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[personal profile] acetonperoxid
„Hey! Aufstehen!“ Mariku murrte. Etwas drückte unangenehm gegen seine Seite und er öffnete nur widerwillig die Augen. Ryou stand über ihm und hatte einen Fuß in Marikus Seite gepresst. „Steht auf und kommt dann raus. Beide! Ihr habt fünf Minuten!“ Mit diesen Worten verließ Ryou den Raum wieder. Gähnend hievte Mariku sich hoch. Er fror, als die Decke nach unten rutschte, weshalb er sich über die Arme strich. Die Wunde an seinem Arm gab ein unangenehmes Ziehen von sich, von seiner Schulter dagegen merkte er gar nichts. Wenigstens etwas. Er schwang sich aus dem Bett und streckte sich.
„Aufwachen, Schlafmütze.“ Malik reagierte nicht, obwohl Mariku genau wusste, dass er bereits wach war. Er war wahrscheinlich schon aufgewacht, als Ryou hereingekommen war. „Komm schon, wir wollen Ryou nicht noch weiter anpissen. Am Ende setzt er uns noch im Schnee aus.“ Als er diese Worte aussprach, musste er an Ryous Grinsen denken und ihn beschlich ein ungutes Gefühl. Doch dann schüttelte er den Kopf. Ryou drohte zwar viel, aber das war auch alles. Er dachte an ein Sprichwort auf der Erde „Bellende Hunde beißen nicht“, das passte ziemlich gut zu Ryou. Er öffnete den Schrank und holte seine Tasche hervor. Er hoffte, er hatte überhaupt etwas für kaltes Wetter dabei.

Als er die Tasche öffnete, erschien ein Display vor ihm. Er tippte einen Code auf das Display, eine Begrüßung erschien auf dem Bildschirm, gefolgt von einem Auswahlmenü. Mit dem Finger wechselte Mariku zwischen den Menüpunkten, bis er fand was er suchte: Kleidung für kaltes Wetter. Ein Untermenü öffnete sich und er wählte Schnee aus. Ein Ladebalken erschien und Mariku wippte unruhig mit dem Fuß. Ein leiser Signalton war zu hören, als der Ladebalken 100% erreichte. Mariku öffnete den Verschluss unter dem Display mit einem Fingertippen. Seine Tasche war mit Pullovern, Socken, Handschuhen und Mützen gefüllt. Mindestens die Hälfte der Sachen war noch brandneu. Mariku schmunzelte. Seine Mutter hatte es wirklich gut mit ihm gemeint. Wenigstens hatte sie an alles gedacht. Der Gedanke an seine Mutter verpasste ihm einen kleinen Stich. Er vermisste sie und den Rest seiner Familie.
Er holte einen neuen Pullover heraus und warf ihn Malik, gefolgt von einer Hose, zu. „Die Sachen sind ganz neu.“
Malik schob sie mit missbilligendem Blick von sich. „Ich brauch das nicht!“
Mariku rollte mit den Augen. „Jetzt nimm schon. Sieh es einfach als…“, er suchte nach dem richtigen Wort, „Ehrdarbietung an.“ Malik sagte etwas in seiner zischenden Sprache und weigerte sich weiterhin sich umzuziehen. „Jammer aber nicht rum, wenn dich friert.“ Er wusste noch nicht mal, ob Kälte Malik überhaupt etwas anhaben konnte.

„Kommt ihr jetzt endlich?“, hallte Ryous Stimme durch den Flur. Mariku seufzte. Er zog sich einen Pullover über und ließ die Tür aufgleiten. Malik folgte ihm schweigend.
Ryou warf ihnen einen kurzen, angewiderten Blick zu, dann wandte er sich an den Rest seines Teams und Bakura. Honda war ebenfalls dabei. Es schien ihm wieder besser zu gehen, zumindest sah man ihm nicht mehr an, dass es ihm noch vor ein paar Stunden Dank den Trodectans mehr als nur schlecht gegangen war. „Anzu du bleibst auf alle Fälle hier. Du würdest da draußen keine fünf Sekunden überleben. Jou, ich will, dass du auch hier bleibst. Schaut nach, ob ihr irgendwelche Fehlerquellen im Inneren von Amane finden könnt.“ Er sah kurz zu Honda und ließ seinen Blick dann weiter zu Bakura wandern. „Kälte macht dir nicht so viel aus, oder?“
Bakura schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich. Trotzdem hätt ich gern was Warmes zum Anziehen.“
„Keine Sorge.“ Er drehte sich zu Mariku und Malik um und sah sie lange an. „Ihr kommt mit.“
„Nein“, widersprach Malik zischend.
„Oh doch, ich lass dich nicht hier“, erwiderte Ryou kühl.
„Ich kann auf ihn aufpassen“, bot Mariku an. Er wollte nicht, dass die Situation eskalierte.
„Du?“ Ryou schien kurz davor in Gelächter auszubrechen. „Ein Fingerschnipsen von ihm und du tust doch alles was er sagt.“ Er sah Mariku abschätzig an. „Ich vertraue dir genauso wenig wie ihm.“ Mariku öffnete den Mund, doch er wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Er machte einen Ansatz um Ryou zu widersprechen, doch der ließ es gar nicht erst dazu kommen. „Ihr bekommt spezielle Kleidung, damit ihr mir da draußen nicht erfriert.“ Er grinste Malik an, was dazu führte, dass dieser seinen Körper anspannte.
„Ich geh nicht raus, Sklave.“
„Oh, doch.“
Malik schnaubte. „Was willst du tun, mich zwingen?“ Ein Grinsen legte sich auf Maliks Lippen und diesmal war es Ryou, der seinen Körper anspannte.
„Malik bitte…“ Der Rest von Marikus Satz ging in einem Schmerzensschrei unter, als Malik ihn an der verwundeten Schulter packte und zudrückte. Mariku sank auf die Knie. Er schaffte es nicht mal den rechten Arm zu heben um Malik wegzuschieben. Der Schmerz war höllisch.
„Pass auf, was du sagst, Abschaum“, fauchte Malik ihn an. Die Anwesenden beobachteten die Szene, doch niemand schritt ein.
„Du wirst dieses Schiff verlassen und entweder ist es mit uns und du kriegst ebenfalls die spezielle Kleidung oder Honda wird dich rauswerfen und du wirst elendig erfrieren, klar?“

Malik sah von Ryou zu Honda und verengte die Augen zu Schlitzen. Er stieß eine Reihe von Zischlauten aus, dann ließ er Mariku los und dieser sank keuchend nach vorne.
„Vielleicht solltest du dir trotzdem noch etwas Wärmeres anziehen, nur zur Sicherheit.“ Ryou genoss es sichtlich, dass er Malik teilweise in der Hand hatte.
Bebend drehte sich Malik um und stampfte zu Marikus Kabine zurück. Mariku setzte sich auf und stützte sich an der Wand ab, während er versuchte wieder auf die Beine zu kommen. Er konnte kaum einen Schritt vor den anderen setzen. Er hörte Ryou leise lachen und biss die Zähne zusammen.

„Was sollte das?“, fuhr er Malik an, als er in der Kabine war. Der Schmerz machte ihn wütend. Malik wirbelte herum und schlug mit seinen Krallen nach Mariku. Nur durch Glück schaffte es dieser rechtzeitig auszuweichen. Malik erwischte nur den Pullover und hinterließ vier lange Risse darin. Der Stoff um die Löcher verfärbte sich dunkel und Mariku zog scharf Luft ein. Es war Maliks Gift, das den Stoff tränkte. Mariku schluckte. Hätte er es nicht geschafft auszuweichen, dann wäre er jetzt tot.
Malik wandte sich wieder ab und stützte sich mit beiden Händen auf dem Tisch ab. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm, doch Mariku war zu wütend auf ihn, um sich darum zu kümmern. Nach der letzten Nacht hatte er gehofft, dass sich Malik etwas öffnen würde, doch er war wieder zurück bei seiner arroganten, überheblichen Art. Mariku zog den kaputten Pullover aus und warf ihn in die Ecke, dann packte er die Kleidung, die er zuvor Malik angeboten hatte und drückte sie ihm gegen die Brust. „Jetzt zieh das endlich an!“
Malik hielt die Klamotten fest, sah jedoch nicht auf. Sein Unterkiefer war angespannt. Mariku holte sich einen neuen Pullover aus seiner Tasche, sowie ein paar dicke Socken.

Die Tür glitt auf und Bakura trat ein. Er vermied es Mariku anzusehen. „Hier sind eure Anzüge.“
„Bakura…“
„Beeilt euch.“ Und damit war er auch schon wieder weg. Mariku starrte auf die geschlossene Tür. Großartig, war jetzt jeder gegen ihn? Er fuhr sich durch die Haare und ließ sich aufs Bett sinken. Wieso machte er nur alles falsch?
Malik bewegte sich und Mariku sah wieder auf. Er beobachtete ihn dabei, wie er sich sein Shirt auszog und zog überrascht die Augenbrauen nach oben, als er die Narben auf seinem Rücken sah. Sie hoben sich weiß von seiner dunklen Haut ab und zogen sich sogar über die Schuppen. „Woher hast du die Narben?“ Malik zog sich schnell den Pullover über den Kopf und verdeckte sie wieder. „Sind es Kampfnarben?“
Malik schlug die Ärmel etwas zurück. Der Pullover passte ihm zwar, doch die Ärmel waren etwas zu lang. „Ja“, antwortete er schließlich zögernd. Mariku wusste, dass er log. Seine Reaktion war deutlich genug gewesen. Außerdem hätte er Kampnarben sicher mit Stolz getragen. Woher hatte er die Narben wirklich? Mariku hatte sie nur kurz gesehen, doch sie waren lang gewesen und hatten sich über seinen ganzen Rücken erstreckt. Er sah zu seinem kaputten Pullover. Lange weiße Narben wie Kratzwunden. Er sah wieder zu Malik auf, der sich die Hosenbeine hochkrempelte. Misshandlung? Er würde keine Antwort kriegen, wenn er ihn fragte und er hatte es nicht verdient, dass er sich überhaupt Sorgen machte. Seine Schulter pochte.

Malik griff nach der speziellen Kleidung, die Bakura gebracht hatte. Sein Gesicht war eine stoische Maske.
Mariku stemmte sich wieder hoch und zog sich ebenfalls die andere Kleidung über. Sie war schwerer als gewöhnliche Klamotten und er begann sofort zu schwitzen. Er stieß hörbar Luft aus. „Ich fühl mich wie ein Yeti“, murmelte er. Zusammen mit Malik verließ er sein Zimmer. In der Hand hielt er eine Schutzbrille und eine schwarze Stoffmaske, die die Augen freiließ. Malik hatte die Maske schon auf und die Brille auf seiner Stirn.
Als sie die anderen erreichten, verstummte deren Gespräch und ihre Blicke richteten sich auf sie. „Gut, da wir jetzt vollständig sind, können wir ja aufbrechen.“ Ryou zog sich die Maske über den Kopf.
„Laufen wir wieder planlos durch die Gegend?“, fragte Mariku und zog sich ebenfalls die Maske über.
„Nein, wir haben einen Scan durchgeführt“ Ryou justierte seine Brille. „Einen halben Tagesmarsch von hier gibt es eine Ansammlung von Lebewesen.“
„Die uns fressen werden?“
Ryou schnaubte. „Nein.“ Er wandte sich von Mariku ab und öffnete die Tür des Raumschiffs. Mariku sah zu Malik, der stur geradeaus blickte. Honda war der einzige, der keine Schutzkleidung trug. Sein Körper glühte jedoch noch kräftiger, als Mariku es bisher gesehen hatte.

Trotz der speziellen Kleidung spürte Mariku wie die Kälte biss. Er legte die Arme um sich selbst und stapfte hinter den anderen her durch den hüfthohen Schnee. Honda machte ihnen einen Weg frei, doch der Schnee fiel so schnell, dass es kaum einen Nutzen hatte. Ein heftiger Wind zerrte an ihrer Kleidung und wirbelte den Schnee auf. Es war unmöglich weiter als ein paar Schritte zu sehen. Malik hielt sich nah bei Mariku, den Blick nach unten gerichtet.
Schweigend stapften sie durch den Schnee und Mariku rieb sich unaufhörlich über die Arme. Er war in einem sonnigen Land aufgewachsen, Schnee hatte er bisher immer nur von Bildern gekannt. Und es wäre ihm lieber, wenn sich das nie geändert hätte. Selbst durch die Brille bildeten sich kleine Eiskristalle auf seinen Wimpern. Es fühlte sich wie ein Eisklotz. Bakura, Honda und Ryou jedoch schien die Kälte eher nichts auszumachen. Malik dagegen schien am meisten zu leiden. Er ging leicht vornüber gebeugt, sein Atem war auf dem Brillenglas zu sehen. Seine Schritte hatten sich verlangsamt und er schien Probleme zu haben überhaupt weiter zu gehen.
„Bist du in Ordnung?“, fragte Mariku. Leichte Besorgnis schwang in seiner Stimme mit. Es fiel ihm schwer noch wütend auf Malik zu sein.
„Lass mich in Ruhe.“ Malik wollte ihn wegstoßen, doch er hatte keine Kraft dazu. Selbst seine Stimme klang, als würde ihn Sprechen anstrengen. Malik blieb kurz stehen, schüttelte den Kopf und ging dann weiter.
Mariku sah nach vorne. Noch konnte er Ryou und die anderen erkennen, doch sie würden sie aus den Augen verlieren, wenn Malik sich nicht beeilte. „Wartet!“, rief er ihnen hinterher und er musste zugeben, er war überrascht, dass sie wirklich stehen blieben. Zumindest konnten sie jetzt wieder zu ihnen aufholen. Trotzdem ging es Malik nicht besser. „Bitte“, Mariku wandte sich an Ryou, „lass ihn zurückgehen. Die Kälte tut ihm nicht gut.“
„Misch dich nicht ein, Made!“, fauchte Malik ihn an, doch taumelte schon im nächsten Augenblick. Reflexartig stützte er sich bei Mariku ab, zog die Hand aber schnell wieder zurück.
„Wir gehen weiter.“ Ryou drehte sich um, doch Mariku packte ihn an der Schulter.
„Er steht das nicht durch!“
Er konnte nur Ryous Augen sehen, doch es war ausreichend um zu erahnen, wie sein Gesichtsausdruck aussah. „Ich weiß.“ Das Grinsen war regelrecht in seiner Stimme zu hören.
„Du… weißt?“, wiederholte Mariku ungläubig und ließ die Hand sinken.
„Ich kann ihn vielleicht nicht selbst töten, aber ich kann zusehen, wie ihn die Kälte zugrunde richtet.“
„Das ist grausam!“
„Das ist Gerechtigkeit!

Malik brach zusammen. Er fiel zwischen Mariku und Ryou in den Schnee. „Malik!“ Mariku ließ sich auf die Knie fallen und drehte Malik auf den Rücken. Maliks Augen waren geschlossen und seine Atmung nur schwach.
„Lass ihn liegen und verrecken.“
Mariku richtete sich wieder auf. „Du bist nicht besser als er!“
Ryou verzog vor Wut das Gesicht, auch wenn Mariku nur die Augenpartie sehen konnte. „Was weißt du schon, du dummer Mensch?“ Er schrie Mariku an, seine Stimme wurde durch den Stoff gedämpft. „Du hast keine Ahnung, was ich durchgemacht habe!“
„Das stimmt, aber es gibt dir nicht das Recht über sein Leben oder seinen Tod zu entscheiden! Du hasst die Notechis so sehr und doch verhältst du dich genau wie sie!“
Ryou bebte. „Weißt du, wer sein Vater ist?“ Er deutete auf Malik. „Ishtar. Allein der Name reicht aus um mir Angst zu machen. Die Notechis waren grausam, ja, aber für General Ishtar musste man das Wort ganz neu definieren! Und ich werde es so sehr genießen seinen Sohn hier elendig verrecken zu sehen!“
Mariku schlug zu, bevor er weiter darüber nachgedacht hatte. Er stürzte sich auf Ryou und sie fielen gemeinsam in den Schnee. Mariku ließ seinen Frust an Ryou aus und hörte erst auf, auf ihn einzuschlagen, als Bakura ihn von Ryou herunterzog. Er wehrte sich nicht gegen Bakuras Griff.
„Beruhig dich, verdammt!“

Das Blut auf Ryous Federn gefror fast sofort. Seine Brille war verrutscht und das Glas hatte einen Sprung. „Du kannst gerne mit ihm zusammen verrecken!“, fauchte er Mariku an. Mariku hatte sich wieder neben Malik gekniet und versuchte ihn aufzuwecken. „Wir gehen weiter.“ Doch Bakura rührte sich ebenfalls nicht. „Du auch noch?“
Bakura seufzte. „Es ist nur…“ Er fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. „Wir können Mariku nicht einfach hier lassen.“
„Er hat sich entschieden.“
„Aber… Mariku, was machst du da?“
Mariku hatte begonnen seine Jacke aufzuknöpfen. „Ich werde ihn warm halten, ganz einfach.“
„Bist du verrückt? Du wirst erfrieren!“
Ryou rollte mit den Augen. „Ich sagte doch, dass er ein dummer Mensch ist.“
Mariku bereute es sofort, als er die Jacke auszog, doch es gab kein Zurück. Er würde nicht zulassen, dass Malik erfror. Er zitterte heftig, als er Malik zusätzlich in seine Jacke wickelte und hochhob. Er presste ihn an sich und versuchte die Kälte zu ignorieren, die sich ihren Weg unter seine normale Kleidung suchte. Er fühlte sich, als hätte er nur ein dünnes Hemd an.
„Geh wenigstens neben Honda“, schlug Bakura vor.
„Nein“, widersprach Mariku und schüttelte den Kopf. Er klapperte mit den Zähnen.
„Sei doch kein Idiot. Du erfrierst!“
„Würde doch niemanden stören.“ Mariku wusste, dass sein Trotz unangebracht war, aber er wollte einfach nichts mehr mit Ryou und dessen Leuten zu tun haben.
„Aber wenn du stirbst, dann stirbt auch Malik und Ryou kriegt was er will.“ Diesmal zeigten Bakuras Worte Wirkung. Mariku schloss zu Honda auf, doch dieser verzog nur das Gesicht. Er sah zu Ryou, welcher erst mit den Schultern zuckte und dann nickte.

Die Kälte schien ihn regelrecht aufzufressen. Obwohl seine Beine, seine Hände und sein Kopf immer noch geschützt waren, hätte er genauso gut nackt sein können. Er zitterte am ganzen Leib und spürte, wie die Muskeln bei jedem Schritt zuckten. Er krallte sich regelrecht an den bewusstlosen Malik in seinen Armen. Von Hondas Wärme merkte er kaum etwas, doch sie war im Moment wohl das einzige, das verhinderte, dass er erfror. Seine Arme waren schwer von Maliks Gewicht, doch er dachte keine Sekunde daran ihn loszulassen und er würde auch keinesfalls um eine Pause bitten. Mariku biss die Zähne zusammen. Er würde nicht aufgeben. Er würde Malik und sich selbst lebendig aus dieser Sache raus bringen und Ryou nicht die Befriedigung geben, auf die er aus war.

Plötzlich bebte die Erde; oder es war vielmehr so, als würde sie sich bewegen. Mariku war nicht der einzige, der das Gleichgewicht verlor. Er erwartete eine weiche Landung, doch er schlug auf hartem Felsboden auf. Schmerz schoss durch seinen Körper. Instinktiv drückte er Malik an sich.
Der Boden türmte sich vor ihnen auf und… brüllte? Das Wesen hatte blauglühende Augen und ein Maul so groß, dass es sie alle mit einem Happs verschlucken konnte. So viel zum Thema niemand würde sie fressen.
Als Mariku versuchte sich aufzurappeln, rutschte er weg. Seine Schulter strafte ihn für die Anstrengung. Er fluchte. Das Monster sah aus, wie eine Schlange aus Eis und Stein. Ryou und Honda hatten Waffen gezogen und Ryou rief Befehle, doch das Wesen wirbelte den Schnee auf und versperrte die Sicht. Der Boden vibrierte regelrecht, als es sich durch den Schnee bewegte. Mariku blieb auf dem Boden sitzen und sah sich hektisch um. Von welcher Seite aus würde es angreifen?
„All die Aufregung kostet mich mindestens hundert Jahre meines Lebens“, fluchte Bakura.
„Halt’s Maul!“, fuhr Ryou ihn an. „Kannst du nicht einmal still sein?“
„Aber nur, weil du mich so nett darum bittest, Schätzchen.“

Ihr kleiner Streit wurde von einem ohrenbetäubenden Brüllen unterbrochen, als das Monster wieder aus dem Schnee auftauchte. Mariku schätze seine Größe auf mindestens fünf Meter. Zumindest den Teil, den er sehen konnte.
Würde er einmal auf einem fremdem Planeten landen können, ohne in Lebensgefahr zu geraten?
Plötzlich flog ein Haken auf das Monster zu und bohrte sich in dessen eisige Haut. Laute Stimmen waren zu hören. Sie brüllten und klangen für Mariku wie Affen. Sie schienen aus allen Richtungen zu kommen. Das Monster wand sich und versuchte den Haken abzuschütteln, doch immer mehr bohrten sich in seinen Körper.
Etwas lief an Mariku vorbei, doch es war zu schnell um etwas zu erkennen. Erst als sich ihre Retter –zumindest hoffte Mariku, dass sie das waren- am Körper des Eiswesens nach oben hangelten, konnte Mariku ein bisschen etwas erkennen. Und mehr als ein bisschen, war es auch nicht. Die Wesen waren grau-weiß und verschmolzen fast vollständig mit ihrer Umgebung, selbst auf dem Körper des Eismonsters waren sie kaum zu erkennen.
Das Wesen brüllte und versuchte seine Angreifer abzuschütteln. Es wankte gefährlich und Mariku hievte sich schwerfällig hoch. Er hatte Malik dafür kurz ablegen müssen, doch er hob ihn wieder hoch, kaum stand er auf den Beinen. Er kam zwar noch mal ins Taumeln und seine Schulter dankte ihm die Belastung mit Schmerz, doch er biss die Zähne zusammen.

Er war keine Sekunde zu früh aufgestanden, denn ein Felsbrocken krachte auf die Stelle, wo er eben noch gesessen hatte. Die Kreatur brüllte auf. Noch mehr Schnee wurde aufgebwirbelt und versperrte Mariku die Sicht.
Plötzlich wurde er von den Füßen gerissen. Er krachte gegen etwas oder jemanden und der Hitze nach zu urteilen, war es Honda. Mariku schrie auf und war zum ersten Mal froh über den Schnee um sie herum. Er linderte den Schmerz für einen Augenblick, nur um dann selbst zum Schmerz zu werden. Hondas Haut hatte ein Loch in Marikus Pullover gebrannt und die Kälte griff die nackte Haut unbarmherzig an. Mariku hatte Probleme überhaupt noch aufrecht zu stehen. Es war ein Riss in seiner Brille.
Die Erde bebte, als das Monster auf den Boden krachte und sich nicht mehr rührte. Als sich der Schnee wieder legte, versuchte Mariku sich zu orientieren. Er wusste, das Honda ganz in seiner Nähe war, doch wo waren Ryou und Bakura? Er sah sich um, doch er konnte die beiden nirgends entdecken.

„Bakura?“, rief er. „Ryou?“ Honda tauchte neben ihm auf und stimmte in das Rufen mit ein. „Bakura?! Ryou?!“
Ein Arm tauchte aus dem Schnee auf und Honda rannte darauf zu. Der Schnee schmolz und Bakura kam zum Vorschein. Er hatte seine Brille verloren und die Maske war zerrissen. Er hustete und spuckte Schnee aus. Er zog Ryou, den er an der Hand hielt, aus dem Schnee. Ryous Jacke war zerrissen und er hatte einige Schnitte davongetragen. Nichts sah nach einer ernsthaften Verletzung aus. Das Blut war bereits gefroren. „Den Kleinen hat’s umgehauen.“ Bakura wischte sich über den Mund. „Oh“, Bakura sah auf, „wir haben Besuch.“
Mariku folgte seinem Blick. Um sie herum, auf dem Schnee, standen Wesen, nicht größer als ein Menschenkind und mit grau-weißen Haaren, die sie wie ein Mantel einhüllten. Ihre Gesichter wirkten eingedrückt und sie hatten keine Nase, dafür einen breiten Mund und kleine blassblaue Augen.
Mariku konnte nicht fassen, dass so kleine Wesen diese Eisschlange zu Fall hatten bringen können.

„Gäste“, sagte eines der Wesen plötzlich mit einer Stimme, wie tief aus einer Höhle. Mariku rechnete schon fast mit einem Echo.
Honda trat vor. Da Ryou ohnmächtig war, hatte er jetzt das Kommando, doch Mariku ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Wir brauchen Hilfe! Wir haben Verletzte und sie brauchen Wärme.“ Honda warf Mariku einen missbilligenden Blick zu, doch Mariku ignorierte es. Er hatte keine Zeit für Diplomatie. Er musste Malik in die Wärme schaffen oder er würde früher oder später sterben.
Der Sprecher der Schneealiens sah von Malik zu Ryou und nickte dann. „Wärme“, wiederholte er. „Mitkommen.“


Nivtas war der Name der kleinen, haarigen Aliens und ihr Dorf bestand, wie es zu erwarten war, aus Eis. Die Gebäude erinnerten Mariku an Iglus, doch sie hatten abstrakte Formen und wirkten befremdlich auf ihn. Er fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken daran, dass er eines der Häuser betreten musste. Die Nivtas hatten ihnen Wärme versprochen und das war alles, was für Mariku im Moment zählte.
Ryou war wieder aufgewacht, doch er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Auch wenn er sich anfangs dagegen gesträubt hatte, ließ er zu, dass Bakura ihn stützte. Bakura hatte vorgeschlagen ihn weiter zu tragen, doch das hatte Ryou strikt abgelehnt.
„Wärme“, erklärte der Anführer der Nivtas-Gruppe und winkte Mariku zu sich. „Wärme“, wiederholte er und deutete auf die Eingangstür.
„Danke“, flüsterte Mariku mit klappernden Zähnen. Er musste sich ducken um durch die Tür zu kommen. Kaum war er im Inneren, war es, als würden sich Nadeln in seine Haut bohren. Trotzdem war es ein angenehmes Gefühl.

Mariku hatte erwartet, dass auch die Möbel aus Eis waren, doch das spärliche Mobiliar war aus dunklem, fast schwarzem Holz. Eine Treppe führte nach unten in die Erde, doch Mariku kümmerte sich nicht darum. Ihn interessierte viel mehr das blaue Feuer, das in der Mitte des Raumes brannte. Er legte Malik so nah wie möglich daneben und zog ihm die Brille und Maske vom Kopf. „Malik?“, fragte er, doch er erhielt keine Antwort. Er streckte die Hand aus und hoffte für einen Moment, dass Maliks Arm nach oben schoss und ihn packte, doch nichts passierte. Mariku versuchte seinen Puls zu fühlen, doch er fand keinen. Panisch tastete er an Maliks Hals entlang, dann beugte er sich nach unten und seufzte erleichtert, als er Maliks schwachen Atem auf seiner Wange spürte. Er ließ sich zurücksinken und rieb sich über die Arme. Sein Körper zitterte immer noch, aber zumindest fühlte er sich nicht mehr, als würde er jeden Moment zusammenbrechen.
Er strich Malik über die Wange. Seine Haut war eiskalt. Mariku gähnte. Er war erschöpft und die Wärme begann ihn schläfrig zu machen. Er rieb sich über die Augen und hielt seine Hände gegen die Flamme. Sein Körper begann wieder aufzutauen, doch der Schmerz in seinem Rücken ließ nicht nach. Er hatte das Pech wirklich gepachtet. Eine neue Verletzung auf seiner Liste. Wie lange würde es noch dauern, bis er irgendein Körperteil verlor?

Malik und er waren allein. Die Anderen sprachen mit den Nivtas, in der Hoffnung, dass diese ihnen helfen konnten das Schiff zu reparieren. Mariku seufzte. Er wollte, dass diese Reise endlich vorbei war. Er sah zu Malik. Er hätte sich so viel Ärger ersparen können, wenn er damals einfach die Klappe gehalten hätte. Er strich Malik wieder über die Wange. Zumindest fühlte sich seine Haut langsam wieder warm an. Was war es nur, dass ihn zu Malik hinzog? Er war nicht in ihn verliebt, zumindest fühlte er sich nicht so. Er hatte kein Kribbeln im Bauch und sein Herz schlug auch nicht schneller, wenn er ihn ansah. Er hatte kein Bedürfnis ihn zu küssen oder ähnliches und trotzdem kam er auch nicht von ihm los. Seufzend ließ sich Mariku wieder zurücksinken und schoss sofort wieder in die Höhe, als sein Rücken den Boden berührte. Er hatte die Wunden auf seinem Rücken schon wieder vergessen gehabt. „Verdammt“, murmelte er. „Warum ausgerechnet ich?“

„Weil du ein Idiot bist“, sagte plötzlich eine leise Stimme. „Ein dummer, dummer Idiot.“
„Malik! Du bist wach!“ Mariku rutschte neben ihn. „Wie fühlst du dich?“
„Ich lebe“, stellte Malik trocken fest.
„Ja.“
„Warum?“ Mariku wusste nicht, was er auf diese Frage antworten sollte. Malik sah ihn an. „Weil du den Helden gespielt hast.“
„Ich… nein… es ist nur…“, stammelte Mariku. Er räusperte sich. „Ich konnte dich nicht sterben lassen.“
„Wieso nicht? Es hätte dir viel Ärger erspart.“
„Was kümmert dich das?“ Er klang wütender als er war.
Malik schmunzelte und schloss die Augen. „Stimmt. Es kümmert mich nicht.“
„Was sollte übrigens der Scheiß im Schiff? Das tat verdammt weh!“
Malik öffnete die Augen wieder. „Das sollte es auch, Idiot.“

Schweigen kehrte zwischen den beiden Männern ein. Mit Malik zu reden hatte sowieso keinen Sinn. Vielleicht hätte er ihn wirklich nicht retten sollen. Er sah Malik an, der seinen Blick auf das blaue Feuer gerichtet hatte. War er wirklich ein Idiot? Oh ja, und was für einer.
Seufzend stand Mariku auf, Maliks Blick folgte ihm. Er trat an die Tür und wäre fast mit einem der Nivtas zusammengestoßen. Das kleine Wesen stieß einen hellen, überraschten Laut aus. „Oh, tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken.“
„Essen“, sagte der Nivtas und hielt Mariku ein Holzgefäß entgegen. „Essen“, wiederholte es, als Mariku keine Anstalten machte das Gefäß zu nehmen.
Erst jetzt reagierte Mariku. Das Holzgefäß war angenehm warm und er stellte es neben Malik. Malik setzte sich auf und beobachtete wie Mariku den Deckel abnahm und eine dampfende Suppe zum Vorschein kam. Zwei Holzlöffel steckten an der Seite.
Die Suppe schmeckte nach Erde, aber für Mariku war es ein wahres Festessen. Sie wärmte ihn von innen heraus und sämtliche Anspannung schien von ihm abzufallen. Wenn jetzt auch noch die Schmerzen verschwinden würden, dann würde er sich wirklich glücklich schätzen. Aber die Schmerzen blieben und erinnerten ihn hartnäckig daran, was für ein Idiot er doch war.

Malik ließ den Löffel in die Suppe fallen und zog Marikus Mantel höher. Mariku verdrehte die Augen und fischte den Löffel aus der Suppe. Er befestigte ihn wieder am Rand des Topfes.
Kaum hatte er aufgegessen, tauchten wieder zwei Nivtas auf. Gemeinsam trugen sie einen Pelz, wie Mariku vermutete. Die Farbe war grellblau und passte so gar nicht in die tristen Farben, die dieser Planet sonst zu bieten hatte.
„Für Freund“, sagte einer der Nivtas und deutete auf Malik. „Warm.“
„Ähm, vielen Dank“, murmelte Mariku und nahm ihnen den Pelz ab. Sie nickten synchron, dann schnappte sich einer den leeren Topf und sie trugen ihn hinaus. Er hielt Malik den Pelz hin.
Malik rümpfte die Nase, dann schob er Marikus Jacke von sich und wickelte sich stattdessen in den Pilz. Sein Gesichtsausdruck änderte sich und wurde etwas sanfter. Scheinbar hielt ihn der Pelz wirklich besser warm, als die Jacken, die Ryou ihnen gegeben hatte.

Bakura betrat das Haus, blieb jedoch an der Tür stehen. „Die Nivtas helfen uns. Wir gehen zurück. Ihr kommt besser, oder Ryou lässt euch hier.“
Mariku griff nach seiner Jacke und zog sie an. Er zog scharf Luft ein, als der Stoff seine Wunden auf dem Rücken berührte. Malik ging an ihm vorbei. Er hatte die Mütze wieder auf und trug seine Brille und würdigte Mariku keines Blickes.
Nur ungern trat Mariku wieder in die Kälte. Die Wärme verschwand sofort und es war, als wäre sie nie dagewesen. Eine Gruppe Nivtas stand neben Ryou. Eine Art Schlitten stand hinter ihnen und ein großes Tier, eine Mischung aus Bär und Pinguin, wie Mariku fand, war davor gespannt. Sein Fell war grellblau und Mariku wusste nicht, ob er es bedrohlich oder lustig finden sollte. Die kleinen Flossenfüße passten überhaupt zu dem breiten Leib des „Tieres“. Das hinderte es aber nicht daran, sich fortzubewegen. Es watschelte durch den Schnee und hinterließ eine breite Furche.

Malik ging es auf dem Rückweg besser. Er atmete zwar schwer, doch der Pelz schien die Kälte ausreichend von ihm fernzuhalten, damit er zumindest bei Bewusstsein blieb. Mariku ging trotzdem neben ihm, für den Fall, dass er wieder zusammenbrach.
Ryou ging weiter vorne und unterhielt sich mit einem der Nivtas. Mariku glaubte das zumindest. Er sah zwar, wie sich Ryous Lippen bewegten, doch er hörte keinen Laut.
Bakura ließ sich plötzlich zurückfallen und ging mit verschränkten Armen neben Mariku. Er hatte die Augen zusammengekniffen und sah auch sonst eher grimmig aus.
„Alles okay?“, wollte Mariku wissen.
Bakura grummelte etwas in seine Maske. Sie war auf der rechten Seite zerrissen und nur notdürftig mit ein paar Fäden geflickt worden. „Von ihrem Gelaber krieg ich Kopfschmerzen.“
„Wessen?“
„Ryous!“
Mariku sah zu Ryou, der immer noch die Lippen bewegte. „Ich hör nichts.“
Wieder grummelte Bakura. „Sei froh. Es ist furchtbar grell.“
Mariku hob verwundert die Augenbrauen. Die Stimmen der Nivtas waren ihm so tief vorgekommen, wie konnte es jetzt sein, dass sie sich auf einer Frequenz unterhielten, die zu hoch für Marikus Ohren war? Er schüttelte den Kopf. Aliens – er würde sie nie verstehen. Er warf einen kurzen Blick zu Malik, der in dem Pelz fast ertrank, weil er so groß war. Mariku seufzte.

Zurück beim Schiff schickte Ryou sie ins Innere und Mariku kam der Aufforderung nur zu gerne nach. Er zog sich Brille und Maske vom Kopf und legte sie auf den Tisch. Die Jacke ließ er einfach auf den Boden fallen. Er öffnete die Schranktür und drehte dem Spiegel an der Innenseite der Tür den Rücken zu. Über die Schulter hinweg betrachtete Mariku seinen Rücken und wünschte sich schon im nächsten Augenblick es nicht getan zu haben. Die Haut war aufgeplatzt und das Fleisch darunter schimmerte feucht.
Mariku versuchte seinen Pullover auszuziehen, doch gab bei dem Versuch nur einen wimmernden Laut von sich. Mit einem Fluch auf den Lippen ließ er sich auf die Matratze sinken, auf der Malik saß und immer noch in den blauen Pelz gewickelt war. Mariku atmete tief durch. Seine Hände zitterten.

Die Matratze bewegte sich, doch Mariku machte sich nicht die Mühe sich zu Malik umzudrehen. „Halt still“, murmelte Malik und das Nächste, was Mariku hörte, war ein Reißen. Er hätte ja gerne einen zweideutigen Kommentar dazu abgegeben, dass Malik schon wieder einen seiner Pullover zerriss, aber er war zu erschöpft.
Die Fetzen fielen auf den Boden und Malik rutschte wieder an die Wand zurück und verschwand unter dem Pelz.
Nur einen Augenblick später kam Bakura in den Raum; den Erste-Hilfe-Kasten unter dem Arm. „Du hast echt ein Talent dafür, dich fast umzubringen, was?“
„Irgendwas muss ich ja können“, erwiderte Mariku seufzend und setzte sich auf den Stuhl am Tisch, seinen Rücken Bakura zugewandt.
„Oh, das sieht böse aus.“ Bakura stellte die Box auf den Tisch und nahm eine Spraydose heraus. „Das wird brennen.“
Mariku schrie auf. Wäre er nicht schon gesessen, wäre er wohl in die Knie gegangen. Sein Rücken stand in Flammen und er wischte sich über die Augen.
„Es überrascht mich, dass du hier bist.“
Bakura seufzte. „Ich hab nichts gegen dich und eigentlich kann ich dich auch ganz gut leiden, aber deine Prioritäten kann ich wirklich nicht nachvollziehen.“ Sie sahen beide zu Malik. „Sobald wir wieder auf Kurs sind, wird er vor Gericht stehen und dass es auf eine Hinrichtung hinausläuft, kann ich dir jetzt schon sagen. Du kannst ihn nicht immer retten.“
„Ich will ihn nicht retten“, widersprach Mariku. „Ich bin nur der Meinung, dass bei seiner Vergangenheit mehr Leute ein Anrecht darauf haben ihn sterben zu sehen, als nur Ryou allein.“
„Das ist… unerwartet grausam…“ Mariku antwortete nichts. Er hatte nicht vor Maliks Verhalten in irgendeiner Weise in Schutz zu nehmen. Erst recht nicht seine Vergangenheit. „Wirst du dabei sein?“
Mariku schüttelte den Kopf. Sein Blick war immer noch auf den blauen Pelz gerichtet. Er würde nicht zusehen, wie sie Malik verurteilten. Am Ende würde er nur wieder seine Klappe nicht halten können.

„Hier.“ Bakura hielt Mariku ein kleines Gummiteil vor sein Gesicht.
Mariku nahm es ihm verwirrt ab. „Was soll ich damit?“
„Fest draufbeißen. Das wird jetzt gleich wehtun und du würdest dir wünschen, du wärst tot.“ Mariku sah über die Schulter zu Bakura hoch, der ihn angrinste. Mit einem flauen Gefühl im Magen schob sich Mariku das Gummistück in den Mund.
Sein Schrei wurde gedämpft. Er krallte sich im Stoff seiner Hose fest. Der Schmerz jagte ihm die Tränen in die Augen. Mit einer Pinzette zog Bakura den eingebrannten Stoff aus seiner Wunde und der Schmerz war mit nichts zu vergleichen, was Mariku bisher erlebt hatte. Hätte man ihm gesagt, dass Bakura die Haut von seinem Rücken schälte, Mariku hätte es sofort geglaubt. Seine Zähne gruben sich tief in den Gummi und Tränen tropften auf seine zitternden Hände.
„Versuch nicht ohnmächtig zu werden.“
Mariku konnte nichts antworteten. Er atmete schwer und der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er schluchzte unterdrückt. Inzwischen krallte er sich an die Tischkante. Seine Fingerknöchel standen weiß hervor.

„Ich denke, das war alles.“ Doch Mariku hörte Bakuras Worte nicht. Mit der Stirn sank er auf die Tischplatte und mit weit aufgerissenen Augen starrte er nach unten auf den Boden. „Außerdem sind das jetzt die letzten Bandagen, also bitte keine Verletzungen mehr.“ Bakura stellte einen Metallbehälter vor Mariku. „Trink das. Es hilft gegen die Schmerzen.“
Mit zittrigen Händen griff Mariku danach. Der Deckel fiel ihm aus der Hand und er schüttete den Behälter fast aus. Gierig trank er den Inhalt und kümmerte sich nicht darum, dass ein Teil über sein Kinn nach unten tropfte.
„Ruh dich aus.“
Mariku nickte schwach.

Er blieb noch einige Minuten sitzen, nachdem Bakura gegangen war, dann stand er auf, nur um gleich wieder auf den Stuhl zurückzusinken. Er legte den Kopf zurück.
Mariku atmete tief durch und wagte noch einen Versuch. Er wankte und stützte sich auf den Tisch ab. Er war froh, dass das Bett nicht so weit entfernt war. Er legte sich auf den Bauch und kümmerte sich nicht darum, wie viel Platz er brauchte. Die Schmerzen hatten ihn ausgelaugt und er wollte nur noch seine Ruhe.
Malik rührte sich. Mariku hatte gedacht, er wäre eingeschlafen, weil er sich nicht zu seinen Aussagen geäußert hatte, als er mit Bakura über ihn gesprochen hatte, doch scheinbar hatte er sich geirrt.
Malik kam aus seinem Pelzkokon, zumindest sein Kopf. Er hatte zwar die Brille abgenommen, trug aber immer noch die Maske. „Ist dir immer noch kalt?“ Malik schüttelte den Kopf. Er war überraschend wortkarg, wenn sie alleine waren. Malik zog sich die Maske vom Kopf und warf sie auf den Boden. Seinen Bewegungen nach zu schließen entledigte er sich auch seiner Jacke und der Hose unter dem Pelz.
Mariku schloss seine Augen. Er konnte sie einfach nicht mehr länger offen halten. „Ich hoffe, der nächste Planet ist weniger kalt“, murmelte er.
„Nein“, antwortete Malik. „Wir fliegen nach Abulu; es ist sehr heiß dort. Die Nivtas haben nicht die Mittel, das Schiff zu reparieren, doch sie sorgen immerhin dafür, dass wir hier wegkommen.“ Er machte eine kurze Pause. „In Abulu werden sie euch sagen, wo ihr seid.“
„Ihr mit eurem Supergehör.“ Mariku seufzte. Plötzlich legte sich etwas Warmes über ihn und er öffnete verwundert die Augen. Malik hatte seinen Pelz über sie beide ausgebreitet. Mariku brachte ein kleines Lächeln zustande.

Bald würden sie endlich aus dieser Galaxie verschwinden und er wieder nach Hause reisen. Er sah Malik an, der sich neben ihm zusammengerollt hatte. Und Malik würde hingerichtet werden und sein Zuhause nie wieder sehen…

Fortsetzung folgt...
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