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Nach den Weihnachtstagen stand auch schon wieder Silvester auf dem Programm. Die Weihnachtsdekoration verschwand so plötzlich, wie sie gekommen war und machte Blüten und Kieferzweigen Platz.

„Bakura, pass doch auf“, fluchte Malik, nachdem er fast von dem Stuhl gefallen war, auf dem er stand. Bakura und er brachten ihr Zimmer für das neue Jahr auf Vordermann. Zuhause hatte sich Malik immer vor dem Putzen gedrückt, aber hier entkam er nicht. Es war Pflicht für diejenigen, die während der Ferien in der Schule blieben.
Bakura schrubbte den Boden, während er sich um den Staub auf und in den Schränken kümmerte. Es war kalt im Zimmer, denn das Fenster stand offen um die abgestandene Luft loszuwerden.
„Mecker nicht, beeil dich lieber“, maulte Bakura. Er mochte das Putzen nicht und war damit lieber so schnell wie möglich fertig. Zumindest war er dieses Jahr nicht allein für sein Zimmer verantwortlich. Mariku drückte sich bestimmt wieder und ließ Ryou die ganze Arbeit machen.
„Wir wären schon längst fertig, wenn du heute Morgen nicht so lange gebraucht hättest!“, fauchte Malik zurück.
„Bin ich jetzt Schuld?“
„Ja!“ Malik warf seinen Lappen nach Bakura, doch dieser wich aus.
„Na warte, du!“ Er zog Malik von seinem Stuhl, wobei dieser versuchte sich festzuhalten. Er erwischte aber nur den Griff des Wassereimers. Mit einem lauten Platsch leerte sich dieser über die beiden Jungen aus. Prustend und tropfend saßen Bakura und Malik auf dem Boden. Bakura strich sich die Haare aus dem Gesicht. „Hast du wirklich super gemacht. Schau dir diese Sauerei an!“
„Das ist doch alles deine schuld!“ Malik zupfte an seinem nassen Pullover. Grummelnd zog er ihn sich über den Kopf. Selbst seine Hose war nass und seine Socken erst recht. Seufzend öffnete Malik den Knopf seiner Hose. Auch Bakura hatte begonnen sich der nassen Kleidung zu entledigen.

„Komm ich grad ungelegen?“, wollte Mariku grinsend wissen, als er das Zimmer betrat und Malik und Bakura halbnackt vorfand.
„Malik ist ein Idiot“, grummelte Bakura nur und verzog sich ins Badezimmer.
„Bakura ein noch viel größerer“, erklärte Malik und warf seinen Pullover in den Wäschekorb. „Sieh dir die Sauerei an. Man! Und wir waren fast fertig, jetzt können wir noch mal durchwischen. Was willst du eigentlich hier?“
„Ryou hat mich rausgeschmissen. Er sagt, ich mache nur mehr Chaos, als das ich ihm helfen würde.“
„Bakura macht auch nur Chaos.“
„Du hast den Eimer ausgeschüttet!“, kam es aus dem Bad.
„Du hast mich vom Stuhl gezogen“, erwiderte Malik. Er zog sich einen frischen Pullover über den Kopf. Mit den noch nassen Socken an den Füßen stellte er den Eimer wieder auf und sammelte den Putzlappen ein. „Wenn du mir nicht helfen willst, dann verzieh dich!“, schnauzte er Mariku an und wedelte mit dem Wischmopp. Schmunzelnd ließ Mariku Malik und Bakura wieder allein.

Ziellos streifte er durchs Gebäude. Ihm war so langweilig wie schon lange nicht mehr und niemand war bereit ihn zu unterhalten. Ryou putzte, Malik putzte und sein Verhältnis zu Bakura war auch schon mal besser gewesen. Mariku seufzte. Es lastete schwer auf ihm, denn Bakura war der erste Freund gewesen, den er jemals gehabt hatte. Im Gemeinschaftsraum zog er einen der Sessel bis ans Fenster, setzte sich und legte die Füße aufs Fensterbrett. Es schneite mal wieder. Normalerweise dachte er nur selten über die Vergangenheit nach. Er mochte sie nicht. Seine Kindheit war zweifelhaft gewesen. Es war ihm zwar nicht sehr schlecht ergangen, aber es war trotzdem keine Kindheit gewesen, an die man sich gerne erinnerte und die eine Zukunft für ihn bereitgestellt hätte. Erst hier im Internat war es mit seinem Leben bergauf gegangen und man hatte ihm eine Perspektive gegeben. Bakura war ihm immer eine Stütze gewesen. Sie hatten viel gemeinsam durchgemacht und Bakura hatte immer zu ihm gestanden. Dass sich ihre Freundschaft so verschlechtert hatte tat ihm weh. Er wollte seinen besten Freund zurück. Mariku schloss die Augen und erinnerte sich zurück; zurück an den Tag an dem er sich vorgenommen hatte, den schweigsamen Jungen mit den traurigen, braunen Augen zum Sprechen zu bringen:


„Mariku! Bleib sofort stehen!“, keuchte Sora O’Kashi. Sie war die Chefköchin im Internat und hatte gerade den elfjährigen Mariku dabei erwischt, wie er einige Tafeln Schokolade aus der Küche hatte mitgehen lassen. Seitdem jagte sie den Jungen über das Gelände um ihm die Schokolade wieder abzunehmen, doch Mariku war flinker und hatte eine bessere Ausdauer als die mollige Köchin. Sie stemmte die Hände in die Seiten und versuchte wieder neuen Atem zu schöpfen. „Ich bin zu alt für so was.“ Mariku streckte ihr die Zunge raus und steckte sich grinsend ein Stück Schokolade in den Mund. „Du kleines Biest!“ Mariku war erst seit wenigen Monaten auf dem Internat und hatte schon mehr Ärger gestiftet, als die älteren Schüler zusammen.

Erst letzte Woche hatte er sich eine Schlägerei mit drei Mitschülern geliefert, die fast drei Jahre älter waren als er selbst. Überraschenderweise war Mariku nur mit einem blauen Auge davongekommen, wohingegen die anderen Schüler teilweise sogar genäht werden mussten. Mariku hatte eine unglaubliche Kraft, konnte aber nicht mit ihr umgehen. Er war leicht zu provozieren und nur sehr schwer wieder zu beruhigen. Sora wollte gar nicht daran denken, wie stark er in ein paar Jahren wäre.
„Ich kann nicht mehr“, kapitulierte sie schließlich und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Du hast gewonnen. Behalt die Schokolade.“ Mariku lachte und verschwand aus dem Sichtfeld der Köchin.

Mariku trottete über das Gelände und genoss den kühlen Wind auf seinem Gesicht. Der Herbst stand vor der Tür und die Blätter der Bäume nahmen schon eine bräunliche Farbe an. Mariku war zufrieden mit sich selbst und seiner Ausbeute. Er summte leise vor sich hin, während er sich die Schokolade auf der Zunge zergehen ließ.

Ein großer Ahornbaum türmte sich vor Mariku auf und er sah nach oben. Mit der Hand musste er seine Augen vor der Sonne abschirmen, während er beobachtete wie die goldgefärbten Blätter in Richtung Boden segelten. Zumindest bis seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt wurde. Zwischen dem herbstlichen Braun entdeckte er etwas Schneeweißes. Neugierig näherte sich Mariku der Person, die zwischen den großen Wurzeln an den Baum gelehnt saß, und deren Haarschopf weiß war, wie frisch gefallener Schnee. Der Junge hatte ihn noch nicht bemerkt, sondern starrte einfach geradeaus und schien in einer ganz anderen Welt zu sein.
„Hey du!“, sprach Mariku ihn an und setzte sich neben ihn. Der Junge reagierte nicht. „Hallo? Jemand zuhause?“ Wieder keine Reaktion. „Kannst du mich verstehen?“, fragte Mariku sehr langsam und betonte dabei jedes Wort, doch auch das brachte nichts. „Du bist ja nicht sehr gesprächig.“ Mariku folgte seinem Blick, doch er konnte nichts Spannendes entdecken. „Ich heiße Mariku und wer bist du? Bist du neu? Ich hab dich hier vorher noch nie gesehen, aber ich bin auch noch nicht solange hier.“

Der Junge mit den schneeweißen Haaren antwortete auf keine seiner Fragen und deutete auch mit keinerlei Zeichen an, dass er ihn überhaupt gehört hatte. „Bist du vielleicht taub?“ Mariku berührte mit seiner Hand leicht die Schulter des fremden Jungen und es folgte eine Reaktion, die Mariku nicht erwartet hätte: der andere Junge begann wie am Spieß zu schreien und wild um sich zu schlagen. Vor Schreck rutschte Mariku schnell von ihm weg und schürfte sich dabei das Knie auf. Nachdem er aufgehört hatte zu schreien, sah der Junge ihn mit vor Panik geweiteten Augen an. Er zitterte am ganzen Leib und es standen Tränen in seinen Augen.

„Sag mal, spinnst du?!“, rief Mariku aufgebracht und wischte sich mit Spucke über das verletzte Knie. Doch statt einer Antwort, drehte sich der andere Junge nur um und rannte davon. Mariku rappelte sich auf und folgte ihm. Sein Knie schmerzte, weshalb er nicht so schnell laufen konnte, aber der andere war auch nicht sonderlich schnell. Außerdem machte es seine Haarfarbe leichter ihn zu entdeckten. Er hatte sich in den Büschen verkrochen und weinte. „Hey, ich tu dir nichts, okay? Komm doch raus.“ Mariku setzte sich auf den Boden, da der Junge scheinbar nicht gewillt war sein Versteck zwischen den Blättern zu verlassen. Inzwischen war Marikus Neugier geweckt. Wer war dieser Junge? Und warum verhielt er sich so seltsam? „Du bist echt ein komischer Kauz und auch ganz schön unfreundlich. Hat dir deine Mama denn nie beigebracht, dass man Fremden gegenüber freundlich sein muss? Zumindest solange sie bezahlen.“ Er lachte über seinen eigenen Satz, doch der Junge schluchzte nur noch mehr. „Was gibt’s denn da zu heulen? Mama hat immer gesagt, Männer dürfen nicht heulen. Oder hast du keine Mama mehr? Weißt du, meine war auch nie wirklich für mich da, aber da waren noch andere Frauen, die waren schon cool und haben mir immer Süßigkeiten gegeben“, plapperte Mariku einfach darauf los.

Eigentlich erzählte er nur ungern von der Zeit, die er bei seiner Mutter verbracht hatte. Auch wenn es ihm nie schlecht ergangen war, so würden ihm die Dinge, die er schon im jungen Alter gesehen hatte für immer im Gedächtnis bleiben. Er hatte gehört, dass es nicht gut für ein Kind war so etwas zu sehen, aber verstanden hatte er es nicht. Der fremde Junge schien jedoch etwas Schreckliches durchgemacht zu haben und Mariku versuchte ihn mit seinen Worten zu animieren von sich zu erzählen, doch der Junge sagte weiterhin kein Wort, sondern schluchzte nur.
Mariku merkte, dass er so nicht weiterkam und stand wieder auf. Er putzte sich Blätter und Nadeln von der Hose. „Hier“, er legte eine Tafel Schokolade auf den Boden, „die ist für dich, kannst sie ruhig essen. Ist echt lecker.“ Dann drehte er sich um und ließ den Jungen mit den schneeweißen Haaren und traurigen Augen wieder alleine.


Summend saß Mariku auf dem Stuhl in der Küche und beobachtete Sora O’Kashi dabei, wie sie das Abendessen zubereitete. Es waren noch zwei weitere Köche anwesend, doch Mariku mochte sie nicht sonderlich. Die Küche war sein Lieblingsort und die Köchin seine einzige Freundin im Internat. Mit seinen Mitschülern hatte er sich nicht anfreunden können; sie mieden den Kontakt zu ihm und schienen richtig Angst zu haben. Mariku hatte sich schnell zum Außenseiter entwickelt und deshalb hatte er Zuflucht in der Küche gefunden. Der Zutritt war den Schülern eigentlich nicht gestattet, doch Köchin O’Kashi machte eine Ausnahme für Mariku.

„Mariku, hast du deine Tabletten schon genommen?“
„Ja“, antwortete Mariku abwesend und spielte mit zwei Löffeln. Im Fernsehen hatte er mal gesehen, wie sie ein Mann allein durch Gedankenkraft verbogen hatte, doch bei ihm wollte das irgendwie nicht klappen.
„Mariku“, sagte Sora eindringlich, denn sie glaubte ihm nicht.
„Ja, schon gut“, seufzte Mariku und legte die Löffel beiseite. „Ich nehm sie ja schon.“ Die Köchin beobachtete wie Mariku einen kleinen Plastikbehälter aus der Hosentasche nahm, öffnete und einen Teil des Inhalts auf dem Tisch ausschüttete. Lustlos sah er die Tabletten an. Er mochte sie nicht und verstand nicht, wieso er sie nehmen musste. Er fühlte sich nie anders.
„Na los.“ Sora stellte ihm ein Glas Wasser auf den Tisch und achtete darauf, dass Mariku seine Medikamente schluckte. Sie hielten ihn und seine extremen Stimmungsschwankungen unter Kontrolle.
„Frau O’Kashi?“ Er ließ den Tablettenbehälter wieder in seiner Hosentasche verschwinden.
„Ja, mein Junge?“
„Wer ist der Neue? Er ist in meine Klasse gekommen, aber er sagt gar nichts und der Direktor hat gesagt, wir dürfen ihn nicht anfassen. Wieso? Ich versteh das nicht.“
„Du meinst Bakura?“ Mariku nickte. Bakura war am nächsten Tag in seine Klasse gekommen und der Direktor hatte eine kleine Ansprache gehalten und ihnen regelrecht verboten Bakura zu nahe zu kommen. Er brauche Zeit um sich an Menschen zu gewöhnen, hatte er gesagt, doch Mariku hatte das nicht verstanden. Seine Mitschüler mieden Bakura, wie sie es auch bei Mariku taten, doch Mariku hatte sich in den Kopf gesetzt, dem schweigsamen Jungen ein Wort zu entlocken. „Weißt du Mariku, das ist wirklich sehr kompliziert mit ihm. Er hat ganz schlimme Sachen erlebt, wirklich ganz, ganz schlimm.“
„Und deshalb sollen wir ihn nicht anfassen?“
Die Köchin nickte. Sie versuchte die richtigen Worte zu finden um Bakuras Situation zu beschreiben, doch es war schwierig. „Das wäre nicht gut für ihn. Er war lange Zeit ganz allein und hat noch Angst bei so vielen Menschen. Er braucht Zeit um sich daran zu gewöhnen.“ Den Schülern gegenüber war natürlich nicht erwähnt worden, was der wahre Grund von Bakuras Angst vor Menschen war, auch wenn sie sich vorstellen konnte, dass zumindest die älteren Schüler etwas ahnten.

„Mir ist das egal!“ Mariku hatte die Unterlippe vorgeschoben und die Arme vor der Brust verschränkt. „Jeder behandelt ihn als wäre er krank und sie gehen ihm aus dem Weg. Ich find das nicht in Ordnung! Er bestimmt voll nett. Wenn sonst keiner sein Freund sein will, dann werde ich halt sein Freund!“
Sora lächelte. Marikus Worte waren voller Enthusiasmus, sodass er es vielleicht wirklich schaffte, Bakuras Mauer zu zerbrechen. Im Grunde war Mariku ein lieber Junge, wäre da nicht die Krankheit, die sein Wesen so verändern konnte. „Aber geh es langsam an, okay?“ Mariku nickte und seine Augen glänzten. Voller Tatendrang rannte er aus der Küche.


„Weißt du“, fing Mariku an und zerbiss ein Stück Schokolade, „du kannst nicht ewig nichts sagen. Vielleicht rostet dann deine Stimme ein und du kannst gar nicht mehr reden, willst du denn, dass das passiert?“ Mariku sah zur Seite, doch Bakura reagierte nicht. Mariku seufzte. „Du bist echt schwierig.“ Seit einer Woche versuchte er nun Bakura ein Wort oder eine Reaktion zu entlocken, doch er schwieg beharrlich und schien nicht einmal zu bemerken, dass Mariku mit ihm sprach, geschweige denn, dass er überhaupt neben ihm saß. Jeden Tag nach dem Unterricht zog sich Bakura unter die Bäume zurück, außer der Direktor holte ihn ab. Dann fuhren sie zusammen weg und kamen erst am Abend zurück. Mariku hatte versucht herauszufinden wohin sie fuhren, doch niemand wollte es ihm verraten.

Bakura lebte in seiner ganz eigenen Welt, in der er sich vor dem versteckte, was ihm in dieser Welt Angst machte. Er war völlig apathisch und Mariku mochte die Traurigkeit in seinen Augen nicht. Er wollte, dass Bakura lachte und glücklich war. Jeder hatte doch irgendeinen Grund um glücklich zu sein. Mariku waren ein paar Gerüchte zu Ohren gekommen, doch er wollte sie nicht hören. Gerüchte entsprachen nie der Wahrheit, doch was er gehörte hatte, hatte ihm die Nackenhaare aufgestellt. Er wollte es nicht glauben. Er hatte Frau O’Kashi gefragt und sie hatte gesagt, er solle den anderen Mitschülern nicht zuhören, es würde nicht stimmen, doch etwas in ihrem Blick hatte ihm deutlich gemacht, dass sie ihn anlog. Mariku biss sich auf die Unterlippe. Plötzlich schmeckte die Schokolade nicht mehr und er spuckte sie aus. Wenn es stimmte, dann war es nicht verwunderlich, das Bakura vor seinen Augen zerbrach. Er zerfiel innerlich, doch Mariku wollte das verhindern. Er wollte Bakuras Freund werden. Sein bester Freund. Er wollte ihn zum Lachen bringen.


Schweigend saß Mariku neben Bakura. Seit einem knappen Monat lief es schon so, dass Mariku nicht mehr mit Bakura sprach. Er hatte sich gedacht, wenn Bakura nicht gewillt war mit ihm zu reden, dann würde auch Mariku nicht mit Bakura sprechen. Vielleicht war ja Schweigen der Schlüssel zum Erfolg. Auch wenn es Mariku schwer fiel. Er war es nicht gewohnt, lange Zeit still zu sitzen oder zu schweigen, doch für Bakura gab es sich Mühe. Jedoch schlief er dadurch schlecht und verbachte den Großteil der Nacht damit auf und ab zu gehen um seine aufgestaute Energie loszuwerden. Der wenige Schlaf machte ihn wiederum aggressiv, sodass er schon wieder zwei blaue Augen und eine aufgeplatzte Lippe hatte. Auf das eine blaue Auge war er jedoch sehr stolz. Er hatte sich bei einer Prügelei mit einem Schüler der Abschlussklasse zugezogen, als dieser versucht hatte, sich an Bakura vorbei zu drängeln. Da Bakura bei jeder noch so kleinen Berührung ausflippte, versuchte Mariku mit allen Mitteln dies zu verhindern. Er wollte nicht, dass sich Bakura noch mehr in sich zurückzog.

Mariku unterdrückte ein Gähnen und rieb unruhig seine Füße aneinander. Er hätte nie gedacht, dass ruhig sitzen so anstrengend war. Er hatte in der letzten Nacht wieder kaum geschlafen und so fielen ihm jetzt immer wieder die Augen zu. Außerdem hatte er auch erst vor Kurzem seine Tabletten genommen, die ihm zwar anfangs einen kleinen Energieschub gaben, ihn anschließend aber sehr müde machten. Mariku konnte sein Gähnen nicht länger unterdrücken.

Als er plötzlich eine Berührung an seiner Schulter spürte, schreckte er auf. Mit aufgerissenen Augen sah er auf Bakura hinunter, dessen Kopf gegen seine Schulter gesunken war. Marikus Herz schlug plötzlich ganz schnell. Es war Bakuras erste freiwillige Berührung. Zuerst dachte Mariku, er wäre eingeschlafen und träumte nur, doch als Bakura auch noch vorsichtig seine Hand berührte, war ihm klar, dass er wach war.
„Bakura?“, fragte er leise und der Angesprochene sah zu ihm auf. Er sprach immer noch kein Wort, doch sein Blick wirkte lebendiger und war auf Mariku fokussiert. Dadurch ermutigt drückte er sanft Bakuras Hand. Er war nervös. War er jetzt endlich zu Bakura durchgedrungen? Hatte er es geschafft?
„Mariku“, flüsterte Bakura so leise, dass selbst Mariku es kaum verstand. Ein Lächeln der Erleichterung legte sich auf Marikus Lippen. Am liebsten wäre er vor Freude aufgesprungen.
„Keine Sorge“, er drückte noch einmal Bakuras Hand, „ich bin jetzt für dich da.“


„Mariku?“ Mariku schreckte hoch und sah sich verwirrt um.
„Bakura?“, fragte er verschlafen, doch gleich darauf bemerkte er, dass es Ryou war. „Oh Ryou, du bist es.“ Mariku rieb sich die Augen. „Was gibt’s?“
Ryou setzte sich in den Stuhl, der neben Marikus stand. „Es gibt gleich Abendessen. Hast du geschlafen?“
Mariku sah aus dem Fenster. Inzwischen war es dunkel geworden. „Ein bisschen“, antwortete er gähnend. Er bemerkte, dass Ryou nervös war. „Was ist?“
„Ich... ich werde mit Bakura reden“, antwortete Ryou und rieb unruhig seine Hände. Seit Weihnachten hatte er die Klinge nicht mehr angesetzt. Es war ihm anfangs sehr schwer gefallen und er hatte das Messer oft in der Hand gehabt, doch er hatte es geschafft sich keine neuen Wunden mehr zuzufügen. Wenn er in Gedanken war, tendierte er dazu sich die alten aufzukratzen, weshalb er die letzten Tage Bandagen getragen hatte. Seit heute versuchte er es ohne. Mariku prüfte jeden Tag seine Arme und hatte ihm sogar gesagt, dass er stolz auf ihn war. Noch nie hatte jemand das zu Ryou gesagt.
„Das freut mich. Ich hoffe nur, Bakura benimmt sich nicht wieder wie der totale Vollidiot.“ Mariku stand auf und streckte sich. Sein Magen knurrte.
„Danke Mariku“, sagte Ryou leise und sah auf seine Knie.
Mariku winkte gähnend ab. „Kein Problem. Lass uns essen gehen, ich hab echt Kohldampf.“


Nach dem Abendessen zog Bakura Mariku zur Seite um mit ihm zu reden. „Ich mach mir Sorgen um dich.“
Mariku hob erstaunt die Augenbrauen. „Wieso das?“
„Naja, du gehst mit Malik Schlittschuhlaufen und machst dich dabei nicht einmal an ihn ran. Du verstehst dich mit Ryou, wohingegen wir...“ Bakura sah zur Seite. „Ich hab das Gefühl dich gar nicht mehr zu kennen.“
Erschrocken sah Mariku seinen Freund an. „Sag doch so was nicht. Du bist mein bester Freund.“
„Malik sagt, du bist vernünftig. Du warst noch nie vernünftig! Du kümmerst dich um Ryou, willst, dass er und ich miteinander reden. Du hast dir noch nie Gedanken um andere gemacht.“
„Du warst mir immer wichtig. Damals als wir uns kennen gelernt haben, hab ich alles getan um dich zu unterstützen.“
„Aber es gab immer einen Nebeneffekt. Wie oft hast du dich geprügelt? Wie viele Nächste hast du durchschlafen können?“ Mariku presste die Lippen aufeinander. „Ich hab Angst, dass das nur die Ruhe vor dem Sturm ist.“
„Vielleicht bin ich ja jetzt endlich gesund?“ Doch Mariku hatte selbst nicht viel Hoffnung. Er war unheilbar. Erst jetzt, da Bakura es ansprach, wurden ihm seine Veränderungen wirklich bewusst und es machte ihm selbst Angst. Es brauchte nur einen Funken um seine Krankheit wieder auszulösen. Er umarmte Bakura. „Egal was passiert“, flüsterte er „du bist mein bester Freund.“

Fortsetzung folgt...
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