direkt in ihn. Er hielt sich an seiner Jacke fest um nicht hinzufallen. “Was…?”, keuchte er atemlos, doch er sah schon im nächsten Moment den Grund warum Mariku stehen geblieben war. Die Zombies kamen auch aus der anderen Richtung schnell auf sie zu.
“Nach rechts”, befahl Mariku. Sie rannten zwischen den Gebäuden hindurch, doch die untoten Mutanten ließen nicht locker. Sie holten immer weiter auf.
Sie erreichten den Hinterhof eines Fabrikgebäudes, der halb vereist war. Eines der Rohre, die an den Mauern entlangliefen, war aufgeplatzt und das Wasser gefroren. In einer anderen Zeit und Situation hätte es vielleicht sogar hübsch ausgesehen, aber in ihrer Lage hatten sie kein Auge für so etwas. Die Zombies hatten es einfacher, da sie an den Wänden entlanglaufen konnten. Mariku biss die Zähne zusammen und hatte den Blick auf eine Tür fixiert. Alles in ihm hoffte, dass sie offen war. Das würde ihnen wertvolle Sekunden geben, die sie nutzen konnten um Atem zu schöpfen.
Anzu verlor den Halt auf der Eisfläche. Sie schlug auf dem Boden auf, ihre Waffe rutschte über das Eis. Durch ihre Kniescheiben schoss ein unerträglicher Schmerz. Sie hätte geschrien, wenn sie noch den Atem dafür gehabt hätte. Sie musste die Augen nicht öffnen um zu wissen, dass die Zombies direkt über ihr waren. Ein Schuss dämpfte für einen Augenblick die Geräusche. Jonouchi riss sie hoch, zog sie über das Eis. Verzweifelt krallte Anzu ihre Finger in seinen Arm. Jeder Schritt schmerzte als würde sie mit gebrochenen Beinen laufen. Tränen rannen heiß über ihr Gesicht.
Mariku schloss die Augen als sich seine Finger um den eiskalten Metallgriff legten. Er glaubte an kein höheres Wesen, keinen Gott, doch in diesen Moment stieß er ein Stoßgebet aus. Quietschend glitt die Tür auf und Mariku atmete erleichtert aus.
Dunkelheit umfing sie als Mariku krachend die Tür hinter ihnen zuschlug und sich dagegen lehnte. “Wir haben nicht viel Zeit”, keuchte er. “Atmet durch und dann weiter.” Bakura beugte sich nach vorne und stützte sich mit seinen Händen auf seinen Knien ab. Ryou lehnte an der Wand, er hatte die Augen geschlossen. Malik rieb sich mit den Handschuhen über sein kaltes Gesicht und die Ohren. Seine Lungen brannten und er spürte jeden einzelnen Herzschlag. Er wollte einfach nur zusammenbrechen. Marikus Körper erzitterte als gegen die Tür geschlagen wurde. “Weiter!” Sie setzten sich wieder in Bewegung, doch nicht jeder folgte Mariku. “Anzu? Komm!”
“Geht… lieber ohne mich… weiter.” Ihre Stimme zitterte bei jeder Silbe.
“Anzu?” Langsam ging Mariku auf die am Boden sitzende Frau zu. Ihr Atem ging schwer und das nicht von der Anstrengung. Plötzlich flammte ein Streichholz in der Dunkelheit auf. Jeder drehte sich zu Ryou um.
“Ich dachte, sie wären vielleicht nützlich”, murmelte der Junge.
Im schwachen Licht der kleinen Flammen konnten sie besser erkennen was mit Anzu passiert war. Ihr Gesicht war aschfahl und sie hatte eine Schramme auf der Wange. Ihr linkes Bein hatte sie vom Körper abgewinkelt, die Hosenbeine waren zerfetzt. Aus einer Wunde an der Wade trat Blut aus. Es war eine Bisswunde. Ryou ließ das Streichholz fallen und entzündete ein neues.
“Anzu”, murmelte Mariku. Die Tür erzitterte weiter unter wuchtigen Schlägen, die man von Untoten eigentlich nicht erwartete.
“Schon gut. Irgendwann musste so etwas ja passieren.” Mit zittrigen Händen löste sie die Bauchtasche, die sie trug.
“Anzu.”
“Jetzt werd nicht sentimental, Mariku. Bring lieber die anderen hier raus.” Sie zog den Reißverschluss auf und holte sowohl eine verpackte Spritze als auch ein Fläschchen Morphin heraus. Dass es die Flucht und den Sturz überlebt hatte glich einem Wunder. “Es dauert nicht mehr lange.” Ihre Augen wurden glasig. “Ich will mich nicht erschießen.” Sie schien mehr zu sich selbst zu reden. “Ich hab ein bisschen Angst davor. Außerdem”, ein schwaches Lächeln legte sich auf ihre Lippen, “erschießen sich Frauen nicht. Das ruiniert das schöne Gesicht.” Sie füllte die Spritze mit dem Morphin und sah schließlich auf. “Jetzt verschwindet schon.” Anzu zog ihre Jacke aus und rollte den linken Ärmel nach oben. “Das wird wie einschlafen”, murmelte sie. Ein neues Strichholz flammte auf. “Es war wirklich fast lustig mit euch und jetzt verpisst euch endlich, sonst könnt ihr euch gleich zu mir setzen.”
Malik trat einen Schritt nach vorne, doch Mariku packte ihn an der Schulter. “Wir müssen weiter.”
“Aber…”
“Wir können nichts mehr tun.” Malik sah auf Anzu hinunter, die das Morphin in ihre Vene drückte, dann sah er zu Mariku. Er sah traurig aus. “Los! Weiter!” Sie ließen ihre Freundin zurück und Tränen stiegen in Malik hoch. Der Verlust von Anzu traf ihn härter als erwartet. Sie war der erste richtige Kontakt zu anderen Menschen gewesen nachdem er Rishid verloren hatte. Sie hatte ihm viel geholfen, besonders als er noch nicht mit Mariku klargekommen war. Sie war eine Freundin für ihn geworden.
Mariku stieß eine weitere Tür auf und sie gelangten wieder ins Freie. Weit und breit waren keine Zombies zu sehen. Mariku verlangsamte seine Schritte. “Langsam”, flüsterte Mariku und nutzte die Zeit um sich zu orientieren. Sie gingen nach links weiter und hielten sich dabei dicht an den Wänden. Mariku spähte um jede Ecke und gab ihnen nur mit der Hand Zeichen. Malik sah immer wieder nervös nach oben. Er erwartete jedes Mal Zombies an den Wänden entlanglaufen zu sehen, doch es blieb ruhig. Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln und Malik begann zu frieren. Sein Körper baute das Adrenalin wieder ab und beruhigte sich etwas, auch wenn die Situation alles andere als beruhigend war. Er hatte längst die Orientierung verloren, doch Mariku führte sie zielsicher durch enge Gassen und kleinen Gärten.
Sie erreichten den abgestürzten Helikopter und gingen zwischen den Trümmern in Deckung. “Bleibt hier”, flüsterte Mariku und lief geduckt aus den Trümmern hervor. Er drückte sich an die Wand, die in die Gasse führte durch die sie zuvor geflüchtet waren. Maliks Herz schlug ihm bis zum Hals. Er fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, dass Mariku gerade die Aufmerksamkeit möglicher Zombies auf sich ziehen könnte.
Mariku gab ihnen einen kurzen Wink und sie schlossen zu ihm auf. Ungestört gelangten sie wieder zurück auf den Platz mit den Panzern. Ihr Jeep stand auf der anderen Seite. Noch war er von den schweren Kriegsgefährten verdeckt. Sie schlichen kreuz und quer zwischen den Panzern hindurch bis plötzlich ein Schrei sie zusammenzucken ließ. Maliks Blick wanderte automatisch nach oben. Wie Geister standen die Zombies plötzlich auf den Panzern, die messerscharfen Zähne gebleckt. Es brauchte keinen Befehl von Mariku um die Gruppe zu einem schnelleren Tempo anzutreiben. Mariku und Jonouchi verloren keine Zeit und schossen während Bakura Ryou packte und mit ihm in Richtung Wagen rannte.
“LAUF!”, brüllte Mariku als Malik zauderte. Mariku zog Jonouchi am Arm und drehte sich noch mal zu Malik um. “Lauf verdammt!” Malik setzte sich in Bewegung, Mariku und Jou ein Stück hinter ihm. Bakura ließ den Wagen an. Malik warf einen Blick zurück über die Schulter und landete im nächsten Moment mit dem Gesicht im Schnee. Ein Gewicht drückte ihn zu Boden. Er hörte Mariku schreien und dann einen Schuss. Das Gewicht verschwand und Malik rappelte sich auf, nur um fast erneut wieder zu Boden geworfen zu werden. Untote Finger legten sich um seinen Hals und drückten ihm die Luft ab. Verzweifelt fasste Malik nach hinten und seine Finger gruben sich in leere Augenhöhlen. Den Zombie störte das nicht. Malik spürte seine Zähne und versuchte zappelnd einen Biss zu verhindern.
Wieder knallte ein Schuss und die Welt verlor jedes Geräusch. Malik sah wie sich Marikus Mund öffnete, doch er konnte die Worte nicht verstehen. Etwas Feuchtes rann an Maliks Gesicht und Hals entlang. Langsam hob er die Hand und berührte sein Ohr. Ein brennender Schmerz durchzuckte seinen Körper. Mit geweiteten Augen starrte er auf das Blut an seinen Fingern, dann sah er auf. Mariku starrte ihn geschockt an.
“DU HAST MIR DAS OHR WEGGESCHOSSEN!”, schrie er los. Seine eigenen Worte klangen dumpf in seinen Ohren.
“Na ja… nur einen Teil davon”, verteidigte sich Mariku, doch Malik konnte sich nicht beruhigen, er setzte wieder an Mariku anzuschreien wurde aber von Jou unterbrochen: “Kommt endlich!”
Malik wandte sich von Mariku ab, rannte zum Wagen und rutschte neben Jonouchi auf die Sitzbank. Mariku schlug die Tür zu und Bakura trat aufs Gaspedal. Mit durchdrehenden Reifen raste er die Straße zurück.
Wütend packte Malik Mariku an der Jacke. “Mein Ohr VERDAMMT!”, brüllte er ihn an. “Verdammt noch mal!”
“Tut’s weh?”
“Nein, ich stehe unter Schock”, knurrte Malik und ließ Mariku wieder los. Er unterdrückte das Bedürfnis sich an die Wunde zu fassen. Wieder krallte er sich in Marikus Jacke, doch diesmal aus einem anderen Grund; vor seinen Augen tanzten schwarze Punkte und ihm wurde schlecht.
“Malik?” Besorgt legte Mariku seinen Arm um seinen Freund. “Sorry.” Doch Malik hörte ihn nicht mehr richtig. Es fiel ihm schwer seine Augen offen zu halten. Sein Bewusstsein schwand.
Plötzlich erschütterte etwas das Dach des Jeeps. “Sie sind auf dem Dach”, knurrte Bakura. “Verdammte Drecksviecher!” Er riss das Steuer hart herum, doch sie ließen sich nicht abschütteln. Etwas rammte das Auto und es wurde auf die Seite geschoben. “SCHEISSE!” Bakura verrenkte sich fast die Arme um Kontrolle über den Wagen zu behalten. Mariku hielt den halb ohnmächtigen Malik in den Armen und versuchte damit zu verhindern, dass er zu sehr hin und her geschleudert wurde. Die Heckscheibe zersplitterte.
“Verflucht!” Jonouchi drehte sich um und schoss durch die kaputte Scheibe um die Zombies fernzuhalten.
“Bakura, mach was!”, brüllte Ryou und starrte nach hinten. Seine Finger krallten sich in das Polster der Rückenlehne.
“Ich mach ja, ich mach ja!”, erwiderte Bakura. Seine Fahrmanöver wurden immer waghalsiger. Zwei Zombies rutschten vom Dach nach vorne über die Motorhaube und landeten auf der Straße. “Zwei Sorgen weniger”, murrte Bakura als er sie überfuhr.
“Sie fallen zurück”, erklärte Jonouchi und sank in seinen Sitz zurück.
“Ich glaub, ich muss kotzen”, keuchte Malik. Seine rechte Kopfhälfte brannte wie Feuer.
“Wir…”, doch Mariku konnte den Satz nicht beenden, denn etwas krachte wieder gegen den Jeep. Sie wurden durchgeschüttelt und Malik schrie schmerzerfüllt auf als er mit seinem verwundeten Ohr Marikus Schulter streifte. Tränen rannen über seine Wangen.
Bakura riss das Steuer mehrmals herum, trat abrupt auf die Bremse und nutzte die Handbremse um scharf um Kurven zu fahren. Der Wagen schrammte an einer Mauer entlang und er verlor den Seitenspiegel. Sie hatten es fast bis an die Stadtgrenze geschafft als Bakura schließlich die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Sie schlitterten über die glatte Straße und der Wagen geriet in Schräglage. Instinktiv schloss Mariku seine Arme um Malik und drückte ihn an sich, eine Hand auf seinem Hinterkopf.
Der Jeep kippte. Mariku keuchte als das Seitenfenster in seinem Rücken brach. Malik wurde die Luft aus den Lungen gepresst als Jonouchi auf ihm landete. Er konnte nicht einmal schreien. Bakura schlug sich den Kopf am Lenkrad als er gegen Ryou prallte. Niemand rührte sich.
“Alle noch ganz?”, fragte Mariku.
“Ich bin mir nicht sicher”, antwortete Bakura. Seine Arme zitterten als er sich hochhievte.
“Jou verdammt, geh runter!”
“Sorry”, murmelte Jonouchi. Malik atmete schnell und füllte seine Lungen mit Luft. Vorsichtig setzte sich Mariku auf und berührte Malik an der Wange. Malik hatte nicht die Kraft aufzusehen.
“Alles okay?” Malik schüttelte schwach den Kopf. “Jou, lass uns nach draußen.” Er ließ Malik von sich gleiten und lehnte ihn behutsam gegen die Rückbank. Jonouchi stieß die Tür auf und stemmte sich nach draußen. Sein Arm knickte ihm weg und er stürzte in den Schnee. “JOU?”
“Mir geht’s gut… irgendwie.”
Mariku kletterte ebenfalls nach draußen. Jonouchi saß gegen den Hinterreifen gelehnt und drückte sich die Hand gegen linken Arm. Sein Ärmel war zerrissen und gab den Blick auf aufgerissene Haut frei. “Sieht schlimm aus.”
“Ach?”, gab Jou sarkastisch von sich.
“Wenn du noch sarkastisch sein kannst, dann ist’s nicht so schlimm.” Mariku sah sich um. “Okay, scheint als hätten sie sich fürs erste verzogen.” Er kletterte wieder auf den Wagen und ließ sich vorsichtig nach unten sinken. Er zog Malik auf die Beine.
“Soll ich helfen?”, fragte Bakura an Mariku gewandt während er Ryou die Hand reichte um ihn nach draußen zu ziehen.
Zusammen hoben sie Malik aus dem Unfallwagen. Malik sank auf die Knie und übergab sich. Sein Körper zitterte. Das Blut in seinem Gesicht war inzwischen getrocknet. Mariku fing ihn auf als er drohte zur Seite zu kippen.
“Scheiße.” Jonouchi kam wieder auf die Beine. “Wir kriegen Besuch.”
“Okay, wer laufen kann läuft, raus aus der Stadt. Verliert euch aber nicht aus den Augen. Lauft einfach die ganze Zeit geradeaus, okay?”, befahl Mariku und ging in die Hocke. “Kannst du auf meinen Rücken steigen?” Malik nickte und schlang seine Arme und Beine um Marikus Körper. Mariku verzog das Gesicht vor Schmerz als er Malik hochhob, doch er ließ sich nichts anmerken.
“Lass mich hier, Mariku”, flüsterte Malik plötzlich. “Ich halt dich nur auf.”
“Red keinen Scheiß. Das ist nur ne kleine Wunde, davon stirbst du nicht.”
“Du hast mir das Ohr weggeschossen”, erwiderte Malik leise.
“Alles in Ordnung bei euch?” Jonouchi ließ sich etwas zurückfallen.
“Lauf und sei still”, fauchte Mariku ihn an und beschleunigte selbst etwas. Jeder Schritt jagte einen Schmerzimpuls durch seinen Körper, doch er zwang sich weiter zu laufen. Langsam aber sicher holte er auf. Jou lief teilweise rückwärts um zu sehen ob sie noch verfolgt wurden.
“Ganz schön hartnäckig!”
Sie rannten bis sich am Himmel die ersten Anzeichen für den Sonnenaufgang zeigten. Ryou keuchte und hielt sich die Seite. Er stolperte nach vorne und ging in die Knie. “Ich kann nicht mehr.” Bakura sank gleich neben ihn in den Schnee und streckte die Arme von sich. “Steht auf. Weiter!”, ordnete Mariku an. Er atmete schwer.
“Es ist niemand mehr hinter uns.” Jonouchi stützte sich mit seinen Händen auf seinen Knien ab.
“Lass mich runter, Mariku”, murmelte Malik und lockerte seinen Griff um Marikus Hals. Behutsam setzte er ihn auf den Boden ab, stützte ihn jedoch noch. Es wurde immer heller und sie konnten das Ausmaß ihrer Verletzungen sehen. Bakuras rechtes Auge war angeschwollen und nahm schon eine lila-blaue Farbe an. Ryous rechte Gesichtshälfte war von Schnittwunden entstellt. Jonouchis kompletter Oberarm und die Hälfte seines Unterarms waren aufgeschlitzt. Maliks Gesicht und Haare waren mit Blut verschmiert und es war nicht klar zu erkennen, wie viel von seinem Ohr wirklich fehlte. Nur Mariku schien außer ein paar Kratzwunden nichts abbekommen zu haben.
“Was wollen wir jetzt eigentlich machen?” Bakura setzte sich auf. “Keine Karre, keine Waffen und nichts zu fressen.”
“Wir gehen bis wir eine Stadt, ein Dorf oder sonst was erreichen. Wunden verbinden. Ein Fahrzeug besorgen. Vielleicht gibt’s noch was zu essen. Eine andere Wahl haben wir nicht und jetzt hoch mit euch, wir müssen weiter.”
Die Truppe setzte ihren Weg langsamer fort. Mariku stützte immer noch Malik, dieser fühlte sich inzwischen aber schon leicht besser. Zwar zog sich immer noch ein teuflischer Schmerz durch seinen Kopf, aber er fühlte sich nicht mehr so schlapp. Die Welt hatte aufgehört sich zu drehen und er sah auch keine schwarzen Punkte mehr.
Die Sonne stand schon hoch als sie endlich eine Stadt in der Ferne ausmachen konnten. Sie waren alle erschöpft, durchgefroren und hungrig, der Schnee hatte zumindest ihren Durst zum Teil löschen können, doch sie hatten auch noch mit ihren Verletzungen zu kämpfen. Bakuras gesamte rechte Gesichtshälfte war inzwischen verfärbt. Sie stolperten und humpelten mehr durch den Schnee, der ihnen bis zur Mitte der Schienbeine reichte, trotzdem beschleunigten sie als die Stadt in Sicht kam.
“Ich dachte schon wir wären in einem Meer aus Nichts”, seufzte Jonouchi. “Meine Finger sind schon ganz blau.”
“Hättest du dir Handschuhe angezogen...” Mariku ließ den Satz unbeendet.
“Meine Hände fühlen sich aber auch schon ganz taub an, trotz Handschuhen”, mischte sich Ryou ein.
“Siehste!”
“Ja, schon gut, schon gut. Es ist eiskalt, ich weiß.”
Sie erreichten die Stadt und beschlossen, auch wenn Mariku protestierte, gleich das erste Haus zu nehmen. Mariku wollte sich lieber erst umsehen, doch er musste dann doch einsehen, dass sie erst ihre Wunden versorgen mussten.
“Hier ist es auch kalt”, bibberte Jou nachdem sich die Haustür hinter ihnen geschlossen hatte. Sie ließen sich im Wohnzimmer auf der Couch nieder und saßen eng beieinander um sich gegenseitig zu wärmen, nur Mariku stand und sah sich um.
“Ich schau ob ich Verbandsmaterial finde.”
“Du solltest nicht alleine gehen”, sagte Bakura und erhob sich wieder.
Sie durchsuchten das Badezimmer, doch außer einer Packung Pflaster fanden sie nichts was ihnen weiterhalf. “Geh in die Küche und füll ne Schüssel oder einen Topf oder sonst irgendetwas mit Wasser. Ich besorg was zum Verbinden”, ordnete Mariku an.
“Was willst du benutzen?”
“Siehst du dann schon und jetzt besorg Wasser und bring’s zu den anderen.” Bakura zog die Augenbrauen nach oben, drehte sich dann auf dem Absatz um und ließ Mariku allein.
Bakura öffnete die Küchenschränke bis er auf Töpfe stieß. Er drehte den Wasserhahn auf und wartete darauf, dass das Wasser warm wurde, doch es blieb kalt. Seufzend hielt Bakura den Topf unter den Wasserstrahl.
“Du brauchst ja ganz schön lange für so ne einfache Aufgabe”, sagte Mariku als Bakura mit dem Topf das Wohnzimmer betrat. Er saß auf einem Sessel und schnitt und riss zusammen mit Ryou und Malik Bettlaken und Kleidungsstücke in Streifen. Bakura zog eine Grimasse und stellte den Topf auf den Tisch. Mariku knüllte einen der Streifen zusammen und tränkte ihn im Wasser. Er kniete sich vor Malik und hob dessen Kinn an. Vorsichtig wischte er ihm das getrocknete Blut aus dem Gesicht.
Malik zog scharf Luft ein als Mariku bei seinem Ohr ankam. Tränen sammelte sich in seinen Augen. “Tut mir leid”, murmelte Mariku. Malik legte seinen Kopf leicht schief als Mariku behutsam sein Ohrläppchen berührte und den Schaden begutachtete. Der obere Teil der Ohrmuschel fehlte komplett. Mariku biss sich auf die Unterlippe. Er hatte Malik mit dem Schuss zwar das Leben gerettet, aber er bereute es trotzdem nicht besser gezielt zu haben. Malik würde ihm das ewig vorhalten. Malik presste die Lippen aufeinander und krallte seine Finger ins Polster der Couch während Mariku umsichtig die Streifen als Verband um seinen Kopf legte.
Ryou hatte sich nur das Blut abgewischt und Pflaster auf einen Teil seiner Schnittwunden geklebt. Er sah schon fast ulkig aus mit dem bunten Pflastern im Gesicht. Jonouchi hatte seine Jacke ausgezogen und verarztete mit Hilfe von Bakura seinen Arm. “Sieht schlimm aus”, kommentierte Bakura und zog die Haut um die Wunde herum auseinander.
Jou zog seinen Arm zurück und knurrte. “Spinnst du? Das brennt, verdammt!” Langsam strich er neben dem Schnitt an der Haut entlang. “Er geht ganz schön tief.” Unbeholfen fing er an seinen Arm zu verbinden.
“Lass mich dir helfen, dir kann man ja nicht zuschauen.” Bakura nahm ihm den Stoff ab und verband ihm mit mehreren Streifen den Arm.
“Noch irgendwelche Verletzungen?”, fragte Mariku und stellte sich wieder aufrecht hin. Er schüttelte seine Beine.
“Denk nicht”, antwortete Malik und Mariku sah ihn mich hochgezogenen Augenbrauen an.
“Zieh die Jacke aus.”
“Was? Nein.”
“Komm schon.” Nur widerwillig zog Malik den Reißverschluss nach unten und ließ die Jacke von seinen Schultern gleiten.
“Siehst du, nichts!” Mariku ging wieder auf die Knie und zog Maliks Shirt nach oben. Sein Oberkörper war von blauen Flecken übersät.
“Vom Unfall”, murmelte Mariku und ließ das Shirt wieder sinken.
“Blaue Flecken sind mein kleinstes Problem”, antwortete Malik mit einem leicht wütenden Unterton. Der Schmerz sorgte für schlechte Laune. “Was ist mit dir?”
“Mir geht’s gut”, erwiderte Mariku und wollte sich wieder aufrichten als Malik ihm leicht in die Rippen boxte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sank Mariku wieder zurück auf seine Knie.
“Dir geht’s gut, ja?” Malik stand auf und platzierte Mariku an seiner Stelle auf der Couch. Bei der schnellen Bewegung wurde ihm leicht schwindlig. Er öffnete Marikus Jacke und schob das Shirt nach oben. Auch Mariku hatte Blutergüsse. Vorsichtig betastete er seine Rippen. “Die sollten sich nicht so anfühlen.”
“Sind nur angeknackst”, spielte Mariku die Sache herunter und zog sein Shirt wieder nach unten.
“Wir sollten es trotzdem verbinden”, widersprach Malik, doch Mariku stand schon wieder auf. Malik knirschte mit den Zähnen und boxte ihm erneut gegen die Rippen. Der Soldat fiel zurück auf die Couch.
“Verdammt lasst das!”
“Bakura, gib mir ein paar von diesen Stoffstreifen.“ Mariku gab auf und zog sowohl seine Jacke als auch sein Shirt aus.
“Bleiben wir hier?”, fragte Ryou und rieb sich über die Oberarme.
“Nein”, sagte Mariku während Malik Stoffstreifen um seinen Oberkörper legte, “sobald Malik fertig ist werden wir wieder aufbrechen. Wir suchen nach was zu essen und einem Auto. Ich will schnell weiter.” Er zog sich wieder an und stand auf. Die anderen machten es ihm nach und zusammen traten sie wieder nach draußen in die Kälte. “Wir brauchen als erstes ein Auto.”
“Dann würd ich sagen, wir schauen in die Garage”, schlug Bakura vor und deutete auf das kleine Gebäude nebenan.
Mariku beugte sich nach unten, doch zuckte zusammen und richtete sich wieder auf, mit einer Hand an den Rippen. Bakura öffnete stattdessen das Rolltor der Garage, doch diese war leer. Sie gingen weiter und fanden erst in der übernächsten Garage einen Kleinwagen.
“Jou, deine Künste sind gefragt.”
“DEN willst du?”, hakte Jonouchi ungläubig nach. “Können wir nicht nach einen größeren suchen?”
“Wir haben nicht so viel Zeit. Solange es fährt brauchen wir nichts anderes. Wir können uns später nach etwas anderem umsehen. Wir brauchen jetzt einfach nur einen fahrbaren Untersatz. Also los.”
Jou verdrehte die Augen. Das Auto war nicht abgeschlossen und Jou ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Er ließ den Sitz zurückfahren und beugte sich dann nach unten in den Fußraum. Malik reckte sich um ihm zusehen zu können, doch Jous Oberkörper versperrte ihm die Sicht. Der Wagen gab einen kläglichen Laut von sich und erstarb dann wieder. Jonouchi fluchte lauthals vor sich hin.
Als der Motor endlich ansprang wollte sich Jonouchi triumphierend aufsetzen, doch dabei schlug er sich den Hinterkopf am Lenkrad und sein Jubel wandelte sich zurück in Fluchen.
“Bakura, kannst du noch fahren?”
“Sicher!”, antwortete der Angesprochene und tauschte mit Jou den Platz. Ryou setzte sich gleich auf den Beifahrersitz.
“Was sagt der Tank?”
“Etwas mehr als die Hälfte.”
“Gut, das reicht noch eine Weile.” Mariku setzte sich hinter den Fahrersitz und neben Malik auf die Rückbank. Malik sah nicht begeistert darüber aus, dass er in der Mitte sitzen musste. Er rutschte tief in den Sitz und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Laune wurde nicht besser.
Rückwärts fuhr Bakura aus der Garage. Der Wagen ruckelte etwas und fuhr noch nicht ganz normal durch die lange Standzeit. “Da sind Sommerreifen drauf”, merkte Bakura an. “Wir sollte so bald wie möglich den Wagen wechseln, so kann ich bei diesem Schnee nicht fahren.”
“Lass uns erst einen Supermarkt oder ähnliches finden, dann ein anderes Auto.”
“Du bist der Boss.” Vorsichtig trat Bakura auf das Gaspedal.
Fortsetzung folgt...