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„Du hast Bakura ganz schön die Meinung gegeigt.“ Ryou ließ sich neben Malik auf einen der Sessel fallen.
Malik wandte den Blick vom Fenster ab, wo er den Schneefall beobachtete hatte. „Er hat’s verdient“, sagte er mit einem Schulterzucken.
„Ja, das hab ich ihm auch gesagt.“ Ryou sah Malik an. „Gehst du uns aus dem Weg?“
„Ich hab nicht den Eindruck, als würde Bakura noch mein Freund sein wollen.“
„Ach“, Ryou strich sich durch den Nacken, „nimm ihn nicht so ernst. Er spinnt zurzeit ein bisschen.“
„Naja, das mit Mariku...“ Malik richtete seinen Blick wieder nach draußen. „Ich kann ihn schon verstehen.“
Ryous Schultern sanken herab. „Bakura hat’s mir erzählt, weißt du, was mit Mariku los ist.“
Schnell sah Malik auf. Er hatte die Lippen aufeinander gepresst und sich unterbewusst in die Armlehnen gekrallt. Wollte er es wissen? Und wie! Doch er brachte kein Wort heraus, sondern starrte Ryou einfach nur an.
Ryou verstand ihn jedoch auch so und erzählte ihm alles, was Bakura ihm gesagt hatte. „Ich hab nicht viel aus Bakura rausbekommen, er wollte nicht ins Detail gehen, aber ich hab ein paar Recherchen angestellt. Die Bibliothek ist überraschend ergiebig, was medizinische Literatur angeht.“ Ryou lehnte sich zurück und streckte die Beine aus. „Ich vermute, es ist eine Persönlichkeitsstörung.“
Malik lachte trocken. „Das glaub ich dir aufs Wort.“
Obwohl das Thema ernst war, schmunzelte Ryou. „Er war schon immer ein bisschen gestört. Trotzdem, ich bin kein Fachmann und es könnten bestimmt auch zig andere Sachen sein.“ Doch Ryou bezweifelte es. Das Buch über die Persönlichkeitsstörungen war abgewetzt gewesen und hatte handschriftliche Notizen an den Seitenrändern stehen gehabt. Die Handschrift war Bakuras sehr ähnlich. Ryou vermutete, dass er nicht der erste gewesen war, der über Marikus Krankheit recherchiert hatte.

Malik beobachtete wieder den Schneefall. Wann würde es nur endlich damit aufhören? „Ja“, stimmte er leise zu. „Also ist es nicht seine Schuld?“
„Naja, es gibt Medikamente, aber ich wüsste nicht, dass Mariku welche genommen hätte. Er weiß was mit ihm los ist, er hätte was machen sollen, als er’s gemerkt hat.“
Malik richtete seinen Blick wieder auf Ryou. „Oder es ging ihm gut, bis ich gekommen bin.“ Man sah Malik regelrecht an, wie schuldig er sich fühlte.
„Es ist nicht deine Schuld“, versuchte Ryou ihm einzureden, doch seine Worte fielen nicht auf fruchtbaren Boden.
„Wirklich nicht?“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Schon verrückt, oder? Mariku greift mich an und ich fühl mich verantwortlich.“ Plötzlich lachte er. „Das ist doch so dumm.“
Ryou wusste nicht so recht, was er erwidern sollte. Er wagte einen vorsichtigen Ansatz; „Wie stehst du denn zu Mariku?“
Malik zuckte mit den Schultern. „Was weiß ich.“ Er lehnte sich vor und stützte sich mit seinen Unterarmen auf seinen Oberschenkeln ab. „Weißt du, ich hab die letzten Ferientage zuhause verbracht und bevor ich gegangen bin, hab ich ihn geküsst.“ Ryou hob überrascht die Augenbrauen. Er hätte nicht erwartet, dass die Initiative von Malik ausgegangen war. „Und zuhause war diese echt scharfe Braut und wir haben rumgemacht, aber...“ Malik atmete tief durch. „Naja, egal.“ Malik stand auf. Er bereute es, überhaupt auf Ryous Frage geantwortet zu haben.
„Aber wenn du Mariku magst...“
„Ich will nicht darüber reden“, unterbrach Malik ihn scharf. Er wollte nichts mehr davon hören. „Ich will ihm nicht nah sein. Ich will nicht von ihm angefasst werden. Ich will nicht...“ Malik nahm einen tiefen Atemzug, sprach aber nicht weiter, sondern beschloss das Gespräch zu beenden. „Wir sehen uns später.“

Ryou sah ihm hinterher. „Lügner“, flüsterte er und presste anschließend die Lippen aufeinander. Es war jedoch nicht so, dass er sich nicht in Malik hineinversetzen konnte. Er hatte sich auch lange für unnormal gehalten und erst, als er aufs Internat gekommen war, hatte er gelernt sich selbst zu akzeptieren. Ryou legte den Kopf zurück und schloss die Augen. Hier lief aber auch alles schief.

Draußen lehnte sich Malik gegen die Wand. Mariku war also krank. Das erklärte zumindest endlich sein seltsames Verhalten. Eigentlich hatte er auch vorgehabt Ryou wegen Ren zu fragen, doch daran hatte er nicht mehr gedacht. Malik seufzte. Er hielt das hier nicht mehr aus. Er wollte wieder nach Hause in sein normales Leben zurück.
„Hey Malik!“
Malik sah auf. Jonouchi und Honda standen ein Stück von ihm entfernt und waren bis zu den Ohren dick in ihre Winterklamotten eingepackt. „Wir und noch’n paar andere machen eine Schneeballschlacht, hast du Lust?“
Malik stieß sich von der Wand ab. „Ja.“ Er lächelte. „Gern.“


Mariku hatte seine Arme um seine Knie gelegt und starrte an die weiße Wand. Er hasste diesen Ort. Es kotzte ihn an hier zu sein und er wollte sofort wieder zurück, doch er wusste selbst, dass das nicht ging. Er war nicht zum ersten Mal hier. „Aller guten Dinge sind Drei“, murmelte Mariku und schlug leicht mit seinem Hinterkopf gegen die Wand.
Nachdem man ihn von seiner Mutter weggeholt hatte, war er das erste Mal hier gelandet. Er war zehn gewesen, hatte immer wieder versucht abzuhauen und sich jede Menge Ärger eingehandelt. Mariku grinste leicht. Seine Krankheit war zu diesem Zeitpunkt am Schlimmsten gewesen. Damals hatte er aber noch nicht verstanden, was nicht an ihm stimmte. Er war ein Jahr hier gewesen, bis sich Herr Minamoto sich seiner angenommen hatte. Er hatte Bakura kennen gelernt und sein Leben war bergauf gegangen.
Zumindest bis zu dem Moment als Ren sich umgebracht hatte. Mariku ließ den Kopf hängen und biss sich auf die Unterlippe. Hätte er Ren damals die Aufmerksamkeit gegeben, die er verdient hatte, dann wäre er jetzt noch am Leben. War das der Grund, warum er sich so an Malik klammerte? Dabei konnte dieser das nicht ausstehen. Wie er es auch machte, es war einfach immer falsch.
Wie lange würde er diesmal hierbleiben müssen? Konnten sie ihn nicht mit Medikamenten vollpumpen und wieder zurück zur Schule schicken? Mariku raufte sich die Haare. Es war seine eigene Entscheidung gewesen zurückzukommen und es war besser für ihn und für Malik, wenn er hier war und sich behandeln ließ.
Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass er die Klinik hasste. Er vermisste Bakura und Ryou. Er vermisste sogar die ganzen Idioten aus seiner Klasse, die er nicht ausstehen konnte. Doch am meisten vermisste er Malik. Er konnte nichts dafür, dass er ausgerastet war.
Mariku ballte eine Hand zu einer Faust um das Zittern zu unterdrücken. Er hatte von Anfang an gewusst, dass es so enden würde. Malik und er – das war eben doch nur ein Traumgespinst.

Das Klopfen an der Tür riss Mariku aus seinen Gedanken. Er sagte nichts. Er wollte niemanden sehen, doch die Krankenschwester betrat das Zimmer trotzdem. Mariku lächelte, als er sie erkannte. Wenigstens ein bekanntes Gesicht.
„Val“, sagte Mariku leise. Er hatte Valentine früher immer auf Trapp gehalten, aber sie hatte sich auch zu einer Art Freundin entwickelt.
Die junge Frau stemmte die Hände in die Hüften und sah Mariku ernst an. „Ich hab gehofft, ich muss dich nie wieder sehen.“
„Ich hab’s auch gehofft.“ Er seufzte. „Aber irgendwie komm ich immer wieder zurück.“ Er senkte den Blick und Valentine setzte sich zu ihm aufs Bett.
Sie legte ihm die Hand auf den Arm. „Wie fühlst du dich?“
„Beschissen“, antwortete Mariku wahrheitsgemäß.
Valentine legte ihm ein Blutdruckmessgerät an. „Du hast dich selbst einliefern lassen. Warum?“
Mariku wandte den Blick ab und antwortete nicht. Er wusste, dass er mit Valentine darüber sprechen könnte, aber es war noch zu früh.
„Wie geht’s Bakura?“, wechselte Valentine das Thema und notierte Marikus Blutdruckwerte auf seinem Patientenblatt.
Mariku lächelte wieder. „Gut, er hat jetzt nen Freund.“
„Das ist doch schön.“ Valentine lächelte ebenfalls. „Und du?“
Mariku presste die Lippen aufeinander. Natürlich wusste Valentine auch über Ren Bescheid. Es schien nicht so, als könnte er das Thema hinausschieben.
„Deshalb bin ich hier“, antwortete er leise. „Ich dachte echt, zumindest für eine Weile, dass das was mit ihm wird.“ Er legte den Kopf zurück und sah an die Decke. Er hatte ein trauriges Lächeln auf den Lippen. „Er wollt’s echt mit mir versuchen, dabei hat er die ganze Zeit behauptet, dass er gar nicht auf Kerle steht. Man“, er lachte leise, „du hättest sehen sollen, wie er immer ausgeflippt ist, wenn ich ihn angemacht hab. Er ist echt süß.“
„Du magst ihn gerne, nicht wahr?“ Valentine hatte noch nie so ein Lächeln auf Marikus Gesicht gesehen. Es machte sie glücklich ihn so zu sehen, aber auch traurig, weil Mariku deswegen jetzt hier war.
„Ja, ich bin total verrückt nach ihm... verrückt.“ Mariku strich sich durch den Nacken. „Am Ende hab ich’s eben doch wieder versaut.“
„Es ist nicht deine Schuld.“
„Ich hätt’s ihm sagen können, oder auf Bakura hören. Bakura hat gleich gemerkt, dass was nicht stimmt, aber ich wollt’s nicht sehen. Ich wollt nur Malik.“
„Was ist passiert?“
Schließlich erzählte Mariku doch die ganze Geschichte. Es sprudelte aus ihm heraus und Valentine unterbrach ihn nicht. Irgendwie tat es doch gut alles zu erzählen.

„...jetzt bin ich wieder hier und kann ihm nie wieder unter die Augen treten“, schloss Mariku seine Erzählung.
„Denk nicht so negativ.“ Sie legte ihm wieder ihre Hand auf den Arm. „Ich bin sicher, das wird wieder.“ Sie drückte Marikus Arm leicht.
„Wie denn?“ Mariku gab einen abfälligen Laut von sich. „Ich hätte ihn fast...“ Mariku biss sich auf die Unterlippe. Er wollte gar nicht weiterdenken. Hätte er es wirklich getan?
„Aber von dem was du mir über Malik erzählst hast, denke ich, dass er dich wirklich mag. Er wollt’s mit dir versuchen und ich glaube, er hat nur Angst bekommen. Nicht vor dir“, fügte sie schnell hinzu, „sondern eher vor seinen eigenen Gefühlen.“
Mariku zuckte nur mit den Schultern. Es war unmöglich für ihn Valentines Worte zu glauben. Er hatte es versaut, mal wieder.
Valentine stand auf. „Ich muss weiter, aber ich komm später noch mal vorbei.“
Mariku nickte nur leicht und beobachtete, wie die Krankenschwester sein Zimmer verließ.

Mariku wünschte sich, er könnte es so positiv wie Valentine sehen. Mochte Malik ihn wirklich? Immerhin hatte er ihn geküsst und er hatte ihm auch wirklich eine Chance gegeben. Trotzdem... Malik hatte auch gesagt, dass er nicht mit ihm zusammen sein konnte.
Mariku schlug gegen die Wand. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken. Er konnte ja sowieso keine Lösung finden. Er war stolz auf Bakura, der es geschafft hatte, seine Ängste zu überwinden, doch er würde seine Krankheit niemals loswerden. Sie würde immer ein Teil seines Lebens bleiben und es ihm versauen. Mariku schlug noch mal gegen die Wand und noch mal und noch mal. Er spürte den Schmerz nicht, er war zu wütend dafür.
Seine Schläge jedoch blieben nicht ungehört und als ein Pfleger hereinkam um nach ihm zu sehen, trat Mariku ihm mit den Füßen in den Bauch. Die Wut hatte wieder Überhand genommen, wie zuvor schon bei Malik, und er verlor die Kontrolle über sein Handeln.
„Fasst mich nicht an!“, fauchte Mariku und es waren zwei weitere Pfleger nötig um ihn festzuhalten. Erst eine Spritze stellte Mariku ruhig.


Mit zittrigen Fingern zog Malik das Buch, dass Ryou ihm empfohlen hatte, aus dem Regal. Ryou hatte noch einmal bei Bakura nachgebohrt und schließlich die Bestätigung von ihm bekommen: Mariku litt unter einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung.
Anstatt sich jedoch von Ryou alles erklären zu lassen, wollte Malik es selbst nachlesen. Er trug das Buch zu einem nahen Tisch und setzte sich. Psychiatrie und Psychotherapie hieß es auf dem Umschlag. Malik fühlte sich unwohl. Es kam ihm vor, als würde er unerlaubt in Marikus Leben herumschnüffeln.

Malik schlug das Buch auf und ließ seinen Finger über das Inhaltsverzeichnis gleiten. Seine Augenbrauen hoben sich vor Überraschung. Er hätte nie gedacht, dass es so viele Arten von Persönlichkeitsstörungen gab. Sein Finger blieb an der hängen, die Ryou ihm genannt hatte.
Er zögerte und starrte den Namen an. Emotional instabil, dass klang doch gar nicht so schlimm, eher wie Stimmungsschwankungen.
Malik schlug das Buch wieder zu und legte seine Hände auf den Einband, sodass der Titel verdeckt wurde. Was brachte es ihm, über Marikus Krankheit zu lesen? Was interessierte es ihn überhaupt? Er nahm die Hände vom Buch und sah es an. Aber vielleicht half es ihm Mariku etwas besser zu verstehen.

Malik schlug das Buch wieder auf und blätterte zur entsprechenden Seite. Handgeschriebene Notizen standen am Rand, doch Malik schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit. Sein Blick fiel jedoch sofort, auf die unterstrichenen Textstellen. Leise begann er zu lesen: „Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung umfasst zwei Unterformen: den impulsiven und den Borderline-Typus.“ Borderline. Davon hatte er schon mal etwas gehört. Er erinnerte sich an ein Mädchen aus seiner alten Schule, das sich umgebracht hatte. Sie hatte unter Borderline gelitten. Malik hatte sie nicht gekannt, aber im Unterricht hatten sie daraufhin dieses Thema kurz durchgenommen. Er kaute auf seiner Lippe und versuchte sich zu erinnern, doch er hatte damals nicht aufgepasst.

Er las weiter: „Merkmale des impulsiven Typus: 1. Deutliche Neigung, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln. 2. Deutliche Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und mit anderen in Konflikt zu geraten, vor allem, wenn impulsive Handlungen verhindert oder kritisiert werden. 3. Anfälligkeit für Ärger- und Gewaltausbrüche mit der Unfähigkeit, das daraus resultierende Verhalten im Wutausbruch zu kontrollieren. 4. Instabile und unberechenbare Stimmung.“ Malik schluckte und klappte das Buch zu. Das war eine sehr treffende Beschreibung von Marikus Verhalten.

Maliks Augen glitten an den Bücherregalen entlang, ohne sie wirklich zu sehen. Mariku war machtlos gegen sich selbst. Bestimmt hatte er das, was passiert war, noch nicht einmal gewollt.
Der Knoten in Maliks Brust zog sich noch fester zusammen. Kein Wunder, dass Bakura so wütend auf ihn war. Die ganze Zeit hatte Mariku Kontrolle über sich gehabt, doch er... Malik schüttelte den Kopf. Nein, das stimmte nicht. Mariku hatte schon vorher gewusst, dass nicht alles in Ordnung war. Marikus Hände hatten gezittert, wenn er ihn berührt hatte. Er hatte sich da schon mehr zusammenreißen müssen als sonst. Spätestens dann hätte er sich Hilfe suchen müssen, aber er hatte es nicht getan. Mariku war das Risiko eingegangen und hatte verloren.
Malik bedeckte sein Gesicht mit den Händen. In ihm herrschte ein Zweispalt. Er wusste einfach nicht, was er noch denken sollte.


Als Mariku aufwachte, fühlte er sich immer noch erschöpft. Das Beruhigungsmittel war immer noch in seinem Blut und vernebelte seine Sinne. Vielleicht war das auch besser so, denn so konnte er wenigstens nicht die ganze Zeit an Malik denken. Er wollte sich aufsetzen, doch sein Körper gehorchte ihm noch nicht richtig. Murrend sank Mariku auf die Matratze zurück und schloss die Augen.
Es klopfte an der Tür und Mariku hörte, wie sie sich öffnete. „Mariku?“ Es war Valentines Stimme. „Bist du wach?“
„Vielleicht“, antwortete Mariku ohne die Augen zu öffnen.
Valentine schloss die Tür hinter sich und zog einen Stuhl an Marikus Bett. „Du hast ganz schön Ärger gemacht.“
„Das kann ich eben gut.“ Selbst Sprechen fiel ihm schwer, aber er erwähnte es Valentine gegenüber nicht. Er genoss ihre Anwesenheit.
„Du hast dir übrigens zwei Finger angeknackst.“
„Nicht das erste Mal.“
Ihre kühlen Finger strichen ihm über die Stirn. „Du bist ganz heiß.“
„Ich weiß.“ Mariku schaffte es zu grinsen.
„Immer noch so frech wie damals.“ Sie zog ihre Finger zurück und betrachtete Mariku mit einem sanften Lächeln. „Du bist erwachsen geworden.“
„Nur körperlich“, widersprach Mariku.
„Das glaub ich nicht.“ Valentine schüttelte den Kopf. „Wenn ich ein paar Jährchen jünger wäre, dann würde ich mein Glück bei dir versuchen.“
„Val, du weißt, dass ich nicht auf Frauen stehe.“
Valentine schnalzte mit der Zunge. „Wirklich schade.“ Sie lachte und auch Mariku brachte ein leises Lachen zustande.
Wieder waren ihre Finger auf seiner Stirn. „Aber ich mach mir wirklich Sorgen. Ich hol lieber ein Fieberthermometer.“ Mariku hörte sie das Zimmer verlassen.

Als sie zurückkam, stellte er sich schlafen. „Mariku.“ Sie rüttelte an seiner Schulter. „Mariku! Ich weiß, du bist wach.“ Sie tätschelte seine Wange. „Ich steck’s dir in den Hintern, wenn du nicht aufwachst.“
Mariku konnte das Grinsen nicht unterdrücken. „Wer sagt, dass mir das nicht gefallen würde?“
„Du bist wirklich schlimm.“
„Das war noch harmlos.“ Er öffnete die Augen. Zwar fühlte er sich immer noch erschöpft, doch es wurde langsam besser. Draußen war es schon dunkel. Er war den ganzen Tag außer Gefecht gewesen. Auch sah er erst jetzt, dass Valentine nicht ihre Dienstkleidung trug. „Hast du nicht Feierabend?“
„Ich muss mich doch um dich kümmern.“ Sie lächelte.
„Geh nach Hause, Val.“
„Mach lieber Aaah.“ Mariku öffnete den Mund und schloss ihn wieder um das Thermometer mit den Lippen festzuhalten. „Ich hoffe, diesmal hab ich nicht wieder schlaflose Nächte wegen dir.“ Mariku zuckte mit den Schultern. „Beim ersten Mal hab ich bestimmt fünf Kilo abgenommen.“ Das Thermometer piepste und Valentine zog es aus Marikus Mund. „37,8° - etwas erhöht, aber noch kein Fieber.“
„So schlimm war ich übrigens auch wieder nicht.“
„Du wurdest als Härtefall behandelt.“
„Reine Übertreibung.“
„Du hast einem Pfleger ein Stück aus der Hand gebissen und ihm fast das Auge ausgekratzt!“
Mariku kratzte sich verlegen an der Wange. „Ah ja, da war mal was. Ist er noch hier? Wie geht’s ihm?“
„Er ist noch hier und er hat sich gleich geweigert für dich eingeteilt zu werden.“ Valentine drehte das Thermometer zwischen ihren Fingern. „Er hat eine Narbe an der Hand, aber sein Auge ist wieder in Ordnung.“
„Klingt ja gar nicht so schlimm.“ Mariku sank wieder ins Kissen zurück und gähnte.
Valentine stand auf. „Schlaf jetzt. Morgen ist deine Temperatur hoffentlich nach unten gegangen. Gute Nacht, Mariku.“
„Bye“, murmelte Mariku und zog die Decke hoch. Als Valentine weg war, drehte er sich auf die Seite und öffnete die Augen wieder. Was Malik jetzt wohl gerade machte?


Malik ging Ryou und Bakura nicht bewusst aus dem Weg, er fühlte sich nur momentan wohler von Jonouchi und Honda umgeben zu sein. Ryou und besonders Bakura brachten nur immer die Gedanken an Mariku in ihm hoch, und von denen hatte er schon genug, wenn er dann abends im Bett lag.
Außerdem gab es ihm die Normalität zurück, die er so vermisst hatte. Mit Jonouchi und Honda drehte sich alles um Sport, Motorräder und Mädchen. Themen über die er gerne redete. Malik wünschte sich, er hätte sich von Anfang an richtig mit Jonouchi angefreundet, dann wäre seine Zeit am Internat sicher besser verlaufen.

Malik seufzte und starrte auf den Test in seiner Hand. Seine Noten waren überraschend gut gewesen das Jahr über, besser als in seiner alten Schule, doch diesmal hatte er richtig danebengegriffen. Er seufzte nochmal und schob den Test von sich. Trotz allem was zwischen ihm und Mariku vorgefallen war, hatte er sich doch immer auf die Schule konzentrieren können, doch jetzt wo Mariku weg war, starrte er mehr aus dem Fenster als aufzupassen. Es war schon wirklich verrückt.
Malik schulterte seinen Rucksack und packte den Test. Beim Hinausgehen legte er ihn auf dem Lehrerpult ab. Isis würde schon nicht ausflippen wegen einer schlechten Note.

„Lass mich dir helfen.“
„Nein, ich muss das alleine machen.“
„Aber...“
„Kein Aber, der Arzt sagt, ich soll das machen.“
Malik blieb stehen und beobachtete Ryou und Bakura. Bakura hielt Ryous Krücken, während Ryou eine Hand aufs Treppengeländer gelegt hatte. Sie stritten zwar, doch es war kein ernstgemeinter Streit. Ein seltsames Gefühl stieg in Malik hoch. Er beneidete die Beiden. Er beneidete sie um ihre Beziehung zueinander. Sie hatten auch viel durchgemacht, doch keiner von beiden hatte wirklich aufgegeben.

Malik biss sich auf die Unterlippe und wandte den Blick ab. Nicht so wie er. Er konnte den Anblick von Ryou und Bakura nicht länger ertragen. Malik rannte aus dem Gebäude und durch den Schnee bis seine Lungen brannten. Er ließ seinen Rucksack in den Schnee fallen und stützte sich an einem Baum ab. Was war er nur für ein Idiot? Er fuhr sich durch die Haare und krallte anschließend seine Finger hinein. War es wirklich so schlimm mit Mariku gewesen? Hätte er nicht solche Angst vor der Meinung Anderer, hätte er dann dasselbe was Ryou und Bakura jetzt hatten?
„Verdammte Scheiße!“, fluchte Malik und trat in den Schnee. Plötzlich wurde ihm die Kälte bewusst und er zitterte. Er umarmte sich selbst und rieb seine Oberarme. Malik sah sich um. Wohin war er eigentlich gelaufen?
Er wollte gerade seinen Rucksack aufheben, als ihm etwas ins Auge fiel: ein Kreuz. Malik schluckte. Plötzlich wusste er, wo er war. Er ließ seinen Rucksack liegen und ging näher auf das Kreuz zu. Er zog seine Hand in seinen Ärmel und wischte den Schnee ab. Es sah verwittert aus und war schief.
Ren war ins Holz geritzt worden. Malik trat wieder einige Schritte davon weg. Er sollte nicht hier sein. Wieder fühlte er sich, als würde er unerlaubt in Marikus Leben eindringen.
„Was ist zwischen euch passiert?“, fragte Malik leise.

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