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Malik bedeckte sein Gesicht mit seinen Händen und nahm mehrere tiefe Atemzüge. Nur langsam legte sich die Panik in seinem Inneren und sein Herzschlag beruhigte sich. Er ließ die Hände wieder sinken und starrte an die Wand. Er spürte Ryous Hand auf seinem Rücken, doch noch viel mehr spürte er Marikus Berührungen. Malik schauderte. Es kam ihm vor, als würde Mariku immer noch über seine Haut streichen. Es war ein seltsames Gefühl. Sein Kopf mischte die schönen Erinnerungen mit dieser schrecklichen. Malik fasste sich an den Kopf. Er wollte nicht mehr daran denken. Nie wieder. Er schämte sich für das, was passiert war.
„Alles in Ordnung?“ Ryou strich ihm über den Rücken und Malik nickte zögernd, auch wenn es nicht stimmte. Nichts war in Ordnung. Er wusste nicht, was er tun sollte oder was passieren würde, wenn er Mariku erneut über den Weg lief.
Malik atmete hörbar ein und wieder stieg Panik in ihm hoch. Er hatte noch gar nicht daran gedacht, dass er Mariku wieder sehen würde. Er musste weg hier. Er musste irgendjemandem sagen, was Mariku versucht hatte zu tun, damit man ihn von ihm fernhielt. Bestimmt konnte er wieder nach Hause, wenn die Schule davon erfuhr. Malik ballte die Hände zu Fäusten. Doch er schämte sich. Er wollte nicht, dass noch mehr Menschen von Mariku und ihm erfuhren. Vor allem seine Familie. Er wollte sich den Ausdruck auf Isis‘ Gesicht gar nicht vorstellen. Sie würde sich auch die Schuld dafür geben. Malik presste die Lippen aufeinander. Er schimpfte zwar oft über seine Schwester, aber das konnte er ihr nicht antun.

Er hielt es nicht mehr aus noch länger auf Marikus Bett zu sitzen und sprang auf. Er rieb sich über die Arme. Er musste endlich das Gefühl von Marikus Berührungen loswerden. Er musste duschen. Lange. Sehr lange.

Bevor er das Zimmer jedoch verlassen konnte, kam Bakura zurück. Er sah niedergeschlagen aus, doch als sein Blick auf Malik fiel, verzog sich sein Gesicht vor Wut. Mit schnellen Schritten kam er näher und packte Malik am Kragen.
„Das ist alles deine schuld!“, fauchte er ihn an.
Maliks Augen weiteten sich vor Schreck. Er fühlte sich wie paralysiert. Nicht mal gegen Bakura konnte er sich wehren. Malik hatte sich noch nie so machtlos gefühlt.
„Bakura!“ Ryou sah seinen Freund entgeistert an. Er konnte nicht fassen, dass Bakura Malik die Schuld gab. War er denn von allen guten Geistern verlassen? „Spinnst du? Lass ihn los!“
„Halt dich da raus!“ Bakura richtete seinen Blick wieder auf Malik, nachdem er Ryou einen kurzen Blick zugeworfen hatte. „Bist du jetzt zufrieden? War das dein kleines Spielchen wert?“
Malik öffnete den Mund, doch er wusste nicht, was er erwidern sollte. Er starrte Bakura einfach an; unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.
„Jetzt reicht’s aber!“ Ryou packte seine Krücke und schlug Bakura in die Kniekehle. Bakura keuchte schmerzerfüllt und ließ Malik los. Malik stolperte zurück und sank wieder aufs Bett zurück. Er fasste sich an die Stelle, an der Bakura ihn gerade noch festgehalten hatte. „Du hast sie wohl nicht mehr alle!“ Ryou tippte sich gegen die Stirn. „Gerade du solltest Mariku jetzt nicht verteidigen.“
Bakura ballte seine Hände zu Fäusten. „Sei still!“ Seine Stimme war leise und zitterte. „Ihr habt doch keine Ahnung!“ Bakura drehte sich auf dem Absatz um und stürmte aus dem Raum. Die Tür knallte hinter ihm zu.
Ryou starrte die geschlossene Tür mit aufeinander gepressten Lippen an. Er fühlte sich hilflos. Am liebsten wäre er Bakura hinterher gelaufen, andererseits wollte er ihn aber auch verprügeln. Was war nur in ihn gefahren?

Malik stand wieder auf. Er hatte seine Hand immer noch gegen seine Brust gedrückt und sein Blick war abwesend.
„Malik? Hör nicht auf das, was Bakura gesagt hat.“
Malik schloss die Augen. „Aber er hat recht.“
„Nein“, widersprach Ryou und schüttelte den Kopf. „Es ist Marikus Schuld. Du kannst nichts dafür.“
Malik erwiderte nichts. Er wusste, dass Ryou ihm helfen wollte, doch Bakura hatte trotzdem recht. Er hatte mit Marikus Gefühlen gespielt und ihn ausgenutzt. Malik verließ das Zimmer. Er brauchte Zeit für sich um sich zu sammeln. Er war noch nie in einer Situation wie dieser gewesen. Er hatte noch nicht einmal in Erwägung gezogen, dass er je in so einer Situation sein würde.
Ihm wurde schlecht, als er das Blut auf dem Boden sah und er wandte schnell den Blick ab. Es war verrückt, wie sehr alles eskaliert war, aber das war wohl sein Schicksal. Irgendwann kam immer der Punkt an dem alles bergab ging. Malik schloss die Badezimmertür hinter sich. Er vermied es einen Blick in den Spiegel zu werfen. Er hatte nicht das Gefühl, als könnte er seinen Anblick jetzt ertragen.
Langsam zog er sich aus und brachte Mariku nicht aus seinen Gedanken. Malik schloss die Augen. Er sah Marikus lächelndes Gesicht vor sich, das sich in eine irre Maske verwandelte. Mariku hatte so glücklich ausgesehen in den letzten Tagen. Richtig glücklich, nicht mit diesem Grinsen auf dem Lippen, sondern mit einem echten Lächeln. Malik drehte das Wasser auf. Und er war der Grund dafür gewesen. Mariku war glücklich gewesen, weil er mit ihm zusammen sein konnte.
Malik hob den Kopf und ließ das Wasser auf sein Gesicht prasseln. Er fühlte sich schlecht. Trotz allem was Mariku heute getan hatte, sah er die Schuld auch bei sich selbst.
Malik schlug mit der Faust gegen die Wand. Trotzdem gab es Mariku nicht das Recht mit ihm zu tun was er wollte. Malik senkte den Blick. Ihm wurde ganz anders zumute, als er daran dachte, was passiert wäre, wenn Bakura und Ryou nicht gekommen wären. Malik bedeckte seinen Mund mit seinen Händen. Hätte Mariku es wirklich getan? Malik schauderte, als er an den Ausdruck in Marikus Augen dachte. Er schien nicht er selbst gewesen zu sein.
Malik seufzte und drehte das Wasser ab. Er wusste weder was er denken, noch was er fühlen sollte. Er hatte Angst davor Mariku wieder zu sehen. Er fühlte sich hilflos, wie damals, als sein Vater gestorben war, doch diesmal waren seine Geschwister nicht da um ihm zu helfen.


Bakura brüllte, weil er nicht wusste, wie er seine Wut sonst loswerden sollte. Er war sich bewusst, dass es falsch gewesen war auf Malik loszugehen, aber er konnte ihm auch nicht verzeihen für das, was er Mariku angetan hatte. Niemand durfte seinen Freund verletzten. Niemand.
„Du verschreckst die Vögel, wenn du so rumbrüllst.“
Bakura zuckte zusammen. In seiner Wut hatte er Mariku nicht bemerkt, der auf einer Bank saß und auf den gefrorenen Teich starrte.
„Es ist Winter. Es sind keine Vögel da.“ Er setzte sich neben Mariku. „Was machst du hier?“
„Warten.“ Mariku beugte sich leicht vor und stützte seine Unterarme auf seinen Oberschenkeln ab. „Herr Minamoto bereitet alles vor. Ich sollte packen, aber ich wusste nicht, ob...“ Er brach ab und schluckte. Er konnte Malik nie wieder unter die Augen treten.
„Gibt es keine andere Möglichkeit?“
Mariku schüttelte den Kopf. „Allein an ihn zu denken...“ Er richtete sich wieder auf und ballte seine Hände zu Fäusten um das Zittern zu unterdrücken. „Du hattest recht.“ Er sah Bakura kurz an, bevor er seinen Blick wieder nach vorne richtete. „Ich hätte mich von ihm fernhalten sollen.“
Es war schmerzhaft für Bakura seinen besten Freund so zu sehen. Schon wieder. Es war nicht das erste Mal, dass sie in dieser Situation waren. Zumindest war diesmal nicht alles eskaliert.
Bakura nahm ihn in die Arme und drückte ihn an sich. Überrascht weiteten sich Marikus Augen. „Ich hätte für dich da sein sollen“, flüsterte Bakura.
Mariku löste sich von Bakura und lächelte ihn an. „Es ist okay. Es gab wichtigere Dinge...“
„Nichts sollte wichtiger sein als du!“, unterbrach Bakura ihn harsch.
Doch Mariku schüttelte den Kopf. „In diesem Fall schon.“ Er beugte sich vor und küsste seinen Freund lange.
Als Mariku den Kuss wieder löste, grinste er. „Ich bin stolz auf dich.“
„Du bist ein Idiot“, murmelte Bakura.
„Ich weiß.“ Mariku lehnte sich zurück und legte seine Arme auf die Rückenlehne der Bank. Er war froh, dass Bakura seine Vergangenheit überwinden hatte können. Er und Ryou würden sehr glücklich werden. Mariku lächelte traurig. Er beneidete sie. Er wäre auch gerne glücklich, aber sein Kopf stellte sich gegen ihn.
„Wie lange wirst du diesmal weg sein?“ Bakura widerstrebte es das Thema anzusprechen, aber er konnte nicht anders. Er musste es einfach wissen.
Mariku zuckte mit den Schultern. „Ich hab Angst davor zurückzukommen.“ Bakura hob überrascht die Augenbrauen. Marikus Worte verunsicherten ihn. Deutete Mariku irgendetwas an? „Es ist nicht so wie beim letzten Mal.“ Mariku legte den Kopf in den Nacken und sah nach oben. Es hatte wieder zu schneien begonnen. „Ich würde ihn jeden Tag sehen. Ich weiß nicht, ob ich das ertrage.“
„Du bist stark, du schaffst das“, versuchte Bakura ihm Mut zuzusprechen.
Mariku ließ seine Arme sinken. „Zu schwach für mich selbst.“ Bakura wollte widersprechen, doch er kam nicht dazu, denn Mariku stand auf. „Ich muss packen.“
„Soll ich dir helfen?“
„Willst du mich so sehr loswerden?“, scherzte Mariku schmunzelnd, doch Bakura verzog nur das Gesicht. Ihm war nicht nach Scherzen zumute und er wusste, dass Mariku litt und krampfhaft versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. „Geh zu deinem Freund. Er braucht dich.“
„Du brauchst mich!“ Bakura stand ebenfalls auf.
„Geh“, wiederholte Mariku. „Ich muss packen und brauch dabei keine Gesellschaft.“
Bakura zögerte. Er wollte Mariku noch mal in die Arme nehmen, doch dieser hatte die Arme vor der Brust verschränkt und den Blick abgewandt. Bakura wollte sich nicht verabschieden, deshalb drehte er sich ohne ein Wort um und ging zum Internatsgebäude zurück.

Doch Ryou war nicht in seinem Zimmer, weshalb Bakura in sein eigenes ging, doch auch da war Ryou nicht. Er hörte Wasser rauschen, doch kümmerte sich nicht weiter darum. Er wusste noch nicht, wie er in Zukunft mit Malik umgehen sollte. Er gab ihm die Schuld für Marikus Situation, doch Malik wusste auch nicht, was mit Mariku los war. Am besten war es wohl, wenn er erst mal auf Abstand ging.

Er fand Ryou schließlich in der Bibliothek. „Du sollst dich doch nicht so viel bewegen. Erst recht nicht ohne Begleitung.“ Ryou sah genervt auf. „Bist du sauer?“
„Ein bisschen.“
Bakura setzte sich neben ihn. „Es tut mir Leid. Es ist nur...“ Er machte eine Pause. „Es ist schwierig.“
„Schwierig?“, hakte Ryou nach. „Du bist auf Malik losgegangen.“
„Er hat Mariku das angetan“, murmelte Bakura.
„Was, Bakura? Was hat er ihm angetan?“ Bakura antwortete nicht. Er hatte Mariku damals versprochen es nie jemandem zu erzählen. Er wusste, wie sehr sich Mariku für seine Krankheit schämte. „Bakura! Was ist es?“ Doch Bakura wandte den Blick zur Seite. „Ich bin’s ja gewohnt, dass Mariku ständig übertreibt und neben der Spur ist, aber heute? Das toppt alles. Also, sag mir was los ist!“
Bakura war zweigespalten. Er wollte es Ryou erzählen, aber auch sein Versprechen nicht brechen.
Ryou knirschte mit den Zähnen. „Zwing mich nicht dich nochmal zu schlagen.“
„Das tat weh.“
„Das sollte es auch!“
Sie sahen sich an und begannen schließlich zu lachen. Bakura nahm Ryou in die Arme und küsste seine Schläfe. „Ich hab’s ihm versprochen“, flüsterte Bakura.
„Ich weiß, dass er sich mal selbst verletzt hat. Was ist los mit ihm? Bitte Bakura.“
Bakura drückte Ryou an sich. Er schloss die Augen und atmete seinen Geruch ein. Bei Ryou zu sein beruhigte ihn.
Ryou merkte, wie sich Bakuras Griff festigte. Er drückte sich gegen ihn. „Bakura“, flüsterte er.
„Mariku ist krank“, antwortete Bakura schließlich. „Sehr krank.“ Er strich Ryou durch die Haare. „Es ist nicht heilbar.“
Ryou richtete sich so schnell auf, dass er mit dem Kopf fast gegen Bakuras Kinn stieß. „Wird er sterben?“
Bakura schüttelte den Kopf. „Es ist psychisch.“ Er strich Ryou über die Wange. „Es ging ihm gut in den letzten Jahre, aber Malik...“ Bakura presste die Lippen aufeinander. Er konnte nicht weiter reden und Ryou fragte auch nicht weiter. Er lehnte sich gegen Bakura und ließ sich alles durch den Kopf gehen. Plötzlich bewertete er Marikus Handeln ganz anders, trotzdem gab ihm das kein Recht etwas gegen Maliks Willen zu tun. Sie wussten beide nicht, was zwischen Mariku und Malik vorgefallen war, trotzdem war es für Ryou klar, dass Malik das Opfer war, auch, wenn Bakura das nicht sehen wollte. Mariku hätte wissen müssen, was passieren könnte. Ryou behielt seine Gedanken jedoch für sich. Er wollte nicht schon wieder mit Bakura streiten.

Malik saß in seine Decke gewickelt auf dem Bett und starrte an die Wand. Je mehr er versuchte nicht an Mariku zu denken, desto mehr drängten sich ihm die Gedanken an ihn auf. Obwohl er geduscht und seine Haut geschrubbt hatte bis sie rot geworden war, spürte er immer noch Marikus Hände auf seinem Körper.
Malik zuckte zusammen, als die Tür aufging. Ängstlich drehte er den Kopf. Selbst Bakuras Anwesenheit machte ihn nervös. Er gab ihm die Schuld für Marikus Ausraster. Bakura starrte ihn an. Sein Blick war kalt und wütend. Malik drehte den Kopf zur Seite. Er hätte niemals hierherkommen sollen. Seine Hände zitterten und er zuckte erneut zusammen, als Bakura ging und die Tür hinter sich zuschlug.

Malik wartete einige Minuten ab, dann stieg er aus dem Bett und warf die Decke zur Seite. Er rannte schon regelrecht aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Seine Finger zitterten, als er nach dem Telefonhörer griff und die Nummer von zuhause eintippte. Mittendrin jedoch hörte er auf und hängte den Hörer auf die Gabel.
Er starrte Mariku an, der mit einer Tasche in der Hand die Treppe hinunterging. Der Schuldirektor war neben ihm. Mariku hatte den Blick gesenkt, während Herr Minamoto mit ihm sprach. Malik drückte sich gegen die Wand, damit die beiden ihn nicht sahen.
„... noch irgendwas?“ Sie kamen in Maliks Hörreichweite.
Mariku schüttelte den Kopf. „Hab alles.“
„Und du willst mir wirklich nicht sagen, was der Auslöser war?“ Wieder schüttelte Mariku den Kopf. Herr Minamoto seufzte. „Mariku, ich denke, es wäre wirklich besser, wenn...“
„Nein“, unterbrach Mariku ihn. „Es würde sowieso nichts ändern.“
Maliks Herzschlag beschleunigte sich, als ihm bewusst wurde, dass Mariku ihn schützte.
Sie verließen das Gebäude und Malik sank auf den Boden. Wohin gingen sie? Verließ Mariku die Schule? Würde er wiederkommen? Er dachte daran, als er nach Hause gefahren war und Mariku ihn gefragt hatte, ob er wiederkommen würde. Es kam ihm vor, als wären Monate vergangen seit das passiert war.
Er hatte Mariku zum Abschied geküsst. Allein das war schon dumm gewesen, aber in diesem Moment war es einfach das gewesen, was Malik hatte tun wollen. Also hatte er es getan. Er hatte Mariku geküsst, weil er es hatte tun wollen.
Malik sprang auf und rannte zu einem Fenster, doch er konnte Mariku nirgends sehen. Er öffnete die Eingangstür und trat nach draußen. Malik legte die Arme um sich. Er trug keine Jacke und fror. Suchend ließ er seinen Blick über den Hof schweifen. Wo waren sie hin? Und warum lief er ihnen hinterher?
Er hörte Autoreifen auf Kies und wandte den Kopf. Das Auto des Direktors fuhr ein Stück von Malik entfernt die Einfahrt hinunter. Er rannte die Stufen hinunter, doch rutschte auf einer vereisten Fläche aus und fiel nach vorne. „Autsch.“ Er schrammte sich die Handflächen auf bei dem Versuch sich abzustützen. Seufzend drehte sich Malik auf den Rücken. Schneeflocken fielen ihm aufs Gesicht und der Schnee durchnässte seinen Pullover. Malik starrte in den Himmel und fragte sich zum wiederholten Mal, ab welchem Punkt es angefangen hatte, dass sein Leben so schief lief.
Als er die Schule betreten hatte? Oder schon in seiner Kindheit? Seit dem Tag an dem sein Vater gestorben war und sie Hals über Kopf das Land verlassen hatten? Malik schauderte und das nicht nur wegen der Kälte.

„Jo Malik.“ Jonouchi tauchte über ihm auf. „Wenn du versuchst so krank zu werden, das funktioniert nicht so gut. Ich versuch’s auch immer wieder.“ Er grinste schief und Malik setzte sich auf. Jonouchi half ihm auf die Beine. „Was machst du hier draußen?“
„Ich... ähm...“ Malik zuckte mit den Schultern. Er wusste selbst nicht, was er hier draußen eigentlich machte.
Jonouchi hob die Augenbrauen. „Geht dir aber gut, oder?“
Malik nickte. „Bin nur ausgerutscht.“ Er fuhr sich durch die Haare und klopfte sich den Schnee von der Kleidung. Jonouchi und er betraten gemeinsam das Schulgebäude. Es war eine Weile her, seit er das letzte Mal mit Jonouchi gesprochen hatte, aber Malik sehnte sich nach einem belanglosen Gespräch.
„Ich hab gehört Honda hat jetzt ein Motorrad.“
„Oh ja!“ Jonouchi sprang sofort auf das Thema an. „Seine Eltern haben ihm eins gekauft, kannst du dir das vorstellen? Mein Vater würd mir nicht mal ne Flasche Wasser kaufen.“ Er fuchtelte mit den Händen. „Aber wenn er denkt, dass er deswegen ne Chance bei meiner Schwester hat, dann hat er sich aber geschnitten.“
„Du hast eine Schwester?“
„Ja, Shizuka, sie ist ein Engel. Ich hab auch ein Bild.“ Er zog seine Brieftasche aus der Hosentasche und klappte sie auf. Jonouchis Schwester lächelte ihm von einem Foto entgegen. „Das Bild ist aber schon etwas älter.“ Jonouchi betrachtete es mit einem Lächeln.
Malik konnte ihm ansehen, wie sehr er seine Schwester liebte. Er verspürte einen Stich, denn er vermisste Isis und Rishid.
„Aber wenn Honda jetzt denkt, nur weil er jetzt ein Motorrad hat kann er was mit meiner Schwester anfangen, dann dreh ich ihm den Hals um.“
Malik lachte. Es war angenehm mit Jonouchi zu reden. Seit er hier war, war er so von Mariku eingenommen gewesen, dass er sich kaum mit seinen anderen Klassenkameraden hatte anfreunden können. Selbst jetzt dachte er schon wieder an Mariku. Was wäre passiert, wenn er damals mit Jonouchi und Honda getrunken hätte und nicht mit Mariku? Wäre dann alles anders gekommen? Er hätte auf alle Fälle nicht mit ihm geschlafen. Das war letztendlich der Auslöser für alles gewesen.
Malik seufzte kaum merklich und versuchte sich auf das Gespräch mit Jonouchi zu konzentrieren. In seinem Kopf jedoch ging er alle möglichen „Was wäre wenn“-Situationen durch.


In dieser Nacht kam Bakura nicht in ihr gemeinsames Zimmer zurück, doch damit hatte Malik schon gerechnet. Einerseits genoss er es allein zu sein, doch andererseits hätte er lieber Gesellschaft. So hatte er einfach zu viel Zeit um nachzudenken. Er hatte den Nachmittag mit Jonouchi und später auch Honda verbracht. Honda hatte ihm Bilder von seinem neuen Motorrad gezeigt und für Malik hatte es sich angefühlt, als wäre er wieder ein bisschen in seinem normalen Leben. Auch wenn sich Mariku immer wieder in seine Gedanken geschlichen hatte.
Malik drehte sich auf den Bauch und schob seine Arme unter das Kissen. Er verspürte einen Anflug von Panik jedes Mal, wenn er an ihn dachte. Wenn er an den Ausdruck in seinen Augen dachte, dann jagte ihm das kalte Schauer über den Rücken. Gleichzeitig konterte ein anderer Teil seines Gehirns mit den schönen Erinnerungen. Das Schlittschuhlaufen, die Küsse. Malik drückte sein Gesicht ins Kissen. Er hatte diese Küsse wirklich genossen. Marikus Lippen waren immer etwas rau gewesen.
„Raus aus meinem Kopf“, murrte Malik und es war fast so, als hörte er Marikus Lachen.


„Hey Malik!“ Malik schreckte hoch und rieb sich die Augen. Er hatte kaum ein Auge zugemacht letzte Nacht und wenn doch, dann hatte er schlecht geträumt und war kurz darauf wieder aufgewacht. In seinen Albträumen war niemand gekommen um ihn vor Mariku zu retten. „Wie geht’s dir heute?“ Ryou sah ihn besorgt an.
Malik sah Ryou vorbei zu Bakura, der die Arme vor der Brust verschränkt und demonstrativ den Kopf zur Seite gewandt hatte. „Hab nur schlecht geschlafen.“ Er versuchte zu lächeln, aber scheiterte.
„Und sonst?“
„Es ist in Ordnung. Ist ja nichts passiert... zumindest mir.“ Er sah wieder zu Bakura. Er wusste bestimmt, wo Mariku war, aber er traute sich nicht ihn zu fragen.
„Du solltest die Sache nicht so runterspielen.“ Ryou machte ein ernstes Gesicht. „Das ist ernst.“
Malik zuckte mit den Schultern. „Es lässt sich sowieso nicht ändern.“ Ob Bakura Ryou erzählt hatte, wo Mariku hingegangen war? Sollte er ihn fragen? Ryou würde es ihm bestimmt sagen. Aber er wollte auch nicht, dass Bakura etwas mitbekam.
„Willst du heute Nachmittag was unternehmen?“
Malik schüttelte den Kopf. „Lieber ein bisschen hinlegen.“
Ryou schien nicht glücklich mit seiner Antwort, doch bohrte auch nicht weiter nach. „Wenn du deine Meinung änderst, dann kannst du jederzeit kommen.“ Er lächelte und diesmal schaffte es Malik das Lächeln zu erwidern.
„Klar.“ Er sah Ryou hinterher, als sich dieser wieder Bakura anschloss. Malik seufzte. Er sollte auch mit Bakura reden, aber er machte sich Sorgen, dass er wieder auf ihn losging.

Malik stolperte nach vorne, als ihm plötzlich jemand auf den Rücken schlug. Er fuhr herum und blickte in Jonouchis grinsendes Gesicht. „Wo ist dein Anhang?“
„Wer?“
„Na Mariku.“
„Oh, der.“ Malik wusste nicht, was er Jonouchi antworten sollte. Er wusste ja selbst nicht, wo Mariku war. „Hab ihn seit gestern nicht mehr gesehen.“
„Ist er nicht vor ein paar Jahren schon mal spurlos verschwunden?“ Honda hatte sich ihnen angeschlossen.
„Ah ja, als dings ähm“, Jonouchi schnipste mit den Fingern, „Ren gestorben ist.“ Malik hob überrascht die Augenbrauen. „Wir haben alle gedacht Mariku hätte ihn umgebracht.“
„Was?“ Maliks Stimme klang dünn. Plötzlich dachte er wieder an das Grab, das Mariku besucht hatte. Lag dort wirklich ein toter Mensch? Er hatte danach nicht mehr darüber nachgedacht.
„Ach Ren, der war schon cool, hatte auch was mit Mariku.“
„Er war komplett verrückt nach ihm.“
„Jupp, aber Mariku gar nicht so, zumindest wenn man‘s damit vergleicht, was für einen Narren er sich an dir gefressen hat.“ Jonouchi grinste ihn wieder an und Malik kroch die Röte ins Gesicht.
„Was ist passiert?“, fragte er um wieder auf das eigentliche Thema umzuschwenken.
Jonouchi zuckte mit den Schultern. „Er hat sich umgebracht.“
Malik blieb stehen. Sein Inneres zog sich zusammen. „Wieso?“
Jonouchi und Honda drehten sich zu ihm um und Jonouchi zuckte wieder mit den Schultern. „Das müsstest du Mariku fragen oder Bakura, der dürfte es auch wissen. Jedenfalls war Mariku kurz darauf für Wochen weg und wir wussten ja erst nicht, was passiert war, also dachten wir, Mariku ist im Knast.“ Je mehr Jonouchi ihm erzählte, desto unwohler fühlte sich Malik.
„Nach ein paar Wochen ist er wieder aufgetaucht, als wär nix gewesen“, fügte Honda hinzu.

Malik versuchte die neuen Informationen zu verarbeiten und verabschiedete sich von Jonouchi und Honda. Jetzt hatte er noch etwas, worüber er sich den Kopf zerbrechen konnte. Als wenn sein Kopf nicht schon voll genug wäre. Malik fuhr sich mit beiden Händen in die Haare und strich sie zurück. Hatte die Sache von damals etwas mit ihm zu tun? Aber wieso sollte es? Das war Jahre her. Malik raufte sich die Haare. Warum beschäftigte die Sache ihn nur so?
Als er um eine Ecke bog, stieß er mit Bakura zusammen. Malik stützte sich an der Wand ab um nicht hinzufallen. Sie starrten sich an und Malik sah die Abneigung in Bakuras Blick. Bakura presste die Lippen aufeinander und atmete tief durch. Er richtete seinen Finger auf Malik und dieser drückte sich gegen die Wand.
„Wenn Mariku zurückkommt, dann halt dich von ihm fern oder du wirst es bereuen“, bedrohte Bakura ihn und Malik nickte langsam. Bakura verengte die Augen und atmete noch einmal hörbar durch. Er hatte den Kiefer angespannt und schien mit sich zu kämpfen. „Ich weiß, es ist nicht alles deine Schuld“, sagte er langsam, „aber auch nicht Marikus.“ Er ballte eine Hand zu einer Faust.
„Wo ist er?“, wagte es Malik zu fragen.
Hätte er nicht schon die Wand im Rücken gehabt, wäre Malik noch einen Schritt zurückgegangen. Bakuras Blick durchbohrte ihn regelrecht.
„Was kümmert es dich?“
„Ich... ich...“ Malik räusperte sich und straffte seine Schultern. Er hatte genug von Bakuras Verhalten. „Jetzt hör mal zu“, er trat einen Schritt auf Bakura zu, „es war dein Freund, der sich nicht zusammenreißen hat können. Ich hab ihm von Anfang an gesagt, dass er sich nicht so viele Hoffnungen machen soll. Er wusste es und es ist nicht meine Schuld, dass er total ausflippt.“ Er drehte seinen Zeigefinger neben seinem Kopf. „Du hast keinen Grund mich so saudumm anzufahren. Ich hab die Schnauze voll davon! Ich bin so schon gestresst genug wegen all der Scheiße, ich brauch nicht auch noch dich, der mir noch mehr Schuldgefühle einredet.“ Maliks Stimme war gegen Ende hin immer lauter geworden und sein Körper hatte zu zittern begonnen. „Also entweder sagst du mir jetzt was los ist oder lässt es bleiben, mir egal!“
Bakura starrte ihn an. Er hatte den Mund geöffnet, als wollte er etwas sagen, doch kein Laut kam über seine Lippen. Er schien überrascht über Maliks Ausbruch und wusste jetzt nicht, wie er darauf reagieren sollte.
Malik schnaubte und stampfte davon. Er schlug die Tür hinter sich zu und warf sich auf sein Bett. Es hatte gut getan etwas Frust abzulassen.

Ryou sah auf, als Bakura das Zimmer betrat. Er sah ihm sofort an, dass etwas nicht stimmte. „Was ist los?“
Seufzend setzte sich Bakura aufs Bett neben Ryou. „Malik hat mich angeschrien.“ Er klang schon fast, als würde er schmollen.
Ryou lachte leise und küsste Bakuras Wange. „Hast du auch verdient.“
„Solltest du als mein Freund nicht auf meiner Seite sein?“
„Ich bin nicht auf der Seite von Idioten.“
Bakura sah seinen Freund an. „Du warst mal so süß.“
Ryou grinste nur.
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