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„Es war so gut.“ Ryou grinste breit. Er stützte sein Gesicht auf seine Hände und summte vergnügt. Er spürte immer noch Bakuras Hände auf seinem Körper und seine Lippen fühlten sich noch etwas wund an. Es war viel besser gewesen als das erste Mal, auch wenn ihm Bakura etwas zu vorsichtig gewesen war. Sein Bein war schon fast wieder gesund und er war nicht aus Glas. Trotzdem... „So gut“, wiederholte Ryou und seufzte zufrieden. Am liebsten hätte er das Bett gar nicht verlassen und noch ein paar Stunden so weiter gemacht, aber Bakura war eingeschlafen.
„Mhm“, war Maliks einzige Reaktion. Er rührte schon seit Minuten seine Suppe um, ohne auch nur einen Löffel davon gegessen zu haben.
Ryou war natürlich nicht entgangen, das Malik ihm schon die ganze Zeit nicht zuhörte. Was ihn aber auch nicht davon abgehalten hatte ihm trotzdem alles zu erzählen. Er hatte einfach darüber reden müssen und Malik wollte ja etwas mehr involviert werden. Da er jedoch mit dem Erzählen fertig war, lenkte er das Gespräch auf ein Thema bei dem Malik sicher eine Reaktion zeigen würde: „Hast du Mariku die Schokolade gegeben?“
„Mhm“, machte Malik erneut, bis die Worte wirklich zu ihm vordrangen und er aufhörte zu rühren.
„Und?“
Malik zuckte nur mit den Schultern und begann wieder in der Suppe zu rühren. „Wir haben sie gegessen.“
„Und weiter?“
Wieder hörte Malik mit dem Rühren auf und sah Ryou diesmal an. Er zuckte erneut mit den Schultern, doch gleichzeitig huschte ein schwaches Lächeln über seine Lippen.
„Habt ihr euch geküsst?“
Malik schüttelte den Kopf. „Nur geredet.“ Sie hatten für Stunden auf der Treppenstufe gesessen und sich unterhalten. Es war das erste wirkliche Gespräch, das sie geführt hatten, indem kein Alkohol verwickelt gewesen war. Nicht mal in ihrer Pseudo-Beziehungen hatten sie wirklich miteinander geredet, was wahrscheinlich auch eins ihrer Probleme gewesen war.
Diesmal hatte er eine ganz andere Seite von Mariku kennen gelernt. Es hatte gut getan mit Mariku zu reden und es war befreiender gewesen, als jedes Gespräch mit seiner Schwester. Er hätte von Anfang an einfach mit ihm reden sollen, aber so einfach wäre es dann wohl doch nicht gewesen. Er hatte noch nie viel über seine Gefühle gesprochen, hatte sie immer für sich behalten, um seine Schwester nicht noch mehr zu belasten. Selbst diesmal hatte er sich schwer getan alles in Worte zu fassen. Mariku schien ihn aber trotzdem verstanden zu haben. Zumindest hoffte Malik das.
Er wusste immer noch nicht, ob er bereit war für das was er fühlte, aber Mariku hatte recht; Malik lehnte sich zurück und ließ den Löffel in die inzwischen kalte Suppe fallen; nach allem was passiert war, war es einfach noch zu früh für sie.


Mariku ging unruhig in seinem Zimmer auf und ab, bis er schließlich vor dem Fenster stehen blieb und seine Stirn gegen die kalte Scheibe lehnte. Er spannte seine Arme an und ballte die Hände zu Fäusten.
Es lief gut zwischen Malik und ihm, oder? Mariku schloss die Augen. Es fiel ihm schwer die Situation richtig einzuschätzen. Gab es überhaupt eine richtige Einschätzung? Er konnte Maliks Standpunkt verstehen, wenn auch nicht ganz nachvollziehen. Trotzdem gab er sich Mühe. Er wollte diese Beziehung mit Malik und er wusste, dass Malik ihm nicht abgeneigt war. Er mochte ihn, das hatte er selbst gesagt.
Mariku klopfte mit der Stirn leicht gegen die Scheibe. Er hatte noch nie so viel über eine Beziehung nachgedacht. Er hatte bisher aber auch noch nie wirklich eine Beziehung gewollt.
Mariku öffnete die Augen und starrte gedankenverloren nach draußen. Anfangs war er wirklich nur auf Sex aus gewesen, so wie immer. Emotionale Beziehungen waren anstrengend und er hatte auch immer seine Krankheit im Hinterkopf gehabt. Inzwischen jedoch waren seine Gefühle zu Malik so viel mehr geworden. Sein Herz raste, wenn er nur an ihn dachte.
Seufzend trat er einen Schritt vom Fenster weg. Er war die Sache von Anfang an falsch angegangen. Wie bei Bakura musste er sich Malik langsam annähern. Er hatte das schon einmal geschafft, er würde es auch ein zweites Mal schaffen.
„Ja“, flüsterte Mariku. „Ich kann das.“
„Was kannst du?“
Mariku zuckte nicht zusammen, obwohl er nicht mitbekommen hatte, wie Ryou ins Zimmer gekommen war.
„Atmen.“
Ryou hob die Hände und klatschte langsam. „Ich bin stolz auf dich.“
„Danke, das bedeutet mir wirklich viel.“ Sie lachten beide. „Hattet ihr Spaß?“
Ryou streckte sich grinsend auf seinem Bett aus. Er musste nicht erst nachfragen, was Mariku meinte. Die Krücke, die er gegen das Bett gelehnt hatte, rutschte weg und landete klappernd auf dem Boden. Er ignorierte es. Bald würde er sie nicht mehr brauchen. „Unendlich viel Spaß.“ Bei Mariku würde er sicher nicht so sehr ins Detail gehen wie bei Malik.
„Er hatte auch einen ausgezeichneten Lehrer.“ Mit gehobenen Augenbrauen und zweifelnden Blick sah Ryou Mariku an. „Er ist der Padawan und ich bin der Jedi-Meister, was er kann, kann ich besser.“
„Ist das ein Angebot?“, fragte Ryou schmunzelnd.
Mariku hielt einen Moment inne. „Nein!“, antwortete er schon fast entsetzt.
„Gut, würde Malik wahrscheinlich gar nicht freuen, wenn ich ihm erzählen müsste, dass du mir ein Sexangebot gemacht hast.“
Bei diesen Worten entgleisten Mariku die Gesichtszüge vollständig. Ryou lachte. Er hatte Mariku noch nie so geschockt gesehen.
„Reg dich ab, das war nur ein Scherz.“
„Habt ihr geredet... über mich?“
„Ein bisschen.“
Mit einem Mal stand Mariku an seinem Bett. „Was hat er gesagt?“ Er stützte sich auf der Matratze ab.
Ryou legte seine Hand an Marikus Stirn und stieß ihn weg. „Rück mir nicht auf die Pelle.“
Mariku ließ sich auf sein eigenes Bett fallen. „Also?“
„Er hat nur gesagt, dass ihr euch unterhalten habt.“
„Das ist alles?“
„Er hat’s mit einem Lächeln gesagt.“ Er hatte Mariku auch noch nie so lächeln sehen. Es war schon fast süß, aber auch nur fast, denn Mariku fiel nicht unbedingt in die „Süß“-Kategorie. Schmunzelnd drehte sich Ryou auf den Bauch und umarmte das Kissen. Er war froh, wie sich alles entwickelt hatte und wie sie sich in den letzten Monaten verändert hatten. Sie waren durch viel Scheiße gewatet, aber es hatte ihnen doch irgendwie gut getan. Ryou drehte den Kopf leicht, damit er Mariku sehen konnte.
Mariku hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt und sah nach oben. Er hatte ein Bein angewinkelt und das andere über sein Knie gelegt. Er wippte mit dem Fuß, der in der Luft war.
Auch wenn noch nicht alle am Ziel waren. Ryou verspürte ein kleines Ziehen in der Brust und mit einem Mal vermisste er Bakura, obwohl er ihn vor einer Stunde erst noch gesehen hatte. Ryou hievte sich hoch und hob seine Krücke auf.
„Wo gehst du hin?“
„Kurz nochmal raus, hab was vergessen.“ Mariku würde nur über ihn lachen, wenn er ihm sagte, dass er zu Bakura ging.

Bakura lag bäuchlings auf dem Bett, einen Stift in der Hand und einen Block vor sich. Daneben lag ein aufgeschlagenes Buch. Er sah auf als Ryou eintrat.
„Noch Hausaufgaben?“
Bakura zuckte mit den Schultern. „Lässt du mich abschreiben?“, fragte er mit einem Grinsen. Er setzte sich auf, streckte sich und rieb sich den Nacken.
„Nein.“
„Gemein.“ Bakura zog Ryou in seine Arme und küsste seine Schläfe. „Was machst du noch hier?“
Ryou streckte sich und gab Bakura einen Kuss. „Ich wollt dich nochmal sehen“, flüsterte er gegen Bakuras Lippen.
„Wir haben uns doch vorhin erst gesehen.“ Er strich Ryous Pony zurück und platzierte Küsse auf seiner Stirn. Er war so erleichtert, ihm endlich nah sein zu können und keine Angst mehr zu haben. Niemand würde ihm mehr wehtun.
Ryou zuckte nur kurz mit den Schultern. „Wo ist Malik?“ Bakura nickte zur geschlossenen Badezimmertür. Ryou küsste Bakura erneut, doch so stürmisch, dass Bakura das Gleichgewicht verlor und zurück auf die Matratze sank, jedoch hing sein Kopf über die Bettkante. Lachend löste Ryou den Kuss.
„Was ist los?“ Bakura spielte mit einer von Ryous Haarsträhnen.
Ryou legte seinen Kopf auf Bakuras Brust. Er wusste nicht, was er antworten sollte. Er war einfach nur glücklich bei Bakura zu sein. Er schloss die Augen und genoss es, wie Bakura durch seine Haare streichelte.
„Hast du Lust in den Ferien zu mir zu kommen?“ Er strich Bakura übers Shirt.
Bakura hob den Kopf. Er lag unbequem, wollte aber auch nichts sagen, weil er Ryous Gewicht auf sich genoss.
Als Bakura jedoch nicht antwortete, richtete Ryou sich auf. „Ich dachte daran nach Hause zu fahren. Papa ist ausnahmsweise mal da und wenn du willst, dann kannst du gerne mitkommen.“
Bakura war sprachlos und unsicher. Außer für die Sommerferien hatte er das Internat noch nie verlassen und jetzt lud Ryou ihn zu sich nach Hause ein. Er würde sehen wie er lebte, sein Zimmer sehen und die Gegend in der er wohnte. Ob er Freunde außerhalb des Internats hatte? Bakura schluckte. Sie würden die Ferien miteinander verbringen, nur sie zwei (und Ryous Vaters).
„Du musst natürlich nicht“, sagte Ryou schnell.
„Doch!“ Bakura setzte sich so schnell auf, dass ihre Köpfe aneinanderstießen. Sie rieben sich die Stirn. „Doch, ich würd gern zu dir kommen.“
Ryou lächelte, doch bevor er etwas antworten konnte, öffnete sich die Badezimmertür. Malik blieb ihm Türrahmen stehen als er Ryou sah. „Braucht ihr noch einen Moment?“
„Ah nein, schon gut.“ Ryou stieg von Bakura und setzte sich an den Rand des Bettes. „Ich sollte ins Bett.“ Er griff nach der Krücke. „Gute Nacht“, verabschiedete Ryou sich und gab Bakura noch einen letzten Kuss.


„Ich hätt Bock auf Schlittschuhlaufen.“ Mariku hielt sich an der Tischkante fest, während er den Stuhl auf den hinteren Beinen balancierte.
„Es ist inzwischen viel zu warm“, erwiderte Ryou ohne aufzusehen. „Das Eis trägt nicht mehr, falls überhaupt noch welches da ist.“ Er presste nachdenklich die Lippen aufeinander, schüttelte schließlich kurz den Kopf und griff dann nach dem Radiergummi. Sie saßen in einem der großen Gemeinschaftsräume und erledigten ihre Hausaufgaben. Zumindest Ryou und Malik machten das. Bakura hatte immerhin sein Buch aufgeschlagen, zeichnete aber nur Strichmännchen auf sein Papier. Mariku hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, seine Sachen überhaupt mitzubringen.
Nach dem Valentinstag hatte sich Malik wieder der kleinen Gruppe angeschlossen und fühlte sich in ihrer Umgebung auch wohler, als die letzten Tage mit Jonouchi und Honda. Malik war froh, wieder mit ihnen zusammen sein zu können.
„Aber ich war diesen Winter nur einmal.“
Malik hielt im Schreiben inne, griff jedoch den Stift fester. Mariku und er hatten viel Spaß beim Schlittschuhlaufen gehabt. Es war auch das erste Mal gewesen, dass er Marikus Anwesenheit wirklich genossen hatte und die Zeit, in der er angefangen hatte wirklich bewusst anders für Mariku zu fühlen. Malik leckte sich über die Lippen und ließ seine Augen über das eben geschriebene wandern ohne es wirklich zu lesen.
„Wir könnten höchstens in die Eishalle.“
Mariku verzog das Gesicht. „Die ist scheiße.“ Eigentlich war die Halle großartig. Trotz vieler Besucher gab es ausreichend Platz für jeden. Es gab unterschiedliche Eisflächen und es gab auch immer irgendwelche Eislaufkünstler, die eine kleine Show aufführten. Das Problem war: Mariku hatte dort Hausverbot seit er sich mit dem Sohn des Besitzers angelegt hatte. Bakura war der einzige, der es wusste und er schwieg darüber. Es war kein schöner Tag gewesen.

„In zwei Wochen ist das Festival, da könnten wir hinfahren“, schlug Bakura vor, doch auch die Idee schien Mariku nicht zu gefallen.
„Das ist auch scheiße.“
Bakura verdrehte die Augen. „Ich musste dich letztes Jahr regelrecht nach Hause schleifen.“ Während er sprach zeigte er mit seinem Stift auf Mariku.
„Aber dieses Jahr ist es so kalt. Letztes Jahr war’s immerhin etwas warm und trocken.“ Mariku ließ sich samt Stuhl nach vorne fallen. „Wenn’s nass ist, dann ist es scheiße.“
„Ich würd gern auf das Festival gehen“, sagte Malik, der sich bisher aus dem Gespräch rausgehalten hatte. Er liebte die Atmosphäre auf Festivals, die Stimmung und die Gerüche. Er hatte schon befürchtet, er würde dieses Jahr auf kein Festival kommen, da er im Internat feststeckte. Die Gelegenheit würde er sich nicht entgehen lassen. „Es wird auch langsam wärmer draußen.“
Mariku seufzte und hob hilflos die Arme. „Okay, okay, wir gehen auf’s Festival.“
Ryou grinste sein Blatt an. Malik hatte Mariku jetzt schon komplett in der Hand.


Ryou streckte das Bein ein paar Mal aus, bevor er aufstand und es vorsichtig belastete. Es war ein ungewohntes Gefühl plötzlich keine Krücke mehr an der Seite zu haben. Wie schnell man sich doch an so etwas gewöhnte.
„Wie fühlt es sich an?“
„Gut“, antwortete Ryou und ging langsam auf und ab. Er lächelte. Endlich war er das verdammte Ding los.
„Sehr schön. Sollten irgendwelche Schmerzen auftreten oder sich Blutergüsse bilden, dann melde dich bitte sofort bei uns.“
Ryou nickte. Mit jedem Schritt, den er machte, wurde er sicherer. Er konnte es kaum erwarten, wieder zu Bakura zu kommen und mit ihm etwas zu „feiern“. Ryou unterdrückte das Grinsen und griff nach seiner Jacke. Herr Minamoto wartete vor dem Arztzimmer auf ihn.


Ryou warf sich regelrecht in Bakuras Arme. „Ich bin wieder voll gesund“, trällerte er und küsste Bakura kurz.
„Ich seh’s.“ Lächelnd strich Bakura Ryou die Haare zurück und küsste seine Stirn.
„Jetzt musst du auch nicht mehr vorsichtig mit mir sein.“ Ryous Finger wanderten über Bakuras Brust und verschwanden unter dem Saum seines Pullovers.
Bakuras Lächeln wandelte sich in ein Grinsen. „Klingt gut.“
Küssend sanken sie auf Bakuras Bett. Ryou schob den Stoff nach oben, während Bakura seine Hose öffnete.
„Ich bin übrigens noch im Raum“, murrte Malik. Er saß auf seinem Bett mit diversen Papieren auf dem Schoß, einen Leuchtmarker in der Hand. „Hey!“
Doch die beiden Weißhaarigen ignorierten ihn vollständig. Malik verdrehte die Augen, packte seine Unterlagen und stapfte aus dem Zimmer. Draußen stand er unschlüssig auf dem Flur. Ob es okay war, wenn er zu Mariku ging? Oder würde ihn dieser nur ablenken?
Er würde sein Glück einfach mal versuchen.

Mariku hatte die Füße auf den Tisch gelegt und blätterte in einer Zeitschrift. Der Unterrichtsstoff, den sie zu lernen hatten, lag unberührt neben seinen Füßen.
„Hey Ryou“, begrüßte er Malik ohne aufzusehen.
„Nicht ganz.“
Vor Überraschung wäre Mariku fast mit dem Stuhl umgefallen. „Malik!“
„Ryou und Bakura sind etwas... beschäftigt. Kann ich hier lernen?“
„Klar.“ Mariku wedelte mit der Hand in der Luft. „Mach’s dir bequem.“ Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Zeitschrift, auch wenn er weniger entspannt war als zuvor. Ihr Umgang miteinander hatte sich deutlich gebessert, doch in den letzten Tagen waren sie nie allein in einem Raum gewesen. In der Gruppe war es für Mariku leichter seine Gedanken nicht auf Malik zu fokussieren und er war weniger nervös in seiner Gegenwart. Doch jetzt hatte sich sein Herzschlag merklich beschleunigt und es kostete ihn Kraft sich weiter auf den Text zu konzentrieren. Er wollte nur seine Krankheit wieder unter Kontrolle bringen, damit Malik sich keine Sorgen darüber machen muss, dass er wieder ausflippte. Sein Arzt hatte ihm versichert, dass es sich wieder beruhigte, aber Mariku selbst zweifelte noch.
Malik zögerte kurz, dann setzte er sich auf Marikus Bett. Er winkelte die Beine an und lehnte die Blätter gegen seine Oberschenkel. Seine Augen flogen über den Text und hin und wieder setzte er den Stift an um eine wichtige Stelle zu markieren.
Geschichte war nicht gerade seine Stärke und er hatte Probleme sich alles zu merken. Es war schon schwer genug herauszufinden, was von den ganzen Daten wirklich wichtig war.
Malik gähnte und rieb sich den Nacken. Er sah auf. Mariku war immer noch in seine Zeitschrift vertieft. Maliks Blick blieb an seinen wilden Haaren hängen. Er war Atemus und Yuugis punkige Frisuren gewohnt, aber Marikus Haare waren wieder eine ganz andere Sache. Er wusste, dass sie weich und geschmeidig waren und Malik fragte sich, wie er das hinkriegte.

Mariku merkte schnell, dass etwas nicht stimmte. Er vermisste das Rascheln der Blätter und das Geräusch, dass der Stift machte. Er legte die Zeitschrift auf den Tisch und drehte sich zu Malik um, der ihn anstarrte. Mariku zog seine Beine vom Tisch.
„Was ist?“
„Ich frag mich nur, wie lang deine Haare wären, wenn sie glatt wären.“
„Ein bisschen länger als deine.“
„Hattest du sie schon mal glatt?“
„Nur wenn ich dusche.“ Mariku strich sich durch die Haare. „Meine Frisur ist angeboren.“
Malik lachte. „Ernsthaft?“
„Japp, die machen das von ganz allein.“
„Ich würd dich trotzdem gern mal mit glatten Haaren sehen.“
Diesmal war es Mariku der lachte. „Glaub nicht, dass ich alles für dich mache, nur weil ich verrückt nach dir bin. Nicht mal Bakura hat mich je so gesehen.“
Malik legte seine Blätter zur Seite und legte sich auf den Bauch. Mariku beobachtete jede seiner Bewegungen und leckte sich unwillkürlich über die Lippen. In seinem Bauch kribbelte es, aber es war ein gutes Kribbeln, ausgelöst von dem, was er für Malik fühlte und nicht von seiner Störung.
„Ach komm schon, Mariku.“
„Dazu müsstest du mit mir duschen gehen.“ Mariku biss sich auf die Unterlippe, kaum hatte er die Worte ausgesprochen. War er zu weit gegangen? Er hätte das nicht sagen sollen. Er war bestimmt zu weit gegangen. Wieso war er nur so ein Idiot? Malik hasste es, wenn er solche Sachen sagte. Er hatte bestimmt wieder alles verdorben.
Malik antwortete nicht sofort, was Mariku noch unruhiger werden ließ.
Schließlich zuckte Malik mit einem leichten Grinsen auf den Lippen mit den Schultern. „Vielleicht.“
Mit offenem Mund starrte Mariku Malik an. Seine Fantasie spielte verrückt. Er spürte Maliks Finger in seinen nassen Haaren und seine Beine um seine Hüfte. Er drückte ihn gegen die Fliesen, währen das warme Wasser auf sie niederprasselte. Mariku schluckte und ballte die Hände zu Fäusten. Das Malik auf seinem Bett lag, war nicht gerade hilfreich.
Mariku wandte den Blick ab. „Das werd ich nicht vergessen.“ Er sprach schnell, damit seine Stimme nicht zitterte. Er war so aufgeregt, dass er nicht mehr unterscheiden konnte, ob es eine gute oder eine schlechte Aufregung war.
„Hab ich mir gedacht.“ Malik setzte sich wieder auf und schob seine Blätter zusammen. „Blöde Geschichte, ich kann mir den Scheiß nicht merken.“ Malik wechselte das Thema, damit die Sache nicht irgendwie ausartete. Er sah wieder auf als Mariku aufstand. „Alles klar mit dir?“
„Ja, sicher.“ Mariku öffnete seine Nachttischschublade und holte seine Medikamente heraus. Seine Symptome waren längst schwächer geworden und im Moment hatte er auch nicht das Gefühl die Kontrolle zu verlieren, doch sein Körper sandte widersprüchliche Signale aus und er wollte auf Nummer sicher gehen.
„Sicher? Soll ich gehen?“ Malik war etwas nervös. Er wollte nicht wieder der Auslöser für irgendwas sein. Vielleicht war es falsch gewesen mit Mariku zu flirten. Konnte man es überhaupt noch flirten nennen? Es war ja doch ziemlich eindeutig gewesen. Verdammt, was hatte er sich dabei nur wieder gedacht? Er wusste immer noch nicht wirklich, wie er sich Mariku gegenüber verhalten sollte. Es war noch zu früh für sie einen neuen Versuch zu starten, darauf hatten sie sich geeinigt, aber war flirten denn okay? Er beobachtete wie Mariku eine Pille schluckte.
„Nein, bleib.“ Mariku lächelte ihn, ließ die Packung zurück in die Schublade fallen und schloss sie mit dem Fuß. „Ich muss die Dinger ja noch ne Weile nehmen.“
Malik senkte den Blick. „Tut mir leid.“
„Ach“, Mariku legte eine Hand auf Marikus Kopf und brachte seine Haare durcheinander, „halt’s Maul.“

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