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Ryou knirschte mit den Zähnen. Er wusste genau mit wem er es zu tun hatte. Er kannte nur einen Piraten, der so ein selbstverliebtes Schiff hatte. Er versuchte noch nicht einmal unauffällig zu sein.
Die Außenhülle war metallic-weiß und der Rumpf gebaut, als wäre es ein Schwanz. Zwei große, flügelartige Konstrukte waren an den Seiten angebracht. Ryou rollte mit den Augen. Das Raumschiff war fast eine exakte Nachbildung eines Ejderha.
„Wie viele Waffen haben wir noch an Bord?“
„Nicht genug für jeden und auch nur eine Tödliche“, antwortete Honda.
Ryou seufzte. Selbst, wenn sie mehr Waffen hätte, wären die Piraten immer noch in der Überzahl. Trotzdem würde er nicht einfach klein beigeben. Immerhin war es nicht das erste Mal, dass sie sich begegneten, vielleicht konnte er sich raushandeln. Wobei ihr letztes Aufeinandertreffen nicht so glücklich abgelaufen ist. Jedenfalls durften sie keinesfalls Malik entdecken.
„Fahrt den Sichtschutz hoch“, befahl Ryou, während er aufstand. „Ich informier die anderen.“ Er strich sich durch die Haare und an den langen Federn entlang. Er schob die Waffe in den Gürtel.

Als Ryou den Waffenschrank öffnete, fiel ihm fast alles entgegen. Einer der Sicherungsriemen war gerissen. Ryou nahm zwei Gewehre zur Hand. „Holt euch auch was“, rief er über die Schulter hinweg. Er schulterte die Gewehre und ging als erstes zu Mariku.
„Was ist passiert?“, fragte dieser sofort.
Ryou hielt ihm eins der Gewehre hin. „Piraten“, antwortete er murrend.
„Piraten?“ Mariku sah Ryou mit großen Augen an und Ryou erwiderte seinen Blick ernst.
„Bleibt hier und haltet die Füße still.“
Mariku ließ seinen Blick kurz zu Malik schweifen. Er wollte Ryou noch mehr fragen, doch dieser war schon wieder weg.

„Piraten“, wiederholte Bakura und verzog das Gesicht. Er nahm Ryou das Gewehr ab. „Sieht’s schlecht für uns aus?“
Ryou zuckte mit den Schultern. „Ich weiß noch nicht. Verhalt dich jedenfalls still.“
„Du gibst mir eine Waffe und sagst mir dann, ich soll mich still verhalten?“ Bakura schmunzelte.
„Vielleicht kannst du ein paar ausschalten, bevor sie dich schnappen.“ Ryou wandte sich zum Gehen, doch Bakura packte ihn am Arm und küsste ihn. „Musste das sein?“, murmelte Ryou.
„Hey, wer weiß, was mit uns gleich passiert.“
„Idiot.“ Ryou riss sich los.

Ryou zog seine Waffe aus dem Gürtel und ließ sich wieder auf den Sitz sinken. Er überprüfte die Energieanzeige: sie war noch zur Hälfte voll, doch das war nicht unbedingt etwas Gutes. Mehr als ein paar Schüsse würden nicht drin sein, bevor die Energie zur Neige ging. Er biss sich auf die Unterlippe. Die neuen Waffen wurden auch immer nutzloser.
Ryou trommelte unruhig auf der Armlehne. Der Rest der Crew war ebenfalls angespannt. Sie konnten nichts machen, außer zu warten bis sie der Fangstrahl ins Innere des Piratenschiffs gezogen hatte.
Ryou konnte nicht fassen, wie viel Pech sie hatten. Er hatte immer wieder mal einen Trip gehabt, der nicht so glücklich verlaufen war, aber diesmal schlitterten sie von einer Katastrophe in die Nächste. Was würde noch alles passieren? Ryou schloss die Augen. Jetzt musste er sich jedoch erst einmal auf die Piraten konzentrieren. Es sah nicht gut für sie aus. Sie waren nur schlecht bewaffnet, sie hatten keine Ware dabei mit der sich die Piraten genügen würden, kaum noch Gold, sodass er sie nicht mal freikaufen konnte und das Schiff funktionierte auch nicht mehr. Es stand schlecht um sie und wenn Malik entdeckt wurde, dann waren sie sowieso geliefert. Ryou fragte sich, wie viel ein Notechis auf dem Schwarzmarkt wert war. Bestimmt ein Vermögen. Nervös strich er an den langen Federn an seinem Kopf entlang.

Ein Ruck ging durch Amane, als sie im Inneren des Piratenschiffs aufsetzte. Ryou stand auf und atmete tief durch. Er wusste nicht, was sie gleich erwartete, doch er glaubte nicht an ein gutes Ende.
„Geh rein“, fauchte Ryou Bakura an, als er auf den Flur trat und den Nocidea dort stehen sah.
„Kann ich dir nicht irgendwie helfen?“
„Du kannst mir helfen in dem du in dein Zimmer gehst und die Klappe hältst.“
Bakura hob hilflos die Schultern und verschwand wieder. Ryou strich sich durch den Nacken und sah seine Freunde an. „Bereit?“
„Nicht wirklich“, murmelte Jonouchi.
„Haltet euch einfach hinter mir.“
Sie positionierten sich an der Eingangsluke und warteten. Klopfen war zu hören. Jemand hämmerte gegen die Außenhülle. Ansonsten waren keine Geräusche von draußen zu hören. Ryou war angespannt und festigte seinen Griff um den Waffengriff.
Ein ekelhaftes Kreischen war zu hören, als Metall über das Metall seines Schiffes kratzte. Ryou schloss die Augen. „Es tut mir Leid“, flüsterte er. Mit jedem weiteren Kratzer, musste sich Ryou zusammenreißen nicht einfach die Luke zu öffnen. Er biss die Zähne zusammen.
Es krachte und quietschte, als die Piraten begannen die Eingangsklappe aufzustemmen. Ryou atmete tief durch. Als er einen Schritt hinter sich hörte, hob er die Hand. Sie wussten, wie schwer es für ihn war mitzuerleben wie Amane mehr und mehr beschädigt wurde. Er unterdrückte ein Schaudern als er daran dachte, was ihr möglicherweise noch bevorstand.

Ryou öffnete seine Augen, als ohrenbetäubendes Krachen ihm sagte, dass sie es geschafft hatten. Sein Finger legte sich um den Abzug der Waffe und er entsicherte sie.
Der Lärm von draußen drang jetzt ins Innere des Schiffs vor. Mehrere Aliens sprachen und riefen durcheinander. Ryou hörte Lachen und Gröhlen.
„Kommt raus, kommt raus“, rief ihnen jemand von draußen schon fast fröhlich zu. Lachen folgte.
„Wie wär’s wenn du reinkommst, damit ich dir den Schädel wegpusten kann?“, erwiderte Ryou.
Lachen erklang und es wurde etwas in einer Sprache gesagt, die Ryou nicht verstand.
„Kommt lieber raus, solange wir noch gute Laune haben.“ Diesmal schwang ganz klar eine Drohung mit. Ryou zeigte sich davon nicht beeindruckt. Er hatte schon zig Drohungen in seinem Leben gehört und Piraten schüchterten ihn nicht ein.
„Ihr kommt zu spät. Hier gibt’s nichts zu holen, außer eine müde Crew und ein kaputtes Schiff. Ich transportiere nichts.“
„Natürlich“, sein Ton war gehässig, „und ich bin der Herrscher der Sternenallianz.“ Wieder Lachen.
„Ich wusste schon immer, dass Politiker alle Piraten sind.“
Ein Knurren war von draußen zu hören und Ryou wusste, dass es nicht mehr lange nur bei Worten bleiben würde.
„Kommt endlich raus!“
„Kommt doch rein oder seid ihr nur ein Haufen Feiglinge?“ Ryou biss sich auf die Unterlippe. Es war keine gute Idee sie zu provozieren, doch inzwischen hatte er sich angewöhnt, sich mit alles und jedem anzulegen. Eine seiner schlechten Eigenschaften. Ryou presste kurz die Augenlider aufeinander. Er hatte jetzt keine Zeit über seine Charakterentwicklung zu sinnieren.

Von draußen waren wieder wütende Stimmen zu hören. Die Piraten schienen zu streiten, doch wieder in der Sprache, die Ryou nicht verstand. Er hörte nur, dass ihre Stimmen aufgeregt und wütend waren, manche klangen spöttisch. Dass sie stritten, bedeutete jedoch nicht gleich etwas Gutes für Ryou und die anderen. Piraten stritten ständig und ihre Wut ließen sie dann meistens an anderen aus.
Die Stimmen verstummten plötzlich und Schritte waren zu hören. „Was ist hier los?“ Die eisige Stimme jagte einen Schauer über Ryous Rücken und er brauchte sich nicht umzudrehen um zu wissen, dass auch die anderen sich unwohl fühlten. „Seid ihr denn zu nichts zu gebrauchen?“ Ein dumpfer Knall war zu hören und dann ein schmerzerfüllter Laut. „Rein da, aber sofort und ich will sie lebend.“
Ryou straffte die Schultern. Sein Körper war angespannt, seine Atmung flach. Er wartete. Seine Sinne waren auf die Eingangsluke konzentriert. Unruhig leckte er sich über die Lippen.

Sein Schuss traf den Piraten mitten ins Gesicht. Er hatte noch nicht einmal die Chance zu reagieren. Ryou hörte, wie sein Körper unten aufschlug. Ryou begann zu zittern und er atmete tief durch um es zu unterdrücken. Es war lange her, seit er das letzte (und erste) Mal jemanden erschossen hatte und selbst das nagte immer noch an ihm. Er war einfach nicht fürs Töten gemacht. Und wieso konnte er diesen Piraten erschießen, aber Malik nicht?
Er riss sich aus seinen Gedanken. „Will noch einer?“, rief er und hoffte, dass das Zittern in seiner Stimme nicht zu hören war.
Von draußen waren wütende Schreie zu hören.
„Schnappt sie euch!“

Mehr Piraten kamen ins Schiff. Anfangs fielen sie tot oder betäubt zurück, doch bald schon hatte Ryous Waffe keine Energie mehr und die Anzahl war zu groß. Ryou warf die Waffe zur Seite und nutzte seine Krallen um sich zu verteidigen. Zwei Piraten packten ihn.
„Lasst mich los, ihr Bastarde!“ Anzu fluchte. Sie hielt sich die Piraten mit heißem Wasser vom Leib, zumindest versuchte sie das. Einer riss sie zu Boden.
„Ganz ruhig, Süße.“ Anzu kreischte.
Mit einem Tritt beförderte Jonouchi den Piraten, der Anzu gepackt hatte, gegen die Wand. Man hörte Knochen brechen.
Ryou schaffte es sich loszureißen und schlitzte einem seiner Angreifer den Unterarm auf. Jemand zog ihm etwas über den Schädel und Ryou stolperte nach vorn. Er wurde geschubst und fiel aus der Eingangsluke. Er stöhnte schmerzerfüllt, als er auf dem Boden aufschlug.
Ryou wurde wieder auf die Beine gerissen und er keuchte, als man ihm die Arme auf den Rücken drehte. Ihm war schwindelig und es fiel ihm schwer sich auf den Beinen zu halten. Hätte man ihn nicht festgehalten, wäre er zu Boden gegangen.

„Ryou, was für eine Überraschung.“ Am liebsten hätte Ryou ihm das arrogante Grinsen aus dem Gesicht geschnitten, doch selbst seine Klauen würden an der metallischen Haut abbrechen.
„Seto“, knurrte Ryou und stemmte sich gegen den, der ihn festhielt, doch der Griff war eisern und gab nicht nach.
„Immer noch so frech wie damals.“ Setos Schwanz zuckte von einer Seite auf die andere. „Wir haben noch ein paar offene Rechnungen.“
„Kann mich nicht erinnern.“ Seto packte sein Kinn und Ryou schauderte. Seine Hand war so kalt, dass es schon fast brannte. Ryou spürte die Krallen an seiner Wange.
„Du solltest froh sein, dass ich dich nicht gleich hier umbringe. Du hast ein paar gute Männer getötet.“
„Waren nicht so gut, wenn sie so leicht sterben.“
Seto ließ ihn los. „Stimmt.“
„Was willst du, Seto? Ich hab nichts dabei, außer ein paar Münzen, die kannst du haben, aber lass uns gehen.“
Seto blickte über Ryou hinweg. Anzu, Honda und Jonouchi waren inzwischen auch überwältigt worden. „Wie ich sehe hast du dir immer noch keine bessere Crew besorgt.“
Ryou überging die Stichelei und versuchte sogar einen Vorteil daraus zu schlagen: „Siehst du, wir sind nichts wert. Nimm das Geld und schmeiß uns wieder raus. Das Schiff ist kaputt, das bringt dir auch nichts.“ Ryous Herz raste. Er musste sie raushandeln, er musste einfach. Seto war im Grunde kein schlechter Kerl, zumindest für einen Piraten, aber sie hatten keine nette, gemeinsame Vergangenheit.
Seto sah ihn an, als würde er darüber nachdenken.
„Komm schon, Seto, wir sind doch schon fast alte Bekannte. Wenn ich das nächste Mal ne wertvolle Fracht dabei hab, dann geb ich dir nen Tipp. Also, wie sieht’s aus?“
Doch Setos Blick glitt erneut über Ryou hinweg und auf seinem Gesicht zeichnete sich so etwas wie Freude ab. Er grinste Ryou an. „Sieh an, was haben wir denn da?“
Ryou warf einen Blick über die Schulter. Mariku und Bakura wurden von Setos Männern aus dem Schiff geführt. Malik war nirgends zu sehen.
„Das sind nur Passagiere, nichts weiter.“

Seto schenkte Ryous Worten jedoch keine Beachtung, sondern ging an ihm vorbei. „Ein Mensch“, er blieb vor Mariku stehen, „noch jung und kräftig.“
Mariku musterte Seto kurz. Weiße, metallisch-wirkende Haut, die bläulich schimmerte. Zwei große Flügel ragten aus seinem Rücken und er hatte einen Schwanz, der aussah als könnte er jeden Schädel mit Leichtigkeit zerschmettern. Er sah aus, wie ein Drache mit humanoider Form. Die kalten, blauen Augen sahen ihn abschätzig an. „Sorry, bist nicht mein Typ.“
Seto drehte sich wieder zu Ryou um. „Er ist genauso frech wie du.“
„Leider“, erwiderte Ryou ohne sich umzudrehen.
Seto richtete seine Aufmerksamkeit auf Bakura. „Nocidea, ebenfalls noch jung.“ Er grub eine Hand in Bakuras Haare und zog seinen Kopf zurück. „Weißes Haar, wirklich sehr selten.“
Bakura fletschte die Zähne, sagte jedoch nichts. Er mochte seine weißen Haare, auch wenn sie ihm in der Vergangenheit oft Ärger eingehandelt hatten. Nocidea waren eher dunkelhaarig und während weiße Haare bei einem Teil seiner Spezies als gutes Omen galten, glaubte ein anderer Teil, dass sie Unglück brachten. Leider gehörte seine Familie zu letzteren.
Seto ließ ihn los und kehrte wieder zu Ryou zurück. „Euer Preis ist soeben gestiegen.“ Ryou fauchte. „Besonders, wenn ich daran denke, mit was für einem Vermögen du selbst rumläufst.“ Er ließ seine Finger an den langen Federn an Ryous Kopf entlang gleiten.
Ryou zog den Kopf zurück. „Denk nicht mal dran.“
„Zu spät.“ Ein süffisantes Grinsen lag auf Setos Lippen.
Ryou riss die Augen auf und starrte ihn ungläubig an. Er würde das nicht wagen, oder? Wäre er wirklich so grausam?

„Sperrt sie in die dunklen Zellen, jeden in eine andere. Ich will nicht, dass sie irgendwelche Pläne aushecken. Und kettet sie fest.“ Er ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen. „Außer den Nocidea, er kommt in eine der Sonnenzellen.“ Seto wandte sich zum Gehen.
„Was machen wir mit dem Schiff?“
„Zerlegt es. In Einzelteilen ist es vielleicht noch etwas wert.“
„Warte!“ Ryou stemmte sich gegen den Griff, der ihn festhielt. „Warte Seto! Das kannst du nicht tun. Seto! Tu das nicht!“
„Bringt ihn zum Schweigen.“
Ein Schlag auf den Hinterkopf ließ Ryou Sterne sehen. Er öffnete den Mund, doch kein Laut kam heraus. Ein erneuter Schlag und Ryou ging in die Knie. Der Griff um seine Arme löste sich und er fiel vornüber. Man hob ihn auf und trug ihn davon, die anderen folgten.

Bakura und Mariku gingen nebeneinander. „Hey Mariku“, wisperte Bakura und lehnte sich leicht in seine Richtung. Mariku wandte den Kopf kaum merklich und sah Bakura aus den Augenwinkeln heraus an. „Wo ist Malik?“
Ein kleines Grinsen schlich sich auf Marikus Lippen. Er zuckte nur mit den Schultern als Antwort.


Einige Zeit davor:
„Piraten?“ Mariku sah Ryou mit großen Augen an und Ryou erwiderte seinen Blick ernst.
„Bleibt hier und haltet die Füße still.“
Mariku ließ seinen Blick kurz zu Malik schweifen. Er wollte Ryou noch mehr fragen, doch dieser war schon wieder weg. Mariku seufzte. Er legte das Gewehr auf den Tisch und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Tischkante.
„Was denkt er, was er tut?“, murrte Malik. „Ein Haufen Betäubungsgewehre gegen Piraten.“ Er gab einen abfälligen Laut von sich. „Was will er damit erreichen?“
„Vielleicht hat er einen Plan?“
„Natürlich, weil bisher hatte er ja immer einen Plan, nicht wahr?“ Der Sarkasmus in Maliks Stimme war schon fast greifbar.
„Und du hast nen Plan?“
„Mein Plan ist, mich nicht erwischen zu lassen.“
Mariku verdrehte die Augen. „Wow, was für ein toller Plan. Wieso schließt du dich ihnen nicht an? Ihr seid doch alles böse Jungs.“
Malik stand auf. „Ihr Menschen habt auch keine Ahnung was außerhalb eures Sonnensystems los ist, oder?“ Er kam näher und sah Mariku herablassend an. „Ihr seid eben doch nur ein junges, dummes Volk.“ Mariku spannte seinen Körper an, schluckte seine Wut aber hinunter. „Piraten nehmen alles, was von Wert ist und wenn es nichts von Wert gibt, dann nehmen sie die Crew. Ryou ist ein Vermögen wert.“ Mariku hob kurz die Augenbrauen, sprach Malik aber nicht darauf an, dass er Ryou beim Namen genannt hatte. Ihm selbst schien es nicht aufgefallen zu sein. „Zumindest die Federn auf seinem Kopf. Die Seire dürfte sich auch ganz gut verkaufen, der Nocidea ebenfalls. Du nicht.“ Er schmunzelte, während er das sagte.
„Danke“, murmelte Mariku, musste aber ebenfalls leicht grinsen.
Doch Maliks Gesichtsausdruck wurde gleich wieder ernst. „Und jetzt stell dir vor, wie viel jemand wert ist von einer Spezies, die als ausgestorben gilt.“
Mariku sah die Unruhe in Maliks Blick. Er wollte keinesfalls in die Fänge der Piraten geraten und Mariku teilte dieses Gefühl. „Und was willst du tun?“
„Das lass mal meine Sorge sein.“ Er wandte sich zum Gehen, doch Mariku packte ihn am Handgelenk.
„Was hast du vor?“
Malik riss sich los, trat jedoch einen Schritt auf Mariku zu. Sie waren sich so nah, dass Mariku Maliks Atem auf seiner Haut spürte. „Hast du Angst, dass ich euch zurücklasse?“ Seine Stimme war leise und hatte einen amüsierten Unterton.
„Ich trau’s dir zu“, antwortete Mariku.
Malik begann zu grinsen. „Das solltest du auch.“ Er wollte erneut gehen, doch Mariku packte ihn wieder und presste seine Lippen auf Maliks. Ihr Kuss dauerte nur wenige Sekunden.
„Was sollte das?“, zischte Malik und stieß Mariku von sich.
Mariku leckte sich über die Lippen. „Ein Abschiedskuss, falls wir uns nicht mehr sehen.“
Malik knurrte und ließ Mariku allein. Dieser sank seufzend auf die Matratze. Würde Malik sie zurücklassen? Er fasste sich an die Lippen. Nein, würde er nicht... hoffentlich.


„Geht mal ein bisschen schneller.“ Einer der Piraten stieß Mariku mit dem Gewehrgriff in den Rücken.
„Ich kann nur so schnell gehen, wie du denkst.“
Der Pirat packte ihn an der Schulter und schubste ihn gegen die Wand. Er stieß ihm die Waffe gegen die Brust. „Der Boss hat zwar gesagt, wir dürfen euch nicht abmurksen, aber ich kann dir die Fresse polieren.“ Er war kleiner als Mariku und musste zu ihm hochsehen.
„Kommst du mit deinen Patschehändchen überhaupt bis hier hoch?“
Es war der Gewehrgriff, der Mariku fast die Nase brach.
„Mariku!“ Bakura wollte zu ihm, doch wurde zurückgehalten.
„Oh verdammt.“ Mariku presste seine Hände gegen seine blutende Nase. Ihm wurde schlecht und er hatte das Gefühl gleich das Bewusstsein zu verlieren. Das hatte mehr wehgetan, als erwartet, aber er hatte erreicht, was er wollte. Er hinterließ blutige Schlieren an den Wänden auf dem ganzen Weg bis zu den Zellen.
Er wurde in einer der Zellen gestoßen und sank dort auf die Knie.
„Verteilt die anderen“, befahl der, der Ryou trug. „Und bringt den Nocidea nach oben.“
Marikus Arme wurden nach oben gerissen und kaltes Metall legte sich um seine Handgelenke.
„Ich steh nicht so auf Fesseln“, murmelte Mariku. Die Blutung hatte zwar gestoppt, aber ihm schwirrte immer noch der Kopf. Am liebsten hätte er sich übergeben. Dass der Pirat ihm in den Magen trat, machte es nicht besser. Mariku würgte. Er legte den Kopf zurück und schloss die Augen. Wenn Malik ihn hier nicht rausholte, dann würde er ihn suchen und eigenhändig umbringen.


„Mokuba!“, donnerte Seto, als er seine Kabine betrat.
„Zur Stelle!“ Lautlos war Mokuba neben seinem Bruder aufgetaucht. Er hielt ein Tablet in der Hand und wählte mit dem Finger unterschiedliche Menüpunkte aus. „Was steht zum Verkauf?“
„Sklaven“, antwortete Seto und ließ sich auf seinen Sessel sinken.
Mokuba hob überrascht die Augenbrauen. „Hatten wir schon lange nicht mehr“, sagte er leise und wischte mit den Fingern über das Display.
Seto schlug mit der Faust auf den Tisch und Mokuba zuckte zusammen. „Das wird Ryou lehren sich nicht mehr mit mir anzulegen.“ Seto sah seinen kleinen Bruder an und selbst diesem fiel es schwer, seinem bohrenden Blick standzuhalten. „Überprüf ihren Wert.“
Mokuba nickte. Er kannte Ryou und fühlte sich nicht wohl dabei, dass er jetzt als Sklave verkauft werden sollte. Er wusste zwar, dass Seto einige Probleme mit ihm in der Vergangenheit gehabt hatte und immer wenn sie aufeinander trafen gab es Reibereien, doch er fand nicht, dass das Setos jetziges Handeln rechtfertige. Doch Seto war sein Bruder und er würde ihm nie widersprechen.
Mokuba gab mehrere Passwörter ein um Zugriff auf den Sklaven-Schwarzmarkt zu bekommen. Seine Iris wurde gescannt bevor sich die Datei öffnete. „Bereit.“
„Ein Vida.“
Mokuba verzog das Gesicht. „Mehr als 2.000 kriegst du dafür nicht.“
Seto verschränkte die Finger ineinander. Es war keine Überraschung, dass er für Jonouchi nur so wenig bekommen würde. Ryous Crew war schon immer minderwertig gewesen. Vida hatten nichts Besonderes an sich. „War zu erwarten. Ein Basani.“
„3.500, wir sind außerhalb der Saison, da gehen die auch zu Spottpreisen weg.“
Seto nickte. Aufgrund der Robustheit der Basani und Unempfindlichkeit gegenüber extremen Temperaturen wurden sie gern auf sonnennahen Planeten als Arbeiter eingesetzt. Nur dort bekam man das wertvolle Adamas. 90% des Adamas wurde durch Sklaven gewonnen und selbst die Sternenallianz verschloss davor die Augen. Sie war zu gierig das Adamas zu bekommen. „Eine Seire“, setzte Seto seine Aufzählung fort.
„Alter?“
Seto zuckte mit den Schultern. „Kein Kind mehr, erwachsen, aber nicht alt.“
„Je jünger, desto höher der Preis“, murmelte Mokuba, während er mehr Daten eingab. Er wollte gar nicht weiter darüber nachdenken, warum junge Seiren so beliebt waren. „30.000 bis 50.000 ungefähr für eine junge Erwachsene.“
Seto lehnte sich zurück. „Das klingt doch schon sehr vielversprechend.“ Seiren waren beliebte Sexsklavinnen. Sie wurden gerne schon als Kinder zu horrenden Preisen verkauft. Seto rümpfte die Nase. „Wie liegt der Preis von Menschen?“
„Männlich oder weiblich?“
„Männlich, sehr kräftig.“
„10.000.“
„10.000?“, wiederholte Seto und hob eine Augenbraue. Das war ein überraschend hoher Preis.
„Die Preise sind ziemlich hoch gegangen. Sie sind zwar kurzlebig, aber scheinen sich ausgezeichnet als Sklaven zu machen. Sowohl für Arbeit, als auch für...“ Mokuba presste die Lippen aufeinander und er sah verlegen zur Seite. „Sex“, murmelte er. „Was noch?“ Lieber schnell das Thema wechseln.
„Nocidea, jung, weiße Haare.“
Überrascht sah Mokuba auf. „Weiße Haare? Das ist selten.“ Er gab einige Daten auf dem Display ein. „Ich krieg keinen genauen Wert. Ein Nocidea ist 150.000 wert, aber mit weißen Haaren könnte sich das verdoppeln.“
Seto grinste zufrieden. Von wegen Ryou hatte keine wertvolle Fracht an Bord. Er kam jetzt schon auf einen höheren Betrag, als mit seinen letzten fünf Raubzügen zusammen und der Preis für Ryou würde die Skala sprengen. Nocidea waren vor allem wegen ihres Bluts beliebt. Es hatte eine berauschende Wirkung. Seto wusste nicht, was die weißen Haare so speziell machten, aber solange sie den Preis für den Nocidea hoben, war es ihm auch egal.
„Ein Cygni, alle Federn intakt.“
„Ab fünf Millionen aufwärts.“
In Gedanken hörte Seto bereits die Münzen klimpern. Er war jetzt schon der reichste Pirat, aber bald wäre er unverschämt reich. Die Federn eines Cygni waren eins der wertvollsten Dinge aller Galaxien. Pulverisiert verlängerten sie nicht nur das Leben unnatürlich lange, sondern verhinderten auch das Altern. Und wer wollte nicht so gut wie unsterblich sein? Doch einem Cygni die Feder auszureißen, zählte auch zu den grausamsten Dingen, die man tun konnte, denn sie verloren dadurch komplett den Verstand.
Er sah Mokuba an. „Wann ist die nächste Auktion?“
„In drei Tagen.“
„Sehr gut. Bereite alles vor und gib Isono die Koordinaten, sobald sie verfügbar sind.“ Er rieb seine Hände aneinander und breitete die Flügel aus. Ein zufriedenes Grinsen lag auf seinem Gesicht, als Mokuba den Raum verließ. Ryou hatte sich sein eigenes Grab geschaufelt. Er war respektlos und hatte es beim letzten Mal wirklich übertrieben. Seto knirschte mit den Zähnen. Niemand tanzte ihm auf der Nase herum. Er wusste, dass man hinter seinem Rücken über ihn lachte, weil er es nie geschafft hatte ein kleines Schiff wie Ryous zu plündern. Ryou war ihm immer entkommen. Es war, als wäre er ihm einen Schritt voraus und dabei war er auch noch frech geworden. Es erfüllte ihn mit Genugtuung, dass er ihn jetzt in Ketten hatte.
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