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Mariku drückte Bakura gegen die Wand, als dieser am nächsten Tag das Frühstück brachte.
„Ich sollte dich so verprügeln, dass du nicht mehr aufrecht stehen kannst“, fuhr er ihn an.
„Aber du hast keine Schmerzen mehr“, erwiderte Bakura und versuchte mit einem Lächeln Mariku zu beruhigen.
Es stimmte. Mariku fühlte sich wie neu geboren. Die Wunden an sich waren nicht verschwunden, doch der Schmerz schon. Er konnte sich wieder uneingeschränkt bewegen.
Trotzdem ließ er Bakura nicht los. „Ich sollte dich trotzdem verprügeln.“
„Ach komm schon, Mariku. Wir sind doch Freunde.“
Mariku ließ ihn los. „Wie lange wirkt das Mittel?“
„Ein paar Stunden.“ Bakura strich sich sein Shirt glatt. „Also genieß es, solange du noch kannst.“ Er sah über Marikus Schulter zu Malik. „Ihr hattet wohl eine wilde Nacht.“ Er grinste leicht und deutete auf das zerfetzte Kissen.
„Nicht so wild wie deine“, erwiderte Mariku kühl.
Bakuras Grinsen wurde breiter. „Ihr habt uns gehört?“ Mariku nickte und Bakura beugte sich vor, bevor er flüsternd weitersprach: „Neidisch? Ich bin sicher, du und Malik...“ Doch Mariku unterbrach ihn damit, dass er ihn wieder gegen die Wand drückte.
„Halt’s Maul oder ich brech dir jeden Knochen im Leib.“
Bakura hob überrascht die Augenbrauen. Marikus Aggression wirkte unnatürlich und es entging Bakura nicht, dass Marikus rechtes Augenlid zuckte. Etwas stimmte nicht und Bakura vermutete, dass es an seiner Mixtur lag. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn alles ohne Nebenwirkungen von Statten gegangen wäre.
„Beruhig dich, bitte.“ Er sprach leise um Mariku nicht noch wütender zu machen.
„Du sagst mir nicht, was ich zu tun habe!“ Mariku legte mehr Kraft in seinen Griff, was dazu führte, dass Bakura mit dem Hinterkopf gegen die Wand schlug. Marikus Arm zitterte und sein Atem hatte sich merklich beschleunigt.

Plötzlich ließ er Bakura los und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Er atmete einige Male tief durch. Das Zittern ließ etwas nach. „Was ist los?“ Marikus Stimme klang rau und angespannt. Er hielt sich selbst davon ab Bakura anzuschreien. Ihm war ungewöhnlich heiß und in ihm brodelte eine Wut, wie schon lange nicht mehr.
„Eine Nebenwirkung vermutlich.“ Bakura stand schon an der Tür. Er war bereit abzuhauen, sollte Mariku noch mal auf ihn losgehen wollen.
„Nebenwirkung?“, fauchte Mariku. Er ballte die Hände zu Fäusten und Bakura trat einen Schritt zurück. Die Tür glitt auf.
„Es geht vorbei, keine Sorge.“ Er hob die Hände. „Ganz bestimmt.“
„Verschwinde!“
Bakura kam der Aufforderung nur zu gerne nach.
Mariku stützte sich auf dem Tisch ab. Er hatte die Augen geschlossen und nahm einige tiefe Atemzüge in der Hoffnung die Wut würde nachlassen. Doch die Wut blieb, genauso wie das Zittern.
Er sah den Teller an, den Bakura gebracht hatte. Endlich wieder etwas zu essen, doch zuvor musste er noch etwas anderes erledigen. Er drehte sich zu Malik um, der ihn interessiert beobachtete. „Ich geh jetzt duschen. Du bewegst dich keinen Millimeter aus diesem Zimmer und wenn ich zurückkomme und das Essen ist weg, dann Gnade dir an wen auch immer du glaubst, aber ich werd’s nicht tun.“ Marikus Tonfall war schärfer als beabsichtigt, aber er konnte seine Gefühle momentan nicht kontrollieren.
Malik verzog das Gesicht. Er hasste es, wenn man ihm Befehle gab. „Denkst du, ich hab Angst vor dir?“
Mariku musste all seine Willenskraft aufbringen, um sich davon abzuhalten auf Malik loszugehen. „Provozier mich jetzt nicht, Malik.“ Er wartete keine Erwiderung ab.

Wieso passierte ihm nur dieser ganze Scheiß? fragte sich Mariku, als er sich im Spiegel betrachtete. Er fasste sich an sein rechtes Auge. Das Zucken ging ihm auf die Nerven. Aufhören tat es nicht.
Mariku begann stattdessen seine Verbände zu lösen. Er musste vorsichtig sein, um nicht versehentlich die Wunden wieder aufzureißen, besonders jetzt, wo es ihm so schwer fiel sich zu beherrschen und er kaum Geduld aufbringen konnte die Verbände abzumachen.
Er betrachtete seine Verletzungen: die Bisswunde am Arm war noch das geringste Übel. Es hatte sich Schorf gebildet und Mariku war sich sicher, es würde bald verheilt sein. Selbst seine Schulter sah inzwischen besser aus. Die Wunde hatte sich schon teilweise geschlossen und das Gewebe hatte zu vernarben begonnen.
Es war sein Rücken, der ihm jetzt Sorgen machte. Die Verbrennung war rötlich-weiß, doch sie warf zumindest keine Blasen. Vorsichtig berührte Mariku die Wunde und zog die Hand gleich wieder zurück. Es tat nicht weh, aber es fühlte sich widerlich an.

Mariku zog sich aus und stieg unter die Dusche. Das eiskalte Wasser kühlte nicht nur seinen Körper, sondern auch sein Gemüt etwas ab. Es war angenehm, als das Wasser über seinen Rücken floss, doch Mariku achtete darauf, dass der Wasserstrahl die Verbrennung nicht direkt traf.


Mariku wagte es nicht sich ein Oberteil anzuziehen, deshalb schlüpfte er nur in eine frische Hose und raffte die Verbände zusammen. Er erinnerte sich daran, dass Bakura gesagt hatte, dass das die letzten waren und Mariku war sich nicht sicher, was das für ihn bedeutete. Man sollte meinen mit all der neuartigen Technologie, die stetig entwickelt wurde, dass so etwas Altmodisches wie Bandagen längst überflüssig waren. Manchmal waren es jedoch die einfachen Dinge, die sich als das Effizienteste erwiesen.

Als er in sein Zimmer zurückkam, stand der Frühstücksteller unberührt da. „Du hättest ruhig was essen können.“ Mariku setzte sich auf die Bettkante und zog sich Socken an. Er fühlte sich ruhiger und das Zucken war weg.
„Ich bin nicht hungrig.“
Mit einem Schlag brodelte die Wut wieder in Mariku. Er knirschte mit den Zähnen. Dieser verfluchte Sturkopf! Mariku stand auf, nahm den Teller und platzierte ihn mit so viel Kraft zwischen Malik und sich auf der Matratze, dass ein Teil der Teigbällchen über das Bett rollte.
„Iss!“, fauchte er Malik an.
Malik verengte die Augen zu Schlitzen. „Nein.“
Mariku griff nach einem der Teigbällchen und stürzte sich auf Malik. Er drückte ihn auf die Matratze und das Bällchen gegen seine Lippen. „Du isst jetzt, verdammt noch mal.“
„Fass mich nicht an!“ Malik stieß Mariku mit aller Kraft von sich, sodass Mariku auf dem Rücken landete.
Für einen Moment sah Mariku Sternchen. Er spürte zwar keinen Schmerz, doch er blieb trotzdem auf dem Boden liegen. Er biss sich auf die Unterlippe. Er musste seine Wut wirklich zügeln, bevor er sich noch mehr Ärger einhandelte. „Kannst du nicht einfach machen, was ich sage?“, sagte er, während er an die Decke starrte. „Du weißt, dass ich mich grad nicht kontrollieren kann.“ Mariku spürte ein dumpfes Pochen von seinem Rücken ausgehen und stemmte sich hoch.

Kauend sah Malik ihn an und Mariku schüttelte seufzend den Kopf. „Warum nicht gleich so?“, murmelte er und betrachtete seinen Rücken im Spiegel. Wenigstens schien der Sturz nichts verschlimmert zu haben.
Mariku setzte sich wieder zu Malik ans Bett und nahm sich ebenfalls eins der Teigbällchen. Er wusste nicht, mit was sie gefüllt waren, doch es schmeckte süßlich und sehr lecker.
Es entging ihm nicht, dass Malik ihn beobachtete, doch Mariku versuchte sich so gut wie möglich auf das Essen zu konzentrieren. Er spürte jedoch wie die Wut sich in ihm anstaute und er kurz davor war Malik anzuschreien. Konnte Malik endlich aufhören ihn anzustarren? Es war schon so schwer genug für ihn sich zusammen zu reißen. Er brauchte ein Ventil für die Aggressionen, bevor er am Ende noch auf den Falschen losging.

Doch Malik wandte den Blick nicht ab und Mariku konnte sich nicht mehr zurückhalten.
„Was gaffst du mich so an?“, fauchte er.
Malik schob sich das letzte Teigbällchen in den Mund und kaute genüsslich, während Mariku die Hände zu Fäusten ballte und mit den Zähnen knirschte. Seine Nägel krallten sich in seine Handflächen und er schlug auf die Matratze.
„Es ist interessant“, sagte Malik schließlich mit einem leichten Schmunzeln. Er leckte sich über die Finger.
„Was soll daran interessant sein?“ Er öffnete seine Fäuste. Seine Handflächen bluteten etwas.
„Diese Wut.“ Das Schmunzeln verwandelte sich in ein Grinsen und das Grinsen heizte Marikus Zorn noch weiter an.
„Du kannst sie gerne haben, wenn du so scharf drauf bist“, fuhr er Malik an und um zu verhindern, dass er in seine Richtung schlug, packte er den Teller und warf ihn Richtung Tür. Die Tür glitt auf und der Teller knallte im Gang an die Wand. Er ging nicht kaputt.
Malik lachte und Mariku ging auf ihn los. Er drückte Malik auf die Matratze und wollte auf ihn einschlagen, doch Malik fing seine Faust ab und stieß ihn von sich. Doch diesmal ließ sich Mariku davon nicht abhalten. Er stürzte sich wieder auf Malik, doch dieser war ihm erneut deutlich überlegen. Malik packte Marikus Kinn und ließ ihn seine Krallen spüren.
„Vorsichtig“, flüsterte Malik und leckte sich über die Lippen. Er hatte Spaß daran Marikus unkontrollierte Wut immer weiter anzufachen. Es fühlte sich gut an Mariku gegen sich selbst kämpfen zu sehen. Malik hatte es satt sich zu benehmen. Er wollte jeden einzelnen an Bord dieses Schiffes leiden sehen. Sie würden für die Demütigungen, die er erlitt, bezahlen. Am Ende würden sie alle um ihr Leben winseln.

Plötzlich war Marikus Hand an seiner Kehle und Malik riss überrascht die Augen auf. Anstatt Mariku jedoch anzufauchen, gab Malik nur einen wimmernden Laut von sich.
Die Tür glitt auf und ein Scheppern war zu hören. Mariku drehte den Kopf und verengte die Augen, als er Anzu sah. Mit großen Augen und geöffnetem Mund starrte sie sie an. Vor ihren Füßen lagen der Teller und irgendein Stoffbündel. Er ließ Malik los. Sofort rutschte Malik von ihm weg und fasste sich an den Hals. Seine Lippen hatte er fest aufeinander gepresst.
„Was willst du?“
„Ich, ich...“ Sie stotterte. Bakura hatte sie schon gewarnt, dass Mariku leicht reizbar war, doch sie hatte nicht erwartet, ihn mit einer Hand an Maliks Kehle vorzufinden. Auch der Ausdruck auf seinem Gesicht jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken.
„Ich, ich“, äffte Mariku sie nach. Er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Malik hatte ihn auf 180 gebracht. Mariku stand auf und trat auf Anzu zu, die einen Schritt zurückging. Sie bückte sich und raffte den Stoff zusammen.
„Ich hab ein paar Bandagen gewaschen.“ Sie legte alles auf den Tisch und ließ Mariku dabei nicht aus den Augen. Sie setzte ein Lächeln auf. „Kann ich noch was für dich tun?“
Mariku packte sie am Arm und zog sie nah zu sich. Ihre Haut fühlte sich wie Gelee an. Anzu gab einen hohen, überraschten Laut von sich. Sie stemmte sich gegen Marikus Griff, doch war zu schwach.
„Du könntest aufhören mich anzustarren.“ Ein bedrohlicher Unterton schwang in Marikus Stimme mit. „Momentan starrt mich jeder an, das nervt!“ Sein Griff festigte sich.
„Mariku, du tust mir weh.“
„Ach, tu ich das?“ Mariku machte keine Anstalten sie loszulassen. Er hatte die Kontrolle über sich verloren. Er genoss die Angst in Anzus Blick mehr als er sollte. Mariku leckte sich über die Lippen. „Obwohl, da gäbe es schon etwas, dass du für mich tun könntest.“ Ein Grinsen, das Maliks alle Ehre machte, legte sich auf Marikus Lippen. Sein Zeigefinger schob sich in Anzus Ausschnitt und zog am Stoff.
Anzu schrie und Mariku bekam eine Ladung heißes Wasser ins Gesicht. Mariku keuchte schmerzerfüllt und drückte sich die Hände ins Gesicht. „Verdammte Schlampe“, brüllte er.

Schritte waren auf dem Gang zu hören und schon im nächsten Augenblick stand Ryou an der Tür.
„Was ist passiert?“ Ryou sah von Mariku, der immer noch die Hände im Gesicht hatte und dessen Brust nass war, zu Anzu, die Mariku mit großen Augen und verschrecktem Gesichtsausdruck ansah. „Was ist passiert?“, wiederholte Ryou seine Frage.
„Misch dich nicht ein, Kröte.“
Ryou wusste nicht, was eine Kröte war, doch Mariku sagte es mit demselben abfälligen Tonfall wie wenn Malik ihn als „Sklaven“ betitelte. Er knirschte mit den Zähnen. „Was hast du gesagt?“
„Geh mir nicht auf den Sack.“
„Mariku, ich warne dich, treib’s nicht zu weit.“
„Oder was? Willst du mich umbringen?“ Mariku lachte. „Komm schon, ich zittere.“ Ryou stürzte sich auf Mariku und Anzu schrie noch mal.

„Hört auf!“ Bakura war gekommen und zerrte Ryou von Mariku herunter. „Seid ihr total irre?“
Mariku wischte sich mit dem Handrücken das Blut von der Wange. Er hatte eine lange Kratzwunde an der Wange, wo Ryou in mit einer seiner Krallen erwischt hatte. „Sieh an, dein Stecher kommt um dich zu retten.“
Bakura hielt Ryou an der Schulter fest. „Es reicht, Mariku.“
Mariku machte eine ausladende Geste. „Wenn ich mich richtig erinnere, dann ist das hier alles deine verdammte Schuld.“ Bakura schwieg und Mariku trat näher. Er packte Bakura am Kinn. „Nicht wahr? Du wolltest doch dein kleines Mittelchen an mir ausprobieren.“ Seine Stimme war gegen Ende immer leiser geworden und er war mit seinem Gesicht Bakuras immer näher gekommen. Ihre Lippen berührten sich fast. „Also, leb jetzt auch mit den Konsequenzen.“ Bakura presste die Lippen aufeinander und mied Marikus Blick. Mariku trat zurück. Blut lief ihm über die Wange und über seinen Hals. „Und jetzt verpisst euch. Ich bin’s echt leid euch zu sehen.“

Draußen schlug Ryou gegen die Wand.
„Er ist nicht er selbst. Es ist meine Schuld.“
Ryou drehte sich zu Bakura um. „Und wie es deine Schuld ist“, fuhr er ihn an. „Er ist noch unerträglicher als zuvor schon, aber er passt jetzt gut zu diesem Abschaum.“
„Reg dich nicht auf“, sagte Anzu.
Ryou sah sie an. „Ist mit dir alles in Ordnung?“ Seine Stimme war sanfter geworden.
Anzu fasste sich an die Brust und zog ihr Shirt etwas höher. Sie lächelte gezwungen. „Ja, es geht schon. Bakura hat recht. Er weiß nicht, was er tut.“
„Das ist keine Entschuldigung sich zu benehmen wie ein Arschloch.“ Ryou betrat das Cockpit. „Wie sieht’s aus?“
„Wir sind bald auf Abulu. Ich hab’s schon auf dem Schirm“, antwortete Jonouchi.
Ryou ließ sich auf seinen Stuhl sinken. „Gut, ich kann’s kaum erwarten hier zu verschwinden.“ Er sah zu Bakura, der mit Anzu noch an der Tür stand und sich mit ihr unterhielt. Er dachte an den Sex und leckte sich unbewusst über die Lippen. Er hätte nichts gegen mehr davon.
Schnell wandte Ryou den Blick ab. Er konnte es sich nicht leisten, sich zu Bakura hingezogen zu fühlen. Ryou seufzte und sah wieder zu Bakura. Ihre Blicke trafen sich und Bakura schenkte ihm ein Lächeln. Erneut wandte Ryou den Blick ab und weigerte sich aufzusehen, bis Bakura das Cockpit verlassen hatte.


Mit den gewaschenen Bandagen wischte sich Mariku das Blut weg und drückte sie anschließend gegen die Kratzer. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Was hatte er nur getan? Er sank auf die Matratze und strich sich durch die Haare. Gerade kamen wirklich seine schlimmsten Seiten zum Vorschein. Wie sollte er Anzu je wieder unter die Augen treten? Doch die Wut nagte an ihm und redete ihm ein, dass Anzu doch selbst schuld war. Sie hatte doch gefragt, ob sie noch etwas für ihn tun konnte. Mariku biss sich auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf.
„Wer hätte gedacht, dass Menschen so bösartig sein können.“ Mariku sah auf. Malik fuhr mit dem Daumen über die Spitzen seiner Krallen.
„Wir haben tausende Jahre damit verbracht uns gegenseitig abzuschlachten. Das hier ist nichts“, antwortete Mariku und ließ die Bandagen sinken.
Malik hob interessiert die Augenbrauen. Er hatte die Menschen nie für ein kriegerisches Volk gehalten. Sein Wissen war begrenzt und er hatte sie sich immer wie die Cygni vorgestellt: schwach und leicht zu kontrollieren.
Mariku verhielt sich momentan jedoch mehr wie ein Notechis. Malik hatte gemerkt, wie viel Spaß er dabei gehabt hatte die Seire zu verängstigen und den Cygni zu provozieren.
Malik fasste sich an den Hals. Er hatte nicht vergessen, wie Mariku ihn gepackt hatte. Unruhig leckte sich Malik über die Lippen. Und er hatte nichts gegen ihn machen können. Malik schloss die Augen.

Als Bakura eintrat, sahen sie beide auf. „Was willst du?“, schnauzte Mariku ihn an. Hatte Bakura denn immer noch nicht kapiert, dass er keine Kontrolle über sich hatte?
„Ich wollte mir deine Wunden anschauen.“
„Verschwinde!“
„Mariku.“
„Verschwinde!“, wiederholte Mariku und betonte dabei jede Silbe. Bakura hob abwehrend die Hände und ließ Mariku und Malik allein.

„Du hättest auf ihn hören sollen“, sagte Malik, als Bakura den Raum verlassen hatte.
„Was denn? Gehörst du jetzt zu den guten Jungs?“
„Mach dich nicht lächerlich.“ Malik grinste Mariku an. „Aber seit wann tust du’s nicht mehr?“
Mariku warf ihm einen genervten Seitenblick zu. „Halt’s Maul!“ Er kaute auf seiner Unterlippe, bis sie aufplatzte und er Blut schmeckte. Schließlich stand er auf.


Bakura sah auf, als Mariku eintrat. Er sagte nichts, sondern wartete ab, was Mariku zu sagen hatte. Selbst aus der Entfernung konnte er riechen wie schnell Marikus Blut durch seinen Körper zirkulierte. Mariku war angespannt und gestresst. Die Aggressionen waren eine Belastung für seinen Körper und wenn die Nebenwirkung nicht bald nachließ würde das Marikus Gesundheit nur noch mehr gefährden.
Er hörte Mariku tief durchatmen. „Es... tut mir leid.“ Seine Stimme zitterte. Er sah Bakura an und hob etwas hilflos die Hände. „Bandagen?“
„Klar.“ Bakura folgte Mariku zurück in dessen Zimmer und betrachtete seinen Rücken. „Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht.“ Mariku zuckte nicht mal zusammen, als Bakura ihn mit dem Desinfektionsmittel besprühte. Er spürte ein Ziehen, doch das Brennen blieb aus. „Deine Schulter verheilt auch gut. Hast du irgendwelche Schmerzen?“ Mariku schüttelte den Kopf. „Wenigstens etwas.“ Er bandagierte Marikus Oberkörper und die Schulter ein. „Das sollte wieder für ein paar Tage reichen.“
„Und wie lang hält diese scheiß Nebenwirkung noch an?“
„Ich hoffe, nicht mehr zu lange.“ Mariku schnaubte und Bakura trat von ihm weg. Er konnte nicht mal mit Sicherheit sagen, ob die Nebenwirkung auch wirklich eine Nebenwirkung war. Er könnte mit seinem Mittel auch genauso gut Marikus System geschadet haben und dann konnte es gefährlich für Mariku werden. Bakura konnte nicht sagen, wie lange sein Körper der Belastung standhalten würde, auch wenn sich Mariku bisher als recht zäh bewiesen hatte. Unruhig strich Bakura mit seiner Zunge an der Rückseite seiner Zähne entlang. Er hoffte, er würde Mariku nicht auf dem Gewissen haben.


„Ihr bewegt euch nicht vom Schiff weg, haben wir uns verstanden?“
„Ich bin ja nicht taub“, erwiderte Mariku gereizt und strich mit den Füßen unruhig über den Boden. Es kostete ihn all seine Selbstbeherrschung nicht wieder auf Ryou loszugehen. Es war schon schwer genug gewesen, die letzten Stunden keinen Streit mit Malik anzufangen. Inzwischen fühlte er sich in dem kleinen Zimmer wie eingesperrt und das schlug ihm ebenfalls aufs Gemüt.


„Ist mit dir alles in Ordnung?“, fragte Ryou Anzu und sah sie mit besorgtem Blick an. Anzu war seit der Auseinandersetzung mit Mariku sehr ruhig geworden.
Sie lächelte schwach. „Es ist alles in Ordnung. Mach dir keine Sorgen um mich.“
„Ich lass dich nur ungern mit ihnen allein.“
„Honda ist doch da.“ Sie hakte sich bei Honda, der neben ihr stand, ein. „Er wird mich beschützen.“ Honda lächelte nicht, dazu war seine Spezies nicht fähig, doch das Leuchten in seinen Augen wurde etwas heller.
Ryou richtete seinen Blick auf Honda. „Wenn sie Ärger machen, dann erschieß sie.“
„Jawohl.“ Honda fasste sich an die Waffe an seiner Hüfte. Es war die Waffe, die eigentlich in der Armlehne von Ryous Stuhl war. Die einzige scharfe Waffe, die sie hatten.
Ryou wickelte ein Tuch um seinen Kopf, das die untere Hälfte seines Gesichts bedeckte, dann setzte er sich eine Kapuze auf. Er drehte sich zu Jonouchi um. „Bist du bereit?“
„Und wie!“
Ryou verdrehte kurz die Augen. „Versuch einfach mich nicht zu nerven, okay?“ Er wandte sich noch einmal an Honda. „Ich hoffe, wir sind nicht länger als zwei Tage weg.“
„Was sind deine Anweisungen, wenn ihr länger weg seid?“
„Nimm Mariku und den Notechis und kommt nach.“ Mit seiner Hand fuhr er unter das Tuch und strich sich über den Nacken. „Wir können nicht riskieren, sie allein zu lassen. Außerdem, ich geb’s nicht gern zu, aber der Notechis könnte nützlich sein, wenn es Ärger gibt.“ Er atmete tief durch. „Komm Jou, wir gehen.“


Mariku ging im Zimmer auf und ab und ging damit Malik auf die Nerven. Malik stand auf und ging an Mariku vorbei.
„Wo willst du hin?“
„Nach draußen.“ Die Tür öffnete sich für Malik. „Würde dir auch nicht schaden.“ Die Tür glitt wieder zu und Mariku knirschte mit den Zähnen. Er hatte keine andere Wahl als Malik zu folgen, immerhin sollte er ein Auge auf ihn haben. Er wusste jedoch immer noch nicht, wie heiß 600° Knar waren. Er lief Malik hinterher. Er würde es gleich herausfinden.

600° Knar waren ungefähr 40° Celsius. Mariku schirmte seine Augen vor der Sonne ab, oder sollte er besser sagen, vor den drei Sonnen? Sie waren außerhalb der Stadtmauer gelandet. Die Luft flimmerte und sie waren von Sand umgeben. Mariku fühlte sich fast wie zuhause. Der Gedanke an zuhause beruhigte ihn etwas.
„Was wollt ihr?“ Honda stand draußen vor dem Eingang.
„Ich lauf nur ihm hinter.“ Er deutete auf Malik, der sich den Sonnen zugewandt und die Augen geschlossen hatte.
„Geht nicht zu weit weg.“
„Jaja“, murrte Mariku und sprang in den Sand. Er spürte die Hitze durch die Sohle seiner Schuhe. Turnschuhe waren nicht das passende Schuhwerk für die Wüste. Es tat trotzdem gut endlich aus dem Raumschiff rauszukommen und mal nicht um sein Leben fürchten zu müssen. Mariku stellte sich neben Malik. „Was soll das werden?“
Maliks Zunge schnellte vor und er gab ein leises Zischen von sich. „Nach was sieht’s denn aus?“
„Kannst du mir nicht mal eine vernünftige Antwort geben?“, murrte Mariku.
Malik wandte sich ihm schmunzelnd zu. Es war ein ungewöhnlicher Anblick und brachte Mariku dazu zu grinsen.
„Ich werd schon keinen Ärger machen.“
Mariku hob die Augenbrauen. „Es fällt mir schwer das zu glauben.“
Malik zuckte mit den Schultern. „Musst ja nicht.“ Er wandte sich dem Raumschiff zu und unter den wachsamen Blicken von Mariku und Honda ging er näher darauf zu. Malik sah an der Leiter nach oben, die an der Außenwand befestigt war. Er sprang hoch und bekam die erste Sprosse zu fassen. Ohne Schwierigkeiten zog er sich hoch.
„Hey! Komm sofort runter da!“, rief Honda ihm hinterher, doch Malik kletterte weiter nach oben ohne auf ihn zu reagieren. „Hey!“
„Lass ihn doch.“ Mariku kratzte sich am Hinterkopf und sah Malik ebenfalls hinterher. Er war auf dem Dach des Schiffes verschwunden. „Solange er da oben ist, macht er wenigstens keinen Ärger.“

Malik streckte sich auf dem Metall aus und schloss die Augen. Er genoss es nach so langer Zeit wieder die Sonne und ihre Wärme zu spüren. Er wusste nicht, wie lange er auf dieser Raumstation gewesen war. Irgendwann hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Es könnten Monate oder Jahre gewesen sein. Er hatte die Wärme vermisst.
Malik drehte sich auf den Bauch. Wärme war etwas, das sein Volk liebte. Sie brauchten sie nicht zwingend um zu überleben, doch sie konnten ihr nicht widerstehen. Malik wusste genau, was die Hitze mit ihm machen würde; er kannte die Nebenwirkung, wenn sich sein Körper aufheizte, aber selbst, wenn er gewollt hätte, hätte er nicht widerstehen können. Er hatte solange darauf verzichtet, dass er in der Dunkelheit und Kühle der Raumstation fast wahnsinnig geworden wäre. Er ging das Risiko ein.


Mariku saß auf den Stufen, die ins Raumschiff führten und ließ Sand durch seine Finger rieseln. Jede Stunde drehte er ein paar Runden um das Schiff um die aufgestaute Energie loszuwerden und überraschenderweise funktionierte es. Mariku fühlte sich viel ruhiger. Trotzdem mochte er die Warterei nicht. Ryou und Jonouchi waren schon seit Stunden weg. Mariku gähnte.
Honda stand neben ihm und warf immer wieder einen Blick nach oben. Sie konnten Malik auf dem Dach liegen sehen.
„Also“, Mariku ballte seine Hand zu einer Faust und öffnete sie wieder, „wie lange bist du schon mit Ryou unterwegs?“
Honda sah kurz auf Mariku hinunter. „60 Jahre.“
„Erdenjahre?“
„Wenn ein Erdenjahr 432 Tage umfasst, dann ja.“
Mariku drehte die Augen nach oben und machte ein nachdenkliches Gesicht. Er stand kurz davor Honda zu fragen, wie lange ein Tag für ihn war, entschied sich dann aber dagegen. Es würde nur verwirrend werden, deshalb ging er der Einfachheit halber von Erdenjahren aus.
„Und habt ihr euch davor schon gekannt?“
„Nein, ich habe ihn durch Jou kennen gelernt. Er hat sich als Pilot bei Ryou gemeldet und mich sozusagen mitgeschleppt.“
Mariku sah Honda kurz an, dann hoch zu Malik. Er konnte nur seinen Arm sehen. „Warst du damals auch in dem Krieg?“ Honda gab ihm keine Antwort und Mariku konnte sich selbst zusammenreimen, dass das „Ja“ bedeutete.

Seufzend stand er auf und ging die Stufen zum Schiff hoch.
„Wo gehst du hin?“
Mariku sah über die Schulter. „Bist du mein Babysitter?“
„Ja.“
„Ich geh nur rein, okay? Die Hitze macht mich schläfrig.“ Das war gelogen. Er fühlte sich nicht müde, aber er wollte sein beruhigtes Gemüt dafür nutzen sich bei Anzu zu entschuldigen. Er konnte ja nicht sagen, wann ihn wieder jemand aufregen würde und er hoffte, es würde nicht Anzu sein.
Mariku trat vor ihre Tür und war überrascht, dass sie nicht aufglitt. Er klopfte.
„Ja?“
„Hier ist Mariku.“
Es dauerte eine Weile bis Anzu wieder etwas sagte: „Was willst du?“
„Ich wollte mich entschuldigen.“ Die Tür glitt auf. „Ich wusste nicht, dass man die Türen abschließen kann.“ Er sah zu Anzu, die am Tisch saß. Eine Hand auf einem Kontrollpanel. Mariku blieb an der Tür stehen. Es war besser, wenn er Abstand zwischen ihnen hielt. „Mein vorheriges Benehmen tut mir wirklich leid. Ich wollte dir nicht wehtun und dir auch keine Angst einjagen.“ Es war ihm unangenehm, das er Anzu so schamlos angebaggert hatte. „Ich war nicht ich selbst, aber das soll mein Verhalten nicht entschuldigen.“ Er trat unruhig von einem Fuß auf den anderen, während er auf eine Reaktion von Anzu wartete.
Anzu seufzte. „Entschuldigung zur Kenntnis genommen. Trotzdem wär’s mir lieber, wenn du dich erst mal von mir fernhältst.“
„Ah, ja, ja klar, mach ich.“ Er hob die Hand, als Zeichen des Abschieds und wandte sich ab. Und noch jemand bei dem er unten durch war. Er machte das wirklich gut. Seufzend strich sich Mariku durch die Haare. Es hätte aber auch schlimmer ausgehen können. Zumindest hatte er sich entschuldigt.

Mariku ging nach draußen und setzte sich wieder neben Honda auf die Stufen. Er ignorierte dessen fragenden Blick. Mariku sah nach oben, doch konnte Malik nicht sehen. „Wo ist Malik?“
„Rein.“ Er unterstrich die Antwort mit einem Nicken des Kopfes in Richtung Schiffseingang.
Für einen Moment dachte Mariku darüber nach Malik zu folgen, doch er wollte nicht schon wieder aufstehen. Er streckte die Beine von sich und lehnte sich zurück. Mit den Ellenbogen stützte er sich auf einer höheren Stufe ab.
„Also, wie lange ist Anzu schon dabei?“
Honda zuckte mit den Schultern. „Länger als Jou und ich. Ich hab nie gefragt.“
„Und erlebt ihr öfter so ne Scheiße wie das hier?“
„Das ist das erste Mal“, antwortete Honda. „Wir hatten ausfallendes Getriebe, verlorene Fracht, Sonnenstürme, Piraten...“
„Piraten?“ Mariku sah ihn überrascht und auch interessiert an.
„Natürlich, diese Bastarde tauchen immer dann auf, wenn man sie am wenigsten braucht.“ Hondas Zähneknirschen klang wie wenn jemand über Kies ging.
Sie unterhielten sich eine Weile über die Weltraumpiraten, bis Mariku aufstand und sich streckte. Er sah hoch zu den Sonnen, die sich zwar über den Himmel bewegt hatten, doch das Licht hatte sich nicht verändert. „Wird es hier eigentlich auch mal dunkel?“
„Alle paar Jahre mal wahrscheinlich.“
„Denkst du, sie kommen bald zurück?“ Honda zuckte mit den Schultern. „Naja, ich schau mal, was Malik so treibt.“

Malik lag auf dem Bett, das Gesicht zur Wand gedreht. Ihm war heiß und sein Atem ging schnell. Er zuckte kurz zusammen als Mariku eintrat, drehte sich jedoch nicht zu ihm um. Nein, er musste gehen. Mariku musste wieder gehen. Trotzdem brachte er kein Wort heraus um Mariku wieder wegzuschicken.
„Malik, ist alles in Ordnung?“
„Lass mich in Ruhe.“ Maliks Stimme war heiser und seine Atmung abgehakt.
Mariku hob überrascht die Augenbrauen. Was war denn jetzt schon wieder? Malik hatte sich zusammengerollt und die Arme um sich selbst gelegt. „Hast du einen Sonnenstich?“ Malik zischte nur als Antwort. Mariku setzte sich zu ihm aufs Bett. „Fühlst du dich nicht gut?“ Wider besseres Wissen berührte er Malik an der Schulter. Diesmal griff Malik ihn nicht an, sondern rollte von der Seite auf seinen Rücken. Maliks Pupillen waren geweitet und sein Gesicht gerötet. Seine Zunge zuckte immer wieder unruhig aus seinem Mund hervor. Sein Brustkorb hob und senkte sich so schnell, dass Malik keuchte. „Was ist los?“

Fortsetzung folgt...
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