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Mariku saß in seiner Kabine gegen die Wand gelehnt und starrte an die Tür. Maliks Selbstsicherheit hatte ihn überrascht. Er war so davon überzeugt, dass er nicht sterben würde, das Mariku sich regelrecht dumm vorkam, dass er überhaupt davon ausging. Natürlich hatte er Malik gefragt, was ihn so sicher machte, aber Malik hatte sich nur mit einem „Du langweilst mich“ von ihm weggedreht und nicht mehr auf ihn reagiert. Mariku seufzte. Er versuchte Malik einzuschätzen, doch es war unmöglich. Für ihn schien das alles nur ein Spiel zu sein.
Mariku berührte seine linke Schulter. Die Schmerzen wurden immer stärker. Ob es okay war, wenn er Bakura weckte? Immerhin war es sowieso fast morgen. Zumindest hoffte er das, denn er hatte keine Lust mehr tatenlos herumzusitzen und darauf zu warten bis die anderen aufwachten, nur weil ihn seine Schulter nicht schlafen ließ. Außerdem ließ ihn Maliks Verhalten nicht los. Es machte ihn unruhig, nicht einmal im Ansatz zu ahnen was in ihm vorging. Mariku seufzte genervt. Er wollte endlich hier weg und nach Ptera. Er hoffte nur, sie würden noch rechtzeitig ankommen. Noch hatte er zwei Tage, bis er sich in der Schule melden musste. Warum musste ausgerechnet ihm so etwas passieren? Er hatte zwar immer von Abenteuern geträumt, aber erst nachdem er Pilot war. Er seufzte erneut und legte den Kopf zurück. Zumindest hatte er so am ersten Schultag gleich etwas zu erzählen, sofern er lebendig hier rauskam.

Mariku horchte auf, als er Geräusche auf dem Flur hörte. Hastig stand er auf und trat aus dem Zimmer, dabei stieß er mit Bakura zusammen. Mariku verzog das Gesicht vor Schmerz und hielt sich den Arm. „Sorry“, murmelte Bakura, doch er sah ihn nicht an. Sein Blick war auf Ryou gerichtet, der zusammen mit Honda in dem Raum verschwand, in dem Malik festgehalten wurde. „Muss ich mir deinen Arm noch mal anschauen?“
„Ja.“ Doch Mariku war sich nicht sicher, ob Bakura ihn überhaupt gehört hatte.

„Süß“, hörten sie Malik sagen, als sie den Raum betraten. Er hatte inzwischen eine Kratzwunde an der Wange und Blut tropfte von Ryous Krallen auf den Boden. Malik schenkte Mariku einen kurzen Blick, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Ryou zu.
„Verschwindet!“, fauchte Ryou sie an ohne sich umzudrehen.
„Ich bin nicht hier um dich aufzuhalten“, erklärte Bakura schulterzuckend und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Wand. Mariku blieb an der Tür stehen, nicht sicher, warum er überhaupt hier war. Er wollte nicht dabei zusehen, wie Ryou Malik umbrachte. Trotzdem hielt er seinen Blick auf ihn gerichtet; neugierig, wie er aus dieser Situation herauskommen wollte.
„Komm schon, du Insekt“, provozierte Malik. Er spannte die Muskeln in seinen Armen an. „Zeig mir, was du drauf hast.“ Er zerrte an den Ketten. „Mach ruhig weiter, sobald ich frei bin, zeig ich dir was Schmerzen sind!“
Ryou bebte vor Zorn. Er hielt Malik seine Klauen direkt vor die Augen. „Du wirst nie wieder irgendwen verletzten, du Bastard. Ich sorg dafür, dass du mich anbettelst, dass ich dich endlich umbringe. Ich werde meine Familie rächen. Ich werde alle rächen!“ Seine Stimme war leise, doch Malik zeigte sich von seiner Drohung nicht beeindruckt. Er lachte nur und Mariku lief es eiskalt den Rücken hinunter. Selbst Bakura verlagerte unbehaglich sein Gewicht.
„Das wirst du bereuen, Sklave.“ Ryou schlug Malik erneut und verpasste ihm eine weitere Kratzwunde.
„Ich bin kein Sklave“, fauchte Ryou und ballte die Hände zu Fäusten.
„Aber bald wieder.“
Ryou packte Malik an der Kehle. Sein Gesicht war vor Wut und Hass verzerrt. Seine Krallen ritzten die schuppenlose Haut an und Blut rann langsam an Maliks Hals hinab. Malik zeigte immer noch keine Spur von Angst. Im Gegenteil, er sah Ryou gelangweilt an, dann glitt sein Blick zu Mariku und fixierte sich auf ihn.
Mariku trat unruhig von einem Bein auf das andere. Er durfte sich nicht einmischen. Das ging ihn nichts an. Er würde das noch bereuen. „Warte“, sagte er schließlich und Maliks Lippen verzogen sich zu einem triumphierenden Grinsen.
„Was?“, fuhr Ryou Mariku an ohne Malik loszulassen. Das Grinsen auf dessen Gesicht machte ihn nur noch wütender. Er wollte ihm am liebsten sofort den Kopf von den Schultern reißen.
Mariku seufzte. Was hatte er nur getan? „Wir wissen immer noch nicht, wo wir sind, oder?“ Ryou antwortete nicht. Er ließ Malik nicht aus den Augen. „Aber er weiß es.“
„Und du glaubst, ich traue auch nur einem Wort, das über seine Lippen kommt?“, spie Ryou aus. Er ließ Malik los und wirbelte herum. Er sah aus als wollte er jeden Moment auf Mariku losgehen.

„Er wird uns wohl kaum in den Tod lotsen, wenn er selbst an Bord ist.“
„Wir finden auch so einen Weg hier raus. Ich werde es gewiss nicht von Abschaum wie ihm abhängig machen.“ Er drehte sich wieder zu Malik um.
Mariku atmete tief durch. Warum verteidigte er Malik? Er hatte es nicht verdient. Er war ein Monster und er stritt es noch nicht einmal ab. Er war sogar stolz darauf. „Aber…“ Ryou verdrehte die Augen.
„Wenn du so weiter machst, dann bring ich dich nach ihm um. Verschwinde Mariku! Das hier geht dich nichts an, oder willst du ihm auch noch deine zweite Schulter anbieten?“
Mariku biss sich auf die Unterlippe. „Ich weiß, was er und sein Volk getan haben und ja verdammt, er hat den Tod verdient, aber überleg doch mal; was, wenn es noch mehr von ihnen gibt? Was, wenn sie wieder einen Krieg planen?“ Diesmal machten Marikus Worte Ryou wirklich nachdenklich. „Du willst doch nicht, dass sich alles wiederholt? Es wäre schlauer Malik…“
„Malik?“, fuhr Ryou dazwischen und Mariku wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte. „Du kennst seinen Namen?“
„Naja, ich…“
Ryou richtete seine blutverschmierten Klauen auf Mariku. „Siehst du nicht, was er tut? Er beeinflusst dich! Und das sehr erfolgreich.“ Mariku sah über Ryous Schulter hinweg zu Malik, der ihn weiterhin angrinste. „Ihr Menschen seid einfach zu schwach.“
„Trotzdem hat er recht“, mischte sich plötzlich Bakura ein. „Wir können nicht riskieren, dass es wieder zu einem Krieg kommt. Er ist ein Kriegsverbrecher und er gehört bestraft, aber wir sollten ihn den Behörden ausliefern.“ Wütend schrie Ryou auf und stürmte aus dem Raum. Honda folgte ihm. Bakura sah Mariku schon fast vorwurfsvoll an. „Ich hoffe, ich bereu das nicht eines Tages.“ Er stieß sich von der Wand ab und ging ebenfalls.
Mariku atmete tief durch. In was hatte er sich da nur wieder reinziehen lassen? „Siehst du, ich hab doch gesagt, ich werd nicht sterben.“
„Ich werd das noch bereuen“, murmelte Mariku und strich sich durch die Haare. „Ganz sicher.“
„Keine Sorge, als Belohnung werde ich dich schnell umbringen.“


Mariku schrie auf, als Bakura ihm in die Schulter kniff. „Ich will nicht, dass du vergisst, zu was er fähig ist“, erklärte er mit grimmiger Miene.
„Werd ich ganz sicher nicht.“ Er trank das Glas, das Bakura ihm reichte, mit zwei Zügen leer. Die Flüssigkeit schmeckte bitter, doch sie half gegen seine Schmerzen. Trotzdem verzog Mariku das Gesicht. „Hunderte Jahre Evolution und Medizin schmeckt immer noch eklig. Bäh!“
Bakura ließ sich auf Marikus Bett sinken und sah zu ihm hoch. „Erklär mir lieber, was das für eine Aktion war. Das war echt dämlich.“
„Das wüsste ich auch gern“, antwortete Mariku und seufzte. Er setzte sich neben Bakura. „Wahrscheinlich hat er mich wirklich irgendwie beeinflusst und ich war zu dumm um es zu merken.“ Er strich sich durch’s Gesicht. „Ich bin so ein Idiot.“
„Du kannst nur hoffen, dass er dich zuerst umbringt, weil, bei ihm wird’s schneller gehen als wenn Ryou dich zwischen die Finger bekommt.“
Mariku grinste leicht. „Ryou würde mir den Schwanz abreißen und ihn essen, während er mich dabei zusehen lässt.“
Bakura begann zu lachen. „Japp, genau das würde er tun. Und ich warne dich“, er tippte mit seinem Finger gegen Marikus Brust, „wenn ich wegen dir meine Chance bei ihm verspielt hab, dann musst du das wieder gut machen.“
„Welche Chancen?“
„Hey, zwischen uns ist definitiv was.“
„Ja klar. In deinen Träumen vielleicht.“ Sie lachten beide.


„RAUS!“, brüllte Ryou sie an, als Mariku und Bakura das Cockpit betraten. Das Schiff hatte sich wieder in Bewegung gesetzt.
„Wir wollten nur…“
„VERSCHWINDET! Ich will eure Gesichter nicht mehr sehen. Raus! Raus! RAUS!“ Energisch deutete Ryou zur Tür und Mariku und Bakura zogen sich wieder zurück.
„Wir können wohl froh sein, dass er uns noch nicht komplett von Bord geworfen hat“, meinte Bakura schulterzuckend. Sie mussten sich an der Wand abstützen, da das Schiff äußerst unsicher flog. Die Steuerung war immer noch defekt.
„Tut mir leid, dass du wegen mir jetzt auch noch Ärger hast.“ Seit Jupiter schien wirklich alles schief zu laufen. Hätte er die Erde bloß nie verlassen. Mariku seufzte. Und das nur weil er Partei für Malik ergriffen hatte, der ihn zu allem Überfluss auch noch fast umgebracht hätte. Er musste wirklich an seinen Prioritäten arbeiten. Es war besser, wenn er sich in Zukunft von ihm fernhielt.
In diesem Moment nahm das Schiff eine leichte Schräglage ein. Die zwei Männer verloren den Boden unter den Füßen und schlitterten den Flur entlang. Mariku fluchte, als er sich die Schulter an der Wand stieß. „Das ist die schlimmste Reise meines Lebens“, murrte er und drückte seinen verletzten Arm an sich.
„Du bist auch noch nie mit einem Onkel geflogen. Einmal und nie wieder, sag ich dir.“ Bakura rieb sich den Hinterkopf. Das Schiff kehrte in seine normale Position zurück und sie rappelten sich wieder auf. „Wir sollten uns trotzdem anschnallen. Die Landung könnte etwas ungemütlich werden.“
„Landung?“, fragte Mariku verblüfft.
„Naja, ich hab einen Planeten gesehen, als wir zuvor bei Ryou waren. Ich gehe davon aus, wir werden dort landen. Das Schiff muss repariert werden“, Bakura öffnete die Tür zu seinem Zimmer, „und ich trau dem Notechis auch nicht genug um ihn zu fragen wo wir sind.“

Mariku starrte für einen Moment auf die geschlossene Tür zu Bakuras Zimmer, doch als das Schiff erneut ruckelte, eilte er in sein eigenes und setzte sich. Kurz nachdem er sich angeschnallt hatte, stellte sich das Schiff auch schon Kopf. Mariku fühlte sich wie in einer Achterbahn. Wieder ertönte das Warnsignal und Mariku schloss die Augen. Der Sicherheitsgurt drückte schmerzhaft gegen seine Schulter und die Erschütterungen machte seine Situation nicht besser. Mariku fluchte. Er spürte, wie das Schiff beschleunigte. Aufgrund der Schräglage ging er jedoch davon aus, dass die Geschwindigkeit nicht beabsichtigt war. Sie wurden durchgeschüttelt und Mariku biss sich auf die Unterlippe.

Als sie auf der Oberfläche des Planeten aufschlugen, wurde Mariku nach vorne gerissen. Einer der Sicherheitsgurte riss unter der Belastung. Die Lichter flackerten und erloschen anschließend. „Fuck, fuck, fuck“, murmelte Mariku ohne Unterbrechung. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Seine Schulter blutete wieder. Die Tür zu seinem Zimmer glitt auf. „Bitte sag mir, dass wir nicht abgestürzt sind.“
„Okay, ich sag’s dir nicht“, erwiderte Bakura. Er stand an der offenen Tür und hatte den Absturz ohne Verletzungen überstanden. „Soll ich dir helfen?“
„Nein.“ Mariku stützte sich mit seinem unverletzten Arm auf dem Tisch ab und stemmte sich aus dem Sitz. Sein Arm zitterte und fast hätten seine Beine unter ihm nachgegeben.
„Na gut, ich schau schnell wie’s den anderen geht, dann schau ich mir noch mal deine Schulter an. Leg dich besser hin.“

Für einen Moment zog Mariku Bakuras Rat in Erwägung, doch dann verließ er ebenfalls sein Zimmer. Er hörte Malik zischen und fluchen. „Seid ihr total bescheuert?“, fauchte Malik ihn an als er den Raum betrat.
„Wir sind ein bisschen abgestürzt.“
„Oh, wirklich?“, sagte er mit einem sarkastischen Unterton. „Ihr seid wirklich zu nichts zu gebrauchen.“ Er zerrte an seinen Ketten. „Lass mich frei, dann erlöse ich euch von eurer Unfähigkeit.“
„Bist du verletzt?“ Malik gab nur einen abfälligen Laut von sich und Mariku verdrehte die Augen. Warum war er überhaupt schon wieder hier? „Du könntest wirklich netter zu mir sein, wenn ich schon dafür sorge, dass du nicht umgebracht wirst.“
„Ich bin nicht von deiner Gnade abhängig, Mensch!“ Er spie das letzte Wort regelrecht aus.
„Oh doch das bist du, Notechis!“ Malik zischte und fauchte. Er zerrte an den Ketten und fletschte die Zähne. Mariku ließ ihn wieder allein. Großartig, jetzt hatte er ihn auch noch wütend gemacht.

„Mariku verdammt, da bist du ja!“ Bakura kam ihm entgegen. „Du hast dir echt einen Narren an ihm gefressen, was?“
„Halt’s Maul“, murrte Mariku. „Bei den anderen alles in Ordnung?“
„Nur ein paar Beulen.“ Bakura winkte ab. „Lass mich lieber deine Schulter sehen.“
Sie kehrten in Marikus Zimmer zurück und Bakura löste den blutgetränkten Verband. Er schluckte schwer, als er die offene Wunde sah. Der Blutgeruch stieg ihm in die Nase und sorgte dafür, dass ihm das Wasser im Mund zusammenlief.
„Alles in Ordnung?“, wollte Mariku wissen, als Bakura keine Anstalten machte sich um die Wunde zu kümmern. Bakura antwortete nichts. Wie gebannt starrte er auf das Blut. Menschenblut roch so süß, es machte ihn fast wahnsinnig. Nur ein Schluck. Nur ein kleiner Schluck. „Bakura?“ Mariku drehte sich um und Bakura schreckte hoch. Blinzelnd sah er Mariku an.
„Ich… dein…“ Sein Blick fiel wieder auf die Wunde. Ein Rinnsal lief über Marikus Brust. „Blut.“ Er leckte sich über die Lippen. „Es ist so… ablenkend.“
„Ryou hat dich nicht ohne Grund einen Blutsauger genannt.“
Nur schwer konnte Bakura den Blick abwenden. „Nein.“ Sein Atem hatte sich inzwischen merklich beschleunigt. „Nur ein bisschen“, flüsterte er.
„Verdammt noch mal“, fluchte Mariku und legte Bakura seinen Fuß auf die Brust um ihn auf Distanz zu halten. „Was hab ich nur an mir, dass ihr Aliens mich entweder flachlegen oder fressen wollt?“ Er stieß Bakura mit dem Fuß vom Bett, was diesen wieder in die Realität zurückbrachte. Er schüttelte ein paar Mal den Kopf.
„Ich komm gleich wieder.“

Doch bevor er den Raum verlassen konnte, stand Ryou an der Tür. „Jou, Honda und ich gehen raus und sehen uns um. Ihr bleibt hier. Ihr verlasst nicht das Schiff. Habt ihr mich verstanden?“
„Jawohl, Sir!“ Bakura deutete einen kleinen Knicks an und Ryou schenkte ihm nur einen wütenden Blick.

Seufzend ließ sich Mariku auf die Matratze sinken und kümmerte sich nicht darum, dass er damit das Laken versaute. Ob er überhaupt jemals auf Ptera ankommen würde? Inzwischen zweifelte er daran.
Bakura kam mit einer Flasche in der Hand wieder zurück. „So“, er grinste, „jetzt bin ich wieder voll da.“

Er befestigte die Bandagen und begutachtete sein Werk. „Noch irgendwelche Schmerzen?“
„Momentan nicht“, antwortete Mariku und zog sich sein Oberteil wieder an.
„Gut, wollen wir uns draußen umsehen?“
„Klar!“ Zwar hatte Ryou ihnen verboten das Raumschiff zu verlassen, doch er war bei ihm sowieso schon unten durch, da war es auch schon egal.

Draußen war es schwül und drückend. Mariku wischte sich über die Stirn und lüftete sein Shirt. Der Boden war weich und morastig, weshalb sie aufpassen mussten, wo sie hintraten um nicht im Morast zu versinken. Mariku legte den Kopf in den Nacken. Er konnte kaum die Baumkronen erkennen. Wie es aussah waren sie in eine Art Dschungel abgestürzt. Nur schwach drang das Licht durch das Loch, welches sie in das Blätterdach gerissen hatten. Um sie herum war es dämmrig und Mariku fiel es schwer etwas zu erkennen. Er betrachtete das Schiff und sah Anzu darauf stehen. „Wie sieht’s aus?“, rief er zu ihr hoch.
„Die Außenhülle ist leicht beschädigt, aber das macht mir keine Sorgen.“ Sie sprang nach unten und landete grazil auf ihren Füßen. „Die Steuerung macht mir mehr Sorgen. Ich weiß noch nicht, wo das Problem liegt.“ Sie seufzte.
„Du findest es sicher“, sprach Mariku ihr aufmunternd zu und Anzu strich sich verlegen eine Strähne hinters Ohr.

„Seht euch das mal an!“, rief Bakura plötzlich. Er stand ein Stück entfernt und hatte die Hände zur Seite gestreckt, als wollte er gleich jemanden umarmen. Zwischen den Bäumen war ein netzartiges Gebilde, auf dem Tautropfen schimmerten.
„Sieht aus wie ein Spinnennetz“, erklärte Mariku, als er näher kam.
„Was ist ein Spinnennetz?“
„Spinnen sind eine Tierart auf der Erde, gibt unterschiedliche Arten und sie spinnen solche Netze um Beute zu fangen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Für gewöhnlich sind sie aber weitaus kleiner.“ Er betrachtete das Netz. Die Fäden waren so dick wie sein Arm. Mariku bekam eine Gänsehaut. Er wollte ganz sicher nicht auf die Spinne treffen, dessen Netz das war. Bakura streckte die Hand aus um es anzufassen, doch Mariku hielt ihn auf. Er hob einen Ast vom Boden auf und berührte damit das Netz. Das Holz blieb sofort kleben und egal wie sehr er sich anstrengte, er bekam den Ast nicht mehr los.
Bakura schauderte. „Das war knapp.“
„Lass uns lieber zurückgehen.“ Mariku sah sich unruhig um. „Ich trau der Sache hier nicht.“
Bakuras Blick war immer noch auf den Ast gerichtet. Er nickte langsam. „Es ist auch verdammt still hier.“
„Was meinst du?“
„Naja“, er strich sich durch die Haare, „ich höre nichts. Rein gar nichts.“ Er ließ seinen Blick über die Bäume schweifen. „Entweder ist das hier ein toter Planet oder etwas hier verhindert jegliche Geräusche.“ Bakuras Worte sorgten nicht dafür, dass sich Mariku ruhiger fühlte.
„Was ist mit Ryou und den anderen?“ Bakura schüttelte den Kopf. „Aber sie können noch nicht so weit sein.“
„Ich weiß.“ Er knirschte mit den Zähnen. „Ich sollte sie ohne Probleme hören können, aber…“ Er schüttelte den Kopf. Mariku war froh, als sie wieder im Schiff waren, doch er fühlte sich nicht ruhiger. Was war das für ein Planet? Waren Ryou, Jonouchi und Honda in Ordnung?

„Ich frage Malik, wo wir sind“, erklärte er und Bakura sah ihn skeptisch an.
„Ryou hat recht, er ist nicht sehr vertrauenswürdig.“
Mariku zuckte mit den Schultern. „Aber er ist momentan der Einzige, der uns überhaupt einen Anhaltspunkt geben kann. Er wird nicht wollen, dass wir sterben, solange er angekettet ist.“
„Ihr Menschen seid echt seltsam.“
„Wem sagst du das“, murmelte Mariku und ging zu Malik. Dieser starrte ihn wütend an. „Wo sind wir?“ Doch Malik presste nur die Lippen aufeinander, wie ein kleines, schmollendes Kind. Mariku setzte sich ihm gegenüber. „An deiner Stelle würd ich mit der Sprache rausrücken. Wir könnten sterben und dann verrottest du in diesen Ketten.“
Malik zischte. Seine lange, gespaltene Zunge schnellte vor und verschwand dann wieder hinter seinen spitzen Zähnen. „Woher soll ich das wissen? Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, ich bin hier festgekettet und es gibt hier kein Fenster.“ Damit hatte er einen Punkt.
„So wie’s aussieht sind wir in einem Dschungel“, begann Mariku zu beschreiben, „hohe Bäume, es kommt kaum Licht durch, trotzdem ist es unangenehm schwül. Der Boden ist Morast. Bakura sagt, er hört nicht das geringste Geräusch.“ Malik sah ihn mit unbewegter Miene an. Mariku konnte nicht sagen, ob Malik den Planeten kannte oder nicht. „Außerdem gibt es riesige Spinnennetze.“
„Was ist das?“ Seine Stimme klang gelangweilt. Mariku gab ihm dieselbe Beschreibung, wie auch schon Bakura. Daraufhin veränderte sich Maliks Gesichtsausdruck. Er wirkte besorgt, zumindest deutete Mariku es als Besorgnis. Die Ketten klirrten als er unruhig seine Sitzposition veränderte. „Mach mich los.“ Diesmal klang er angespannt.
„Ganz sicher nicht.“
„Mach mich los!“, wiederholte er eindringlich. „Ich geh hier nicht mit euch zusammen drauf.“
Mariku hob eine Augenbraue. Also wusste Malik wo sie waren und was auch immer hier lebte, es beunruhigte sogar ihn. Das konnte kein gutes Zeichen sein. „Wo sind wir? Was lebt hier?“
Zischen. „Pack deine kleinen Freunde und bringt dieses Schiff hier weg.“
„Sag mir, wo wir sind!“
„Lass mich frei!“ Malik lehnte sich nach vorne, sodass die Ketten straff gezogen wurden. Mariku blieb unbeeindruckt sitzen, auch wenn Maliks Gesicht nur Zentimeter von seinem entfernt war. Unwohl fühlte er sich trotzdem.
„Vielleicht lass ich dich frei, wenn du mir endlich sagst, wo wir sind.“ Er hatte es satt, das diese Aliens dachten, sie könnten ihn einschüchtern mit ihren Krallen und Zähnen.
Mit einem frustrierten Laut ließ sich Malik zurücksinken. „Gut, dann krepiert doch.“ Er drehte den Kopf zur Seite und Mariku verdrehte genervt die Augen.
„Was für ein Dickschädel!“ Mariku stand auf, weil er sah, dass er hier nicht weiterkam. Er musste warten bis Ryou zurückkehrte und ihm sagen, dass der Planet gefährlich war. Zumindest hoffte er, dass Ryou zurückkam.

„Was herausgefunden?“, fragte Bakura. Er stand an der Türöffnung des Raumschiffs und hatte die Augen geschlossen.
„Keine Details. Nur das, was auch immer hier lebt, ziemlich gefährlich ist. Sogar Malik scheint Angst zu haben.“
Bakura sah ihn an. Sorge lag in seinem Blick. „Wenn jemand wie er schon Angst hat, dann“, er wandte den Blick wieder nach draußen und ließ den Satz unausgesprochen. Mariku konnte sich auch so denken, was er sagen wollte.
„Hörst du irgendwas?“
Bakura schüttelte den Kopf. „Nur Anzu. Die Stille macht mich noch verrückt.“
„Ich hoffe, Ryou kommt bald zurück.“

Wie aufs Stichwort spannte sich plötzlich Bakuras Körper an. Mariku kam es vor, als würden sich seine Ohren aufrichten. Dann rannte er los. Er stolperte fast, als er mit einem Fuß im Morast versank.
Mariku trat ebenfalls nach draußen und sah ihm fragend hinterher. Was war denn jetzt los? Anzu gesellte sich zu ihm. Sie schien genauso verwirrt wie er selbst.
Plötzlich brach Ryou aus dem Unterholz hervor. Er atmete schwer und hatte einen gehetzten Gesichtsausdruck. Unsicher warf er einen Blick über die Schulter. Honda war direkt hinter ihm. Selbst aus der Entfernung konnte Mariku sehen, dass seine Haut glühte. Jonouchi tauchte nicht auf und Mariku bekam ein flaues Gefühl im Magen. Ryou hatte eine klaffende Wunde am Arm. Honda schien unverletzt. „Was ist passiert?“, rief Bakura ihnen zu und blieb stehen.
„Hab ich nicht gesagt, ihr sollt im Schiff bleiben?“, schnauzte Ryou ihn an, schien jedoch froh ihn zu sehen. Er verlangsamte seine Schritte und blieb keuchend vor Bakura stehen.
„Was ist passiert?“, fragte Bakura erneut und nahm vorsichtig Ryous Arm. Der Stoff seines Oberteils war mit Blut getränkt, die Wunde selbst blutete jedoch nicht mehr. Ryou schüttelte mit zusammengepressten Lippen den Kopf.
Honda antwortete für ihn: „Wir wissen es nicht.“ Das Glühen seiner Haut ließ nach.
„Und Jonouchi?“ Wieder Kopfschütteln von Ryou.
„Es geschah alles sehr schnell.“ Wieder antwortete Honda. „Wir wissen nicht, was uns angegriffen hat.“ Er schüttelte den Kopf. „Plötzlich war Jonouchi verschwunden.“

Sie kehrten zum Schiff zurück und Bakura begann sich um Ryous Wunde zu kümmern. Es sah aus wie ein länglicher Schnitt, doch die Ränder waren ausgefranst und wirkten verätzt. „Fühlst du dich seltsam?“, fragte Bakura und Ryou schüttelte den Kopf. „Ist dir schlecht? Fällt dir das Atmen schwer?“
„Nein.“
„Malik sagt, wir sollen verschwinden, wenn wir überleben wollen“, erzählte Mariku.
Ryous Augen verengten sich als er Maliks Namen hörte. „Wieso sollte es mich interessieren, was er sagt?“
„Weil euch irgendetwas angegriffen hat und Jou verschwunden ist? Selbst er hat Angst.“ Ryou gab einen abfälligen Laut von sich. „Er sagt uns wo wir sind, wenn wir ihn freilassen.“
Ryou lachte laut auf. „Denkst du, ich bin so dumm?“
Mariku platzte der Kragen. Er hatte die Schnauze voll davon, dass ihn jeder wie einen Idioten behandelte, nur weil er ein Mensch war. Ungeachtet der Tatsache, dass Ryou ihn mit seinen Krallen ohne Probleme aufschlitzen konnte, packte Mariku ihn am Kragen und drückte ihn gegen die Wand. Ryou keuchte schmerzerfüllt und verzog das Gesicht. „Jetzt hör mir mal zu, du eingebildeter Fatzke. Da draußen ist etwas, dass uns umbringen wird und in diesem Schiff ist ebenfalls etwas, das uns umbringen wird. So oder so, wir gehen drauf. Es besteht jedoch eine geringe Chance, das Malik uns nicht umbringen wird, weil er hier wegwill, also hör auf dich so anzustellen und lass ihn frei!“ Er ließ Ryou los und dieser rutschte an der Wand hinunter zu Boden. Er fasste sich an den Hals und atmete einige Male tief durch, bevor er den Blick hob und Mariku wütend ansah. „Er ist der einzige, der uns jetzt helfen kann!“ Er sah wie Ryou den Kiefer anspannte und seine Hände zu Fäusten ballte. Er rechnete damit, das Ryou jeden Moment auf ihn losgehen würde, doch Ryous Körperhaltung entspannte sich wieder leicht. Er griff in seine Hosentasche und zog einen Schlüssel hervor, den er Mariku vor die Füße warf.
„Ich hoffe, er bringt dich um“, spie er ihm entgegen.

Mariku hob den Schlüssel auf und ging ohne ein weiteres Wort. In ihm brodelte es immer noch. Er baute sich vor Malik auf und hielt den Schlüssel in die Höhe. Mit gehobenen Augenbrauen sah Malik erst zum Schlüssel, dann zu ihm. „Hilfst du uns, wenn ich dich freilasse?“
„Ja.“
„Du wirst uns nicht töten?“
„Vorerst nicht.“
Es war ein Risiko, aber sie hatten keine andere Wahl. Ihr Tod war unausweichlich, solange sie nicht wussten, was dort draußen lauerte und Malik konnten sie anschließend wieder in Ketten legen. Zumindest hoffte Mariku, dass sie noch Gelegenheit dazu hatten. Der Schlüssel klickte im Schloss und die Handfesseln fielen scheppernd gegen die Wand.

Fortsetzung folgt...
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