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Malik stand auf der Kommandobrücke und beobachtete, wie der Planet, auf dem sich die Notechis niedergelassen hatten, langsam näher kam. Malik weigerte sich, ihn als seine Heimat zu bezeichnen. Obwohl er schon viele Jahre dort gelebt hatte und die Vegetation der seines Heimatplaneten sehr ähnlich war, fühlte sich Malik immer noch fremd. Eher wie ein Parasit als ein Bewohner.
Malik beobachtete die Vorgänge der Notechis, die das Schiff steuerten. Manche von ihnen kannte er, doch die meisten waren noch jung und kratzten gerade mal ans Erwachsenenalter. Malik würde ihnen noch mindestens 100 Jahre geben, bevor sie wirklich bereit waren in einen Krieg zu ziehen, doch diese Zeit hatten sie nicht mehr.
Er unterdrückte ein Seufzen und straffte die Schultern. Niemand durfte mitbekommen, dass er in irgendeiner Form Zweifel hegte.
Als Kura neben ihn trat, spannte sich sein Körper an und seine Sinne konzentrierten sich auf ihn. Anmerken ließ er sich davon jedoch nichts.
„Freust du dich auf zuhause?“
„Natürlich“, erwiderte Malik sofort. „Ich war lange genug weg und von Abschaum umgeben.“
„Wie lange willst du deine Gefangenen noch behalten?“
„So lange wie nötig“, erwiderte Malik scharf. Er hatte sie den ganzen Flug über nicht gesehen und wusste noch nicht einmal, ob sie überhaupt noch alle lebten. Nicht, dass ihn jemand anderes als Mariku interessieren würde. Er hatte versucht einen Weg zu finden ihn zu befreien, doch solange sie an Bord des Raumschiffs waren, gab es nichts, dass er tun konnte. Das würde sich jedoch auch nicht ändern, wenn sie erstmal in den Zellen festsaßen. Malik schloss die Augen und verfluchte seine Situation.


Mariku keuchte schmerzerfüllt auf, als man ihn auf die Beine zog und nach vorne schubste. Seine Schritte waren wacklig und unsicher und seine Muskeln protestierten. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren und war in den letzten Stunden (oder Tagen?) mehr bewusstlos gewesen als wach. Blut klebte überall an seiner Kleidung und seinem Körper. Er konnte sein linkes Auge nicht öffnen und war überrascht, dass es überhaupt noch da war. Sein Gesicht pochte schmerzhaft, während sein Körper versuchte die zerstörte Gesichtshälfte zu heilen.
Das Licht blendete ihn, als sie aus der Zelle gebracht wurden, doch Mariku war endlich froh wieder frische Luft atmen zu können. Anzu ging vor ihm, Ryou hinter ihm. Zumindest glaubte er, dass es Ryou war, aber vielleicht war es auch Bakura.

Als sie das Raumschiff verließen, zuckte Mariku zusammen. Er hatte die letzten Stunden in andauernder Stille verbracht und plötzlich strömten unangenehm viele Geräusche auf ihn ein. Es herrschte ein Zischen und Fauchen um ihn herum. Mariku versuchte sich so gut wie möglich umzusehen. Um sie herum wimmelte es von Notechis. Manche betrachtete sie abschätzig, doch die meisten schienen sie gar nicht wahrzunehmen. Als würden sie gar nicht existieren oder es nicht wert sein wahrgenommen zu werden.
Als sein Blick auf Malik fiel, blieb Mariku stehen. Ryou prallte gegen ihn und jemand stieß Mariku etwas Hartes in die Seite. Es war links von ihm, weshalb er nichts erkennen konnte. Er ging weiter, ließ Malik jedoch nicht aus den Augen.
Er sah anders aus. Seine Körperhaltung war aufrechter, stolzer und seine Bewegungen wirkten noch graziler als zuvor. Er strahlte eine kühle Erhabenheit aus und er hatte denselben arroganten Gesichtsausdruck, der Mariku so nervte. Trotzdem war er froh ihn zu sehen. Es schien ihm gut zu gehen.
Malik stand neben einer Frau, die ihn kurz in die Arme nahm, doch Malik löste sich schnell wieder von ihr als wäre es ihm peinlich. Es lag jedoch ein Lächeln auf seinen Lippen und sein Gesichtsausdruck wurde etwas sanfter.
Wer war sie?
Sie löste den Zopf, der ihre langen, schwarzen Haare zusammenhielt. Die Schuppen, die ihr Gesicht bedeckten, schimmerten in einer Mischung aus Schwarz und Blau. Ihre Gesichtszüge kamen Mariku vertraut vor. Er folgte der Bewegung ihres Arms, als sie ihn ausstreckte und Malik über die Wange strich. Sie sahen sich ähnlich, deshalb kam sie ihm so vertraut vor.
Ob sie seine Mutter war?
Oder seine Schwester?
Mariku verlor beide aus den Augen. Malik hatte ihn keines Blickes gewürdigt.


„Lass das, Isis.“ Malik schob den Arm seiner Schwester beiseite. Es war ihm nicht direkt unangenehm, er mochte es nur nicht, wenn Isis es in der Öffentlichkeit machte.
„Ich bin froh, dich lebendig zu sehen.“
„Mich bringt nichts um“, erwiderte Malik. Isis war eine der wenigen Personen, der er die Freude über seine Rückkehr wirklich glaubte.
„Aber du bist verletzt.“ Ihr Blick ruhte auf der Verbrennung. Obwohl einige Tage seitdem vergangen waren, heilte die Haut nur langsam.
Malik machte eine unwirsche Handbewegung. „Es wird heilen.“ Er lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema. Zwar wusste er, dass sein Vater auf ihn wartete, doch der Wunsch ihn zu sehen hielt sich in Grenzen. „Wie war deine Hochzeit?“ Isis‘ Angetrauter war ein hochrangiger Offizier und es war nicht unbedingt das, was man eine Heirat aus Liebe nennen konnte. So etwas gab es bei ihrem Volk nur selten. Es ging darum die besten Gene zu verbinden und zu verbreiten, Gefühle spielten hierbei keine Rolle.
„Sie hat noch nicht stattgefunden.“
„Wieso?“
Isis sah ihn mahnend an. „Ist das nicht offensichtlich? Ich war krank vor Sorge um dich. Wie soll ich heiraten, wenn du nicht da bist?“
Malik schüttelte grinsend den Kopf. „Vater war sicher nicht sehr begeistert darüber.“
Isis zischte. „Natürlich nicht. Er war außer sich, aber denkst du, ich lass mir von diesem alten Mann was sagen?“ Sie lachte kurz. „Aber jetzt bist du wieder zurück.“ Sie strich ihm durch die Haare und Malik verdrehte die Augen. Isis war wirklich unbelehrbar.

Malik machte sich auf den Weg zu seinem Vater. Der Bericht an ihn war fertig und ein einziges Lügenkonstrukt.
Lord Ishtar stand mit dem Rücken zu Malik und drehte sich auch nicht um, als er eintrat. Sein Blick war aus dem Fenster gerichtet, durch das er einen guten Ausblick über das geschäftige Treiben der Notechis hatte.
Malik legte seinen Bericht auf den Tisch und wartete.
Es verstrichen einige Minuten bis sein Vater sich schließlich zu ihm umdrehte und Malik aus kalten Augen musterte. Seine Miene war streng und unbewegt. Er erlaubte sich keine Gefühlsregung.
„Ich sehe du bist wohlbehalten zurückgekehrt.“
Malik erwiderte nichts. Er beobachtete wie sein Vater den Bericht zur Hand nahm und ihn schnell überflog. Für einen Augenblick verzog sich seine Miene missbilligend, dann legte er den Bericht zurück auf den Tisch.
„Du hast Gefangene genommen.“
Keine Frage, sondern eine Feststellung. Man hatte ihm natürlich schon von Mariku und den anderen berichtet.
„Ich gehe davon aus, dass sie uns nützliche Informationen der Sternenallianz geben können.“ Eine weitere Lüge.
„Sie waren nicht in Ketten gelegt, als man dich gefunden hat.“
Ein arrogantes Lächeln umspielte Maliks Lippen. „Ich brauche keine Ketten um diesem Abschaum seinen Platz zu zeigen.“
Sein Vater schien mit dieser Antwort zufrieden zu sein. „Wir werden sie befragen, sobald diese vermaledeite Hochzeit vorüber ist. Deine Schwester hat sich hierbei als äußerst stur erwiesen.“

Deine Schwester...
Es hieß bei ihm immer nur deine Schwester.
Nie meine Tochter oder Isis.
Wäre ihre Mutter noch am Leben, würde er mit ihr wahrscheinlich genauso reden. Deine Tochter.
Als hätte er nichts mit ihr zu tun.
Dass er Malik als seinen Sohn bezeichnete, war schon verwunderlich genug, doch Malik wusste auch, dass sich das ganz schnell ändern konnte. Solange er den Worten seines Vaters Gehorsam schenkte und sich als guter Kämpfer zeigte, war er in seinen Augen würdig, doch würde er jemals von Kura und ihm oder schlimmer noch, Mariku und ihm, erfahren, würde er ihn wohl eigenhändig umbringen.


Mariku hatte längst die Orientierung verloren. Teilweise hatte er das Gefühl, sie würden im Kreis gehen, doch der lange Weg zu den Zellen bot ihm auch genug Gelegenheit sich umzusehen. Die meisten Notechis ignorierten sie, besonders die, die älter aussahen. Von den Jüngeren wurden sie meistens neugierig gemustert, als hätten sie noch nie eine andere Alienspezies gesehen.
Mariku bekam einen kleinen Einblick in das Leben der Notechis und es war schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte. Es war ihm klar gewesen, dass Notechis von klein auf zu Kriegern erzogen wurden, doch mit welchen Mitteln schockte Mariku.
Die Kinder kämpften gegeneinander und mit Kämpfen meinte Mariku wirklich kämpfen. Es war kein Übungskampf mit Holzschwertern, hier floss Blut und davon nicht zu wenig. Die Schwachen wurden aussortiert oder starben gleich auf dem Trainingsplatz. All das geschah unter den herrischen Stimmen der Ausbilder.
Mariku schauderte. Hier wurden keine Krieger herangezüchtet, sondern Bestien.
Und Malik war eine von ihnen.


Malik atmete hörbar aus, als er die Tür hinter sich schloss. Er lehnte sich gegen das Metall und schloss die Augen. Er genoss die Stille und Kühle seines Zimmers, auch wenn er wusste, dass er nicht allein war.
Als er die Augen öffnete, stand Rishid in der Nähe; stumm und regungslos wie eine Statue. Malik konnte nicht abstreiten, dass er sich freute ihn zu sehen. Rishid war immer mehr ein Bruder für ihn gewesen, als es Kura je sein konnte. Er war sein Diener, sein „Leibwächter“ und der einzige, dem er wirklich vertraute. Seit Anfang an wusste Rishid über Kura und ihn Bescheid. Er hatte sich um Malik gekümmert, als dieser nach dem ersten Mal kaum noch in der Lage gewesen war aufrecht zu stehen. Er hatte sich um seine Wunden gekümmert ohne ein Wort des Vorwurfs oder eine Belehrung.
Malik betrachtete die Narben, die eine Hälfte von Rishids Gesicht zierten. Notechis Haut vernarbte nur, wenn ihr eigenes Gift im Spiel war. Gift von Kindern war noch zu schwach dafür, doch ab einem bestimmten Alter war es stark genug um Narben auf den Körpern ihrer Artgenossen zurückzulassen. Rishids Narben gingen auf Kuras Konto, genauso wie die Narbe auf Kuras Wange von Rishid stammte. Es hätte ihm damals fast das Auge gekostet.
Sie hatten wegen Malik gekämpft und wegen dem, was Kura mit ihm gemacht hatte. Man hatte sie gewaltsam auseinanderreißen müssen und Malik hatte Rishid verboten sich jemals wieder einzumischen.
Aber damals hatte er auch noch gedacht Kura würde ihn lieben. Fast hätte er aufgelacht. Andererseits hatte er es auch genossen und nach dem Krieg war der Sex mit Kura das Einzige, dass ihm das Gefühl gegeben hatte überhaupt noch am Leben zu sein. Es war nicht nur sein Rücken, der vernarbt war.

„Meister Malik.“ Unwillkürlich musste er an Mariku denken, der ihm erzählt hatte, dass Malik in seiner Sprache „König“ bedeutete. „Ich freue mich, dich wohlbehalten wiederzusehen.“
Malik lächelte, doch es galt nicht Rishid, sondern dem Gedanken an Mariku. „Wohlbehalten ist eher fraglich.“ Malik zog den Kampfanzug aus. Die Wunde an seiner Schulter war immer noch nicht geheilt, was ihm Sorgen bereitete. Sie pochte und die Haut spannte sich um die Wunde.
„Soll ich mir das mal ansehen, Meister Malik?“
Malik nickte und ließ sich aufs Bett sinken. Rishid tastete seine Schulter ab.
„Hier ist eine harte Stelle. Fühlt sich an, als wäre etwas unter der Haut, dass da nicht sein sollte.“
„Hm, es war eine eher altmodische Waffe.“
„Es wird wehtun.“
„Okay.“
Malik biss die Zähne zusammen, als Rishid seine Haut öffnete und seine Finger in die Wunde schob. Er krallte sich in die Bettdecke und versuchte an etwas anderes zu denken als den Schmerz. Wie es Mariku wohl ging? Er hatte mitbekommen, als sie aus dem Schiff gebracht worden waren, doch er hatte es nicht gewagt ihnen auch nur einen Blick zuzuwerfen. Er durfte kein Risiko eingehen, auch wenn er Mariku wirklich gerne sehen würde. Vielleicht konnte er ihn heimlich herbringen lassen.
Malik keuchte schmerzerfüllt, als Rishid seine Finger zurückzog. Ein deformiertes Stück Metall lag auf seiner Handfläche.
„So ein kleines Ding“, murmelte Malik. „So viel Ärger.“


Bakura öffnete den Mund und schloss ihn gleich wieder. Seine Zunge fühlte sich schwer an und er schluckte. Sein Mund produzierte übermäßig viel Flüssigkeit, weil er durstig war. Er hatte seit Tagen kein Blut mehr getrunken und wäre er nicht gefesselt, hätte er sich schon im Raumschiff auf Mariku gestürzt. Der Geruch seines Blutes hatte sich in seiner Nase festgesetzt und vernebelte ihm den Verstand. Er wollte trinken. Er wollte Blut schmecken.
„Steckt ihn in eine Einzelzelle.“ Kura deutete auf Ryou und richtete seinen Blick anschließend auf Mariku. Er hatte es sich nicht nehmen lassen die Gefangenen bis zu den Zellen zu begleiten. Kura packte Marikus Haare und zog seinen Kopf zurück. Mariku keuchte schmerzerfüllt. Seine Kehle war zu trocken und zu rau für einen Schrei. „Ich kann’s kaum erwarten mich um dich zu kümmern.“ Er senkte die Stimme, als er weitersprach: „Ich schick Malik bei dir vorbei, damit er zusehen kann, wie du krepierst.“
Mariku erwiderte nichts und war nur froh als Kura ihn wieder losließ. Er hatte keine Kraft mehr für eine Auseinandersetzung.
„Der hier kommt auch in eine Einzelzelle.“ Er machte eine unwirsche Handbewegung. „Die andere könnt ihr...“ Sein Blick fiel auf Bakura. „Warte.“ Er packte Bakura am Kinn und hob seinen Kopf leicht an. Bakuras eigentlich braune Augen hatten eine rötliche Farbe angenommen. Kura zeigte seine spitzen Zähne als er grinste. „Nehmt dem hier die Fesseln ab und steckt ihn dann mit den anderen in eine Zelle. Ich bin sicher“, er leckte sich über die Lippen, „Malik braucht nicht alle lebend.“
Er stieß Bakura zu Anzu und Jonouchi in die Zelle und lachte, als sich die Tür schloss.

Bakura rutschte sofort an die Wand, die am weitesten von Anzu und Jonouchi entfernt war.
„Bakura“, zischte Jonouchi, „komm her und mach uns los.“ Doch Bakura rührte sich nicht. Er stemmte seine Beine in den Boden und drückte sich gegen die Wand. „Bakura?“
„Bakura, alles in Ordnung?“ Anzu kam näher.
„Bleib weg“, rief Bakura heiser. Anzu hatte vor ihm nichts zu befürchten. Ihr Blut hatte nicht die richtige Konsistenz für ihn, aber Jonouchi war genau richtig. Allein daran zu denken wie das Blut durch seine Adern floss, zerrte an Bakuras Selbstbeherrschung. Noch war er bei klarem Verstand, aber er wusste, dass er diesen Zustand nicht mehr lange aufrechterhalten konnte. Dieser verfluchte Notechis! Er hatte es ganz genau gewusst. Nur deshalb hatte er ihm die Fesseln abnehmen lassen. Dieser kranke Bastard.
„Bleibt weg“, wiederholte Bakura leise.


Ryou hatte die Augen geschlossen und hielt den Kopf gesenkt. Sein Körper hatte aufgehört zu zittern, stattdessen war er in eine Starre gefallen. Er wusste, wie er sich zu verhalten hatte. Er sah nicht auf, als jemand in seine Zelle trat, doch sein Körper war angespannt und seine Atmung wurde etwas schneller.
Man packte ihn am Kinn und riss seinen Kopf hoch. Ryou öffnete die Augen. Es war Kura. Ryou schluckte. Das bedeutete nichts Gutes.
Ohne etwas zu sagen ließ Kura seine Finger über Ryous Wange streicheln. Die Berührung war schon fast zärtlich.
„Du bist ein braver Sklave, nicht wahr?“ Kura grinste. „Du weißt genau, was du tun musst.“ Kuras Blick wanderte von Ryous Gesicht zu seinen Federn. Früher waren die Federn für sie nicht von Wert gewesen. Notechis waren sowieso mit einem sehr langem Leben gesegnet und verkaufen stand für sie nie zur Debatte. Warum andere Spezies stärken?
Doch seit dem Zusammenbruch waren Cygni-Federn für sie interessanter geworden.
Kura strich an den langen, weißen Federn entlang und Ryou wimmerte.
„Hast du Angst?“
Ryou nickte langsam.
Kura kam ihm ganz nah. „Das solltest du auch“, flüsterte er, dann stand er auf und sah auf Ryou hinunter. Mit einem Tritt beförderte er Ryou gegen die Wand seiner Zelle. „Wertloser Abschaum“, fauchte Kura. Er trat wieder näher an Ryou heran, der schwer atmend seine Hand gegen seine Brust drückte. Jeder Atemzug brannte.
Kuras Schwanz legte sich um Ryous Hals und hob ihn auf Augenhöhe. „Was läuft zwischen Malik und diesem minderwertigen Menschen?“
Ryou antwortete nicht. Er konnte auch gar nicht, denn Kura drückte ihm die Luft ab. Kura schmetterte ihn gegen die Wand und ließ seinen Hals los.
„Rede, du Wurm!“ Er platzierte einen Fuß auf Ryous Brust.
„Nichts“, brachte Ryou hervor. „Ich weiß nichts.“
Er würde sowieso sterben, da dachte er nicht einmal im Traum daran diesem Monster die Information zu geben, die es wollte.
„Lüg mich nicht an!“
„Fick dich.“
Ryou keuchte schmerzerfüllt auf, als Kura ihm in die Seite trat. Er biss die Zähne zusammen. Selbst wenn er Kura die Wahrheit verraten würde, würde es keinen Unterschied machen.
Kura packte seinen Kopf. „Sag’s mir!“
„Lutsch meinen Schwanz.“ Woher Ryou diesen plötzlichen Mut hatte, wusste er selbst nicht. Vielleicht war er es einfach Leid den Schwanz einzuziehen. Ryou knallte mit dem Hinterkopf gegen die Wand und er blinzelte schnell. Der Raum drehte sich und ein kribbeliges Gefühl breitete sich in seinen Beinen aus. Er sah zu Kura hoch, in dessen Gesicht sich der blanke Zorn widerspiegelte. Als Kura in ihm Hals packte, wusste Ryou, dass er zu weit gegangen war. Wenigstens war er in den letzten Augenblicken noch mutig gewesen, auch wenn’s dumm gewesen war.
Ryous Schrei ließ das Glas zittern. Kura ließ ihn los und drückte seine Hände gegen seine Ohren. Blut tränkte Ryous Haare und Daunen. Der Schmerz, der sich in seinem Körper ausbreitete, war mit nichts zu vergleichen, dass er je gespürt hatte. Das Glas der Zellentür bekam einen Sprung und Kura brachte Ryou mit einem Tritt zum Schweigen. Ryou röchelte und sank in sich zusammen. Seine Augen blieben weit aufgerissen und starrten in die Leere.
Kura betrachtete die Feder in seiner Hand. Der untere Teil war mit Blut verschmiert. Ein Grinsen legte sich wieder auf Kuras Lippen. Er sah zu Ryou, der apathisch an ihm vorbei sah.

Kura verließ Ryous Zelle und sein Blick fiel auf den Riss in der Scheibe. Die Stimme eines Cygni konnte gefährlich sein. Er hatte immer noch ein leichtes Pfeifen in den Ohren.
„Was hast du mit Ryou gemacht?“, fauchte Bakura und hämmerte gegen die Scheibe. Als er Ryous Schrei gehört hatte, war sein Durst vergessen gewesen. „Du verdammter Bastard!“
Kura drückte die ausgerissene Feder gegen die Scheibe und Bakuras Augen weiteten sich entsetzt. Inzwischen waren sie blutunterlaufen und das Braun hatte sich in ein tiefes Rot gewandelt.
„Ich bring dich um!“, schrie Bakura und fletschte die Zähne. „Ich bring dich eigenhändig um!“ Er trat und schlug gegen die Scheibe, doch diese hielt stand.
Kura lachte. „Ich kann’s kaum erwarten.“ Bakuras Schreien und Fluchen verfolgte ihn, als er weiterging. Vor Marikus Zelle blieb er stehen. Mariku lag zusammengerollt auf dem Boden und rührte sich nicht.
Kura zischte. Allein Mariku zu sehen machte ihn wütend. Er öffnete die Zelle und kniete sich neben Mariku. Er drehte seinen Kopf, doch Mariku reagierte gar nicht auf ihn. Er hatte schon wieder das Bewusstsein verloren.
Am liebsten hätte Kura seinen Kopf unter seinem Stiefel zerschmettert. Er hatte mitbekommen, wie Malik den Menschen angesehen hatte. Er hatte Angst um ihn. Er bedeutete ihm etwas.
Und er würde alles zerstören, was Malik wichtig war.


Malik wischte das Blut weg und ließ die Schulter kreisen. Es fühlte sich jetzt schon besser an als zuvor, auch wenn seine Bewegung noch etwas eingeschränkt war.
„Du solltest ihn noch eine Weile ruhig halten.“
Malik verdrehte die Augen. Rishid war immer so überfürsorglich. „Ich hatte schon schlimmere Verletzungen“, tat Malik seine Worte ab und zog sich wieder an. Er strich sich die Haare zurück. Sein Körper war angespannt und er schaffte es einfach nicht diese Anspannung abzuschütteln. Seine Gedanken kreisten hauptsächlich um Mariku und je mehr er versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren, desto mehr drängten sie sich ihm auf.
Er hasste es.
Er hasste es, wie er für Mariku fühlte. Dieses dumme Grinsen... und die Art, wie er ihn berührt hatte.
Malik schauderte und das war etwas, das nicht häufig passierte.
„Alles in Ordnung, Meister Malik?“
„Ja“, antwortete Malik. Er sah Rishid an. „Ich bin nur hungrig. Holst du mir was zu essen?“
„Natürlich. Etwas Bestimmtes?“
„Früchte.“
Rishid nickte kurz. Malik musste nicht erklären welche Früchte er haben wollte. Yago – eine kleine Frucht, süß mit einem Hauch von sauer. Malik könnte sich tagelang davon ernähren. Es war das einzige, was er an diesem Planeten wirklich mochte.

Als Rishid gegangen war, streckte sich Malik auf seinem Bett aus. Er vergrub sein Gesicht im Kissen und strich gedankenverloren über die Bettdecke. Ob er später zu Mariku gehen konnte ohne das Kura davon erfuhr? Malik biss sich auf die Unterlippe.
Wieder Mariku.
Immer Mariku.
Warum war er ihm nicht egal?
Er war minderwertig. Abschaum. Nicht mal würdig ihn anzusehen.
Malik stieß einen frustrierten Laut aus, packte sein Kissen und warf es in Richtung Tür. Mariku brachte ihn völlig durcheinander. Er war noch nie jemandem begegnet, der ihn so... er wusste nicht, wie er es beschreiben sollte.

Er sah nicht auf, als sich die Tür öffnete. „Du bist schon wieder da?“ Als Rishid nicht antwortete, sah Malik doch auf und seine Miene verdunkelte sich, als er sah, dass es Kura war. „Was willst du?“ Malik stand vom Bett auf. Kura zu sehen machte ihm klar, dass er es nicht riskieren konnte zu Mariku zu gehen. Er wusste nicht, wer zu Kuras Freunden gehörte und wer ihm berichten würde. Er konnte niemandem vertrauen.
Kura leckte sie über die Lippen. „Du gehst mir aus dem Weg und das gefällt mir nicht.“
„Verschwinde, Kura.“ Ihm fiel die weiße Feder auf, die in Kuras Haaren steckte. Klebte da auch noch Blut dran? Malik verengte die Augen. Er hatte ein ganz mieses Gefühl. „Was soll die Feder?“
„Ach die.“ Kura drehte die Augen nach oben und zog sich die Feder aus den Haaren. „Ein Geschenk von deinem Cygni-Freund.“
Malik verzog erst keine Miene, doch dann packte er Kura am Kragen und zog ihn näher. „Wag es nicht noch mal diesen Abschaum als meinen Freund zu bezeichnen!“, fauchte er Kura an und zeigte die Zähne. „Und lass die Finger von meinen Gefangenen!“
„Reg dich ab.“ Kura zog den Stoff seines Shirts aus Maliks Fingern. „War nur eine Feder, sind ja noch fünf andere da.“
Am liebsten hätte Malik ihm das Grinsen aus dem Gesicht geschnitten. Er sah die Feder an und biss sich auf die Unterlippe. Am besten wäre es, wenn er Mariku einen schnellen Tod schenkte. Andernfalls würde Kura ihn auf die grausamste Art quälen, die ihm einfiel und er würde nichts dagegen tun können, ohne auffällig zu werden.
„Fass sie nie wieder an! Ich brauch sie bei klarem Verstand für die Befragung.“ Malik tippte seinem Halbbruder bei jedem Wort energisch gegen die Brust.
Kura packte sein Handgelenk und küsste Maliks Finger. Maliks riss den Arm zurück und drückte ihn beschützend gegen seine Brust. Mit aufeinander gepressten Lippen sah er Kura an, dessen Gesichtsausdruck plötzlich überraschend ernst wurde.
„Früher hat’s dich doch auch nicht gestört.“ Er kam einen Schritt näher und strich Malik die Haare zurück. Sein Schwanz legte sich um Maliks Bein.
Malik wandte den Blick zur Seite und antwortete nichts. Es abzustreiten wäre eine Lüge gewesen. Anfangs hatte er es gehasst, dann geliebt und sich fast schon verzweifelt an Kura geklammert, nur um es dann wieder zu hassen. Trotzdem hatte er nur selten widersprochen.
„Du hast es genauso genossen wie ich.“ Kura hatte die Stimme gesenkt und Malik hob den Blick.
Auch das stimmte. Trotz dem Schmerz und der Erniedrigung, die er dabei verspürt hatte, hatte es ihm gefallen.
Kuras Lippen waren Maliks inzwischen so nah, dass er sie schon fast spüren konnte. Maliks Mund war leicht geöffnet und sein Blick auf Kuras Lippen gerichtet. Er leckte sich über seine eigenen Lippen und berührte dabei auch Kuras. Kura schaffte es immer wieder ihn einzuwickeln.
„Oder soll ich lieber diesen erbärmlichen Menschen holen?“

Diese Worte rissen Malik aus seiner Trance. Mit aller Kraft stieß er Kura von sich, doch der hatte immer noch seinen Schwanz um Maliks Bein geschlungen und Malik verlor das Gleichgewicht. Er landete rücklings auf dem Bett.
Kura konnte sein Gleichgewicht halten und lachte. „Hab ich etwa deinen wunden Punkt erwischt?“
„Verpiss dich, Kura.“
Doch Kura kam wieder näher und drückte Malik zurück auf die Matratze, als dieser sich aufsetzen wollte. „Ich frage mich nur, wie er noch am Leben sein kann.“
„Ich weiß nicht, was du meinst“, fauchte Malik, doch berührte unterbewusst sein linkes Handgelenk.
Die Geste entging Kura nicht. Amüsiert sah er auf Malik hinunter. „Ich denke, du weißt genau, was ich meine. Du und der Mensch...“ Er machte ein gespielt entrüstetes Gesicht. „Wie konntest du nur so tief sinken?“
Malik trat Kura in den Bauch und stieß ihn damit von sich. „Verschwinde.“ Ein leiser, bedrohlicher Unterton schwang in seiner Stimme mit. „Oder ich sorg dafür, dass du wieder ganz unten anfängst.“
Wut verzerrte für einen Moment Kuras Gesicht, dann packte er Malik am Hals. Malik riss die Augen auf und unternahm nichts gegen Kuras Griff. „Pass lieber auf, dass dein Vater nichts von den Narben auf deinem Rücken erfährt oder von wem sie sind.“ Er ließ Malik wieder los, der sofort von Kura wegrutschte und vorsichtig seinen Hals berührte.

Rishid kehrte zurück und verzog missbilligend das Gesicht, als er Kura sah. Kura schenkte ihm ein überhebliches Grinsen und rempelte ihn an, als er nach draußen ging.
„Alles in Ordnung, Meister Malik?“
Malik setzte sich wieder aufrecht hin. „Natürlich.“ Er nahm Rishid das Tablett mit den Yago-Früchten ab. „Lass mich allein.“
„Meister Malik...“
„Lass mich allein!“, fauchte Malik ihn an.
Rishid verbeugte sich kurz und verließ das Zimmer.
Malik bedeckte sein Gesicht mit den Händen. Er musste zu Mariku. Sobald wie möglich.

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