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„Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll“, jammerte Malik, kaum hatte seine Schwester das Gespräch angenommen.
„Hast du denn schon mit jemand darüber geredet?“
„Ja.“
„Und?“
„Ryous Rat war: werd dir darüber klar, was du willst und scheiß drauf was die anderen sagen.“
„Und bist du dir schon klar darüber?“
„Nicht wirklich.“ Malik seufzte und richtete seinen Blick nach draußen. Braune Flecken durchzogen die Winterlandschaft, doch es hatte schon wieder zu schneien begonnen. „Ich kann ja noch nicht mal mit ihm reden und sonst starren wir uns auch nur an, wenn wir denken der andere merkt’s nicht.“ Malik stieß einen frustrierten Laut aus. „Das ist alles deine Schuld!“
„Meine?“ Isis klang schon fast amüsiert.
„Du musstest mich ja auf dieses dämliche Internat hier stecken. Zuhause wär mir das nicht passiert. Da wär ich nicht mal im Traum auf die Idee gekommen mich in einen Kerl zu vergucken, und jetzt...“ Doch Malik hörte auf zu reden und seine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Mariku stand nur ein paar Schritte von ihm entfernt und sah genauso überrascht aus wie Malik.
„Malik?“, fragte Isis nach, doch Malik ließ den Telefonhörer sinken.
Hatte Mariku das gerade gehört? Er biss sich auf die Unterlippe. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und seine Hände fühlten sich plötzlich schweißnass an.
„Sorry“, murmelte Mariku. „Ich wollt nicht lauschen oder so. Das war nur Zufall.“ Er strich sich durch den Nacken und wich Maliks Blick aus.
Malik war immer noch nicht in der Lage etwas zu erwidern. Mariku hatte es gehört. Er hatte gehört, was er gesagt hatte!
„Sorry“, wiederholte Mariku noch einmal und ging dann weiter.
Malik sah ihm hinter und hob dann wieder den Telefonhörer ans Ohr. „Verdammt.“
„War grad jemand bei dir?“
„Er hat gehört, was ich gesagt hab.“ Malik flüsterte fast.
„Wie hat er reagiert?“
„Er hat gar nichts dazu gesagt.“ Malik lehnte sich gegen die Mauer und legte den Kopf in den Nacken.
„Wieso kannst du mir sagen, dass du in ihn verliebt bist, aber ihm nicht?“ Malik atmete tief durch. Ja, das war die Frage, nicht wahr? „Hör auf deinen Freund, scheiß drauf was die anderen sagen.“
Malik hob überrascht die Augenbrauen. Es war nicht üblich für Isis so zu reden. Trotzdem hatte sie leicht reden. Er hatte Mariku schon einmal enttäuscht, was, wenn er es nochmal tat?


Mariku schluckte seine Tabletten und trommelte unruhig auf der Matratze. Hatte er das wirklich gerade gehört? Er wusste nicht mit wem Malik telefoniert hatte, aber es war bestimmt jemand aus seiner Familie gewesen. Er hatte mit jemandem aus seiner Familie über ihn gesprochen. Er hatte gesagt, dass er in ihn verschossen war. Gut, er hatte nicht seinen Namen erwähnt, aber wen sollte er sonst gemeint haben?
Mariku grinste.
Konnte das wirklich wahr sein?
Er meinte es also doch ernster, als er zugeben wollte, wenn er schon mit seiner Familie darüber sprach.
Mariku atmete tief durch. Er musste ruhig bleiben. Ryou hatte Recht, sie mussten es langsam angehen. Ganz langsam.
Malik würde zu ihm kommen, wenn er bereit war. Mariku strich sich die Haare im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammen. Und dann war hoffentlich er auch bereit.

„Du solltest dir mal wieder die Haare schneiden.“
Mariku zuckte zusammen und drehte sich dann zu Ryou um. „Wie war die Physiotherapie?“
Ryou zuckte mit den Schultern und stellte seinen Rucksack neben dem Bett ab. „So wie immer.“
Die Tür öffnete sich erneut und Bakura trat ein. Er küsste Ryou erst auf die Stirn und dann auf die Lippen. „Wie lief’s?“
„So wie immer“, wiederholte Ryou.
„Wird’s schon besser?“
„Etwas.“ Ryou seufzte. Er freute sich schon auf den Tag, wenn er endlich keine Krücke mehr brauchen würde. Er war das Ding leid.
„Wird schon wieder.“ Bakura strich Ryou über das Bein und küsste ihn wieder.
„Nehmt euch ein Zimmer“, murrte Mariku und Ryou streckte ihm die Zunge raus.


Malik ließ sich die Sonne aufs Gesicht scheinen. Es hatte wieder aufgehört zu schneien und er hatte sich gedacht, dass frische Luft ihm sicher beim Nachdenken helfen würde.
Doch kaum hatte er sich hingesetzt, rief jemand seinen Namen. Malik drehte sich um. Ryou stand auf der Eingangstür und winkte ihm. Am Griff seiner Krücke hing eine Plastiktüte.
Seufzend stand Malik wieder auf.
„Was gibt’s?“
„Ich will Schokolade machen und ich wollte fragen, ob du vielleicht auch Lust hast?“ Er lachte verlegen.
„Schokolade?“
„Naja, bald ist doch Valentinstag und ich hab noch nie für irgendwen Schokolade gemacht oder welche verschenkt. Ich würd gern Bakura welche schenken.“
„Und für was brauchst du mich?“
„Ich hab nur etwas zu viel gekauft und will’s nicht wegschmeißen.“ Er zuckte beiläufig mit den Schultern. Malik verengte die Augen zu Schlitzen. So ganz traute er der Sache nicht. „Du musst natürlich nicht, aber ich würd mich wirklich über Gesellschaft freuen.“
Malik seufzte. „Na gut.“ Etwas anderes zu tun, würde ihm sicher auch nicht schaden, außerdem war der Gedanke an Schokolade wirklich äußerst verlockend. Die letzte hatte er an seinem Geburtstag gegessen. Zusammen mit Mariku. Malik presste die Lippen aufeinander. Es kam ihm vor, als wäre das schon eine Ewigkeit her. Er nahm Ryou die Tüte ab und sie gingen gemeinsam in die Küche.

„Ah, schön euch Zwei zu sehen“, begrüßte sie Frau O’Kashi.
„Vielen Dank, das wir die Küche benutzen dürfen.“
„Aber das ist doch selbstverständlich. Ich hab früher auch viel Schokolade gemacht, aber sie dann doch allein gegessen.“ Lachend strich sie sich über ihren Bauch.
Malik sah sich um. Er erinnerte sich wage daran schon einmal hier gewesen zu sein. Mariku hatte ihn nach Ryous Sturz hierher gebracht und sie hatten Tee getrunken.
„Ich hab euch schon alles bereitgestellt. Tobt euch aus, aber am Ende müsst ihr alles wieder sauber machen.“ Sie hob mahnend einen Finger, dann sah sie Malik an und lächelte. Sie legte ihm die Hände an die Oberarme. „Mariku wird sich sicher freuen.“ Malik war zu überrascht um etwas zu erwidern. Sie ließ ihn wieder los. „Wenn ihr irgendetwas braucht, ich bin rechts den Flur hinunter, die linke Tür.“
Malik sah ihr hinterher. Schokolade für Mariku. Er rieb unruhig die Hände aneinander. Sollte er welche machen? Als Ryou ihn gefragt hatte, hatte er zuerst gar nicht daran gedacht. War das Ryous Plan gewesen? Er sah seinen Freund an, der damit beschäftigt war die Zutaten auf der Arbeitsfläche zu verteilen.

Malik zog sich einen Stuhl neben Ryou und setzte sich darauf. Er zog das Rezept, welches vor Ryou lag, zu sich. „Klingt gar nicht so kompliziert.“
„Ja, mal sehen. Ich hoffe, sie schmeckt Bakura dann auch.“
„Selbst wenn nicht, würde er wahrscheinlich alles aufessen um dich glücklich zu machen.“ Maliks Worte zauberten ein Lächeln auf Ryous Lippen.
„Meinst du?“
„Bestimmt.“ Malik zog die Beine an und setzte sich im Schneidersitz auf den Stuhl. Er beobachtete, wie Ryou die Zutaten mischte. „Die Beziehung zu Bakura tut dir aber scheinbar ganz gut.“
Ryou hielt in der Bewegung inne und sah Malik überrascht an. „Wie meinst du das?“
„Naja, anfangs warst du ziemlich griesgrämig und abweisend.“
„Oh.“ Ryou kratzte sich an der Wange. „Ich war sexuell frustriert.“
„Das war jetzt mehr als ich wissen wollte“, sagte Malik schmunzelnd. „Obwohl... war Bakura dein erster?“
„Nein.“ Ryou wirkte schon fast beleidigt. „Ich bin nicht so unschuldig, wie ich vielleicht aussehe. Sobald ich wusste, was Sache ist, wollt ich alles ausprobieren.“ Er grinste. „Aber sag das nicht Bakura.“
„Bestimmt nicht.“
„Und was ist mir dir? Warst du beliebt an deiner alten Schule?“
Malik stützte seinen Ellenbogen auf die Arbeitsplatte. „Ja, schon, denk ich.“
„Hattest du ne Freundin?“
„So was in der Art.“
„Fickbeziehung?“
„Schon eher.“
„Vermisst du’s?“
Malik zuckte nur mit den Schultern. Vermisste er es? Nicht wirklich. Mit einem Mal kam ihm das sogar ziemlich dumm vor. Wenn er zurückblickte, dann musste er seiner Schwester doch irgendwie recht geben; sein Umgang war nicht der beste gewesen. War er jetzt besser? Er sah Ryou an und dachte dann an Mariku. Nicht wirklich. Er lächelte. Nein, nicht wirklich.
„Wie sind deine anderen Freunde so?“
„Naja, so normale Typen halt. Außer Kaiba, der ist etwas weniger normal.“
„Wieso?“
„Er hat ne Firma, Kaiba Corporation.“
„Oh!“ Ryou sah Malik mit gehobenen Augenbrauen an. „Die Spielefirma?“
„Ja.“
„Du kennst ja voll die berühmten Leute.“
Malik zuckte mit den Schultern. „Klingt cooler, als es ist.“ Er streckte die Beine aus. „Meine Schwester findet, es sind alles Verlierer.“

Ryou schmunzelte, tauchte einen Löffel in die flüssige Schokolade und hielt ihn Malik vor die Nase. „Hier, probier mal.“
„Ist lecker.“ Malik leckte sich über die Lippen.
„Nicht zu süß?“
„Für meinen Geschmack nicht.“
Ryou legte den Löffel beiseite und füllte die Schokolade in eine Form. „Aber ich hab viel zu viel gekauft. Hier“, er schob Malik die Zutaten zu, „mach du welche.“
„Ich weiß nicht.“
„Du musst sie ja nicht verschenken. Iss sie einfach selbst.“
Malik seufzte und gab klein bei.


Malik goss gerade seine Schokolade in die Form, als Frau O’Kashi wieder in die Küche kam.
„Und, wie läuft’s?“
„Wir sind so gut wie fertig“, antwortete Ryou stolz und strahlte bis über beide Ohren. Er hatte sich hingesetzt. Das lange Stehen hatte sein Bein sehr belastet.
„Gut, und vergesst nicht sauber zu machen.“
Das Lächeln auf Ryous Lippen erstarb und er sah wenig glücklich darüber aus. Aber wer konnte ihm das schon verübeln? Niemand mochte saubermachen.

Malik starrte in der Zwischenzeit seine Schokolade an. Sollte er sie Mariku schenken? Würde es ihn freuen? Oder war es nicht doch noch zu früh dafür? Er wollte keinen falschen Eindruck erwecken. Welchen Eindruck wollte er überhaupt erwecken? Er wusste nicht, ob er den Mut aufbringen konnte, Mariku die Schokolade zu geben.
Ryou riss ihn aus seinen Gedanken. „Hörst du mir überhaupt zu?“
„Was?“
„Ich hab gefragt, ob es dir was ausmacht, wenn du abspülst? Ich übernehm das Abtrocknen.“
„Ah, ja, kein Problem. Ich mach das.“
„Danke.“


Malik legte die Schokolade in seine Nachttischschublade. Er betrachtete die bunte Verpackung, die Ryou ihm regelrecht aufgezwungen hatte. Malik seufzte. Was sollte er damit nur machen?
Hastig schloss Malik die Schublade, als Bakura eintrat. Er durfte die Schokolade nicht sehen, sonst würde er am Ende nur Ryous Überraschung ruinieren.
„Hattet ihr nen schönen Tag?“
Malik nickte nur als Antwort.
„Was habt ihr so gemacht?“
„Nichts Besonderes.“
Bakura hob die Augenbrauen. Er war mit Maliks Antwort nicht zufrieden, aber er fragte auch nicht weiter nach. Wenn Malik so auskunftsfreudig war, dann hatten sie bestimmt wieder über Mariku geredet.


Valentinstag kam für Maliks Geschmack viel zu schnell. Die Schokolade in seiner Tasche fühlte sich schwer wie ein Stein an. Er hatte sich immer noch nicht entschieden, was er damit machen sollte.
Unruhig streifte Malik durch das Gebäude. Er hatte sein Zimmer früh verlassen, damit Ryou und Bakura etwas Zeit alleine miteinander verbringen konnten, doch jetzt wusste er nicht, was er machen sollte. Verloren stand Malik in der Eingangshalle. Sollte er Isis anrufen? Aber er hatte erst vor ein paar Tagen mit ihr geredet. Malik seufzte und sah die Treppe nach oben. Er erstarrte, als er Mariku sah. Mariku hatte ebenfalls in der Bewegung inne gehalten und starrte Malik an. Er hatte seine Jacke an und schien auf dem Weg nach draußen zu sein.
Malik biss sich auf die Unterlippe. Warum musste er ausgerechnet ihm über den Weg laufen?


Ryou wirkte ungewöhnlich nervös und zurückhaltend auf Bakura. Außerdem überraschte es ihn, dass er schon so früh hier war. Und was war in der Tüte, die er bei sich hatte?
„Was ist los?“, fragte Bakura, während er sich anzog. Er war aufgewacht, als Malik aufgestanden war, doch war noch liegen geblieben bis plötzlich Ryou ins Zimmer gekommen war.
Ryou hatte seinen Blick auf seine Füße gerichtet und verlagerte sein Gewicht auf seine Krücke. Sein Griff um die Haltegriffe der Tüte festigte sich. Er wusste selbst nicht, warum er so nervös war. Bakura würde sich sicher über die Schokolade freuen. Trotzdem war es das erste Mal, dass er jemandem außer seinem Vater etwas schenkte.
„Ich hab was für dich“, murmelte Ryou.
Bakura sah auf die Tüte in Ryous Hand, während er sich weiter die Zähne putzte.
Ryou sah ihn an und seufzte. „Kannst du dich mal beeilen?“
Bakura wusch sich den Mund aus. „Du hast mich immerhin regelrecht aus dem Bett geworfen. Also“, er trocknete sich die Hände und ging zu Ryou, „was ist es?“
Ryou streckte ihm die Tüte entgegen. „Frohen Valentinstag.“
„Valentinstag?“, wiederholte Bakura langsam und war zu überrascht um die Tüte zu nehmen. Valentinstag war für ihn nie von Bedeutung gewesen und er hatte sich auch nie darum gekümmert. Er starrte die Tüte an, als wäre sie ein fremdes Lebewesen.
Ryous Griff verkrampfte sich. Unsicher ließ er die Tüte wieder sinken. „Hab ich was falsch gemacht?“
Seine Worte rissen Bakura aus seiner Starre. „Nein.“ Er strich Ryou über die Wange und nahm ihm mit der anderen Hand die Tüte ab. „Ich bin‘s nur nicht gewohnt, was zum Valentinstag zu kriegen.“
„Oh.“ Ryou lächelte. „Ist auch das erste Mal für mich. Ich hoffe du magst es. Ich hab’s selbst gemacht.“
Noch bevor er wirklich in die Tüte schaute, küsste er Ryou. Ungeachtet davon, dass er etwas in der Hand hielt, umfasste er Ryous Gesicht mit beiden Händen und zog ihn näher.
Vor Schreck ließ Ryou seine Krücke los, doch er hielt sich rechtzeitig bei Bakura fest und legte seine Arme um seinen Nacken. Mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet.

„Jetzt pack’s endlich aus“, flüsterte Ryou nach dem Kuss. Er ließ Bakura los, humpelte zum Bett und setzte sich hin. Bakura ließ sich neben ihm auf die Matratze sinken.
Die Tüte fiel zu Boden als Bakura die verpackte Schokolade herausholte. Ryou beobachtete ihn mit angehaltenem Atem. Sein Herz raste und er wusste nicht, wann er das letzte Mal so nervös gewesen war.
„Du hast sie selbst gemacht?“
Ryou nickte schnell. Er atmete tief ein, als Bakura davon abbiss.
„Sie ist doch nicht vergiftet?“, fragte Bakura kauend und mit einem leichten Grinsen auf den Lippen.
Ryou schlug ihm gegen die Schultern. „Nein!“
Bakura leckte sich über die Lippen. „Sie ist wirklich gut.“
„Ja?“ Ryou strahlte übers ganze Gesicht. „Ich bin so froh.“
Bakura beugte sich vor und küsste ihn. „Du kannst so süß sein.“
„Gewöhn dich nicht dran.“
Bakura brach ein Stück Schokolade auseinander und reichte einen Teil Ryou. „Ich hab gar nichts für dich.“
„Das ist nicht wichtig.“ Er schloss die Augen und ließ die Schokolade auf der Zunge zergehen. Ja, er hatte wirklich gute Arbeit geleistet.
Bakura wickelte den Rest der Schokolade wieder ein und legte sie auf den Nachttisch. „Hast du denn für heute irgendwas geplant?“ Er legte seine Hand auf Ryous Bein.
„Nicht wirklich.“ Ryou lehnte sich gegen seinen Freund. „Ich wollte nur den ganzen Tag mit dir zusammen sein.“
Bakuras Hand strich über Ryous Bein. „Denkst du es wär in Ordnung, wenn wir...“ Er grinste leicht. „...du weißt schon.“
Ryou erwiderte sein Grinsen. „Ich denk schon. So viel sollte mein Bein aushalten.“


Mariku schluckte trocken. Er hatte nicht damit gerechnet Malik über den Weg zu laufen. Unruhig zupfte er am Kragen seiner Jacken und ging langsam die Treppe hinunter. Sie ließen sich nicht aus den Augen.
„Hallo.“
„Hallo.“ Malik wandte kurz den Blick ab und sah zur Tür. „Gehst du raus?“ Mariku nickte. „Es ist kalt draußen.“
„Ja, deshalb hab ich eine Jacke an.“
„Ähm ja.“ Malik wollte sich selbst verprügeln. Warum war er nur so ein Idiot?
„Wir sehen uns“, murmelte Mariku.
Malik nickte nur. Er wagte es nicht nochmal was zu sagen, aus Angst, dass es wieder etwas Dummes wäre. Er sah Mariku hinterher und ließ sich anschließend seufzend auf die Treppenstufe sinken.

Mariku atmete tief durch, als sich die Eingangstür hinter ihm schloss. Unwillkürlich hatte sich sein Körper angespannt, während er mit Malik gesprochen hatte, aber es wurde langsam besser. Er zitterte nicht mehr.
Mariku zog sich den Reißverschluss höher und vergrub seine Hände in den Jackentaschen. Die letzten Tage hat er oft draußen verbracht. Er hatte sich zurückgezogen und größtenteils einfach nur in die Leere gestarrt.
Er wischte den Schnee von dem Kreuz, dass er gemacht hatte. Letzte Nacht hatte es wieder geschneit. Mit aufeinander gepressten Lippen sah Mariku auf das Kreuz hinunter. Es war nur symbolisch. Natürlich lag Ren hier nicht begraben, sondern in seiner Heimatstadt. Mariku hatte es damals noch nicht einmal über sich gebracht auf die Beerdigung zu gehen. Bis heute hatte er sein Grab nicht besucht. Es war immerhin alles seine Schuld.
Mariku seufzte und strich sich die Haare zurück. Er war ein Schwächling. Ren hätte sicher über ihn gelacht, wenn er ihn jetzt gesehen hätte. Mariku ließ sich in den Schnee sinken und ignorierte dabei, dass seine Hose durchnässt wurde und sich die Kälte ausbreitete. Er war einfach ein Idiot. Er wollte es so gerne nochmal mit Malik versuchen, aber wenn es wieder schiefging, dann würde er wohl nicht mehr mit ein paar Tabletten ruhig gestellt werden können. Er ließ sich zurückfallen und streckte die Arme von sich. Der Himmel über ihm war grau.
Langsam angehen hatte Ryou gesagt. Er musste warten bis Malik auf ihn zukam. Das war schwerer als es sich anhörte. Und dann hatte Malik auch noch gesagt, dass er sich eigentlich in ihn verguckt hatte.
Mariku murrte. Warum war das alles nur so schwierig?


Malik drehte die verpackte Schokolade in seinen Händen. Er hatte schon einige Versuche hinter sich die Verpackung aufzureißen und sie einfach zu essen, doch immer hatte er es sich im letzten Moment anders überlegt. Er legte die Schokolade neben sich und nahm sie dann wieder zur Hand. Vielleicht sollte er sie einfach wegwerfen... nein, das wäre nur Verschwendung.

Als ein Schatten über ihn fiel, sah Malik überrascht auf. Sein Griff festigte sich, die Schokolade brach auseinander und das Papier riss. Mariku stand vor ihm. Jacke und Hose nass. Etwas Schnee war immer noch in seinen Haaren.
„Alles in Ordnung?“, fragte Malik leise. Er senkte den Blick und presste die Lippen aufeinander, als er sah, was er mit der Schokolade gemacht hatte. Das war’s mit der schönen Verpackung.
„Bin hingefallen“, antwortete Mariku. „Bist du jetzt die ganze Zeit hier gesessen?“
Malik sah wieder auf. „Wieso die ganze Zeit?“
„Ich war mindestens eine Stunde draußen.“
„Oh.“ Es war ihm gar nicht aufgefallen, wie viel Zeit vergangen war. Hatte er wirklich eine Stunde hier gesessen und über Schokolade nachgedacht? Was lief nur falsch in seinem Leben?
„Was dagegen wenn ich mich setze?“
Malik schüttelte den Kopf und Mariku setzte sich neben ihn. Malik schauderte. Er spürte die Kälte, die von Marikus Kleidung ausging. Malik warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, sah dann auf die Schokolade und seufzte.
„Hier.“ Er hielt Mariku die Schokolade hin ohne ihn anzusehen. Sein Herz raste und er atmete nur flach.
Überrascht nahm Mariku ihm die Schokolade aus der Hand. „Schokolade?“
„Hab sie selbst gemacht“, murmelte Malik und rieb unruhig seine Schuhe aneinander. Mariku wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Damit hatte er nicht gerechnet. „Hab sie leider etwas zerbrochen.“ Malik hatte den Kopf von ihm abgewandt.

Mariku riss die Augen auf, als ihm plötzlich bewusst wurde, was heute für ein Tag war: Valentinstag! Und Malik schenkte ihm Schokolade! Selbstgemachte Schokolade!
Mit einem Mal fühlte sich sein Mund ganz trocken an. Er starrte Malik an, unfähig etwas zu sagen oder gar einen zusammenhängenden Gedanken zu Stande zu bringen.

Langsam drehte Malik den Kopf. Es machte ihn unruhig, dass Mariku nichts sagte. Er konnte das Lächeln nicht unterdrücken, als er Marikus Gesichtsausdruck sah. So überrascht war er schon fast süß.
„Alles okay?“
Seine Worte rissen Mariku aus seiner Starre. „Äh, ja, ja, danke hierfür.“
„Es war Ryous Idee.“ Malik zuckte mit den Schultern.
„Trotzdem hast du keinen Grund gehabt mir was zu schenken.“
Wieder zuckte Malik mit den Schultern. „Wenn du sie nicht willst, ess ich sie selbst.“
„Nein.“ Mariku drückte die Schokolade gegen seine Brust und Malik lächelte.
„Lass sie dir schmecken.“ Er stand auf und wollte gehen, doch Mariku hielt seine Hand fest. Marikus Finger waren kalt.
„Danke dafür. Das bedeutet mir wirklich viel.“
Malik erwiderte nichts darauf, sondern drückte nur kurz Marikus Hand bevor er sich aus seinem Griff befreite und die Treppe nach oben stieg. Er musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass Mariku ihm nachsah.
Er hatte es getan! Er hatte Mariku die Schokolade gegeben. Malik stieß hörbar Luft aus und lächelte breit. Es war leichter gewesen als erwartet und Mariku hatte sich auch gefreut.
Malik die Hand auf den Griff seiner Zimmertür und zog sie sofort wieder zurück, als hätte er sich daran verbrannt. Er hatte Ryou und Bakura ganz vergessen. Es war besser, sie nicht zu stören.

Seufzend drehte Malik sich um und ging den Weg zurück, den er eben gekommen war. Dumm kam er sich schon vor, aber es war auch bald Zeit fürs Mittagessen.
Mariku saß immer noch auf der Treppe und schob sich gerade ein Stück Schokolade in den Mund. Malik sah wie er die Augen schloss und ein kleines Lächeln seine Lippen umspielte. Malik verspürte ein angenehmes Kribbeln in seinem Bauch.
Langsam ging er die Stufen nach unten und setzte sich wieder neben Mariku.
„Hast du mich so sehr vermisst?“ Mariku grinste und Malik musste zugeben, dass er dieses Grinsen vermisst hatte.
„Ein bisschen“, gab Malik zu. „Aber ich wollte auch Ryou und Bakura nicht stören.“
„Ah ja, die zwei Turteltauben.“ Mariku biss direkt von der Schokolade ab, dann hielt er Malik die restliche hin. „Auch ein Stück? Sie ist gut.“
Malik brach sich selbst ein Stück ab und Schweigen kehrte zwischen ihnen ein. Jeder hing seinen eigenen Gedanken hinterher.

„Ist es zu spät für uns?“, fragte Malik schließlich leise.
„Nein“, antwortete Mariku fast sofort. „Nur noch zu früh.“

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