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Bakura fuhr aus dem Schlaf hoch. Sein Atem ging schnell und sein „Albtraum“ lastete noch schwer auf ihm. Nein, Bakura sah sich um, es war kein Albtraum gewesen. Sein Blick fixierte sich auf Jonouchis leblosen Körper, während eine Welle der Schuld über ihn hinweg wusch. Nicht nur, dass Ryou ihm das nie verzeihen würde, auch er selbst würde es sich lange vorwerfen. Er hatte einen Freund getötet. Bakura ballte die Hände zu Fäusten. Er würde den Notechis umbringen, der ihn in diese Lage gebracht hatte; auch dafür, was er Ryou angetan hatte.
Bakura wandte den Blick von Jonouchi ab. Es gab sowieso nichts mehr was er für ihn tun konnte. Zumindest war er jetzt wieder gestärkt und er trug keine Fesseln. Vielleicht hatte er eine Chance sie hier rauszubringen.
„Anzu?“
Anzu hob langsam den Kopf und der Blick, den sie ihm schenkte, ließ Bakura unbewusst ein Stück zurückrutschen. Sie betonte jede Silbe als sie sprach: „Sprich mich nicht an!“
„Anzu, bitte...“
„Du hast ihn umgebracht!“
Bakura senkte schuldbewusst den Blick. „Ja.“ Er hatte nicht vor seine Tat zu verteidigen, auch wenn es nicht ganz seine Schuld war. Er hätte nichts tun können um es aufzuhalten. Hätte er nicht getrunken, wäre er es, der jetzt tot wäre.
Bakura stand auf. Seine Beine fühlten sich etwas steif an, doch ansonsten merkte er kaum etwas von den Anstrengungen der letzten Tage. Jonouchis Blut hatte eine bessere Wirkung auf ihn als erwartet. Er trat einen Schritt auf Anzu zu, welche sofort versuchte weiter von ihm wegzurutschen.
„Ich tu dir nichts. Ich will nur die Fesseln lösen.“
„Fass mich nicht an!“
„Anzu.“
„Bleib weg!“ Sie rutschte bis in die Ecke und ließ Bakura nicht aus den Augen.
Bakura seufzte und vermied es sichtbar die Augen zu verdrehen. Wenn Anzu keine Hilfe wollte, dann sollte sie ihre Fesseln eben weiterhin tragen. Stattdessen betrachtete Bakura das Glas, dass sie davon abhalten sollte zu entkommen. Er legte seine Hände darauf und tastete daran entlang, doch er fand weder Spalt, noch Riss. Er stemmte sich dagegen, doch das brachte nichts. Er wusste, dass es eine Tür gab, doch sie verschmolz so gut mit dem Glas, dass Bakura sie nicht finden konnte. Zumindest nicht durch tasten.
Bakura schloss die Augen und legte ein Ohr an die Scheibe. Er klopfte nur leicht dagegen, doch er hörte die Schwingung, die durch das Glas ging. Er klopfte noch einmal dagegen und langsam formte sich ein Bild vor seinem inneren Auge. Er sah die Scheibe und die Störung, die die Tür im Glas verursachte.
Bakura öffnete die Augen wieder und ging nach rechts. Er konnte die Tür mit offenen Augen nicht sehen, aber jetzt wusste er, wo sie war. Aufgrund der Öffnung war das Glas an dieser Stelle instabiler und leichter zu brechen. Bakura wusste nur nicht, ob reine Gewalt ausreichte. Mehr hatte er nur leider nicht.
Bakuras Augen weiteten sich leicht. Doch, er hatte mehr. Er drehte sich wieder zu Anzu um, die ihn immer noch wütend anstarrte. „Du kannst doch auch Eis machen, nicht wahr?“ Anzus wütender Blick wandelte sich in Misstrauen. „Damit können wir das Glas aufsprengen.“
Doch Anzu schüttelte den Kopf und wandte den Blick ab. „Ich könnte, aber ich bin zu schwach.“
„Verdammt!“ Bakura trat gegen die Scheibe.

„Bakura?“ Es war Ryous Stimme, die schwach von nebenan zu hören war.
„Ryou!“ Bakura war erleichtert seine Stimme zu hören, auch wenn sofort das schlechte Gewissen anklopfte. Er hatte einen von Ryous Freunden umgebracht, wie sollte er ihm das erklären? „Wie geht’s dir? Bist du in Ordnung?“
„Hatte schon bessere Tage.“
Bakura lächelte leicht. Zumindest hatte Ryou seine Bissigkeit nicht verloren. „Aber er hat dir eine Feder ausgerissen?“
Ryou schwieg für eine Weile. „Ja“, sagte er schließlich, „aber nur eine, das ist noch okay. Mach dir um mich keine Sorgen. Wie geht’s euch?“
Bakura warf einen Blick über die Schulter. Anzu hatte die Lippen aufeinander gepresst, sah ihn jedoch nicht mehr an. Er vermied es Jonouchi anzusehen. „Alles in Ordnung.“ Er schaffte es nicht, es Ryou zu beichten. Er wollte ihn nicht noch weiter belasten. „Weißt du was von Mariku?“
Kurze Stille.
„Er müsste in der anderen Zelle neben euch sein.“
„Okay, ich geh schnell auf die andere Seite, ja?“
„Es ist jetzt nicht so als könnt ich davonlaufen.“
Immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen, wandte sich Bakura in die Richtung, in der Marikus Zelle lag. „Mariku? Mariku?“ Doch er erhielt keine Antwort. „Mariku?“ Bakura biss sich auf die Unterlippe. War er immer noch ohnmächtig? „Mariku!“ Er war doch nicht tot? Seine Verletzungen waren ziemlich schwer gewesen und dieser weißhaarige Notechis hatte es auf ihn abgesehen. „Mariku, wehe du bist tot!“

Schritte hallten durch den Gang und Bakura zog sich von der Scheibe zurück. Er wollte keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, damit am Ende nicht noch seine Fesseln wieder aktiviert wurden. Er ließ sich auf den Boden sinken, schloss die Augen und lauschte. Die Glasscheibe dämpfte die Geräusche, doch Bakura konnte trotzdem hören, dass es drei Personen waren. Zwei hatten einen festen Schritt, die dritte wurde mehr geschleift, als dass sie selbst ging. War es Mariku?
Bakura hörte das Piepen, als der Code für die Zelle nebenan eingegeben wurde. Die Notechis schubsten Mariku hinein, welcher auf den Boden fiel, dann schloss sich die Tür wieder.
Die Notechis überprüften nicht die anderen Zellen, sondern zogen sich wieder zurück. Bakura wartete noch einige Augenblicke ab, bis er sicher sein konnte, dass sie wieder allein waren, dann rutschte er an die Scheibe.
„Mariku?“
Grummeln war von nebenan zu hören.
„Geht’s dir gut?“
„Ich lebe.“ Mariku löste sein Shirt vorsichtig von seinen frischen Wunden. Er biss die Zähne zusammen. Man sollte meinen so ein paar Kratzer wären nichts im Vergleich zu seinem Gesicht. „Die Frage ist, wie lange noch.“
„Wo warst du?“
„Bei Malik.“
„Und?“ Bakura drückte sein Gesicht schon fast gegen die Scheibe.
„Nichts Und. Wir werden alle sterben und es wird lang und schmerzvoll.“


Malik starrte Rishid mit offenem Mund an. Hatte er sich gerade verhört? „Was?“, wiederholte er.
„Während der Hochzeit wird niemand auf die Gefangenen achten“, begann Rishid seinen Plan zu erläutern, doch Malik hörte gar nicht zu. Er war immer noch zu verblüfft. Während Rishid noch sprach, ging Malik auf ihn zu und packte ihn schließlich am Kragen. Rishid verstummte.
„Weißt du überhaupt, was du da sagst?“ Malik flüsterte schon fast. „Das ist Hochverrat.“
Es war nur selten, dass Rishid lächelte, aber jetzt tat er es. „Das ist die Beziehung zu einem Nicht-Notechis auch.“
Malik ließ Rishid los und wandte sich ab. „Wir haben keine Beziehung.“
„Aber du willst, dass er überlebt und die Hochzeit ist die einzige Gelegenheit.“
„Wie stellst du dir das vor? Ich hab während der Hochzeit keine Zeit!“ Malik schüttelte den Kopf. „Ich muss die ganze Zeit da sein.“
„Ja, du schon, Meister Malik, aber ich nicht.“
„Ich... nein“, Malik schüttelte wieder den Kopf, „das geht nicht.“
„Es gibt keinen anderen Weg.“
„Es ist Hochverrat. Sie werden uns beide hinrichten.“
Diesmal war es Rishid, der den Kopf schüttelte. „Sie werden mich hinrichten. Ich werde für alles die Verantwortung übernehmen.“
Malik presste die Lippen aufeinander und sah Rishid an. Er wog die Chancen ab. Niemand würde während der Hochzeit auch nur einen Gedanken an die Gefangenen verschwenden; es würde keine Wachen für sie geben und auch im restlichen Gebäude und bei den Raumschiffen würde kaum jemand sein. Außerdem hatte Rishid ein ausgesprochenes Talent sich lautlos und unauffällig zu bewegen.
Aber würde er es auch schaffen Mariku und die anderen ungesehen bis zu den Raumschiffen zu bringen?
Mariku allein wäre sicher weniger ein Problem, aber er würde niemals die anderen zurücklassen. Bis zur Raumschiffhalle war es weit und die Wahrscheinlichkeit, dass sich trotz allem jemand in diesem Areal aufhielt war hoch.
„Warum willst du das für mich tun?“
„Weil es meine Aufgabe ist dich zu beschützen, Meister Malik, und ich schon viel zu oft versagt habe.“
Malik konnte den Blickkontakt nicht halten. Er wusste, dass Rishid von Kura sprach und die Narben auf seinem Rücken wurden immer mehr zur Last. Er dachte an Mariku und dessen dämliches Grinsen. Er wollte nicht, dass Kura ihm noch mehr antat.
Malik fiel Rishid um den Hals. Er war selbst über den plötzlichen Gefühlsausbruch überrascht. Das letzte Mal hatte er Rishid als kleines Kind umarmt. Er hatte sich jedoch nicht zurückhalten können. Er war Rishid dankbar für alles, was er all die Jahre für ihn getan hatte, auch wenn er ihm das nie gesagt hatte. Rishid war mehr ein Bruder für ihn, als Kura es je sein würde.
„Rette ihn.“


Malik zuckte nicht einmal mit der Wimper, als Kura ihn gegen die Wand drückte. Er legte eine Hand auf Kuras Brust und schob ihn von sich. Er verschwendete keine Energie darauf etwas zu Kura zu sagen. Egal was er sagte, Kura würde ihm sowieso weiter folgen. Er würde ihn so lange nicht in Ruhe lassen, bis er hatte was er wollte.
Malik wusste, dass es besser wäre, wenn er sich unter die anderen Notechis mischte, anstatt in sein Zimmer zu gehen, wo Kura so gut wie freie Hand hatte, doch seine Beine trugen ihn ganz automatisch zu seinem Zimmer. Er hoffte, dass Rishid da war, doch diese Hoffnung wurde schnell zunichte gemacht.
Malik schloss die Augen, als Kura die Arme um ihn legte und etwas grob sein Kinn packte. „Inzwischen macht mich dein kleines Spielchen ziemlich an“, flüsterte Kura ihm ins Ohr und küsste seine Schläfe.
„Spielchen?“
„Du spielst den Unnahbaren.“
Malik musste sein Gesicht nicht sehen um zu wissen, dass er grinste. Er riss sich aus Kuras Umarmung los. „Du langweilst mich einfach nur.“
Kura drehte Malik herum und packte ihn am Kragen. „Du wagst es?“
„Ich?“ Malik versuchte seine Stimme ruhig zu halten. „Du hast wohl vergessen, dass DU unter MIR stehst!“
Kura stieß Malik von sich, packte ihn aber gleich wieder am Arm. „Ich zeig dir gleich, wer hier unter wem ist“, zischte Kura. Sein Griff war eisern, doch Malik verzog keine Miene. Plötzlich kehrte das Grinsen auf Kuras Lippen zurück und das verunsicherte Malik mehr als wenn Kura wütend war. „Aber ich versteh schon, du willst was anderes oder besser gesagt, jemand anderen, nicht wahr?“ Er packte Malik am Kinn. „Diesen erbärmlichen Menschen.“ Kura ließ Malik los und trat von ihm zurück. „Wie war der Sex mit ihm, hm?“
„Ich weiß nicht, wovon du redest.“
Kura lachte. „Ach Malik, wie lange willst du’s noch leugnen? Hast du ihn gefickt?“ Malik antwortete nichts. „Oder er dich?“
„Verschwinde Kura.“
„Er hat dich gefickt, das ist mehr dein Ding. Der große, angesehene Krieger, bewundert von allen, Commander Malik“, spottete Kura. „Was würden sie sagen, wenn sie wüssten, dass du dich erst von deinem Bruder und dann von diesem Abschaum hast ficken lassen?“
Es fiel Malik schwer ruhig zu bleiben. „Du bist nur mein Halbbruder.“
Kuras Mundwinkel sanken leicht herab, doch er fing sich schnell wieder. „Also streitest du’s nicht ab? Hast du seinen Schwanz geritten, wie du meinen immer reitest?“
„Raus!“
„Wie kommt’s, dass der noch lebt?“ Kura musterte Maliks Körper.
„Vielleicht, weil nichts passiert ist?“, zischte Malik. „Wenn du nicht mehr zu sagen hast, als diese widerlichen Anschuldigungen, dann verschwinde endlich!“
Kura kam wieder näher und strich Malik über die Wange. Schließlich packte er Maliks Haare und presste ihre Lippen aufeinander. Der Kuss währte nur Sekunden, bevor Malik sein Knie in Kuras Magen rammte. Kura sackte leicht zusammen und presste seine Hand gegen seinen Bauch. Wütend sah er Malik an, sagte jedoch nicht.
„Verzieh dich, Kura, bevor ich dir die Kehle rausreiße.“
Kura knirschte mit den Zähnen, sagte jedoch nichts mehr.

Als sich die Tür laut krachend hinter Kura schloss, ließ sich Malik auf sein Bett fallen. Er berührte seine Lippen. Wäre es nicht einfacher, wenn er endlich einfach nachgab?


Malik betrachtete sich im Spiegel und strich unnötigerweise seine sowieso glatte Uniform noch einmal glatt. Er war nervös, nicht wegen der Hochzeit, sondern wegen der Befreiung von Mariku. Er wusste nicht, was Rishid geplant war. Obwohl er Rishid gefragt hatte, wie sein Plan aussah, hatte dieser es vorgezogen es ihm nicht zu verraten. Seiner Ansicht nach war es besser, je weniger Malik wusste.
Rishid legte die Hände auf Maliks Schulter. „Ganz ruhig.“ Er sprach leise. „Es ist alles vorbereitet.“
„Mir wär lieber, es wär schon vorbei“, murmelte Malik und strich erneut über seine Uniform. Bevor Malik noch mehr sagen konnte, trat Isis ein. Trotz ihres Gemeckers trug sie das Kleid doch. Nach der eher wilden Art, wie ihre Haare hochgesteckt waren, vermutete Malik, dass sie es selbst getan hatte.
„Du siehst wunderschön aus.“
„Ich seh aus wie ein Püppchen.“
„Ich würd dich sofort heiraten.“
Isis ließ sich auf einen Stuhl fallen, ohne dabei großartig auf das Kleid zu achten. Sie trug Kampfstiefel darunter. „Das wär mir tausendmal lieber. Ich wünschte, dieses Theater wäre schon wieder vorbei.“
Malik nickte nur. Er wünschte sich auch, dass der Tag schon vorbei wäre.


Malik füllte sich bereits zum zweiten Mal das Glas mit Nias, einem alkoholischem Getränk, gewonnen aus Früchten, die auf diesem Planeten wuchsen. Die Zeremonie hatte gerade erst begonnen, aber er hörte gar nicht zu. Sein Blick wanderte zu Rishid, der fast am anderen Ende des Saals stand. Er schenkte Malik keine Aufmerksamkeit, sondern hatte seinen Blick auf Isis und ihren Verlobten gerichtet. Malik wusste, dass Rishid schon immer eine kleine Schwäche für Isis gehabt hatte, aber aufgrund seines niederen Rangs hätte er nie eine Chance gehabt.
Malik richtete seinen Blick ebenfalls wieder auf das Pärchen und musterte ihren So-gut-wie-Ehemann. Er hatte ihn zwar schon öfter gesehen, aber ihm nie wirklich Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei war er wirklich kaum zu übersehen. Isis war hochgewachsen, aber neben ihrem Angetrauten wirkte sie klein und zerbrechlich. Während Malik sein Training hauptsächlich auf Agilität ausgelegt hatte, hatte sich Isis‘ Mann auf Stärke konzentriert. Malik hatte noch nie viel von brachialer Gewalt gehalten. Er sah zu Kura, der einige Tische weitersaß und sich auch mehr für den Inhalt seines Glases, als für die Hochzeit interessierte. Auch Kura bevorzugte Stärke über Beweglichkeit, weshalb Malik in einer direkten Auseinandersetzung für gewöhnlich der Unterlegene war. Malik leerte sein Glas mit einem Zug und wandte den Blick wieder ab. Er versuchte sich an den Namen des Bräutigams zu erinnern, aber er wollte ihm einfach nicht einfallen. Er konnte sich nicht einmal daran erinnern, welchen Rang er einnahm. Isis‘ hatte gesagt, er war unter ihr, daher ging er von Offizier aus.
Malik schenkte sich nach und hob das Glas gleich an die Lippen. Es war wahrscheinlich keine gute Idee, dass er so viel trank, aber er kam einfach nicht mit der Nervosität klar und wollte auch nicht, dass sie jemand bemerkte. Die Warterei machte ihn noch wahnsinnig.
Malik ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen. Um ihn herum saßen hauptsächlich höherrangige Notechis; Veteranen des Krieges. Malik kannte sie alle.
Sie unterhielten sich leise über die Hochzeit und schienen mit Isis‘ Angetrautem zufrieden zu sein, auch wenn manche der Überzeugung waren, die eigenen Söhne wären besser für sie geeignet.
Malik schmunzelte. Er kannte die Söhne und Isis hätte jeden einzelnen von ihnen zum Frühstück verspeist.
„Malik.“
Malik wandte den Kopf. „General Zone?“
Zone wedelte wirsch mit der Hand. Er hatte auch schon einige Gläser Nias intus. „Wir haben Seite an Seite Abschaum ausgelöscht, du bist der Letzte, der mich mit irgendwelchen Titeln ansprechen muss.“ Er grinste breit und legte einen Arm um Maliks Schulter. „Aber jetzt hör mir zu, du bist ein großartiger Kämpfer, ein ausgezeichneter Commander und du bist in einem guten Alter.“ Er griff nach seinem Glas und nahm einen tiefen Schluck. „Weißt du, wer noch in einem guten Alter ist? Meine Tochter. Sie war noch zu jung für den Krieg damals, aber inzwischen ist sie eine bemerkenswerte Kämpferin, flink und stark.“ Es schwang viel Stolz in seiner Stimme mit. „Und wunderschön obendrein!“ Er deutete auf eine Gruppe junger Frauen, nicht weit von ihrem Tisch entfernt.
Malik hatte keine Ahnung, wer die Tochter des Generals war. „Sie ist wirklich eine Augenweide“, sagte er trotzdem um ihn zufrieden zu stellen.
„Nicht wahr? Sie würde dir gute Kinder schenken.“
Malik trank sein Glas leer, bevor er antwortete. „Das ist wirklich ein großzügiges Angebot und ich fühlte mich geehrt, dass du denkst, ich wäre gut genug für deine Tochter.“
Zone lachte leise und klopfte Malik auf den Rücken. „Sie ist jederzeit für dich bereit.“
Malik lächelte gezwungen. Eher würde er sich die Hand abhacken. „Wir haben jedoch einen Krieg vor uns, der meine ganze Aufmerksamkeit verlangt. Wenn, dann muss das warten, bis wir uns zurückgenommen haben, was uns zusteht.“
Das Gesicht des Generals wurde ernst. „Natürlich, ich verstehe.“
Malik entspannte sich leicht, als General Zone seine Aufmerksamkeit wieder jemand anderem zuwandte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt.


Malik hielt die Flasche im letzten Moment fest, bevor sie umkippen und ihren Inhalt auf dem Tisch verteilen konnte. Die Zeremonie war vorbei und das richtige Saufgelage hatte begonnen. Er spürte die Auswirkungen des Nias, versuchte jedoch einen klaren Kopf zu behalten. Die meisten waren längst betrunken und die Stimmung war ausgelassen. Malik suchte in der Menge nach Rishid, doch konnte ihn nirgends entdecken. Er verschwendete keine Zeit mit den Versuch Nias in sein Glas zu schütten, sondern trank direkt aus der Flasche. Es ging los...


Ohne Eile entfernte sich Rishid von der Feier und wandte sich dem Hauptgebäude der Stadt zu. Notechis bevorzugten das Leben in Städten, anstatt in kleinen Dörfern. Es gab nur zwei große Städte auf dem Planeten, die von den Notechis bewohnt wurden. Sie trugen auch keine besonderen Namen, sondern wurden nur Hauptstadt und Nebenstadt genannt. Die Nebenstadt existierte nur zu Trainingszwecken. Das ganze Areal war eine einzige Kampfzone. Die Kinder wurden noch in der Hauptstadt trainiert, doch ab einem bestimmten Alter mussten sie in die Nebenstadt und dort gab es keine Spielereien mehr.
Auf der Straße außerhalb des Festsaals war ebenfalls viel los. Nicht alle passten in den Saal, aber niemand wollte sich die Feierlichkeiten entgehen lassen, weshalb auf der großen Hauptstraße gefeiert wurde. Die Sonne war bereits untergegangen, doch Lichter schwebten durch die Straße. Rishid hatte Schwierigkeiten voranzukommen, doch viel mehr Sorgen machte er sich darüber, wie er ungesehen wieder rauskommen würde. Der Raumschiffhafen lag abseits der Hauptstraße und man konnte ihn vom Hauptgebäude direkt betreten, doch es bestand trotzdem ein Risiko. Wenn es sein musste, konnte er ein oder zwei Notechis töten, sollten sie sich ihm in den Weg stellen, aber gegen mehr konnte er nichts ausrichten.
Die Massen wurden weniger, je näher er dem Hauptgebäude kam.
„Hey, Rishid!“ Rishid blieb stehen und sah zur Seite. Zwei Notechis saßen auf einer kleinen Mauer. Mehrere Flaschen Nias standen vor ihnen. Rishid kannte sie nur flüchtig. „Trink mit uns.“
„Ich muss etwas für Meister Malik holen.“
„Meister Commander Malik.“ Der Sprecher lachte und stieß sein Glas gegen das seines Freundes. Sie tranken und lachten beide, während Rishid seinen Weg fortsetzte und das Hauptgebäude betrat. Er hoffte, dass es kein Fehler gewesen war, Malik zu erwähnen.

Kaum schloss sich die Tür hinter ihm, verstummte der Lärm der Straße und Stille hüllte ihn ein. Rishid schloss die Augen und lauschte, doch er schien wirklich allein zu sein.
Rishid eilte durch das Gebäude, bis er plötzlich Stimmen vernahm. Er huschte durch eine der Türen und drückte sich gegen die Wand. Je mehr Leute ihn sahen, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass man ihn mit der Flucht der Gefangenen in Verbindung brachte und das würde nicht nur ihn, sondern auch Malik in Gefahr bringen. Und das war etwas, dass er nicht zulassen konnte. Seit Maliks Geburt war er darauf gedrillt worden auf ihn aufzupassen. Er hatte seine eigenen Bedürfnisse zur Seite geschoben um sich um Malik zu kümmern und er hatte es nie bereut. Malik war ihm wichtiger, als jedes Gesetz der Notechis, weshalb er jetzt auch auf dem Weg war Hochverrat zu begehen.
Rishid trat wieder auf den Flur, nachdem die Gruppe vorbeigegangen war. Außerdem hatte er gesehen, wie Malik den Menschen ansah und wie er mit ihm umging, er konnte nicht zulassen, dass er starb. Von klein auf hatte Malik ein härteres Training durchlaufen als die anderen Kinder. Lord Ishtar war schon immer besonders ehrgeizig gewesen und hatte Malik bis zur Erschöpfung trainieren lassen. Es hatte sich ausgezahlt, Malik war der jüngste Commander seit tausend Jahren und ein hochangesehener Krieger, doch Rishid hatte schon immer das Gefühl gehabt, dass ihm etwas fehlte.
Rishid betrat den Zellenblock. Malik war dieser Mensch wichtiger als sein Stolz, also würde Rishid ihn retten und wenn es das Letzte war, was er tat.


Malik wusste nicht, wie es dazu gekommen war. Vielleicht hatte er auch einfach zu viel getrunken, doch als General Zone plötzlich seine Tochter in seine Arme geschoben hatte, war ihm keine Ausrede eingefallen um den Tanz zu vermeiden. Wobei Tanz doch zu viel gesagt war, immerhin war er betrunken und selbst nüchtern tanzte er für gewöhnlich nicht. Notechis mochten auf dem Schlachtfeld noch so grausam sein und auch abseits davon eher gefühlskalt, doch Feste und Tanzen ließen sie sich nicht entgehen.
Zones Tochter war schon irgendwie hübsch. Ihre Haare waren gefärbt, rotes Haar war nicht natürlich unter den Notechis, und passte perfekt zu ihren dunkelroten Schuppen. Trotz ihres zierlichen Körperbaus hatte sie einen festen Griff. Sie trug ebenfalls Kampfstiefel unter dem Kleid, genau wie Isis.
„Tut mir Leid wegen meines Vaters, Commander.“ Sie sah kurz auf und wandte den Blick dann verlegen zur Seite.
„Schon okay, ähm...“ Wie war ihr Name noch mal? Er war doch nur so kurz gewesen. Verdammt!
„Aber wenn ich etwas für dich tun kann, dann musst du das nur sagen, Commander Malik.“ Sie drückte sich leicht gegen ihn und Malik wusste nicht, wie er reagieren sollte.
„Ich komme darauf zurück, wenn nötig, Aki“, murmelte er. Aki, genau, das war ihr Name! Sie lächelte und strich ihm über die Brust. Ihre Absichten waren klar, doch Malik dachte nicht im Traum daran, darauf einzugehen.
Er war erleichtert, als das Lied zu Ende war und er sich mit einer knappen Entschuldigung von Aki lösen konnte. Er hatte noch gar nicht mit seiner Schwester gesprochen und wollte das nachholen. Malik musste sich auf seine Schritte konzentrieren um nicht zu torkeln. Wieso hatte er nur so viel getrunken? Ob Rishid Mariku schon befreit hatte? Ob alles gut gegangen war? Hoffentlich erwischte ihn niemand. Was sollte er tun, wenn er Rishid und Mariku verlor?
Malik stieß mit jemandem zusammen. Er hatte sich noch nie solche Sorgen gemacht, jemanden zu verlieren. Er hatte sich überhaupt noch nie Sorgen um so etwas gemacht. Sterben gehörte dazu. Malik hob den Blick um zu sehen mit wem er zusammengestoßen war. Er schluckte. Es war Kura.


Mariku sah auf, als sich seine Zellentür öffnete. Was wollten sie denn jetzt schon wieder von ihm? Es war nur ein einzelner Notechis und keiner von denen, die ihm für gewöhnlich das Essen brachten. War das sein Henker? Nein, er ging davon aus, dass es Kura persönlich sein würde, der ihn dafür abholte. Mariku musterte ihn kurz. Eine Gesichtshälfte war vernarbt und Mariku musste unweigerlich grinsen.
„Wenn das verheilt ist, seh ich wahrscheinlich so aus wie du.“
Ohne etwas zu sagen, kniete sich Rishid neben Mariku und dieser erwartete jeden Moment das Surren der Fesseln zu hören, doch stattdessen fielen sie zu Boden. Mariku starrte Rishid überrascht an.
„Malik schickt mich“, flüsterte Rishid mit schwerem Akzent.
„Malik“, wiederholte Mariku leise. Rishid zog ihn auf die Beine und Mariku musste sich an der Wand abstützen. „Wo ist er?“
Doch Rishid schüttelte nur den Kopf. „Sei leise und komm mit.“
Mariku sah ihn misstrauisch an. Konnte er ihm vertrauen? Schickte wirklich Malik ihn? Oder war das ein Trick? Doch er hatte auch keine andere Wahl, weshalb er Rishid aus der Zelle folgte.
Als nächstes war die Zelle mit Bakura und Anzu an der Reihe. Bakura sagte nichts, sondern sah Mariku nur fragend an. Mariku zuckte mit den Schultern. Sein Blick fiel auf Jonouchis Leiche und jetzt war er es, der Bakura fragend ansah. Bakura wandte schuldbewusst den Blick zur Seite.
Anzu ließ sich ohne Widerworte die Fesseln abnehmen und vermied es irgendwen anzusehen.

Als Rishid Ryous Zelle öffnete, stürzte Bakura sofort zu ihm und schloss ihn in die Arme. „Ich bin so froh, so froh“, murmelte er und drückte Ryou an sich. Ryou genoss die Umarmung, traute der ganzen Sache jedoch nicht. Mit zusammengekniffenen Augen sah er Rishid an. „Wer ist er?“
„Er sagt, Malik schickt ihn.“
„Ist er vertrauenswürdig?“
Mariku zuckte nur mit den Schultern.
„Seid leise und beeilt euch. Wir haben nicht viel Zeit.“ Rishid wurde etwas nervös. Der schwierige Teil stand ihnen noch bevor.
„Ich trau ihm nicht.“
„Wir haben keine andere Wahl“, erwiderte Mariku. Sie folgten Rishid.
„Traust du ihm?“
„Ich vertraue Malik.“
„Er hat Honda umgebracht“, zischte Ryou.
„Und Bakura Jonouchi.“ Mariku zuckte schon fast beiläufig mit den Schultern.
„WAS?“ Ryou sah sich um. Es stimmte, Jonouchi fehlte. Sein Magen zog sich zusammen und sein entsetzter Blick richtete sich auf Bakura.
Bakura schloss die Augen. Hatte Mariku das jetzt sagen müssen?
Doch bevor die Situation weiter eskalieren konnte, mischte sich Rishid ein. „Seid endlich still! Oder wollt ihr, dass wir alle sterben?“
„Lass uns später darüber reden“, flüsterte Bakura und wollte Ryous Hand nehmen, doch Ryou zog sich von ihm zurück. Bakura seufzte.

Mariku ging neben Rishid, während sie Schleichwege durch das Gebäude nahmen. „Wer bist du?“, fragte Mariku leise. Er wollte mehr über ihren potenziellen Retter wissen und in welcher Beziehung er zu Malik stand.
„Unwichtig.“
„Wieso hilfst du uns?“
„Du hörst erst auf zu fragen, wenn ich antworte, nicht wahr?“
„Ja.“
Rishid lächelte. „Ein Sturkopf, genau wie Malik.“
„Kennst du ihn schon lange?“
„Sein ganzes Leben.“
„Also, wer bist du?“
„Mein Name ist Rishid und meine Aufgabe ist es, Malik zu beschützen.“
„Nicht sehr erfolgreich.“ Rishid blieb stehen, sodass Mariku gegen ihn lief. Er packte Mariku am Kragen und hob ihn hoch. Mariku wartete auf den Schmerz, doch er kam nicht. Rishid atmete tief durch und stellte Mariku wieder auf die Füße.
„Ich weiß.“ Er klang bitter. Für einen Moment rührten sie sich nicht. „Ich habe versagt und das ist mein Versuch, es zumindest etwas wieder gut zu machen.“ Er wandte sich von Mariku ab. „Und jetzt kommt, es ist nicht mehr weit.“
Mariku schwieg den Rest des Weges. Er fühlte sich schlecht wegen dem was er gesagt hatte. Rishid gefiel die Sache mit Kura genauso wenig wie ihm. Er konnte sich vorstellen, dass Rishid Kura sicher auch am liebsten umbringen würde.

Ungesehen gelangten sie zu den Raumschiffen und Rishid war ihr Glück schon fast nicht geheuer. Er erwartete jeden Moment einer Gruppe zu begegnen, doch auch der Raumschiffhafen lag ruhig vor ihnen. Rishid deutete der Gruppe zu warten, ging eine Runde und lauschte auf Geräusche, doch außer ihnen war niemand anwesend.
„Es ist bereits alles programmiert“, erklärte Rishid, als sie vor dem kleinen Raumschiff standen, dass er für die Flucht vorbereitet hatte. „Ihr verlasst den Planeten und springt. Ihr gelangt direkt ins Gebiet der Sternenallianz. Von dort aus müsst ihr euren Weg alleine finden, aber ihr seid zumindest in Sicherheit.“
„Wo ist Malik?“
Rishid sah Mariku kurz an. „Beeilt euch.“
„Ich flieg nicht ohne Malik.“
„Du hast keine andere Wahl.“
„Ich lass ihn nicht hier.“
Rishid seufzte. „Er hat mich vorgewarnt, dass du wahrscheinlich so reagieren wirst und ich soll dir etwas ausrichten.“
„Was?“
„Idiot.“ Und bevor Mariku reagieren konnte, schlug Rishid ihn mit einem gezielten Schlag in den Nacken KO. Mariku sackte nach vorne, doch Anzu fing ihn auf und schleifte ihn ins Raumschiff.
„Verschwendet keine Zeit.“
„Sag Malik...“ Ryou räusperte sich. „Sag ihm, danke.“
Rishid nickte. „Das nächste Mal, wenn wir uns wiedersehen, werden wir Feinde sein.“
Ryou grinste. „Das sind wir doch schon die ganze Zeit.“

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