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Kapitel 10

Ryou schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Ich lass mich sicher nicht über den Tisch ziehen, du schleimiger Halsabschneider!“
Der Gavli hob abwehrend die Hände. „Das ist der Preis.“ Er lächelte und zeigte seine gelben Zähne. Es war auch ein Gavli gewesen, der Ryou auf Jupiter ein Ersatzteil für sein Schiff verkauft hatte. Ryou konnte sie nicht leiden und trauten ihnen kein bisschen. Gavli waren raffgierige, kleine Wesen, die nur auf Profit aus waren. Leider waren die Gavli technisch auch höchst begabt und einfach die Besten, wenn es um Schiffsreparaturen und Ähnliches ging. Die horrenden Preise, die sie verlangten, rechtfertige das jedoch keineswegs.
„Ich geb dir gleich einen Preis, von dem wirst du dich nicht mehr erholen“, drohte Ryou, doch der Gavli zeigte sich unbeeindruckt.
„Ihr könnt ja versuchen jemand anderen zu finden, der eurer Schiff reparieren kann“, er zeigte wieder seine gelben Zähne, „aber die Leute hier kennen sich nur mit Flitzern aus.“
Ryou knirschte mit den Zähnen und wollte den Gavli packen, doch Jonouchi hielt ihn auf. „Lass es gut sein. Wir finden schon jemanden.“
Ryou verengte die Augen zu Schlitzen. „Diese Sache ist noch nicht vorbei.“
„Es wird mir eine Freude sein Geschäfte mit euch zu machen.“ Der Gavli grinste sie an und Ryou wandte sich fauchend ab und stapfte nach draußen. Er schlug seine Kapuze über den Kopf, bevor er aus dem Schatten des Hauses trat.

„Was ist los mit dir?“, fragte Jonouchi und zog seinen Gesichtsschutz höher. Sein Fell juckte und er hatte das Gefühl, der Sand war überall auf seinem Körper.
„Was soll sein?“, fuhr Ryou ihn an.
„Du bist ziemlich gereizt.“
„Wie soll ich in so einer Situation nicht gereizt sein?“
Jonouchi zuckte mit den Schultern. „Ich meine nicht nur jetzt.“
Ryou wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, dann sah er die Besorgnis in Jonouchis Blick und schwieg. Ryou senkte den Blick. Jonouchis Worte machten ihn nachdenklich und auch Marikus Worte kamen ihm wieder in den Sinn.

„Du bist nicht besser als er!“

Entsprach es der Wahrheit? Er sah wieder zu Jonouchi. Es war ungewöhnlich für ihn, dass er so etwas wie Sorge zeigte. Jonouchi war grundsätzlich immer eine fröhliche Person, chaotisch und schusselig, aber Ryou hatte ihn noch nie wirklich besorgt erlebt, selbst in ernsten Situationen hatte er immer einen Spruch auf den Lippen gehabt.
Dass er sich jetzt also um Ryou und dessen Verhalten sorgte, gab diesem wirklich zu denken. Es war lange her, seit sich jemand um Ryou gekümmert hatte. Seit dem Krieg hatte er mit niemandem mehr seine Gefühle geteilt. War er kalt geworden? Wahrscheinlich. Nach dem Krieg hatte er sich geschworen, sich nicht mehr unterkriegen zu lassen und stark zu sein. Hatte er es übertrieben? Wann war er eigentlich zuletzt wirklich glücklich gewesen? Ryou schüttelte leicht den Kopf. Er hatte jetzt keine Zeit um über so etwas nachzudenken. Sie mussten jemanden finden, der Amane reparieren konnte. Er wollte endlich von hier verschwinden.

„Zumindest wissen wir jetzt endlich wo wir sind und wie wir hier wegkommen.“ Jonouchi verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
„Rucs-Galaxie“, murmelte Ryou und zog die Stirn kraus. Sie waren weit außerhalb der sicheren Sektoren der Sternenallianz. Hätte das Universum ein Ende, sie wären im Moment nahe dran. Wie sie hierhergekommen waren, war Ryou immer noch ein Rätsel. Etwas hatte sie aus der Bahn geschleudert.
„Da ist ne Werkstatt.“ Jonouchi riss Ryou aus seinen Gedanken.

Doch sie hatten kein Glück. Die Aliens dort waren der Handelssprache nicht mächtig, was die Kommunikation unmöglich machte. Noch nicht einmal wilde Gestik brachte sie weiter. Nach der Qualität der Werkstadt jedoch, bezweifelte Ryou sowieso, dass sie ihnen hätten weiterhelfen können.
Grummelnd trat Ryou wieder auf die Straße.
„Was machen wir jetzt?“
„Wir gehen zurück.“
„Und dann?“
„Dann“, Ryou sah Jonouchi an, „soll sich der Notechis nützlich machen.“


Am liebsten hätte Mariku seinen Kopf gegen die Wand geschlagen. Es waren nicht die Schmerzen, die ihn beschäftigten, sondern vielmehr das Jucken. Am liebsten hätte er seinen Rücken gegen irgendeine Kante gerieben. Die Wunde an seinem Arm hatte er sich schon aufgekratzt. Glücklicherweise hatte es nur wenig geblutet.
Mariku ließ die Schultern kreisen. Seine Haut war gespannt, aber die Schmerzen nur gering. Er versuchte in Bewegung zu bleiben und sich abzulenken, doch Malik war auch kein guter Gesprächspartner. Er hatte schlechte Laune, weil er sich zwang aus der Sonne zu bleiben. Mariku hatte versucht mit ihm zu reden, doch er hatte nur wütendes Starren und Zischen als Antwort bekommen. Über den Sex sprachen sie erst recht nicht.
Mariku leckte sich über die Lippen und trommelte mit den Fingern auf den Tisch. Er war rastlos und vermisste die Schmerzfreiheit.
„Hör auf“, murrte Malik, der von Marikus Getrommel genervt war. Er strich sich über die Handflächen. Die Kratzer waren zum Großteil schon wieder verheilt.
„Geh lieber in die Sonne!“
„Hättest du wohl gern.“
Mariku hörte mit dem Trommeln auf und grinste. „Ehrlich gesagt schon.“
Malik zischte und wandte den Kopf zur Seite. Mariku lachte leise.
Statt mit den Fingern klopfte er jetzt mit dem Fuß auf den Boden. Er konnte kaum an etwas anderes denken als an Bakuras Heilmittel. Er brauchte es.
„Ach, scheiß drauf“, murmelte Mariku.
Die Nebenwirkungen interessierten ihn nicht. Er brauchte mehr von diesem Mittel, doch als er vor Bakuras Tür stand, glitt diese nicht wie gewohnt automatisch auf. „Ich muss mir echt zeigen lassen, wie man abschließt.“ Er hämmerte gegen die Tür. „Bakura, mach auf!“ Niemand antwortete ihm. „Verdammt noch mal, ich hab gesagt, du sollst aufmachen!“ Er hämmerte weiter gegen die Tür, bis diese schließlich aufglitt.

In Bakuras Zimmer war es stockdunkel und Bakura nirgends zu sehen. Mariku sah sich um, bis sich auf dem Bett etwas regte.
„Was willst du?“, murrte Bakura und tauchte unter der Decke auf.
„Man siehst du scheiße aus.“ Bakura sah noch kränklicher aus als am Tag zuvor.
„Sei still“, er zog sich wieder die Decke über den Kopf, „ich hasse Sonne. Es ist viel zu hell und warm.“
Mariku hob eine Augenbraue. „Zerfällst du zu Staub, wenn du in die Sonne gehst?“ Er konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
„Was?“ Bakuras Kopf tauchte wieder unter der Decke auf und er sah Mariku irritiert an. „Wieso sollte ich?“
Mariku zuckte mit den Schultern. „War nur so ne Frage.“ Er setzte sich zu Bakura aufs Bett. „Ich brauch wieder was von deinem Mittel. Scheiß auf die Nebenwirkungen, das halt ich schon aus.“
Bakura setzte sich auf und strich sich die Haare zurück. Sie sahen noch mehr durcheinander aus als sonst. „Ich kann nicht.“
„Ach komm schon, Bakura. Nur ein bisschen.“ Mariku hielt Daumen und Zeigefinger in einem geringen Abstand zueinander. „Nur ein Schlückchen.“
„Ich kann dir nichts geben.“ Bakura unterstrich seine Worte mit Kopfschütteln.
„Du musst!“
„Ich hab nichts mehr.“
„Komm schon, ich weiß, du hast noch was.“ Mariku zitterte unruhig mit einem Bein. „Lass mich nicht hängen.“
Bakura sah auf Marikus Bein und unterdrückte ein Seufzen. Für einen Moment schloss er die Augen. Er hatte wirklich gehofft sein Mittel hätte eine andere Wirkung auf Mariku als auf die Mapula. Besonders nachdem er die Wirkung auf Marikus Körper erlebt hatte. „Selbst wenn, ich würd dir nichts geben.“
Mariku hob hilflos die Arme. „Bakura, komm schon. Ich komm mit den Nebenwirkungen klar. Nur für eine Weile noch schmerzfrei sein und“, er grinste, „vielleicht noch ein bisschen Spaß mit Malik haben.“

Schließlich seufzte Bakura. Auch wenn er nicht wollte, er musste Mariku die Wahrheit sagen. Er wappnete sich für den Ausraster. „Ich kann‘s dir nicht geben, weil es hochsüchtig machend ist.“
Mariku hob eine Hand und machte den Ansatz etwas zu sagen, doch dann ließ er die Hand sinken und schien noch einmal nachzudenken. „Was hast du gesagt?“, brachte er schließlich hervor. Er war immer noch dabei Bakuras Worte zu verarbeiten. Er hatte nicht ernsthaft gerade das gesagt, was er gesagt hatte?
Bakura vermied es Mariku anzusehen. Er fühlte sich leicht schuldig, weil er Mariku als Versuchskaninchen missbraucht hatte. „Nocidea-Blut wirkt auf die meisten Spezies wie eine Droge“, erklärte Bakura leise.
Mariku stand auf und Bakura hörte ihn tief durchatmen. „Du hast das gewusst und mir trotzdem das Zeug zu trinken gegeben? Sag mal, bist du eigentlich noch ganz dicht?“ Er tippte sich energisch gegen die Schläfe. „Und jetzt bin ich süchtig nach deinem Blut?“ Während er sprach wurde seine Stimme immer lauter. „Du hast mich zu einem verfluchten Junkie gemacht! Nicht nur, dass ich dein Blut getrunken hab, nein, jetzt bin ich auch noch süchtig danach.“ Mariku gestikulierte wild, etwas, dass er für gewöhnlich nicht tat. Seine Stimme war laut und aufgekratzt.
„Es ist nicht so schlimm“, konterte Bakura.
„Nicht so schlimm?“
„Es war nur eine kleine Dosis.“
„Oh, eine kleine Dosis.“ Mariku lächelte übertrieben. „Na, wenn’s weiter nichts ist. Es ist ja nur so, dass ICH AN NICHTS ANDERES MEHR DENKEN KANN!“ Mariku trat gegen den Schrank und hinterließ eine Delle.
Mit gehobenen Augenbrauen sah Bakura von Mariku zur Delle und wieder zurück. Mit Mariku war wirklich nicht zu scherzen, wenn er mal schlecht drauf war. „Morgen wirst du davon gar nichts mehr merken.“
„Morgen, wie schön.“ Mariku trat noch einmal gegen den Schrank. „Ich hab so die Schnauze voll von euch! Von euch allen!“

„Kann man euch keinen Tag allein lassen?“ Ryou stand an der Tür und hatte die Arme vor der Brust verschränkt.
„Ah, mein Schätzchen.“ Bakura lächelte und Ryou verdrehte die Augen.
„Halt’s Maul, Bakura. Also, was habt ihr schon wieder für ein Problem?“
„Bakura ist mein verdammtes Problem.“
„Es ist nicht so wild, wie du das darstellst.“
„Wenn das morgen nicht vorbei ist, dann“, er deutete mit dem Finger auf Bakura, „komm ich nochmal und tret dir eine Delle ins Gesicht.“ Er stürmte an Ryou vorbei und Bakura ließ sich zurück auf die Matratze sinken.
Er sah Ryou an. „Kommst du zu mir?“, fragte er mit einem anzüglichen Grinsen und klopfte neben sich auf die Matratze.
„Nein“, war Ryous knappe Antwort und ging ebenfalls.
Bakura zog sich die Decke wieder über den Kopf. „Wie gemein.“

„Ich bring ihn um“, murrte Mariku und setzte sich auf sein Bett.
„Nein, tust du nicht.“ Ryou kam nach ihm ins Zimmer. „Was bei allen Monden habt ihr mit dem Bett gemacht?“ Kritisch sah Ryou auf die zerfetzten Kissen und die aufgerissene Matratze.
Mariku deutete auf Malik. „Er war’s.“
Ryou rieb sich die Schläfen, dann richtete er seinen Blick auf Malik. „Zieh dich an und mach dich nützlich.“ Malik sah Ryou unbeeindruckt an und rührte sich nicht. „Mitkommen.“
„Wieso sollte ich?“ Maliks Stimme klang abschätzig, wie immer, wenn er mit Ryou sprach.
Ryou und er starrten sich an und Ryou presste die Lippen aufeinander. Er wollte nicht zugeben, dass er Maliks Hilfe brauchte. Das würde ihm nur wieder ein Gefühl der Macht geben. Aber wie sollte er ihn sonst dazu bringen mit ihm in die Stadt zu gehen? Außerdem brauchte er wirklich Maliks Hilfe. Nur er konnte dem Gavli genug Angst einjagen um den Preis zu drücken. Er wollte die Reparatur ja nicht umsonst, er wollte nur keine übertriebenen Preise dafür zahlen.
Ryou atmete hörbar aus. Er hatte keine Wahl, als die Wahrheit zu sagen. „Wir brauchen deine Hilfe“, sagte er schnell.
Maliks Augenbrauen hoben sich und ein amüsierter Ausdruck legte sich auf sein Gesicht. „Meine Hilfe?“, wiederholte er grinsend.
Ryou knirschte mit den Zähnen. „Ja“, gab er zu.
„Wieso sollte ich euch helfen? Was springt für mich dabei raus?“
Ryou hatte gleich geahnt, dass es auf so etwas hinauslief. „Ich schieß dir kein Loch in den Kopf.“ Er setzte ein übertriebenes Lächeln auf.
Malik machte sich auf dem Bett lang. „Abgelehnt.“
Ryou spürte die Wut in sich hochkochen und er ballte seine Hände zu Fäusten. Er knurrte, dann entspannte sich sein Körper wieder. „Bitte.“
Sowohl Malik als auch Mariku sahen Ryou überrascht an. Hatte er wirklich gerade „Bitte“ zu Malik gesagt?
Malik setzte sich wieder auf. Das Grinsen auf seinem Gesicht trieb Ryou fast zur Weißglut.
„Okay, was willst du?“
Ein ernster Ausdruck zeichnete sich auf Maliks Gesicht ab. „458C 52W, Veri-Galaxie“, war seine Antwort. Es waren dieselben Koordinaten, die er auch schon gesagt hatte, als er Ryou in seiner Gewalt gehabt hatte.
„Ich kann dich nicht einfach laufen lassen“, widersprach Ryou.
„Dann bleiben wir eben hier.“ Malik zuckte mit den Schultern. Mariku sah gespannt zwischen Ryou und Malik hin und her. Auf Ryous Gesicht konnte er den Kampf sehen, den dieser in seinem Inneren ausfocht. Maliks Gesicht dagegen war die übliche Maske. „Ich hoffe, ihr kommt alle gut mit Hitze klar.“
„Verflucht noch mal!“ Ryou stieß hörbar Luft aus. Die Situation gefiel ihm ganz und gar nicht. Er konnte Malik nicht einfach frei lassen. Es lag in seiner Verantwortungen, dass er den Autoritäten übergeben, befragt und anschließend hingerichtet wurde. Wenn es noch mehr Notechis gab, dann mussten sie das wissen, aber niemand würde es erfahren, wenn sie weiter hier feststeckten. Ob er mit einer Lüge durchkommen würde? „Einverstanden.“

Für einen Moment war Überraschung auf Maliks Gesicht zu sehen, bevor es wieder ausdruckslos wurde. Mariku dagegen zeigte seine Überraschung deutlicher.
„Na gut.“ Malik erhob sich vom Bett. „Ich brauch einen Mantel.“
„Kriegst du.“ Malik und Ryou starrten sich an. Sie trauten sich nicht, doch im Moment hatten sie keine andere Wahl.
„Viel Spaß in der Sonne!“, sagte Mariku gerade als Malik durch die Tür gehen wollte. Malik wirbelte herum. Er hatte die Augen verengt und zeigte die Zähne. „Ich warte hier.“ Malik zischte und ließ Mariku allein. Grinsend ließ sich Mariku auf die Matratze sinken und setzte sich gleich wieder auf, als Schmerz durch seinen Rücken zuckte. „Autsch.“ Er legte sich auf den Bauch und seufzte. Er hasste diese Schmerzen.


„Bist du sicher, dass ich nicht mitkommen soll?“ Jonouchi sah an Ryou vorbei zu Malik, der sich in einen Mantel hüllte und sich die Kapuze über den Kopf zog.
„Er und ich gehen allein“, erklärte Ryou zum wiederholten Male.
„Nimm wenigstens eine Waffe mit.“
„Nein.“
„Ryou!“ Jonouchi senkte die Stimme. „Das ist gefährlich. Er ist gefährlich.“
„Ich weiß.“ Er setzte sich ebenfalls die Kapuze auf und wandte Jonouchi den Rücken zu.
„Ryou!“ Doch Ryou reagierte nicht mehr. Er verließ das Schiff mit Malik auf den Fersen. Ryou musste zugeben, dass er nervös war. Allein mit Malik war ein Risiko und er füllte sich nicht mehr so sicher in seiner Entscheidung mit ihm allein in die Stadt zu gehen.
„Ganz schön mutig“, sagte Malik und holte zu Ryou auf um neben ihm zu gehen. „Keine Angst?“
Ryou gab einen abfälligen Laut von sich und bevorzugte es nicht zu antworten. Er hatte Angst, aber würde es nicht zugeben. Malik hatte heute schon zu viel Befriedigung erhalten. „Hör zu“, fing er schließlich doch an. „Ich vertrau dir nicht, aber ich werd mir deine Anwesenheit zunutze machen.“ Er hatte zuvor eine andere Formulierung im Sinn gehabt, doch er hatte sich an Marikus Worte erinnert und Malik deshalb nicht als seinen Sklaven betitelt um ihn zu provozieren. Seit Jonouchi ihn auf sein Verhalten angesprochen hatte, ging ihm auch Marikus Vorwurf nicht mehr aus dem Kopf. Er würde Mariku beweisen, dass er nicht mal im Ansatz wie ein Notechis war.

Malik zuckte mit den Schultern. Er war ebenfalls nicht auf Konfrontation aus. Der Sex mit Mariku hatte ihn aufgewühlt und er machte sich Sorgen wegen der Sonne. Er spürte die Hitze durch den Stoff. Er konnte es sich nicht leisten schon wieder von seinen Trieben übermannt zu werden. „Also, was soll ich tun?“ Er richtete seine Kapuze und hielt den Kopf gesenkt.
„Einen Gavli bedrohen damit er mit dem Preis runtergeht.“
„Gavli.“ Malik klang nicht begeistert. „Ich kann die nicht leiden.“ Er fuhr sich mit der Zunge an den Zähnen entlang. „Schmecken auch zäh.“
Ryou konnte ein Schaudern nicht unterdrücken. Er wollte gar nicht so genau über die Essensgewohnheiten der Notechis nachdenken.

Schweigen kehrte zwischen ihnen ein und schon nach kurzer Zeit begann Ryou sich unwohl zu fühlen. Er kam mit Stille nicht gut klar. Als Kind war er oft Stille ausgesetzt gewesen, nur durchbrochen von gequälten Schreien. Ryou presste die Augenlider zusammen und schüttelte leicht den Kopf um die Erinnerungen zu vertreiben. Er warf Malik einen Seitenblick zu, doch dessen Gesicht war komplett verhüllt. Er konnte noch nicht mal seine Nasenspitze sehen.
Ryou hätte niemals damit gerechnet, dass er je so friedlich neben einem Notechis gehen würde. Er hatte auch nicht gedacht, dass er je wieder einen sehen würde. Wie waren sie entkommen?
„Was gaffst du mich so an?“, fragte Malik mürrisch.
Ryou wandte seinen Blick ab. „Wollt ihr wieder einen Krieg anfangen?“
Den Laut, den Malik von sich gab, konnte Ryou nicht deuten. Eine richtige Antwort bekam er keine. Ryou wollte mehr Fragen stellen, er wollte verstehen, was die Notechis, außer Sadismus, antrieb, doch er wollte keine alten Wunden aufreißen. Außerdem war Malik sicher nur ein einfacher Soldat gewesen, der auf Befehl gehandelt hatte. Malik war noch jung, er hatte noch nicht mal einen Schwanz, wie die Älteren seiner Spezies. Andererseits war sein Vater jetzt der Herrscher, zumindest wenn es stimmte, was Malik erzählt hatte.
Ryou seufzte. Es war nicht gut, wenn er zu viel über Malik nachdachte. Ryou stutzte. Wann hatte er überhaupt damit begonnen den Namen des Notechis zu verwenden? Er presste verärgert die Lippen aufeinander. Er durfte sich nicht blenden lassen. Malik war ein Monster. Der Notechis war ein Monster, korrigierte er sich selbst.

Als sie schließlich die Stadt erreichten, versuchte sich Malik im Schatten zu halten, damit sich sein Körper nicht weiter aufheizte. Noch war alles in Ordnung, doch er spürte schon den leichten Anflug dieses wohligen Gefühls, welches die Hitze verursachte. Es machte in unruhig und er wollte die Sache schnell hinter sich bringen.

„Ah!“ Es legte sich ein breites Grinsen auf das Gesicht des Gavli, als er Ryou sah. „Wir kommen also ins Geschäft?“
„So ähnlich“, erwiderte Ryou mit einem süßlichen Lächeln. Er nickte Malik kurz zu und dieser trat vor, packte den Gavli am Kragen, hob ihn hoch und drückte ihn gegen die Wand.
Der Gavli gab einen überraschten, quiekenden Laut von sich und aus dem Schatten traten zwei bullige Aliens, die Malik um mindestens eine halbe Körperlänge überragten. Malik ließ sich davon jedoch nicht beunruhigen. Er hatte die beiden Govis schon beim Eintreten bemerkt. Außerdem gab es kaum einen Gavli, und schon gar keine Händler, die keine Govis als Leibwache bei sich hatten.
Malik schleuderte den Gavli auf einen der Govis, bevor dieser ihn packen konnte, und nutzte einen Tisch als Sprungbrett. Mit einer flüssigen Bewegung schlitzte er dem anderen Govis die Kehle auf, dabei rutschte ihm seine Kapuze vom Kopf und Blut spritzte auf sein Gesicht. Malik leckte es sich von der Wange. Ein Kribbeln durchlief seinen Körper. Zu töten war für ihn berauschend. Außerdem würde es helfen die Lust in ihm etwas zu zügeln.
Der zweite Govi hatte den Gavli von sich geschoben und wollte erneut einen Angriff auf Malik starten, doch obwohl Govi äußerst stark waren und Maliks Kopf mit Leichtigkeit zerdrücken könnten, so waren sie jedoch auch sehr langsam. Der Govi hatte keine Chance gegen den flinken Malik.
Malik rammte ihm seine Krallen in den Bauch und sprang zurück, als der Govi ihn packen wollte. Trotz der Verletzung gab er nicht auf, und auch Maliks Gift hatte eine verzögerte Wirkung auf ihn. Malik wich ihm aus, sprang und trieb seine Krallen unter dem Kinn in den Kopf des Govis. Malik grinste, während er beobachtete, wie das Leben langsam aus seinen Augen wich. Er hatte diesen Anblick vermisst.
Der Boden bebte, als der Govi zu Boden fiel.

Ryou schluckte trocken. Er hatte noch nie einen Notechis kämpfen sehen und musste zugeben, dass er noch nie jemanden gesehen hatte, der sich während eines Kampfes so schnell und elegant bewegt hatte. Es war keine Überraschung, dass die Notechis zu den besten Kriegern des Universums zählten.
Malik leckte sich über die Finger und packte dann den Gavli, der versuchte sich aus dem Staub zu machen.
„Erbarmen! Erbarmen!“, quiekte er. „Habt Erbarmen, oh großer, ehrwürdiger Notechis-Meister. Ich bin Euer ergebener Diener!“
Malik drückte ihn wieder gegen die Wand. „Mir gefallen deine Preise nicht, Wurm.“
„Na-Natürlich“, stotterte der Gavli. „Ich gewähre Euch einen ganz besonderen Rabatt: 30%!“
Malik hob seine freie Hand und hielt seine Klauen gegen ein Auge des Gavli. „Willst du mich beleidigen?“
„NEIN! Nein!“ Seine Stimme war kreischend vor Panik. „50%! 50!“
Malik sah kurz zu Ryou, doch dieser schüttelte den Kopf. „Gefällt mir immer noch nicht“, knurrte Malik.
„70%! Oh bitte, ich habe Frau und Kinder!“
„Einverstanden“, sagte Ryou mit einem leichten Nicken. Malik ließ den Gavli los und dieser rutschte an der Wand hinunter. Wie ein Häufchen Elend blieb er auf dem Boden sitzen. „Du weißt ja welche Teile wir brauchen.“ Das Klimpern von Münzen war zu hören, als Ryou einen Beutel aus seinem Mantel hervorzog. Er legte einen Teil der Münzen auf den Tisch. „Das ist deine Anzahlung, den Rest gibt es sobald die Teile eingebaut sind und das Schiff wieder in Ordnung ist.“ Er lächelte den Gavli an. „In spätestens zwei Stunden tauchst du bei meinem Schiff auf. Wenn nicht, dann kommen wir wieder.“
„Natürlich.“ Der Gavli neigte den Kopf. „Es war mir eine Freude Geschäfte mit Ihnen zu machen, meine werten Herren.“
Ryou verschnürte den Beutel mit Münzen wieder und Malik setzte sich seine Kapuze wieder auf. Sein Mantel war mit Blut besudelt, doch das kümmerte ihn nicht weiter. Es war sehr befriedigend für ihn gewesen die Govis zu töten.

Der Gavli stand erst auf, nachdem Ryou und Malik seinen Laden verlassen hatte. Er spuckte wütend auf den Boden. „Dieses Geschäft werdet Ihr noch bereuen, meine werten Herren.“


Mariku hatte versucht sich von seinem juckenden Rücken, den leichten, aber trotzdem unangenehmen, Schmerzen und Bakuras Mittel abzulenken in dem er Ordnung in seinem Zimmer schaffte. Dank Malik sah das Bett wirklich mitgenommen aus. Er sollte sich wirklich mal die Krallen stutzen. Mariku schmunzelte. Das würde ihm sicher nicht gefallen.
Als Malik eintrat, zuckte er erschrocken zusammen. Wenn man an den Teufel dachte... oder so.
„Bist du verletzt?“, fragte er, nachdem er das Blut auf Maliks Mantel sah.
Malik schlug seine Kapuze zurück und öffnete den Mantel. „Ist nicht meins.“ Er zog den Mantel aus und legte ihn auf den Tisch.
„Wessen ist es?“ Mariku kam näher. Er hatte ein ungutes Gefühl, aber Ryous konnte es nicht sein. Honda hätte ihn bestimmt erschossen, wenn er ohne Ryou zurückgekommen wäre.
Malik zuckte nur mit den Schultern. „Unwichtig.“ Er leckte sich über die Lippen. Er war immer noch ein bisschen berauscht von der Tötung und auf dem Rückweg waren ihm die Sonnen noch heißer vorgekommen. Dass der Stoff des Mantels dunkel war, hatte es nicht besser gemacht. Ihm war heiß, aber er fühlte sich anders als am Tag zuvor.

Malik packte Mariku am Kragen und zog ihn für einen hungrigen Kuss zu sich. Marikus Augen weiteten sich überrascht und fast hätte er Malik reflexartig von sich gestoßen, doch er fing sich und erwiderte den Kuss. Damit hatte er sicher nicht gerechnet.
Mariku drückte Malik gegen den Schrank und strich ihm über die Wange hinunter zu seinem Hals. Seine Finger wanderten über die harten Schuppen, die ihn beschützten, während Malik seine Finger in Marikus Haare krallte. Maliks Zunge wickelte sich um Marikus Zunge und selbst wenn Mariku es gewollt hätte, dann hätte er den Kuss nicht lösen können.
Marikus Hände strichen an Maliks Körper hinunter und packten seinen Hintern. Malik schlang seine Beine um Marikus Hüfte und hatte ihn damit in einer richtigen Umklammerung. Er festigte seinen Griff in Marikus Haaren und presste sich gegen ihn.
Mariku schwirrte der Kopf von der Leidenschaft, die in Maliks Kuss lag. Es war schon fast unheimlich, wie sehr die Hitze Malik veränderte. Naja, nicht wirklich veränderte, aber was sie mit seinem Körper und seinem Geist anstellte. Wobei er es zuvor ja nicht in Erwägung gezogen hatte, Malik jemals irgendwie körperlich nah zu kommen.

Keuchend sahen sie sich an, nachdem Malik den Kuss gelöst hatte. „Sind die Schmerzen stark?“, fragte er leise und Mariku schüttelte den Kopf. Verdammt, er hätte den Kopf auch geschüttelt, wenn die Schmerzen ihn fast umgebracht hätten. „Also können wir...?“ Mariku nickte. Er hielt Malik gut fest und trug ihn trotz protestierender Schulter zum Bett.


„Wir verschwinden bald von hier“, sagte Ryou als er Bakuras Zimmer betrat.
„Gut, die Hitze bringt mich um.“ Bakuras Stimme war gedämpft durch die Bettdecke zu hören.
„Das Schiff ist klimatisiert, ich weiß nicht wo dein Problem ist.“
„Pah! Ich spür’s trotzdem. Diese Hitze bäh!“
Ryou setzte sich an den Bettrand und hob die Decke an. „Du siehst echt scheiße aus.“
„Ja danke, sagt mir das ruhig alle.“ Bakura verzog beleidigt das Gesicht und Ryou schmunzelte. Bakura hob die Augenbrauen. „Das war ja fast ein Lächeln.“
„Ach, sei still.“
„Das solltest du öfter machen. Das steht dir viel besser, als das griesgrämige Gesicht, das du immer ziehst.“
„Sei still hab ich gesagt.“
Bakura setzte sich auf und gab Ryou einen kleinen Kuss. „Wie wär’s wenn wir, sobald wir wieder in einer Gegend sind, die wir kennen, miteinander ausgehen?“
„Wieso sollte ich mit dir ausgehen?“
„Weil ich unwiderstehlich bin.“
Ryou lachte. „Ja, bild’s dir nur ein.“
„Du brichst mir wirklich noch das Herz.“ Er grinste. „Das gefällt mir.“
Grinsend schüttelte Ryou den Kopf. „Du bist doch nicht ganz dicht.“ Er stand wieder auf und ging zur Tür. Er hatte keinen wirklichen Grund gehabt zu Bakura zu gehen, außer, dass er ihn sehen wollte. Er konnte sich die plötzliche Zuneigung zu ihm auch nicht so recht erklären. Als er an der Tür war, drehte er sich noch einmal um. „Wer weiß“, Bakura sah auf, „vielleicht gehen wir aus.“ Die Tür glitt zu bevor Bakura antworten konnte.

Ryou kehrte zu Jonouchi und Honda zurück, die am Bug des Schiffes standen und über die Schäden diskutierten. „Ich hab mit Anzu geredet und sie ist auch der Meinung, dass... oh hey Ryou!“ Jonouchi winkte kurz. „Ich hab Honda grad gesagt, dass wir, sobald wir zurück sind, am besten die komplette Außenhülle erneuern. Diese dauerhafte Flickerei tut der guten Amane nicht gut. Ich bin für Adamas.“
„Adamas? Bist du irre? Wie soll ich mir das leisten?“
„Hab ich ihm auch gesagt“, stimmte Honda Ryou zu. „Silex ist weitaus günstiger und mindestens genauso gut.“
„Ja, aber Silex musst du in spätestens 100 Jahren ersetzen und das auch nur, wenn du nicht jeden Tag unterwegs bist oder nur kurze Strecken. Adamas rechnet sich für uns, es ist stabiler und nutzt sich nicht so schnell ab.“
Ryou seufzte. „Lasst uns das noch mal besprechen, wenn wir zurück sind. Ich hab da grad nicht den Kopf dafür.“ Er strich über die Schrammen in der Außenhülle und ließ die Mundwinkel hängen. Seine Amane hatte schon vieles durchgemacht, aber das war bisher das Schlimmste. Er hatte das Schiff nach seiner Schwester benannt und es bedeutete ihm viel. Amane so beschädigt zu sehen tat ihm im Herzen weh.

„Denkst du, dass mit dem Gavli klappt?“
Ryou ließ die Hand sinken und sah Jonouchi an. „Er hat zu viel Angst vor Ma... dem Notechis um nicht aufzutauchen.“ Fast hätte er ihn beim Namen genannt.
„Ja, aber ist er denn vertrauenswürdig?“
„Es ist ein Gavli, die sind nie vertrauenswürdig.“
„Ich meine, wenn er uns über’s Ohr haut und irgendwelchen Mist einbaut?“
„Dafür hab ich doch dich.“ Ryou schlug Jonouchi auf den Rücken. „Immerhin bist du Mechaniker. Vielleicht kann Anzu auch kurz rauskommen.“ Ryou sah zu den drei Sonnen. „Eine wird in ein paar Stunden weg sein, dann gehen die Temperaturen ein bisschen runter.“

Eine Stunde später tauchten drei Gavli auf, zusammen mit fünf Govis, die verschiedene Geräte und Ersatzteile schleppten.
„Schön, dass ihr es pünktlich geschafft habt“, begrüßte Ryou sie und hatte dabei ein breites, aufgesetztes Lächeln auf den Lippen
Die Gavli verbeugten sich. „Aber natürlich, der Herr, aber natürlich.“ Ryou hatte das Gefühl, sie würden gleich vornüber kippen. „Wir machen uns gleich an die Arbeit.“
Mit verschränkten Armen stellte sich Ryou wieder zu Honda und Jonouchi. „Lasst sie nicht aus den Augen“, murmelte er ihnen zu. Er würde nicht zulassen, dass diese raffgierigen, kleinen Biester an seiner Amane rumpfuschten.


Keuchend ließ sich Mariku auf die Matratze sinken. „Oh verflucht.“ Er dehnte seine Schultern. Noch sorgten die Endorphine dafür, dass der Schmerz unterdrückt wurde, aber er rechnete schon damit, dass er sich bald wieder nicht rühren konnte. Wobei Mariku wirklich überrascht war, wie wenig er eigentlich von seinen Verletzungen gemerkt hatte. Trotzdem wünschte er sich die regenerativen Fähigkeiten von Malik. Man sah schon fast nichts mehr von den Kratzern, die er sich gestern selbst zugefügt hatte. Heute hatte Mariku ihn anders gefesselt, sodass er mit seinen Krallen seine Handfläche nicht erreichen hatte können.
„Mach mich los“, murrte Malik.
Mariku hievte sich wieder hoch und stieg über Malik hinweg. Er schob den Mantel zur Seite, nahm das Messer zur Hand und schnitt Maliks Fesseln durch. Malik rieb sich die Handgelenke und wischte sich das Gift mit seinem Shirt ab.
„Kannst du mal aufhören meine T-Shirts zu versauen?“ Unbeeindruckt sah Malik zu ihm auf und wischte sich den Mund sauber. Mariku verdrehte die Augen. Er trieb ihn wirklich noch in den Wahnsinn. Mariku zog sich an, während Malik sich auf dem Bett räkelte und gähnte. Mariku leckte sich über die Lippen. Er war schon wirklich fürs Auge, das musste man ihm lassen.

„Ich geh mal zu Bakura, er soll sich meinen Rücken anschauen.“ Malik wedelte nur unwirsch mit der Hand und Mariku ließ ihn allein.
Diesmal glitt die Tür auf, als er an sie herantrat.
„Kann man denn hier nicht mal in Ruhe leiden?“
„Nein.“
Seufzend kam Bakura unter der Decke hervor. „Wenn du mich wieder anschreien willst, dann kannst du gleich wieder gehen.“
„Nein, ich schrei dich nicht an. Ich denke, mein Körper hat’s abgebaut.“
„Oder du hast es rausgefickt“, erwiderte Bakura mit einem leichten Grinsen.
Mariku verdrehte die Augen. „Kannst du dir meinen Rücken anschauen?“
„Ja, setz dich.“ Bakura setzte sich auf und streckte sich leicht. Es nervte ihn, dass er nur rumliegen konnte, aber er reagierte sehr empfindlich auf hohe Temperaturen und spürte sie sogar durch die Kühlung des Schiffes. „Aber du musst mir ein bisschen was erzählen.“
„Das geht dich nichts an.“
„Ach, komm schon Mariku, ich bin so neugierig.“
Mariku zuckte mit den Schultern. Er würde Bakura bestimmt nicht erzählen, dass er Malik ans Bett fesseln musste. „Was soll ich dir denn erzählen? Wir haben miteinander geschlafen. Und?“
„Wie war’s? Wer war oben? Wie ist er gebaut? Wie bist du gebaut?“ Langsam wickelte er den Verband ab, während er seine Fragen stellte.
Mariku lachte. „Du bist wie Mai.“
„Wer?“
„Ach, ne gute Freundin von mir. Die war auch immer so neugierig.“
„Ist ja auch ein interessa... oh.“ Er starrte Marikus Rücken an.
„Was?“ Mariku warf einen Blick über die Schulter, doch er konnte nichts erkennen. „Was ist? Schlimm?“
„Nein, ganz und gar nicht.“ Als er über die Brandwunden strich, zog Mariku scharf Luft ein, doch der Schmerz war nur gering. Ein Großteil der Haut hatte schon zu vernarben begonnen. „Hast du noch große Schmerzen?“
„Nein, eigentlich nicht. Nur so ein unangenehmes Ziehen und leichtes Brennen. Was ist denn jetzt?“
„Das meiste ist verheilt.“ Bakura konnte es immer noch nicht ganz glauben. Er betrachtete Marikus Schulter, auch hier war ein großer Teil vernarbt.
„Das kann nicht sein“, widersprach Mariku. Es war unmöglich für ihn, dass die Brandwunden schon verheilt waren.
„Ha!“ Bakura klatschte in die Hände. „Ich denke, du schuldest mir eine Entschuldigung.“
„Denkst du, es war dein Mittel?“
„Wenn du nicht plötzlich die Fähigkeit zur Regeneration bekommen hast, schon.“
Mariku atmete hörbar aus. „Na, dann war’s ja doch für was gut.“
„Wenn das so weiter geht, dann solltest du in ein paar Tagen nichts mehr merken. Du hast zwar Narben von oben bis unten, aber naja.“ Er strich Mariku über die Schulter. „Die Wunde hier ist tiefer, die auf dem Rücken waren ja nur oberflächlich, also wird das noch etwas länger dauern, aber spätestens nächste Woche bist du wieder fit. Außer du machst noch mal so nen Scheiß.“
„Ich werd versuchen mich zurück zu halten.“ Mariku war erleichtert. Er war froh, wenn er endlich wieder in einem Stück war. Zumindest erklärte die rasche Heilung auch das nervige Jucken.

„Ich schmier dir noch was drauf.“ Bakura stand auf, doch kam ins Taumeln und wäre fast hingefallen, Mariku reagierte schnell genug und hielt ihn fest.
„Alles in Ordnung?“
„Ach, es ist nur diese verdammte Hitze.“ Er strich sich über die Augen. „Die macht mich ganz irre.“ Er öffnete den Schrank und kam mit einer Tube zu Mariku zurück. Die Creme war angenehm kühl. „Aber du hast mir immer noch nicht erzählt wie’s war.“
Mariku grinste. Bakura war wirklich wie Mai. Die hatte sich auch nie vom Thema ablenken lassen, zumindest nicht für lange. „Es war gut.“
„Ist das alles? Nur gut? Ihr wart ziemlich laut für nur gut.“
„Es war richtig, richtig gut.“
„Wer war oben?“
„Ich.“
„DU?“ Bakura machte ein ungläubiges Gesicht.
„Ja, ich. Was ist daran so überraschend?“
„Naja“, Bakura wickelte wieder den Verband um Marikus Oberkörper, „Malik ist sehr dominant.“
Mariku zuckte mit den Schultern. „Es hat sich halt so ergeben.“
„Und wie kam’s dazu?“
„Es hat sich so ergeben“, wiederholte Mariku und stand auf.
„Mariku, wir sind doch Freunde. Erzähl mir mehr.“
„Bis später.“
„Mariku!“

Doch Mariku ging in sein eigenes Zimmer zurück, ohne zu antworten. Malik lag immer noch nackt auf dem Bauch. „Willst du dir nicht mal was anziehen?“
„Noch nicht“, murmelte Malik und streckte sich leicht. Mariku ließ seine Augen über Maliks Körper wandern. Wie war es nur so weit gekommen?


„Siehst alles gut aus“, sagte Anzu. Sie war von oben bis unten in Tücher gehüllt um die Hitze fernzuhalten. Durch den hohen Wasseranteil ihres Körpers waren sowohl Hitze, als auch Kälte für sie lebensgefährlich.
„Sicher?“, rief Ryou ihr zu.
„Ja, alles ordnungsgemäß verbaut.“ Sie sprang zurück auf den Boden und landete neben Ryou. „Honda sagt auch, dass die Steuerung wieder einwandfrei funktioniert. Die Motoren schnurren wie am ersten Tag. Gute Arbeit.“
„Gut, du kannst wieder reingehen.“ Ryou drehte sich zu dem Gavli um, der ihn abwartend ansah. „Scheint alles in Ordnung zu sein.“
„Natürlich, wir liefern nur die beste Arbeit.“
Seufzend reichte ihm Ryou den Beutel mit den Münzen. „Wenn es Probleme gibt, dann kommen wir zurück.“
„Natürlich, natürlich.“ Er verbeugte sich und berührte mit seiner großen Nase fast den Sand. Ryou sah das Grinsen auf seinem Gesicht nicht.

„Macht alles für den Abflug bereit.“ Ryou ging nicht mit den anderen ins Cockpit, sondern zu Mariku und Malik. Malik hatte sich in der Zwischenzeit angezogen. Beide sahen auf als Ryou eintrat. „Das Schiff ist repariert und wir werden gleich starten.“
Malik sah auf seine Krallen und dann zurück zu Ryou. Mit dem Daumen strich er an den Spitzen entlang. Er sagte nichts, sondern wartete darauf, das Ryou weitersprach.
Ryou fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. Er konnte Malik nicht einfach gehen lassen, doch sie hatten eine Abmachung. Ryou kannte die Veri-Galaxie. Sie lag außerhalb des Wirkungsbereichs der Sternenallianz, war aber zu Kriegszeiten als Zufluchtsort genutzt worden. Es gab nur wenige bewohnte Planeten, die der Sternenallianz zwar neutral gegenüber standen, jedoch auch deutlich gemacht hatten, dass sie nichts mit ihr zu tun haben wollten. Wäre es möglich Malik wieder aufzuspüren? Was wollte er überhaupt dort? Hatten sich die Notechis dort versteckt? Welchen Grund hätte Malik sonst dort hin zu wollen? „Ich brauch die Koordinaten.“
„458C 52W“, antwortete Malik und Ryou ging ohne ein weiteres Worte.
„Ich bin überrascht“, murmelte Mariku. Er hätte eher erwartet, dass Ryou Malik trotzdem auslieferte.
Malik erwiderte nichts, sondern starrte immer noch auf den Fleck, auf dem Ryou zuvor noch gestanden hatte. Er schien es ebenfalls nicht glauben zu können.

Ryou fühlte sich unwohl, als er auf seinem Sitz platznahm. Sie könnten trotzdem in die Eretal-Galaxie springen, aber Malik würde sich nicht ohne weiteres ergeben. Sie könnten ihn auch erneut betäuben.
„43T 467G – ab nach Hause!“, rief Jonouchi freudig aus.
„Warte.“ Ryou schloss die Augen. Wieso fiel ihm das nur so schwer? Sie mussten Malik nur wieder betäuben und anketten. Es wäre so einfach.
Die Crew sah Ryou verwundert an. „Was ist los?“
„Nicht die Eretal-Galaxie“, sagte Ryou leise. Malik hatte ihnen das Leben gerettet und ihnen geholfen. Er war ein Bastard und ein Monster, aber das war der Deal gewesen. Er war nicht so wie ein Notechis, er log nicht. „Veri-Galaxie.“
„Was?“
„Ryou!“
„458C 52W – das sind die Koordinaten.“
„Das ist nicht dein Ernst!“
„Das war die Abmachung und ich halte mein Wort.“ Honda, Jonouchi und Anzu redeten aufgebracht durcheinander. „SEID STILL!“ Ryou schnaubte. „Es gefällt mir auch nicht, aber...“ Er presste die Lippen aufeinander. „Tut es einfach. Bringen wir’s hinter uns.“
Jonouchi ballte die Hände zu Fäusten. „Ich mach das nicht.“
„Du tust was ich dir sage oder ich such mir jemand anderen, der es macht“, fauchte Ryou. Er hatte keine Geduld mehr und auch keine Lust auf eine Diskussion.
Jonouchi starrte ihn wütend an und Anzu und Honda warfen sich unsichere Blicke zu.
„Macht bitte“, flüsterte Ryou. „Ich will einfach nur, dass es endlich vorbei ist.“

Sie hoben ab und Jonouchi tippte widerwillig die von Ryou genannten Koordinaten ein. „Das gefällt mir ganz und gar nicht“, brummte er. Sie verließen Abulus Atmosphäre und es wurde merklich kühler im Schiff. Mit wenigen Knopfdrücken schaltete Ryou die Klimaanlage aus und passt die Gravitation an.
„Ich bereite alles für den Sprung vor.“ Anzus Stimme war leise.
Das Schiff beschleunigte und sie wurden leicht in ihre Sitze gedrückt. Ihre Umgebung verzog sich und das Licht von Abulus Sonnen brach sich in einem unnatürlichen Winkel. „Sprung in 3... 2... 1.“

Alles lief normal, bis erst die Motoren und dann die Lichter ausfielen. Amane verlor an Schubkraft und sie wurden aus dem Sprung gerissen. Das Schiff kreiselte, dann blieb es liegen.
„Verflucht!“, schimpfte Jonouchi und versuchte die Motoren wieder in Gang zu bringen, doch diese gaben keinen Mucks von sich. Das gesamte Getriebe war ausgefallen.
„GAVLI“, brüllte Ryou und stampfte mit dem Fuß auf den Boden. „Dieses verdammte Biest. Ich bring ihn um! Ich bring ihn eigenhändig um!“ Er rief die Sternenkarte auf um nachzusehen, wo sie gelandet waren. Tulus-Galaxie, wenigstens waren sie fast wieder zuhause. Nur leider gab es keine bewohnten Planeten in der näheren Umgebung.
„Was machen wir jetzt?“ Jonouchi hämmerte wütend auf seinem Armaturenbrett herum.
„Ihr habt die Arbeit doch überprüft, wie konnte das passieren?“
„Naja“, fing Anzu ihre Erklärung an, „der Fehler trat erst auf, als wir einen Sprung machen wollten. Das war ein Teil an dem sie eigentlich gar nichts hätten tun müssen. Ich hab mir nur die Steuerung und den Antrieb angeschaut.“
„Großartig“, murmelte Ryou und ging unruhig im Cockpit auf und ab. Er strich sich die Haare zurück. „Können wir irgendwas tun? Notfallsystem?“
„Ausgefallen“, antwortete Jonouchi. „Außer Schweben steht nichts auf dem Programm.“
„Noch irgendwas?“
„Nein, ich kann nicht mal die Richtung ändern.“
Ryou seufzte. „Anzu, kannst du schauen, ob du von hier drinnen irgendwas machen kannst?“ Er hatte zwar die Möglichkeit Anzu auch nach draußen zu schicken, sie hatten Anzüge dafür, doch es war riskant und er hatte schon zu viel Risiko in den letzten Tagen gehabt.
„Klar, ich mach mich gleich an die Arbeit.“
Würde Anzu das Schiff nicht reparieren können, dann hatten sie keine andere Wahl als solange durch das All zu schweben bis sie hoffentlich nahe genug an einen Planeten kamen oder ihnen ein Schiff begegnete und sie einen Funkspruch abgeben konnten. Immerhin war die Tulus-Galaxie eine beliebte Handelsgalaxie. Es sollte nicht zu lange dauern bis ihnen ein Raumschiff begegnete... zumindest hoffte Ryou das.
Was ging denn auf dieser Reise noch alles schief?

Plötzlich ging ein Ruck durch Amane und sie setzte sich in Bewegung. „Was ist das jetzt schon wieder?“ Ryou stieß genervt Luft aus. Er hatte wirklich keine Nerven mehr.
„Wir bewegen uns.“
„Ja, das weiß ich auch. Bringt mir was auf den Schirm!“ Das Bild eines fremden Raumschiffs tauchte auf dem Bildschirm auf und Ryou stöhnte, als er das Symbol auf der Außenhülle sah. Das konnte doch jetzt wirklich nicht wahr sein! Er wurde auch von gar nichts verschont. „Ich hasse Piraten.“

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